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Freitag, 22. Januar 2016

Die "Schrecklichen 5" des IT-Business'

Das neuste Werk des Amerikanischen Regisseurs Quentin Tarantino hat schon vor der Oscar-Verleihung für Schlagzeilen gesorgt. “The Hateful 8“ heisst der Titel des blutigen Westerns, und genau auf diesen Titel bezieht sich der Tech-Kolumnist der New York Times, wenn er von den “Frightful 5“ im IT-Business schreibt. Gemeint sind Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft, die fünf Giganten der Computer-Industrie, denen der Kolumnist eine lange Herrschaft der digitalen Welt vorhersagt.

Wie schrecklich sind sie, die Frightful 5 des IT-Business‘? So schrecklich und mächtig, dass sie den anderen Firmen kaum mehr die Luft zum Atmen lassen, weil sie die einträglichen Räume in der IT-Industrie längst für sich gepachtet haben und immer grösser und reicher werden, schreibt Farhad Manjoo:
“Wie auch immer der Massstab angelegt wird, diese fünf amerikanischen  Verbrauchertechnologie-Unternehmen werden immer grösser, in ihrem jeweiligen Sektor mehr und mehr etabliert, immer stärker in neuen Sektoren und immer besser isoliert gegen plötzlich autauchende neue Konkurrenten. Und obwohl der Wettbewerb zwischen den fünf Schrecklichen heftig ausgetragen wird – jedes Jahr scheinen einige davon zu gewinnen, einige zu verlieren – wird es immer schwieriger sich vorzustellen, dass eine dieser Firmen, geschweige denn zwei oder drei, irgendeinmal ihren Einfluss auf die amerikanische Wirtschaft und Gesellschaft aufgeben werden.“ 
Tatsächlich liegt die enorme Macht der grössten fünf IT-Unternehmen der Welt darauf begründet, dass es quasi unmöglich ist, ihre Dienste nicht in Anspruch zu nehmen: Netflix spielt zum Beispiel seine Filme aus der Amazon-Cloud auf die Geräte der Abonnenten, während Google mit einer Risikokapital-Firma das Taxi-Unternehmen Uber mitfinanziert. Farhad Manjoo schliesst daraus dass
“die Plattformen der fünf Grossen unvermeidbar sind. Es mag möglich sein, auf eine oder zwei davon zu verzichten. Zusammengenommen bilden diese Plattformen aber ein vergoldetes Geflecht, das die ganze Wirtschaft abdeckt“.
Auch andere Marktbeobachter geben sich besorgt, wenn es um die Dominanz der grossen IT-Firmen geht, wie die Welt berichtet. Bei der EU macht man sich vor allem über vier grosse IT-Unternehmen Sorgen – da werden aus den Schrecklichen 5 die Schrecklichen 4 – Microsoft gehört nicht mehr dazu:
“Der Zirkel besteht aus vier Unternehmen, die sich von Start-ups zu globalen Giganten aufgeschwungen haben: Google, Apple, Facebook und Amazon. GAFA. So lautet die Kurzform für das Quartett, erfunden von der Europäischen Union. Die vier amerikanischen Internetunternehmen besitzen einen Marktwert von 1,7 Billionen Dollar – das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt der einstigen Supermacht Russland. Diese schiere Größe ist zu einem Risiko für die Welt geworden […]Brüssel rüstet deshalb auf gegen die gefürchtete GAFA. So hatte etwa der frühere Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia jahrelang versucht, Googles Vormachtstellung unter den Suchmaschinen mittels Diplomatie zu begrenzen – seine Nachfolgerin Margrethe Vestager hingegen geht direkt zum Angriff über. Vestager leitete ein Klageverfahren ein, das für Google zu einer Geldstrafe von bis zu 6,6 Milliarden Dollar und harten Auflagen führen könnte…“
Die Zukunft wird interessant werden im IT-Sektor. Wir glauben nicht daran, dass die Dominanz der “Schrecklichen 5“ unverrückbar ist. Die IT-Industrie ist immer in Bewegung; nicht vorhersehbare Entwicklungen sind an der Tagesordnung. Wurde nicht IBM, vor noch nicht allzu langer Zeit, einmal als Gigant der Giganten angesehen, der unaufhaltsam der technischen und wirtschaftlichen Weltherrschaft zustrebte…?
Hateful 8 oder Frightful 5: Die Ersteren sind definitiv brutaler, aber auch unterhaltsamer...

Mittwoch, 5. November 2014

Digitalisierung bringt Innovation - Innovation bringt Umsatz

Es überrascht nicht, dass innovative Unternehmen derzeit besonders in der Technologie- und Telekommunikationsbranche zu finden sind. Firmen aus diesen Branchen belegen die vorderen Plätze in der aktuellen Innovationsstudie von The Boston Consulting Group (BCG). Der Grund: Innovationen die zu grossen Änderungen und Neuerungen in Geschäftsprozessen führen, können bestehende Geschäftsmodelle, Produkte und Abläufe komplett auf den Kopf zu stellen. Die Digitalisierung vereinfacht und beschleunigt die Einführung derartiger Innovationen stark. Das wird gemäss der BCG-Studie vielen Unternehmern erst so richtig bewusst.

Klicken Sie auf die Rangliste für bessere Lesbarkeit.
„Heutzutage reicht es immer weniger aus, allein die bestehenden Geschäftsmodelle schrittweise weiter zu entwickeln. Vielmehr sind zusätzlich Innovationen von disruptiver Kraft notwendig, um zu den Spitzenreitern einer Branche zu gehören“, sagt BCGs Carsten Kratz.
Beleg hierfür ist das starke Abschneiden von Technologie- und Telekommunikationsunternehmen in der diesjährigen Rangliste: Insgesamt gehen sieben Plätze der Top 10 und 21 der Top 50 an Unternehmen aus diesen Branchen.
Apple führt die Liste der innovativsten Unternehmen seit 2005 ununterbrochen an, in diesem Jahr gefolgt von Samsung, Google, Microsoft und IBM. Darüber hinaus stammen sechs der elf Neueinsteiger aus der Technologiebranche – und zwar Xiaomi, Yahoo!, Hitachi, Oracle, Salesforce und Huawei.
Insgesamt ist die Rangliste stark von US-amerikanischen Firmen dominiert, was Europäische Beobachter überraschen mag. Trotz Finanzkrise und langandauernder Rezession sind die USA immer noch die grösste Wirtschaftsmacht der Welt mit einem gewaltigen Innovations- und Produktivitätspotential. Europa hinkt da hinterher.
Die BCG-Studie zeigt, dass viele Befragte den digitalen Technologien in den kommenden drei bis fünf Jahren nur eine begrenzte Bedeutung beimessen, was deren Innovationswirkung angeht. Nicht einmal die Hälfte der Befragten meint, dass Trends wie Big Data und Mobile einen großen Einfluss haben werden. Weniger als ein Drittel sagt, dass ihre Unternehmen diese digitalen Innovationsthemen in ihren Innovationsprogrammen berücksichtigen würden. Bei BCG schätzt man diese Entwicklung als gefährlich ein. Digitale Trends, basierend auf Big Data und mobilen Diensten, seien die Innovationshebel schlechthin, wie man an den Aktivitäten von Unternehmen in Telekommunikation oder IT sehe. Andere Branchen nähmen das jedoch noch nicht so eindeutig wahr.
Innovation bleibt eine der höchsten Prioritäten in den Unternehmen der Befragten, allerdings gelingt es den Wenigsten, bahnbrechende Innovationen zu entwickeln. In diesem Zusammenhang untersuchte die BCG-Studie was bahnbrechende Innovatoren von anderen Unternehmen unterscheidet:

“Sie denken breiter in der Ideenfindung, nutzen stärker Geschäftsmodell-Innovationen und haben Unternehmenskulturen, die stärker auf durchschlagenden Erfolg ausgerichtet sind. Fast die Hälfte der bahnbrechenden Innovatoren sagten aus, dass sie über die vergangenen drei Jahre mehr als 30 Prozent ihrer Umsätze mit Innovationen erzielten – mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt.“

Die BCG-Studie (in englischer Sprache, 28 Seiten PDF) kann hier heruntergeladen werden.



Donnerstag, 2. Mai 2013

Wer viel verdient, kauft lieber im richtigen Laden

Womit das wohl zusammenhängt? Gutverdienende Menschen kaufen lieber im richtigen Laden ein, als im Online-Shop. Zumindest schätzen sie das sogenannte Einkaufserlebnis im echten Laden mehr, als das virtuelle Shoppen. Vielleicht liegt es daran, dass bessergestellte Kunden im Laden als solche erkannt und in der Folge besser bedient werden? Im Internet hingegen bleibt der Status des Kunden in den meisten Fällen verborgen.

Einkaufen im Net vermittelt nicht das selbe Erlebnis wie,
zum Beispiel Les Galleries Lafayette in Paris.
46 Prozent der vom ECC Köln am Institut für Handelsforschung befragten Konsumenten gaben an, dass für sie das Einkaufserlebnis im Ladengeschäft deutlich grösser sei als im Online-Shop. Doch die Ergebnisse der Studie, die von IBM Deutschland und  CoreMedia gesponsort wurde, zeigen auch: Der Online-Kanal holt auf. Bereits knapp 40 Prozent der  Befragten bewerteten das Einkaufserlebnis im Ladengeschäft und im Online-Shop als gleich gross und für  rund jeden Siebten liegt der Online-Shop in Sachen Erlebnis sogar vor dem stationären Laden. Besonders punkten können Händler aus der Branche Sport und Freizeit – hier ist das Einkaufserlebnis im  stationären Handel im Vergleich zum Internet laut Studie am grössten. 55,9 Prozent der befragten Kunden,  die ihren letzten Online-Kauf in einem dieser Läden getätigt haben, empfinden das Einkaufserlebnis stationär  deutlich grösser als online.
Auch der Bücherkauf im  Internet, der ja zweifelsohne zwischenzeitlich weit verbreitet ist, scheint das Einkaufserlebnis weniger zu befriedigen. Knapp 50 Prozent der befragten Konsumenten gaben an, dass  die stationären Filialen beim Bücherkauf in Sachen Erlebnis vorne liegen. Uns überrascht das eigentlich nicht. In einem Buchladen kann man ein Buch immerhin zur Hand nehmen und darin blättern. Allerdings wird dieser Vorteil unserer Meinung nach durch das vergleichsweise unendlich grosse Angebot digitaler Buchläden aufgehoben.
Überhaupt: Was ist eigentlich mit dem Einkaufserlebnis gemeint? Für viele (vor allem männliche) Shopper  liegt der Vorteil der Onlineshops genau darin, dass man eben ohne “Erlebnis“ einkaufen kann – je schneller desto besser…
Für Gutverdienende scheint dies allerdings nicht zu stimmen. Ein Blick auf die Auswertung nach Haushaltseinkommen zeigt: Je höher das Haushaltsnettoeinkommen,  desto grösser wird das Einkaufserlebnis im Ladengeschäft empfunden. So gaben 53 Prozent der  Konsumenten, deren monatliches Haushaltsnettoeinkommen zwischen 3'500 und 5'000 Euro liegt, und  sogar 72'2 Prozent derer, die über 5.000 Euro verdienen, an, dass das Einkaufserlebnis im stationären Handel grösser sei als beim Online-Shopping.
Es ist wahr: Das Einkaufen im Internet trägt (meistens) nicht zum Status bei. Das Web anonymisiert und macht gleich. Ganz nach dem Motto: “Im Internet weiss niemand, dass du ein Hund bist“.

Donnerstag, 28. März 2013

Big Data wird zum Schlagwort

Gestern war’s die Cloud, heute ist es Big Data – und beide Begriffe hängen natürlich zusammen. Dass Big Data nun plötzlich zum fast omnipresenten Thema avanciert, ist wohl nur der Anfang. Das Thema wird uns lange beschäftigen, denn die Auswertung der immensen Datenströme des digitalen Zeitalters hat Ähnlichkeiten mit der Goldsuche vergangener Jahrhunderte. Nicht umsonst ist “Datamining“ ein weiterer Begriff, der in diesem Zusammenhang genannt wird.

Big Data visualisiert: Das Bild entstand in einem IBM-Forschungsinstitut
und zeigt die Datenströme auf Wikipedia.                          Quelle Wikipedia
Was ist denn genau mit Big Data gemeint? Gehört da schon die Steuererklärung dazu, die wir so regelmässig ausfüllen dürfen? Vielleicht - wahrscheinlich kommts drauf an, wieviele Daten Ihr Geld generiert. Im Zusammenhang mit Big Data wird eigentlich das Umgekehrte angestrebt - Daten, die Geld generieren.
“Nach aktuellen Berechnungen verdoppelt sich das weltweite Datenvolumen alle 2 Jahre. Diese Entwicklung wird vor allem getrieben durch die zunehmende maschinelle Erzeugung von Daten z. B. über Protokolle von Telekommunikationsverbindungen (CDR) und Web-Zugriffen (Logdateien), automatische Erfassungen von RFID-Lesern, Kameras, Mikrofonen und sonstigen Sensoren. Big Data fallen auch in der Finanzindustrie an (Finanz-Transaktionen, Börsendaten), sowie im Energiesektor (Verbrauchsdaten) und im Gesundheitswesen (Verschreibungen). In der Wissenschaft fallen ebenfalls große Datenmengen an, z. B. in der Geologie, Genetik, Klimaforschung und Kernphysik. Der IT-Branchenverband Bitkom hat Big Data als einen Trend im Jahr 2012 bezeichnet.“
Inzwischen gibt es auch eine Deutsche Website zum Thema (mit allerdings eher magerem Informationsangebot).
Wer sich aber eingehender mit dem Thema auseinandersetzen möchte, muss tiefer schürfen, um an die richtigen Daten zu kommen. Dabei hilft wieder einmal «GDI Impuls», das Wissenschaftsimagazin des Gottlieb Duttweiler Instituts. Die immensen Datenmengen, die Menschen, Maschinen und Geräte ununterbrochen produzieren, sind das Thema der neusten Ausgabe. Das Magazin geht dem plötzlichen Interesse an Daten auf den Grund und analysiert, wo sich aus dem scheinbar unüberschaubaren Input ein brauchbarer Output generieren lässt; und wo eben nicht. Beispiele:
IT-Unternehmer Nicolas Bissantz warnt im Interview davor, allzu grosse Erwartungen in Big Data zu setzen: «Die Daten bleiben scheu und grausam. Es ist schwierig, aus ihnen zu lernen, und noch schwieriger, das Gelernte umzusetzen.»
Eine Gegenbewegung zum datengetriebenen Business sieht Raymond Bär für die Branche der Privatbanken. Im Kundenverkehr werde «die Kommunikation im wesentlichen analog bleiben», sagt der Ehrenpräsident der Julius Bär Gruppe AG: «Unsere Kunden wollen weder einem Computer noch einem Internet gegenübersitzen.» Bankintern könne es bei sensiblen Daten sogar zu einer teilweisen Ent-Digitalisierung kommen.
Eine Übersicht der Themen mit Kurzzusammenfassungen findet sich hier. 

Dienstag, 19. Juni 2012

Heizen mit Petaflops

Zwar ist es nicht der leistungsstärkste Computer der Welt – dieser steht in den USA. Aber der Titel des schnellsten Supercomputers Europas ist auch nicht zu verachten. Diese kommerziell verfügbare Maschine läuft jetzt im Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in Deutschland, kommt von IBM und wird mit Wasser gekühlt. Der Clou: Im Winter wird das warme Wasser zum Heizen der Gebäude des Rechenzentrums genutzt. Das führt zu 40 Prozent weniger Stromverbrauch und einer Million Euro Kostenersparnis.

Das neue System heisst “SuperMUC“ und besteht aus IBM System x iDataPlex dx360 M4-Servern mit direkter Wasserkühlung und über 150‘000(!) Prozessorkernen. Die Spitzenrechenleistung des Systems beläuft sich auf drei Petaflops, was der Rechenleistung von 110‘000 herkömmlichen PCs entspricht. Dank der von IBM entwickelten revolutionären neuen Kühltechnologie auf Warmwasserbasis konnte das System überdies in 10-fach kompakterer Bauform als bisher umgesetzt werden.
In herkömmlichen luftgekühlten Rechenzentren entfallen bis zu 50 Prozent des Energieverbrauchs nicht auf EDV-Systeme, sondern vielmehr auf die Stromversorgung der erforderlichen Kühlsysteme. Wissenschaftler und Entwickler von IBM haben sich das Ziel gesetzt, dieses Problem mit einem innovativen Kühlkonzept auf Warmwasserbasis zu lösen. Dies hat zur Folge, dass in Rechenzentren künftig keine herkömmlichen Luftkühlsysteme mehr benötigt werden. IBMs Kühltechnologie auf Warmwasserbasis sorgt für eine direkte Kühlung aller aktiven Komponenten des Systems.
SuperMUC vereint eine Kühlfunktion auf Warmwasserbasis, die Wärme 4‘000mal effizienter als Luft verdrängt, mit 18‘000 energieeffizienten Prozessoren der Intel-Xeon-Reihe. Dank der Integration von Kühlverfahren auf Warmwasserbasis mit der Systemverwaltungssoftware von IBM, kann Energie außerdem gespeichert und während der Wintermonate zur Heizung der Gebäude auf dem Campus des Leibniz-Rechenzentrums genutzt werden. Dies bringt jährliche Einsparungen in Höhe von einer Million Euro.
Laut der heute veröffentlichten TOP500-Rangliste der schnellsten Supercomputer der Welt ist das SuperMUC-System der schnellste Computer Europas, der schon in verschiedensten Forschungsbereichen genutzt wird - angefangen bei der Simulation der Blutströmung hinter einer künstlichen Herzklappe, über die Konzeption geräuschärmerer Flugzeuge,bis zur Erforschung neuer geophysischer Erkenntnisse, wie beispielsweise der Einflussgrößen eines Erdbebens. Ausserdem wird das SuperMUC-System zur Vernetzung leistungsstarker Visualisierungssysteme eingesetzt – zum Beispiel zur Visualisierung von 3D-Felddaten aus den Naturwissenschaften, der Astronomie und der Medizin.
Im Juli 2012 wird das System im Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) bei Garching (Deutschland) offiziell in Betrieb genommen.