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Sonntag, 10. Januar 2016

Amazon und Jeff Bezos: Furchterregend und bahnbrechend

Amazon beherrscht nicht nur den Online-Handel sondern verändert buchstäblich die Welt in der wir leben. Gründer und CEO Jeff Bezos beschäftigt sich währenddessen mit anderen Hobbys: die Weltraumfahrt ist nur eines davon. Die Tageszeitung Washington Post ein zweites. Ausserdem plant er, nicht nur online weiter zu wachsen. In Zukunft soll es immer mehr nicht-virtuelle Amazon Läden geben.


Vom Onlineshop ins Einkaufszentrum: Amazon will auch in nicht-virtuellen
Umgebungen Waren anbieten.                                                      Amazon Screenshot 
Dass Amazon von vielen Detailhändlern gefürchtet oder gar gehasst wird, hat gute Gründe:  Die Umsätze des Giganten wachsen immer im zweistelligen Bereich (zuweilen um über 40 Prozent, wie zum Beispiel im Jahr 2011). Diese Wachstumsraten sind umso eindrücklicher, als es sich dabei um Umsätze in schwindelerregenden Höhen handelt  (zum Beispiel runde 90 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014). Eine amerikanische Studie, die vom Fernsehsender CNBC zum neuen Jahr veröffentlicht wurde, zeigt nun, wie derartige Erfolgsbilanzen zu Stande kommen. 40 Prozent aller (amerikanischen) Konsumenten begeben sich zuallererst in den Amazon-Onlineshop, wenn sie online einkaufen wollen. Das Erstaunliche ist, dass dann im Durchschnitt jeder zweite Besucher einen Kauf tätigt. Das ist eine Konversionsquote von 50 Prozent. Zum Vergleich: Gemäß CNBC geht man im übrigen Onlinehandel von einer durchschnittlichen Konversionsquote von rund 3 Prozent aus.
Trotz dieser Zahlen – oder vielleicht gerade deswegen – geben 10 Prozent der befragten Verbraucher an, Amazon beim Einkaufen zu meiden. Amazon als Feindbild – das gilt vor allem für die Konkurrenz. Amazon müsse gestoppt werden, verlangte zum Beispiel ein Teilnehmer des IBM-Amazon-Forums im letzten Jahr:
"Amazon ist dabei, den Einzelhandel komplett platt zu machen. Der Konzern hat sich zu einem Ungeheuer entwickelt, der ohne Rücksicht auf Verluste Macht und Umsatz an sich reißt. Das schadet nicht nur dem Handel, sondern auch der Wirtschaft und letztlich uns allen. Es ist Zeit, dem Moloch entgegenzutreten und ihn mit welchen Mitteln auch immer zu stoppen."
Amazon-Boss Jeff Bezos, inzwischen der viertreichste Mann der Welt,  dürften solche Ausbrüche kalt lassen. Was den Buchhändlern passiere, habe nicht Amazon verschuldet, sondern die Zukunft, hat er einmal gesagt. In einem seiner seltenen Interviews erklärte er kürzlich gegenüber der Süddeutschen Zeitung,  Amazon wolle mehr Läden eröffnen. Damit meint der Amazon-Gründer nicht etwa neue Online-Shops, sondern richtige Läden, in Innenstädten oder Einkaufszentren. Den Anfang hat er bereits gemacht, in Seattle. Auch hier spielt das digitale Amazon die entscheidende Rolle, wie die SZ berichtet:
“Das Verblüffende ist, was Amazons Daten aus dem Geschäft gemacht haben. Sie haben ihn kuratiert. Sterne führen durch die Regale, es sind die Rezensionssterne der Internetkunden. Gleich hinter dem Eingang: Wirtschaftsbücher mit mehr als 4,8 Sternen. Daneben Titel, die öfter als eine halbe Million Mal verkauft wurden. Und – für Weihnachten – Bücher, die am häufigsten auf den Wunschlisten stehen. Hinten bei den Tierbüchern ein unbekanntes Buch namens Dogs Rule Nonchalantly, das kaum einer kennt, aber jeder der vierzig Bewerter mit fünf Sternen bedachte. Vorgestellt werden die Bücher mit Leserkommentaren aus dem Internet – oder mit jenen Textzitaten, die, wie die Daten ergaben, Kindle-Leser am häufigsten markieren. Der Laden ist der Vorbote. Die Grenzen zwischen online und offline lösen sich auf. Die Zeit bricht an, da Händler wie Amazon oder Zalando sich Läden kaufen und in die Innenstädte gehen. Es werden Läden sein, die unser Einkaufen verändern. Genauer wissen wir es noch nicht. »Wenn ich meine Kunden gefragt hätte, was sie wollen«, erklärte Henry Ford einmal, »hätten sie gesagt: schnellere Pferde…“

Freitag, 24. Januar 2014

"Ein Tsunami von Ladenschliessungen"

Wir wissen, dass uns die Amerikaner oft ein paar Jahre voraus sind - das gilt vor allem auch für gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen.Eine derartige Entwicklung sorgt im Moment in den USA für Schlagzeilen: Der ständig wachsende Online-Handel wirkt sich massiv auf die traditionellen Läden aus. Es komme ein Tsunami von Ladenschliessungen auf die USA zu, sagen Experten.

Es ist ja nicht weiter verwunderlich, dass traditionelle Händler die digitale Konkurrenz spüren, und dass diese Konkurrent grosse Auswirkungen zeigt. Immerhin wurden in den USA im letzten Jahr bereits etwa sechs Prozent aller Detailhandelsverkäufe über das Internet getätigt, und die E-Commerce-Wachstumskurve zeigt stetig weiter nach oben. Diese Milliardenumsätze (etwa 20 Milliarden pro Monat), die in Onlineshops getätigt werden, fehlen natürlich in den traditionellen „Bricks and Mortar“ Läden. Das wirkt sich jetzt doppelt aus, wie der Wirtschaftssender CNBC berichtet: Hunderte, wenn nicht Tausende von traditionellen Läden, vor allem in Einkaufszentren, werden in den nächsten Monaten und Jahren schliessen, und zahlreiche andere werden ihre Laden Flächen verkleinern, um Kosten zu sparen. Zitat CNBC:
“Shoppers will likely see an average decrease in overall retail square footage of between one-third and one-half within the next five to 10 years, as a shift to e-commerce brings with it fewer mall visits and a lesser need to keep inventory.”
Zu Deutsch:
“Kunden werden in den nächsten fünf bis 10 Jahren feststellen, dass sich die Gesamteinkaufsflächen im Detailhandel um 30 bis 50 Prozent vermindern werden.“
Das sagt Michael Burden, der Inhaber einer Firma, die sich auf Verkaufsflächen spezialisiert hat.
Fall diese Prognose wahr werden sollte, wäre dies tatsächlich eine Tsunami von Ladenschliessungen, wie sie nicht einmal während der schlimmsten Rezessionen aufgetreten ist.
Wie sehen denn nun die Aussichten für Europa aus?
Wir haben diesbezüglich keine offiziellen und breitabgestützten Prognosen gefunden. Es gibt aber Experten, die sich schon länger mit diesem Thema beschäftigen. Einer davon ist Alexander Graf, der Gründer des Beratungsunternehmens eTribes . Er berät Unternehmen beim Aufbau von E-Commerce. Graf hat sich auf kassenzone.de schon letztes Jahr zu diesem Thema geäussert:
“Die Zukunft des stationären Handels ist für mich aktuell spannender als neue E-Commerce Konzepte. Die vielen Milliarden Euro die der stationäre Handel aktuell pro Jahr gegenüber dem Onlinehandel verliert führen aus meiner Sicht zu erheblichen Verwerfungen im stationären Handelssystem, inkl. der betroffenen Gewerbeimmobilienbesitzer und der finanzierenden Kreditinstitute. Umfragen, Statistiken und Meinungen zu dem Thema verfolge ich daher sehr gespannt. Die meisten dieser Informationen sind wenig aufschlussreich, bzw. den harten Fakten (Leerstand, Onlineumsatz) wird erstaunlich wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Hoffnung nach dem Überleben des stationären Handels in der heutigen Form ist scheinbar stärker als die doch recht deutlichen statistischen Argumente dagegen…“  

Auch die Kunden scheinen damit zu rechnen, dass es in Zukunft weniger traditionelle Läden gibt. Gemäss einer (nicht-representativen) Umfrage, die Alexander Graf ebenfalls auf kassenzone.de durchgeführt hat, rechnen 56 Prozent der Befragten damit, dass wegen des Online-Handels bis zu 10 Läden in ihrer Stadt schliessen werden. Das Interessante daran: Die Befragten sehen keinen Zusammenhang zwischen ihrem Einkaufsverhalten und den prognostizierten Ladenschliessungen - ob sie nun viel oder wenig Online einkaufen. 

Montag, 22. Oktober 2012

Google auf dem absteigenden Ast?

In der Internetwelt ist fast alles möglich – aber dass Google in ein paar Jahren in der Bedeutungslosigkeit verschwinden soll, erscheint doch eher unwahrscheinlich. Unmöglich ist es aber sicher nicht. Vielleicht erinnern sie sich noch an Yahoo oder AltaVista – es ist ja noch nicht so lange her. Aber suchen Sie noch damit?

Die Mobilität der User hilft dem Geschäft nur bedingt: mobile Werbung
bringt weniger Geld als PC-Werbung. Das gilt nicht nur für Google, sondern
auch für Facebook. (Bild Google)
Da drückt einer auf den falschen Knopf und schon rauschen die Kurse talwärts – so geschehen mit den Google-Aktien letzte Woche. Ein paar Milliarden Dollar lösen sich in Minutenschnelle in Luft auf und wecken Erinnerungen an jenen Amerikanischen Senator,der einmal gesagt hat: “Eine Milliarde hier, eine Milliarde dort – und plötzlich geht es um richtiges Geld…“. Damit beschrieb er nicht nur die Einstellung vieler Politiker zum Umgang mit Steuergeldern recht präzise, sondern könnte durchaus auch die aufgeblasenen Börsenkurse gewisser Internetfirmen angesprochen haben (Everett Dirksen verstarb allerdings schon 1969, lange bevor Google und Co. existierten).
Genau diese Börsenkurse mit ihren riesigen Einbrüchen haben nun gewisse Zweifler auf den Plan gebracht. Cadie Thompson schreibt auf CNBC, dass Google in fünf bis acht Jahren durchaus in die Bedeutungslosigkeit versinken könnte. Sie beruft sich dabei auf den Investmentspezialisten Eric Jackson, der Google mit Yahoo vergleicht. Yahoo sei mal der König der Internetsuche gewesen; heute sei die Suchmaschine quasi inexistent. Jackson sieht die potentiellen Probleme für Google darin, dass die Mobilität der User Überhand nimmt. Immer mehr Verbraucher suchen mit mobilen Geräten, die Werbung hinkt da aber weit hinterher, weil Unternehmen sich auf den kleinen Bildschirmen nicht sehr gut ins Bild setzen können. Deshalb sind mobile Inserate auch billiger als PC-Werbung.
Diese Situation biete eine grossartige Gelegenheit für ein junges Unternehmen, eine komplett neue Idee für die Internetsuche in der mobilen Welt zu verwirklichen.
Man darf gespannt sein. Immerhin ist das Potential für einen totalen Umbruch in der digitalen Gesellschaft immer gegeben – man denke an die Entwicklung der letzten 25 Jahre: PC, Internet, Handy, Smartphone, Tablet. Die nächste grosse Idee wird die digitale Gesellschaft wieder von Grund auf umkrempeln!