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Sonntag, 4. September 2011

Privater e-Commerce per Kleininserat und iPhone


Für anibis.ch, das kostenlose Kleinanzeigenportal der media swiss group (und damit des Ringier Konzerns) gibt es jetzt eine iPhone-App. Der Mix von iPhone und Kleininseraten stösst bei den Usern auf grosses Interesse: Nur fünf Tage nach dem Start steht die App auf Platz zwei des gesamten Schweizer AppStore.

Shopping am iPhone über anibis.ch mit einer iApp.
Der private und mobile e-Commerce hat es in sich – Kleininserate per iPhone, die noch dazu gratis sind, versprechen eine Verkaufsplattform, die viel Aufmerksamkeit erwarten darf. Schliesslich sind das Verkaufen und vor allem das Shoppen die liebste Freizeitbeschäftigung vieler Schweizer. Kein Wunder hat die iApp für anibis.ch einen schnellen Start hingelegt.
Entwickelt wurde die iApp im Development -Zentrum Nhat Viet Group Corporation in Vietnam. Auslagerungen ins billige Asien sind bei Ringier längst zur Gewohnheit geworden. Benno Burkhardt, Chief Commercial Officer der media swiss group und Verantwortlicher der Ausland-Operationen ist sogar stolz auf diese Tatsache: Das Tempo und die Qualität der Entwicklungsarbeit des vietnamesischen Teams zeige, dass der Auslagerungsentscheid richtig gewesen sei.
Die anibis-iApp macht es möglich, direkt übers iPhone zu ineserieren, zu suchen und sogar Bilder hinzuzufügen. Mit dem iPhone aufgenomme Bilder lassen sich direkt in das Inserat einfügen. Ebenfalls mobil geworden sind für iPhone-User die wichtigsten Funktionen der Konto- und Inserateverwaltung. Die Suchergebnisse lassen sich eingrenzen, dank logischer Kategorien, Freitextsuche wie Regionen- und Umkreissuche. Suchaufträge können erfasst und persönliche Favoriten markiert werden.
Die Benutzer anderer Smartphones können weiterhin über die bisherige Mobile-Lösung sämtliche Inhalte der gesamten anibis-Plattform abrufen. Wie media swiss mitteilt, ist eine Android-App in Arbeit.
anibis.ch gehört seit dem Sommer 2009 zur media swiss group, der Betreiberin der Scout24 Marktplätze und den Directories von gate24. Die media swiss group ist zu 80 Prozent im Besitz des Ringier Konzerns. 
Dass das Unternehmen Gratisinserate per Internet anbietet - schon länger übrigens und mit grossem Erfolg - zeigt wie ein Verlag im digitalen Zeitalter mit dem digitalen Strom schwimmt, damit trotz massivem Umbruch in der Medienlandschaft Geld verdient werden kann. Ringier scheint das zu gelingen: anibis.ch wird jeden Monat von mehr als 3,5 Millionen Anwendern besucht und listet gegenwärtig rund 230'000 aktuelle Inserate. 

Die App kann unter: http://itunes.apple.com/ch/app/anibis/id444680675?l=de&mt=8 gratis heruntergeladen werden.

Mittwoch, 13. April 2011

Digitales zum Sammeln

Ringier steigt ins Tablet-Magazin-Geschäft ein. Das digitale Produkt hat einen neudeutschen Titel, der auch Programm sein soll: “the collection“ soll, wie der Name sagt, zum Sammeln anregen. Hergestellt wird das Produkt in Vietnam und in der Schweiz. Da es auch in Englisch und Chinesisch erscheint, ist das Leserpotential enorm.

Der iPad als Album: Ringiers erstes digitales Sammelstück. Es kann
als App gekauft und aufs Tablet geladen werden.
Mit digitalen Produkten ist das Verdienpotenzial sowieso gross: Wenn die Inhalte mal stehen kommt es nicht mehr auf die Auflage an; jedes verkaufte Exemplar bringt ohne zusätzliche Kosten Geld in die Kasse. Noch besser rentiert es sich, wenn die Inhalte zumindest teilweise in Ländern produziert werden, wo nur ein Bruchteil der schweizerischen Löhne bezahlt werden muss – Vietnam zum Beispiel. Globalisierung, wie sie im Buch steht. Ringier, das gutverdienende Familienunternehmen aus dem Aargau, tut genau das: In Zürich werkelt eine „Mini-Redaktion“ (NZZ), produziert wird das journalistische Sammlerstück in Vietnam.
Laut Pressemitteilung von Ringier, nutzt das digitale Magazin die multimedialen Möglichkeiten von Tablet-Computern und erscheint in drei Sprachen. Den Usern eröffne sich damit ein bisher unbekanntes visuelles und informatives Erlebnis - Infotainment auf höchstem Niveau. Das Thema der ersten Ausgabe heisst „Prinz William - Der Hoffnungsträger der britischen Monarchie". the collection steht ab sofort in jedem AppStore in Deutsch, Englisch und Chinesisch zum Download bereit. Der Preis liegt in Europa bei 3.99 € und in der Schweiz bei CHF 5.50. 
Thomas Trüb, der schon viele Pionierprojekte von Ringier umgesetzt hat (zuletzt die Wochenzeitung Cash, die es heute allerdings weder in gedruckter noch in digitaler Form mehr gibt) zur Zukunft von the collection: «Wir wollen regelmässig weitere Themen lancieren und sind bereits in der Produktion der nächsten Ausgaben. Wenn es uns weiterhin gelingt, gute und global relevante Geschichten unterhaltend und auf hohem Niveau zu erzählen und spannend für Tablets aufzubereiten, bin ich vom Erfolg von the collection überzeugt. Wir haben die Ambition mit unseren Applikationen an der Weltspitze mitzumischen, die erste Ausgabe ist jedenfalls hervorragend gelungen, davon werden sich die User und künftigen Werbepartner nun überzeugen können.»

Sonntag, 13. September 2009

Die Medien, das Internet und die Glaubwürdigkeit

Das digitale Zeitalter setzt den “alten“ Medien schwer zu. Zeitungen und Fernsehstationen verlieren Leser, Zuschauer und Werber, unter anderem deshalb, weil immer mehr Medienkonsumenten finden, dass sie sich im Internet besser und präziser informieren können. Eines ist sicher: Einseitige, ungenaue oder unausgewogene Berichterstattung wird im Web gnadenlos aufgedeckt – wenn man weiss, wie man da zuverlässige Informationen finden kann.

Das Internet sei ein “Dschungel der Mittelmässigkeit“, voll von “Schwachsinn und Schrott“, gab kürzlich der Chef des grössten Schweizer Verlages, Michael Ringier, zum Besten. Man kann es ihm nicht mal übelnehmen. Ringier ist nicht der einzige Verleger, der versucht, seinen Laden digitaltauglich zu machen, bevor allzu viele Leser in den weitgehend kostenlosen, unendlichen Dimensionen des Web-Dschungels mehr Nutzen finden, als in den traditionellen Zeitungen. Weitaus grössere und angesehenere Zeitungen als der “Blick“ mühen sich ab, einen Weg zurück in die vor-digitale Profitabilität zu finden – die New York Times ist nur eines der zahlreichen illustren Opfer der neuen Realität. Gründe für die Einbussen der “alten“ Medien gibt es einige. Zum Beispiel die Tatsache, dass die Gesellschaft immer stärker fragmentiert ist: Jede Interessengruppe hat ihren Blog, jeder Ideologe seine Video-Kolumne. Doch es gibt einen noch wichtigeren Grund: Das Internet zeigt gnadenlos auf, dass die Medien nicht ganz so genau sind, wie sie es sein möchten. Da lesen wir zum Beispiel heute im Tagesanzeiger:
“30'000 Menschen versammeln sich am Samstag in Washington, um gegen Barack Obamas Politik zu demonstrieren.“
30'000 ist eine ziemlich genaue Zahl. Trotzdem würde es dem Tagi wohl niemand übelnehmen, wenn sich herausstellen würde, dass es sich um 35'000 oder gar 40'000 Demonstranten gehandelt hätte. Umsomehr als die NZZ es nicht wagt, eine bessere Schätzung aufzustellen:
“Mehrere zehntausend Demonstranten haben in Washington gegen die Politik von Präsident Barack Obama protestiert.“
Unklar wird die Lage für jene User, die auch noch andere Zeitungen lesen – was dank Internet heute problemlos möglich ist. Zum Beispiel die britische Daily Mail:
“Up to two million people marched to the U.S. Capitol today […] as they protested the president's health care plan and what they say is out-of-control spending.”
Haben wir das richtig gelesen? Bis zu zwei Millionen Menschen waren da am Protestieren? Nicht nur 30'000, nicht “einige Zehntausend“? Ausser der Mail haben auch andere Medien von mehr als einer Million Demonstranten berichtet, neben zahlreiche Blogs auch eine der grossen US-Fernsehstationen. Doch die meisten Medien beliessen es bei der Formulierung von “einigen Zehtausend“ (“tens of thousands of conservative protesters“), auch nachdem klar geworden war, dass es sich eher um einige Hunderttausend gehandelt hat. Doch wie viele Demonstranten waren es denn nun wirklich? Eine kurze Google-Suche führt uns zu Charlie Martin, einem Computer Wissenschaftler aus Colorado, der die Zahl errechnen will:
"I did a back-of-envelope based on the photos and reports. A pretty dense crowd is about 1.8 people per square meter, and the National Mall alone is about 125 hectares, 1.25 million square meters. So that would be 2.3 million people…”
Ob es sich nun um 500’000, 1’000’000 oder 2’300'000 Demonstraten gehandelt hat, wissen wir nicht. Klar ist, dass es nicht 30'000 und auch nicht nur einige 10'000 waren. Was beweist: Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser. Und das Internet macht’s möglich!