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Montag, 15. Juni 2015

Alles unter Kontrolle: Auch Private wollen überwachen

Die Zahl der Überwachungskameras im öffentlichen Raum nimmt ständig zu. Die meisten Bürger gehen davon aus, dass die Fernsehüberwachung eine abschreckende Wirkung auf Kriminelle hat; Fachleute glauben allerdings, dass dieser Effekt stark überschätzt wird. Trotzdem überwachen auch Private immer öfter ihre Wohn- oder Geschäftsräume – der Markt mit WLAN-Überwachungskameras boomt.

Klein, leistungsfähig und nicht teuer: eine der beliebtesten privaten
Überwachungskameras, die Netgear Arlo.                           
Wer sich vor den Ferien im eigenen Haus oder Garten, in seiner Wohnung oder seinem Büro eine WLAN-Kamera installieren will, muss nicht mal befürchten, dass er sich die Erholung verdirbt, weil er dann ständig per Internet vom Hotel am Strand in die gute Stube zuhause schauen muss. Natürlich nicht: Eine gute Anlage übernimmt die elektronische Benachrichtigung, falls in den beobachteten Räumen unerwünschter Besuch auftaucht. Eine solche Nachricht kann an eine Sicherheitsfirma oder eine Vertrauensperson vor Ort weitergeleitet werden.
Computerbild.de und die welt.de haben jetzt die beliebtesten Überwachungskameras mit WLAN aufgelistet und erklärt, was es zu beachten gilt:
“Wer auf die Suche nach der richtigen Kamera geht, sollte am besten auf ein Modell mit WLAN nach aktuellem Standard achten: Mindestens 802.11n sollte es ein. Ihre Kamera sollte am besten mit einer E-Mail-Benachrichtigung ausgestattet sein, sodass Sie sofort Meldung erhalten, wenn sich zu Hause jemand Zutritt verschafft.Die Videoauflösung sollte nicht weniger als einfaches HD, also 1280x720 Pixel, betragen. Um den optimalen Überblick zu haben, ist ein Blickwinkel von nicht weniger als 120 Grad ratsam, am besten greifen Sie aber zu einem beweglichen Modell.Möchten Sie die Kamera draußen anbringen, muss sie zwingend zwischen -20 und +50 Grad Celsius einwandfrei funktionieren. Außenkameras liegen preislich deutlich höher als die, die nur für den Innenbetrieb freigegeben sind…“
Von den 20 Kameras, welche die deutschen Journalisten auflisten, landet die Netgear Arlo auf dem ersten Platz – ist also die beliebteste bei den Konsumenten. Genau dieses System hat auch blick.ch kürzlich getestet und herausgefunden, weshalb es so beliebt ist:
Die Basisstation wird zwar weiterhin zentral an den WLAN-Router angeschlossen. Die Kameras allerdings brauchen kein Kabel. Sie laufen mit Batterien und völlig drahtlos. Magnetische Halter können an verschiedene Positionen geklebt werden, so dass man die Kameras flexibel einsetzen kann. Dank wasserfestem Gehäuse auch draussen.“

Sowohl in den EU-Ländern als auch in der Schweiz dürfen mit privaten Kameras nur private Räume aufgenommen werden – aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes. In der EU gibt es dazu ein Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofes. Die Bestimmungen in der Schweiz werden vom Datenschutzbeauftragten des Bundes ganz ähnlich definiert.

Montag, 8. Juni 2015

Sie werden beobachtet - gewöhnen Sie sich daran!

Videotechnologie ist so billig und leistungsfähig geworden, dass es für quasi jeden Anwender möglich ist, qualitativ hochwertige Videos zu erstellen, die so gut wie nichts kosten. Das wirkt sich extrem negativ auf unser aller Privatsphäre aus. Überwachungskameras an Hauseingängen und Kreuzungen, in Hotellobbys, Tiefgaragen, Geschäftshäusern, Restaurants, Verkaufsläden, Banken und andernorts, wo wir noch nicht mal eine Ahnung davon haben, sind nur die Spitze des Eisbergs. Dann gibt es ja auch noch Drohnen, die die Welt von oben filmen. Und natürlich Dashcams, die bald in jedem zweiten Auto angebracht sind. Sogar im Wald gibt es Überwachungskameras, die manchmal nicht nur Füchse und Hasen, sondern ganz unerwartete Szenen aufzeichnen!

Wer auf Google nach Dashcams sucht, findet unzählige Modelle, viele
für weniger als 100 Franken.                                            Google Screengrab
Man realisiert es erst, wenn mal wieder etwas Schlimmes passiert – ein grosser Unfall, ein Terroranschlag, eine andere Katastrophe. Noch vor wenigen Jahren existierten in solchen Fällen oft keine oder nur wenige, zufällige Bilddokumente derartiger Ereignisse. Pressefotos und Fernsehaufnahmen, die kurz nach der Katastrophe angefertigt wurden, waren oft die einzigen Bildquellen. Heute ist das anders. Quasi alles ist dokumentiert – das Smartphone als Tool dafür, haben wir alle immer in der Tasche. So stehen wir also unter ständiger Beobachtung – und merken es nicht mal.
Doch dieser Raster wird in den nächsten Jahren immer enger werden, weil sich die Technologie weiterentwickelt, und weil sich die Gesellschaft nicht gegen die damit einhergehende Überwachung wehrt.
Ein Beispiel dafür sind Dashcams, die heute für weniger als 100 Franken von jedem Autofahrer gekauft und an die Frontscheibe montiert werden können. Solche Kameras laufen ständig – wer ihnen in die Quere kommt, wird aufgenommen und verliert damit potentiell seine Privatsphäre. In der Schweiz will sich jetzt immerhin der Bundesrat mit dem Thema befassen. Zitat aus dem Tagi:
“Sie filmen die Strasse, Autos sowie ­ahnungslose Passanten. Und sie filmen immer öfter. Autofahrer installieren vermehrt eine sogenannte Dashcam an ihrer Frontscheibe. Doch sind die Aufnahmen auch erlaubt? Oder verletzen sie das Persönlichkeitsrecht der Aufgenommenen? Solcher Fragen soll sich der Bundesrat jetzt annehmen. Einen entsprechenden Vorstoss hat der Ständerat gestern einstimmig gutgeheissen. Er verlangt einen Bericht über die Risiken von Dashcams, Drohnen-, Handy- und anderen Kameras…“
Eigentlich ist ja die Gesetzeslage klar: Es ist nicht erlaubt, Videos, auf denen andere Privatpersonen (Verkehrsteilnehmer) zu erkennen sind, zu veröffentlichen. Wie wirkungsvoll dieses Gesetz ist, zeigt ein Blick auf Youtube. Wer über einen weiteren Abbau der Privatsphäre besorgt ist, wird also über die neusten Anstrengungen der Gesetzgeber kaum den Atem anhalten.
Inzwischen hat die ständige Überwachung nämlich sogar im Wald Einzug gehalten, wie ein Österreichischer Politiker am eigenen Leib erfuhr:
Ein Kärntner Kommunalpolitiker ist laut ORF Kärnten bei einem Schäferstündchen im Wald fotografiert worden - von einer Kamera zur Wildbeobachtung. Abseits von Spötteleien löste dieser Fall umgehend auch eine Debatte zur Praxis der elektronischen Waldüberwachung auf, insbesondere da die Aufstellung der Geräte eigentlich genehmigungspflichtig ist und Passanten durch Schilder vorgewarnt werden müssten. Glück für den umtriebigen Politiker: Die inkriminierenden Bilder landeten vorerst nicht in der Öffentlichkeit.“