Freitag, 29. Juni 2012

Checken Sie Ihr Handy auch im Bett?

Der Name sagt’s: Ein Smartphonatic ist nicht jemand der sein Smartphone nur ab und zu braucht, sondern ein Anwender, der ohne das Ding nicht mehr leben könnte. Das sind mittlerweile nicht wenige unter uns, wie ein paar neue Studien zeigen.

Sommerzeit ist Dürrezeit für News – das war schon im vordigitalen Zeitalter so. Deshalb sind wir natürlich immer dankbar, wenn mal wieder ein paar neue Studien reinkommen, die uns fast alle betreffen.
Diesmal geht’s wieder mal um die wichtigste Erfindung der letzten Jahre – das Smartphone.
Time Magazine hat ein paar der neueren Untersuchungen zusammengestellt und weiss über interessante Ergebnisse zu berichten.
Eine globale Studie von ACI Worldwide und Aite Group hat ergeben, dass rund ein Viertel aller Smartphone-User der Smartphonatic-Kategorie zuzurechnen ist. In Schwellenländern gibt es übrigens mehr solche User, als in den Industrieländern: In den USA sind es rund 20 Prozent, in Südafrika 42% und in Indien gar 60%. Das Gerät wird von diesen Usern z.B. überdurchschnittlich oft für mobiles Banking eingesetzt. Aber die Smartphonesucht zeigt sich natürlich nicht nur beim Rechnungen bezahlen. Eine Lookout-Mobile-Security-Studie hat ergeben, dass:

  • 73% in Panik geraten, wenn sie das Gerät verlegt haben.
  • 38% machen sich Sorgen über die Kosten und den Aufwand, falls das Gerät wirklich mal verschwinden sollte.
  • Nur 6% sind besorgt über die Datensicherheit.
  • 25% checken ihr Handy beim Autofahren – es könnte ja was reingekommen sein!
  • 60% halten es nicht länger als eine Stunde aus, ohne ihr Handy zu checken.
  • 54% checken das Gerät im Bett – bevor sie einschlafen und sofort, wenn sie aufwachen. 
  • 20% checken das Handy sofort nach dem Liebesakt (vielleicht hat ja der/die Andere was geschickt?). 
  • 40% führen den Handy-Check auf der Toilette durch.
  • 30% machen das während dem Essen. 
  • 9% checken das Gerät in der Kirche…


Eigentlich bin ich überrascht: Es gibt tatsächlich Leute, die es eine Stunde aushalten, ohne ihr Smartphone zu streicheln...?


Liebeserklärung an das Smartphone - die Geräte werden  oft mit viel Emotionen
 und wenig Informationen angepriesen - wie in diesem Spot für das Samsung Galaxy.

Mittwoch, 27. Juni 2012

Mac-User geben ihr Reisegeld lockerer aus!

Gerade rechtzeitig zur Sommerferienzeit erreicht uns folgende Meldung via Wall Street Journal: Orbitz-Worldwide, einer der führenden Online-Reiseverkäufer, hat die Statistiken der Online-Buchungen etwas genauer unter die Lupe genommen und gemerkt, dass Kunden, die mit einem Mac buchen, etwa 30 Prozent mehr für eine Hotelübernachtung zu zahlen bereit sind, als Windows-PC-User. Raten Sie mal, was die Konsequenz dieser Entdeckung ist!

Mac-User buchen eher ein Vier- oder Fünfsternehotel (wie dieses in Italien),
als die Besitzer von Windows PCs.
Genau: Mac-User bekommen laut Wall Street Journal bei Orbitz oft teurere Hotelvorschläge, als Kunden, die mit einem gewöhnlichen Windows-PC buchen. Immerhin ist es laut Orbitz nicht so, dass Mac-User für das gleiche Zimmer mehr bezahlen, als PC-User. Den Mac-Usern werden ganz einfach von Anfang an teurere Unterkünfte vorgeschlagen. Was wieder mal zeigt, dass Data-Mining im e-Commerce  sehr nützlich sein kann.
Gemäss Orbitz geben Mac-User im Durchschnitt rund 30 Dollar mehr für eine Hotelübernachtung aus. Das ist nicht wenig, da der durchschnittliche Preis, der bei Orbitz für eine Übernachtung bezahlt wird, etwa 100 Dollar beträgt. Ausserdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass Mac-User ein Vier- oder Fünfsterne-Hotel buchen ganze 40 Prozent(!) höher, als beim Rest der Reisenden.
Was kann aus diesen Zahlen gefolgert werden? Unter anderem, dass den Mac-Usern das Geld lockerer in der Tasche sitzt, als den PC-Besitzern. Das fängt schon beim Kauf des Gerätes an – denn mit den Computern verhält es sich ja ganz ähnlich, wie mit Hotelzimmern: Arbeiten kann man auch mit einem Widows-PC, wenn auch vielleicht nicht ganz so stillvoll. Genauso wie man auch in einem 100-Dollar-Zimmer übernachten kann, wenn auch – vielleicht - oft nicht so stilvoll, wie in einer teureren Unterkunft. 

Freitag, 22. Juni 2012

Immer wissen, wo die Mitarbeiter sind

Private hatten ja die Möglichkeit schon lange, ihren jeweiligen Aufenthaltsort per App der Welt – oder zumindest einem Freundeskreis bekanntzumachen. Eigentlich ist es ja klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis diese Praxis auch im Arbeitsleben Einzug hielt. Google bietet  jetzt das entsprechende Tool.

Es heisst Google Maps Coordinates und soll dabei helfen, die Aussendienstler eines Unternehmens zu organisieren – und natürlich zu kontrollieren. Dabei wird Location-Sharing in Echtzeit angeboten. Zitat aus der Computerwelt:
Die Anwendung, die 15 Dollar pro Smartphone und Monat kostet, soll eine effizientere Organisation von Prozessen und Personaleinteilung ermöglichen, wie die New York Times berichtet. Laut Google wurde das neue Angebot bereits von Behörden, Pizzalieferdiensten und Gebäudeverwaltungen getestet. Kritiker sehen hohes Missbrauchspotenzial.
"Das Produkt ist nicht dazu gedacht, Angestellte an die Leine zu legen. Ziel ist vielmehr besseres Ressourcenmanagement", so Google-Sprecher Tim Drinan. Ob das neue Angebot auch von Googles Möglichkeit, Menschen innerhalb von Gebäuden zu lokalisieren, Gebrauch macht, ist bisher nicht bekannt."
 Ebenfalls nicht bekannt ist, ob es Mitarbeiter gibt, die diese Art der Überwachung schätzen würden...
Wie's funktionieren soll, zeigt Google im YouTube Video. 

Dienstag, 19. Juni 2012

Heizen mit Petaflops

Zwar ist es nicht der leistungsstärkste Computer der Welt – dieser steht in den USA. Aber der Titel des schnellsten Supercomputers Europas ist auch nicht zu verachten. Diese kommerziell verfügbare Maschine läuft jetzt im Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in Deutschland, kommt von IBM und wird mit Wasser gekühlt. Der Clou: Im Winter wird das warme Wasser zum Heizen der Gebäude des Rechenzentrums genutzt. Das führt zu 40 Prozent weniger Stromverbrauch und einer Million Euro Kostenersparnis.

Das neue System heisst “SuperMUC“ und besteht aus IBM System x iDataPlex dx360 M4-Servern mit direkter Wasserkühlung und über 150‘000(!) Prozessorkernen. Die Spitzenrechenleistung des Systems beläuft sich auf drei Petaflops, was der Rechenleistung von 110‘000 herkömmlichen PCs entspricht. Dank der von IBM entwickelten revolutionären neuen Kühltechnologie auf Warmwasserbasis konnte das System überdies in 10-fach kompakterer Bauform als bisher umgesetzt werden.
In herkömmlichen luftgekühlten Rechenzentren entfallen bis zu 50 Prozent des Energieverbrauchs nicht auf EDV-Systeme, sondern vielmehr auf die Stromversorgung der erforderlichen Kühlsysteme. Wissenschaftler und Entwickler von IBM haben sich das Ziel gesetzt, dieses Problem mit einem innovativen Kühlkonzept auf Warmwasserbasis zu lösen. Dies hat zur Folge, dass in Rechenzentren künftig keine herkömmlichen Luftkühlsysteme mehr benötigt werden. IBMs Kühltechnologie auf Warmwasserbasis sorgt für eine direkte Kühlung aller aktiven Komponenten des Systems.
SuperMUC vereint eine Kühlfunktion auf Warmwasserbasis, die Wärme 4‘000mal effizienter als Luft verdrängt, mit 18‘000 energieeffizienten Prozessoren der Intel-Xeon-Reihe. Dank der Integration von Kühlverfahren auf Warmwasserbasis mit der Systemverwaltungssoftware von IBM, kann Energie außerdem gespeichert und während der Wintermonate zur Heizung der Gebäude auf dem Campus des Leibniz-Rechenzentrums genutzt werden. Dies bringt jährliche Einsparungen in Höhe von einer Million Euro.
Laut der heute veröffentlichten TOP500-Rangliste der schnellsten Supercomputer der Welt ist das SuperMUC-System der schnellste Computer Europas, der schon in verschiedensten Forschungsbereichen genutzt wird - angefangen bei der Simulation der Blutströmung hinter einer künstlichen Herzklappe, über die Konzeption geräuschärmerer Flugzeuge,bis zur Erforschung neuer geophysischer Erkenntnisse, wie beispielsweise der Einflussgrößen eines Erdbebens. Ausserdem wird das SuperMUC-System zur Vernetzung leistungsstarker Visualisierungssysteme eingesetzt – zum Beispiel zur Visualisierung von 3D-Felddaten aus den Naturwissenschaften, der Astronomie und der Medizin.
Im Juli 2012 wird das System im Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) bei Garching (Deutschland) offiziell in Betrieb genommen.

Montag, 18. Juni 2012

Wo zum Teufel ist Tokelau?

Die Chance, dass Sie die Internet-Domain .tk schon mal gesehen haben, ist wohl grösser, als dass Sie schon einmal vom Südpazifischen Inselstaat Tokelau gehört haben. Die drei abgelegenen Inselchen, mit knapp 1500 Einwohnern, sind durch die Top-Domain .tk bekannt geworden – inzwischen  steht das Kürzel für die drittwichtigste Länder-Topdomain hinter Deutschland (.de) und Grossbritannien (.uk). Kein Wunder: .tk wird als Gratisdomain angeboten.

Die Flagge von Tokolau.                                                                Quelle Wikipedia
Ich gebe zu, dass auch wir uns noch nie mit Tokelau beschäftigt hatten, bevor das Internet den winzigen Staat aus seiner Obskurität ins digitale Lampenlicht brachte. CNN hat jetzt einen ausführlichen Artikel mit allen Hintergründen zu diesem Thema publiziert. Beleuchtet wird, wie die Domain .tk überhaupt entstehen konnte, nachdem bis vor rund 10 Jahren keine einziger Bewohner der Inseln jemals eine Website gesehen hatte. Zitat:
“It's all thanks to a man who literally lives on the other side of the planet from Tokelau: Joost Zuurbier of Amsterdam. Around 2000, Zuurbier says, he and a friend looked at Hotmail as inspiration for a business model of their own. If Hotmail could make money providing free e-mail, couldn't money be made offering free domains?
"At that moment, there were no free domain names yet," Zuurbier said. "So we were shopping around for a registry that wanted to play along, and in the end, we founded .tk, which didn't exist at the time."
Zuurbier says it wasn't easy. The Tokelauans were not only unaware of their entitlement to their own country code domain, no one on the island had ever seen a webpage before. "We had to explain to them what they had and what the Internet was in order to get things going," Zuurbier said.
There was also another small problem. ICANN, the group responsible for doling out ccTLDs, didn't believe that Tokelau really existed. Luckily for Zuurbier, an ICANN board member informed the rest of the group that he had installed the island's first shortwave radio equipment there in the late 1970s. So the two sides agreed to the deal.
After some handshakes in New Zealand, Zuurbier took the long, faithful journey to Tokelau with satellite equipment in tow. It took more than two weeks to get there, and he had to keep the equipment dry. Otherwise he risked having to repeat the long, expensive and exhausting journey. After six years of hurdles and complicated setup, Freedom Registry launched its .tk domain in 2006. Now, more than 9 million websites have .tk domains, and Zuurbier says there's been a recent explosion of popularity, with about a million added each month…”
Finanziert wird das ganze Unternehmen durch Werbung auf abgelaufenen .tk-Websites. Da kommt inzwischen genügend Geld herein, dass gemäss CNN ein Sechstel des Tokolauischen  (oder heisst es etwa Tokolesisch?) Bruttosozialprodukts damit finanziert wird (das BSP beläuft sich allerdings nur auf jährliche 1,2 Millionen Dollar). Bemerkenswert ist übrigens die Tatsache, dass die Website der Regierung von Tokolau nicht bei .tk registriert ist - sondern beim grossen Nachbarn Neseeland, der auch andere Verwaltungsaufgaben übernimmt (.nz). 
Dass sich auch auf der Tokolau-Domain langsam ein Gedränge entwickelt, muss niemanden beunruhigen. Der Unternehmer Zuurbier sei momentan in Afrika unterwegs, wo er ähnliche Projekte am Laufen habe, berichtet CNN. Wo, sagt er natürlich nicht. Das würde das Geschäft verderben!