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Donnerstag, 14. Juni 2012

"Bekannte und unbekannte Unbekannte"

Sie sind die grösste Gefahr für den Plan jedes Unternehmens und jeder Gesellschaft: die sogenannten «Unknown Unknowns», Dinge, von denen wir nicht einmal wissen, dass wir sie nicht wissen. Die neue Ausgabe des renommierten und immer wieder interessanten und herausfordernden  Wissensmagazins “GDIImpuls“ widmet sich deshalb der Zukunft der Planung.

Die neuste Ausgabe von GDI-Impuls widmet sich unter anderem der
Planungssicherheit im digitalen Zeitalter.
Wo die Planbarkeit sinkt, wächst die Trauerarbeit. Gerade auf die Energiebranche trifft das besonders zu. Anja Dilk und Heike Littger beschreiben in ihrem GDI-Impuls- Beitrag, wie schwer sich die Stromkonzerne mit dem Ende der Ära der Grosskraftwerke tun, das in Fukushima eingeläutet wurde. Statt von Planwirtschaft auf eine marktwirtschaftliche Nachfragesteuerung umzuschalten, versuchen sie meist schlicht, sich Umstellungs-Zeit zu erkaufen.
Lösungsansätze zeigen sich dagegen beim Militär, das seit den Anschlägen vom 11. September 2001 mit den «Unkown Unknowns» asymmetrischer Konflikte umgehen muss. Alexander Ross zeigt in seinem Artikel, dass dabei nur wenig auf High-Tech und Strukturen vertraut wird: Im Ernstfall komme es auf robuste Technik und vernetzte Menschen an.
Einen genau entgegengesetzten Ansatz verfolgt ein Forschungsprojekt an der ETH Zürich. Bei «FuturICT» geht es darum, mithilfe von Supercomputern eine Art Weltsimulator zu entwerfen, der frühzeitig Krisen und Chancen erkennen kann. Projektleiter Dirk Helbing: “In der Medizin wird alles endlos getestet, bevor es auf die Menschheit losgelassen wird. Bei Finanzprodukten ist das aber nicht der Fall. Das Gleiche gilt für die möglichen Implikationen von politischen Massnahmen, etwa wie man die Probleme Griechenlands am besten bewältigt.“
David Graeber schliesslich, Anthropologe und Mitbegründer der Occupy-Bewegung, braucht dafür keinen Supercomputer. Er fordert einen breit angelegten Schuldenerlass biblischen Ausmasses, um ein Auseinanderbrechen unserer Gesellschaften zu verhindern.
Die Herausgeber von GDI Impuls, das Gottlieb Duttweiler Institute, bezeichnen das Magazin als “obligatorische Lektüre für Manager und Politiker“. Wir würden sogar noch etwas weiter gehen: Auch andere Berufsgruppen, zum Beispiel Journalisten oder Banker könnten von einem Wissenstransfer profitieren. Der Begriff der “unknown Unknowns“ wurde übrigens durch den früheren amerikanischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bekannt gemacht – der dafür auch ungerechtfertigten Spott einstecken musste, vor allem von den Medien und selbst ernannten Sprachwächtern, denen die Erklärung scheinbar schlicht zu kompliziert war. Rumsfeld sagte damals:
“There are known knowns; there are things we know that we know.
There are known unknowns; that is to say there are things that, we now know we don't know.
But there are also unknown unknowns – there are things we do not know, we don't know.” 
Was in etwa heisst:
“Es gibt bekannte Bekannte, es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie wissen. Wir wissen auch, dass es bekannte Unbekannte gibt, das heisst wir wissen, es gibt einige Dinge die wir nicht wissen. Aber es gibt auch unbekannte Unbekannte - es gibt Dinge, von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen.“ 

Mittwoch, 4. April 2012

"The Mensch is the Message"

Könnte es sein, dass wir bei all dem Wirbel um die digitalen Social Networks den Mensch aus den Augen verloren haben? Eine Reihe von Autoren im renommierten Wissensmagazin «GDI Impuls» bejaht diese Frage. Ökonomisch relevant sei das Soziale nicht digital, sondern als Verbindung zu real existierenden Menschen in einer real existierenden Welt. «The Mensch Is the Message» steht deshalb auf dem Cover des Magazins. Hier also wieder mal eine Empfehlung für das neue «GDI Impuls» des Gottlieb Duttweiler Instituts – für alle, die intelligenten Lesestoff lieben!

«Digitales Networking hilft. Analoges Beziehungsmanagement entscheidet», schreibt zum Beispiel Peer-Arne Böttcher. Der Gründer des «Business Club Hamburg» weist in seinem Beitrag auf die Schwächen von Online-Netzwerken beim Übergang von Kommunikation zu Transaktion hin und fasst unsere eigenen Facebook-Erfahrungen in einen präzisen Satz:
«Wenn Beziehungen Wert schöpfen sollen, wird digital allein niemals reichen.» Ohne Verankerung und Pflege in der Offline-Welt «virtualisieren sich Beziehungen in die Bedeutungslosigkeit».
Ein weiteres Thema, das im neuen Magazin anmgesprochen wird: Wier schlau ist sie denn nun wirklich, die Masse? 
Wo liegen die Grenzen sozialer Netzwerke in der digitalen Welt: Wann entwickeln Schwärme Intelligenz und wann genau das Gegenteil?  So entrinnen wie der Dummheit der vielen: Ein Vorschlag von MIT-Ingenieur Josef Oehmen, dessen privates Mail zu Fukushima weite Verbreitung fand.
Eine faszinierende Parallele zwischen Evolutionstheorie und Marketingpraxis zieht der britische Ethnologe Daniel Miller: Marken können demnach ähnliche evolutionäre Anpassungen durchlaufen wie die Darwinfinken der Galápagos-Inseln: Wandern sie einmal auf eine neue Insel aus, finden sie eine bisher unbesetzte Nische und passen sich ihr an. So versinnbildlicht Coca-Cola auf der Karibikinsel Trinidad eher den Widerstand gegen US-amerikanische Kultur als deren Akzeptanz oder Annahme.

Mittwoch, 3. August 2011

Digitalsphäre gegen Privatsphäre

Wer besitzt Ihre persönlichen Daten? Ihre Krankenkasse, Ihr Grossverteiler, Facebook – Google und viele mehr. Und alle verdienen sie damit Geld. Nur Sie nicht.

Was heute stattfindet, ist eine Social-Data-Revolution: Mit jedem Klick auf unsern Tablets, Smartphones und Computern wird unser Lebens komplexer und die Angst vor dem Verlust der Privatsphäre grösser. Alles, was wir tun, verwandelt sich in Daten – jede Handlung, jedes Gespräch, jede Bewegung, jede Interaktion. Die Daten, die Nutzer erzeugen, sind der Rohstoff und die Währung der Wirtschaft und Gesellschaft von morgen. Die Daten werden genutzt, um zu erforschen, wie Menschen und Märkte funktionieren, um neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, um das Leben einfacher und sicherer und schliesslich die ganze Welt intelligenter zu machen.
Datenschützer rufen nach Verboten, nur: Wer möchte denn noch auf Google, Amazon, Facebook und Co. verzichten?
Das GDI Gottlieb Duttweiler Institute zeigt nun in seiner neu erschienenen Studie "Das Zeitalter der Transparenz", wie die zunehmende Verdatung unseres Lebens nicht nur unsere Privatheit grundlegend verändert, sondern auch unser Verhältnis zu Staat, Unternehmen und Freunden - und wo darin die Chancen für uns liegen. Die Studie erklärt, - warum unsere privaten Daten zum neuen Rohstoff für die Wirtschaft werden; - dass ein neuer Umgang mit unsern Daten Not tut; - wie erste Möglichkeiten aussehen, die eigenen Daten gewinnbringend zu kontrollieren.
In der digitalen Ökonomie sind Daten ein Zahlungsmittel. Den Anbietern zeigen sie, wie Menschen und Märkte funktionieren. Jeder Klick im Internet macht Ihre digitale Persönlichkeit wertvoller - und davon sollten Sie, laut der neuen Studie, profitieren können. Zitat:
"Die Aggregation unserer Daten lässt sich nicht aufhalten, die Verdatung des Lebens steht erst am Anfang. Doch wir wollen die Hoheit über die daraus gewonnenen Erkenntnisse: selber bestimmen, wer von uns welche Daten sehen darf und zu welchen Bedingungen. Wir brauchen daher einen “New Privacy Deal“, bei dem nicht die Anbieter über unsere Daten verfügen, sondern wir selber. Der amerikanische Vordenker Doc Searls entwickelt an der Harvard-University «Vendor Relationship Management» (VRM), ein System, mit dem wir unsere Daten selber verwalten können - Kundenbefreiung statt Kundenbindung. Das dient letztlich auch den Anbietern, denn im neuen Informations-Ökosystem ist ein freier Konsument wertvoller als ein abhängiger. Die wichtigsten Voraussetzungen für Erfolg in der Social Data Revolution sind: Transparenz, Wahlfreiheit, ein klarer Mehrwert und Kontrolle für den Nutzer."
Eine Zusammenfassung der Sudie kann hier heruntergeladen werden.
Die ganze Arbeit ist hier erhältlich.

Montag, 27. September 2010

Der Point of Sale verlässt den Laden

Ein Laden mit Geschichte: Galleries Laffayette in Paris.

Der stationäre Einzelhandel verschiebt sich Richtung Online. Das wissen wir schon seit längerem, aber es ist immer noch nicht ganz absehbar, wie sich dieser machtvolle Trend auf die Zukunft von herkömmlichen Fachmärkten, Shopping-Centers oder Tante-Emma-Läden auswirken wird Das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) hat in einer neuen Studie mit dem Titel ’The Story of Unstoring’ untersucht, wieso der Point of Sale den Laden verlässt und sich die ganze Welt in eine riesige Verkaufsfläche verwandelt..

«Unstoring» bedeutet eine Entwicklung, die den klassischen Händler umgeht - eine Entwicklung, die den herkömmlichen Laden durchaus überflüssig machen könnte. Denn: Digitale Techniken wachsen zunehmend in die physische Realität hinein, die beiden Universen verschmelzen. Die Geschichte des Einkaufs wird dadurch neu geschrieben, und zwar am Laden vorbei. Bereits wird die Welt des Ladens neu erdacht und umgesetzt, wenn Online-Händler danach streben, in der richtigen Welt eine Präsenz zu errichten, wenn sich herkömmliche stationäre Formate von der Einkaufsstrasse verabschieden und stattdessen nur noch im Cyberspace siedeln, oder wenn sich Verkaufsformen zu sogenannt hyperlokalen Modellen vermischen. Wohl wird der Mensch immer ein dem Geruch- und Gehörsinn verhafteter Konsument und ein Herdentier bleiben. Doch er will auch die Neuerungen nutzen, die ihm internetbasierte Technik bietet: Preise schon zu Hause vergleichen. Produkte visualisieren und auf individuelle Vorlieben hin anpassen. Folgekosten durchrechnen, Servicepläne checken, Erfahrungen und Meinungen anderer Konsumenten einholen.
Die neue GDI-Studie analysiert dieses Phänomen und beschreibt es mit zahlreichen Beispielen und skizziert den Detailhandel der Zukunft.
Eine Zusammenfassung der GDI-Studie findet sich hier (pdf, 8 Seiten).
Bestellt werden kann die Studie hier.

Dienstag, 29. Juni 2010

Das Leben der App-Generation

Suchen Sie nach interessantem Lesestoff für einen entspannten Sommernachmittag? Die neuste Ausgabe von ’GDI Impuls’, dem Magazin des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) befasst sich unter anderen Themen mit dem sozialen und technischen Umfeld der ’Generation App’. Deren Lebensgefühl wird sich massiv auf kommende Marketingstrategien auswirken.

“Gestern wusste ich noch nicht, was eine App ist, und heute habe ich 850 Apps auf meinem Handy“, könnte man in Abänderung eines alten Witzes sagen. Apps auf dem Smart-Phone sind für die aufwachsende Internet-Generation so selbstverständlich wie Bücher in der Bibliothek für die vordigitalen Leser waren. Das hat Folgen für das gesellschaftliche Verhalten.
Wer mit der Erfahrung aufwächst, dass es für jedes Bedürfnis ein massgeschneidertes Programm gibt, entwickelt ein neues Lebensgefühl, dass sich durch eine immer grössere Unverbindlichkeit auszeichnet. Niemand ist mehr auf jemanden angewiesen - man verlässt sich darauf, dass es für jedes Bedürfnis eine App gibt. Man muss nicht einmal mehr wissen, was man überhaupt will, lässt sich vielmehr schlicht durchs Leben leiten. Das hat Konsequenzen für das Marketing: Die Generation App kann mit keiner Botschaft erreicht werden, weil sie nicht mehr zuhört. Marken müssen die Botschaften der Menschen aufnehmen und vermitteln.
Wer mehr zu diesem Thema erfahren will, kann die aktuelle Ausgabe von ’GDI Impuls’ hier bestellen. Unter anderem analysiert das Magazin das soziale und technische Umfeld dieser App-Generation, die mit einer exponentiell wachsenden Quantität an Social Data, und der daraus erwachsenden neuen Qualität der Beziehungen zu leben hat. Das hat nicht nur persönliche Folgen: Aus der neuen Beziehungsökonomie ergeben sich auch neue Perspektiven für das Verhältnis zwischen Unternehmen und Konsumenten.

Mittwoch, 24. März 2010

Geld verdienen in der "Freeconomy"

Es ist noch nicht so lange her, da bestimmte der Preis eines Produktes dessen Wert – oder wie die Amerikaner sagten: “You get what you pay for“. Diese Zeiten scheinen endgültig vorbei zu sein. Im digitalen Zeitalter sind viele Dienstleistungen und auch Produkte völlig gratis und trotzdem nicht schlecht. Wie kann man in diesem Umfeld, der sogenannten “Freeconomy“, trotzdem noch Geld verdienen?

Die Kostenlos-Mentalität hat gesiegt. Der für ältere Generationen noch völlig selbstverständliche Gedanke, dass es zwischen dem Preis eines Produkts und seinem Wert einen engen Zusammenhang gibt, hat sich, gerade bei der jungen Generation, total verflüchtigt. Vieles, was für sie im Leben wirklich wichtig ist, zum Beispiel Musik, Videos oder Facebook, bekommen sie völlig kostenlos. Vielen Branchen scheint damit, früher oder später, das Schicksal bevorzustehen, das die Musikindustrie an den Rand des Untergangs gebracht hat. Trotzdem gibt es Firmen, die geradezu grossartig beweisen, wie auch in diesem Umfeld enorm viel Geld verdient werden kann. Zum Beispiel Google. Die Firma wird immer reicher und erfolgreicher, obwohl sie den Kosnumenten eine breite Auswahl an Dienstleistungen völlig umsonst anbietet. (Dieser Blog zum Beispiel wird auf einem Server von Google gehostet – was uns keinen Rappen kostet.)
“Die Gratis-Mentalität hat gesiegt. Höchste Zeit, daraus ein gutes Business zu machen.“
Das ist der Übertitel der neusten Ausgabe von GDI Impuls, dem Wissensmagazin für Wirtschaft, Gesellschaft und Handel, des Gottlieb Duttweiler Instituts. Zahlreiche Artikel namhafter Autoren versuchen aufzuzeigen, wie Unternehmen die Kostenlos-Falle umgehen können. Nils Winkler erklärt, wie Anbieter von Online-Spielen Gewinne machen. Annette Ehrhardt und Stefan Beeck zeigen neue Wege für das Preismanagement auf, und Anja Dilk besuchte ein erfolgreich wirtschaftendes Restaurant, in dem die Gäste selbst entscheiden, wie viel sie bezahlen. Eine Perspektive weit über die aktuelle unternehmerische Gewinn- und Verlustrechnung hinaus eröffnet der Beitrag von Michael Böhm. Er vergleicht die heutige Datenpiraterie mit dem Freibeuter-Boom des 16. und 17. Jahrhunderts, der auch als pure Gesetzlosigkeit begann und doch eine der Keimzellen des liberalen Kapitalismus darstellt. Die Freeconomy könne deshalb eines Tages ebenfalls zu einer neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung beitragen.
Das Heft erscheint viermal jährlich und kann über das GDI Gottlieb Duttweiler Institute bezogen werden. Es ist definitiv nicht Teil der beschriebenen Gratiskultur – das einzelne Heft kostet 35 Franken.
Artikelzusammenfassungen können hier gelesen werden und sind gratis.