Posts mit dem Label Facebook werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Facebook werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 20. April 2016

Facebook: Die Angst vor dem Persönlichen

In den USA, wo die Trends immer noch herkommen, hat sich Snapchat zum wichtigsten sozialen Medium für junge User emporgeschwungen. Instagram und Facebook wurden abgehängt.  Facebook hat sowieso ein Problem: Immer weniger Menschen posten persönliche Inhalte, dafür teilen sie Content, den sie irgendwo auf dem Net gefunden haben, umso lieber.

Noch zeigt der Daumen am Eingang des Hauptquartiers nach oben - aber für
Facebook zeichnen sich Probleme ab, weil viele Menschen nur noch ungern
Privates auf der Plattform publizieren.                                  Creative Commons
Es wird immer seltener, dass persönliche Originalinhalte auf Facebook gestellt werden, die Hand und Fuss haben. Dafür wird immer mehr Schrott geteilt – und dafür haben wir ja nun wirklich keine Zeit mehr. Als digitaler Schrott darf man übrigens ohne weiteres auch seriöse Artikel aus seriösen Medien bezeichnen – vor allem wenn es nur darum geht, mit derartigen Publikationen einen argumentativen Standpunkt zum x-ten Mal zu verstärken. Es sind also längst nicht nur “lustige“ Videos und anrührende motivierende Sprüche, die uns im Newsfeed auf die Nerven gehen.  Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass gerade junge Menschen sich inzwischen bei SnapChat wohler fühlen – da werden Postings sowieso nach kurzer Zeit gelöscht, und die Flüchtigkeit der digitalen Sphäre kommt voll zum Ausdruck.
Für das Unternehmen Facebook könnte sich diese Entwicklung langfristig als problematisch erweisen - genauso wie die Tatsache, dass sich die Zahl der privaten Postings auf Facebook bis Mitte 2015 um mehr als einen Fünftel verringert hat. Immerhin reist Facebook-Gründer Mark Zuckerberg um die Welt, um Facebook allumfassend zumachen; da passt es schlecht, wenn das Interesse nachlässt. Doch man scheint bei Facebook gemerkt zu haben, dass etwas nicht rund  läuft. Zitat aus fr-online:
“Zwar würden weiterhin viele Inhalte auf Facebook geteilt, doch es seien weniger Beiträge aus dem Leben der Nutzer und mehr und mehr Nachrichten und Links auf andere Websites. Für das Phänomen sollen die Facebook-Mitarbeiter sogar schon einen eigenen Begriff haben: "Context collapse" ("Kontext-Zusammenbruch"), berichtet ein Insider. Das Teilen persönlicher Inhalte habe sich in soziale Netzwerke verlagert, in denen die Nutzer ein kleineres Publikum hätten: Snapchat, Instagram und Messaging-Dienste.“
Nicht alle Beobachter finden es schlecht, dass weniger Privates gepostet wird. Meint die FAZ:
“Für Facebook bleibt am Ende die Frage: Wird es uninteressanter, wenn die Menschen weniger private Beiträge posten? Wenn es weniger Essensfotos gibt? Mancher – wie Blogger Scoble – glaubt, dadurch könnte Facebook interessanter werden. Auf jeden Fall würde der Nachrichtenstrom auf Facebook weniger Neid auslösen, denn gerade die persönlichen Nachrichten machen andere neidisch. Andererseits war Facebook immer gerade deswegen beliebt, weil sich allgemeine Nachrichten mit Nachrichten über Freunde und entfernte Bekannte vermischt haben.“
Dass immer weniger Menschen Privates ins Facebook stellen, ist an sich nicht überraschend – ist ja auch nicht immer ganz ungefährlich. Ein falsches Wort oder eine falsche Meinung, und schon besteht die Möglichkeit, dass ein Shitstorm aufzieht. Ausserdem werden immer wieder alarmierende Artikel publiziert, die davor warnen, persönliche Details auf Facebook zu publizieren – aus Sicherheitsgründen.

Wir sind allerdings nicht der Meinung, dass die schrumpfende Anzahl Privat-Postings auf Facebook eine positive Entwicklung darstellen – im Gegenteil. Die privaten News von Freunden, am liebsten aus der Nachbarschaft, sind jene Inhalte, die Facebook für uns am Leben erhalten. 

Freitag, 22. Januar 2016

Die "Schrecklichen 5" des IT-Business'

Das neuste Werk des Amerikanischen Regisseurs Quentin Tarantino hat schon vor der Oscar-Verleihung für Schlagzeilen gesorgt. “The Hateful 8“ heisst der Titel des blutigen Westerns, und genau auf diesen Titel bezieht sich der Tech-Kolumnist der New York Times, wenn er von den “Frightful 5“ im IT-Business schreibt. Gemeint sind Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft, die fünf Giganten der Computer-Industrie, denen der Kolumnist eine lange Herrschaft der digitalen Welt vorhersagt.

Wie schrecklich sind sie, die Frightful 5 des IT-Business‘? So schrecklich und mächtig, dass sie den anderen Firmen kaum mehr die Luft zum Atmen lassen, weil sie die einträglichen Räume in der IT-Industrie längst für sich gepachtet haben und immer grösser und reicher werden, schreibt Farhad Manjoo:
“Wie auch immer der Massstab angelegt wird, diese fünf amerikanischen  Verbrauchertechnologie-Unternehmen werden immer grösser, in ihrem jeweiligen Sektor mehr und mehr etabliert, immer stärker in neuen Sektoren und immer besser isoliert gegen plötzlich autauchende neue Konkurrenten. Und obwohl der Wettbewerb zwischen den fünf Schrecklichen heftig ausgetragen wird – jedes Jahr scheinen einige davon zu gewinnen, einige zu verlieren – wird es immer schwieriger sich vorzustellen, dass eine dieser Firmen, geschweige denn zwei oder drei, irgendeinmal ihren Einfluss auf die amerikanische Wirtschaft und Gesellschaft aufgeben werden.“ 
Tatsächlich liegt die enorme Macht der grössten fünf IT-Unternehmen der Welt darauf begründet, dass es quasi unmöglich ist, ihre Dienste nicht in Anspruch zu nehmen: Netflix spielt zum Beispiel seine Filme aus der Amazon-Cloud auf die Geräte der Abonnenten, während Google mit einer Risikokapital-Firma das Taxi-Unternehmen Uber mitfinanziert. Farhad Manjoo schliesst daraus dass
“die Plattformen der fünf Grossen unvermeidbar sind. Es mag möglich sein, auf eine oder zwei davon zu verzichten. Zusammengenommen bilden diese Plattformen aber ein vergoldetes Geflecht, das die ganze Wirtschaft abdeckt“.
Auch andere Marktbeobachter geben sich besorgt, wenn es um die Dominanz der grossen IT-Firmen geht, wie die Welt berichtet. Bei der EU macht man sich vor allem über vier grosse IT-Unternehmen Sorgen – da werden aus den Schrecklichen 5 die Schrecklichen 4 – Microsoft gehört nicht mehr dazu:
“Der Zirkel besteht aus vier Unternehmen, die sich von Start-ups zu globalen Giganten aufgeschwungen haben: Google, Apple, Facebook und Amazon. GAFA. So lautet die Kurzform für das Quartett, erfunden von der Europäischen Union. Die vier amerikanischen Internetunternehmen besitzen einen Marktwert von 1,7 Billionen Dollar – das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt der einstigen Supermacht Russland. Diese schiere Größe ist zu einem Risiko für die Welt geworden […]Brüssel rüstet deshalb auf gegen die gefürchtete GAFA. So hatte etwa der frühere Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia jahrelang versucht, Googles Vormachtstellung unter den Suchmaschinen mittels Diplomatie zu begrenzen – seine Nachfolgerin Margrethe Vestager hingegen geht direkt zum Angriff über. Vestager leitete ein Klageverfahren ein, das für Google zu einer Geldstrafe von bis zu 6,6 Milliarden Dollar und harten Auflagen führen könnte…“
Die Zukunft wird interessant werden im IT-Sektor. Wir glauben nicht daran, dass die Dominanz der “Schrecklichen 5“ unverrückbar ist. Die IT-Industrie ist immer in Bewegung; nicht vorhersehbare Entwicklungen sind an der Tagesordnung. Wurde nicht IBM, vor noch nicht allzu langer Zeit, einmal als Gigant der Giganten angesehen, der unaufhaltsam der technischen und wirtschaftlichen Weltherrschaft zustrebte…?
Hateful 8 oder Frightful 5: Die Ersteren sind definitiv brutaler, aber auch unterhaltsamer...

Sonntag, 25. Oktober 2015

Social Media: Totgesagte leben länger!

Sie haben es sicher auch schon gelesen: Mit Twitter läuft’s nicht so recht, sogar Stellen werden gestrichen. Facebook ist auch nicht mehr, was es einmal war; Jugendliche finden die Plattform nicht mehr spannend, seitdem sich auch ihre Eltern dort tummeln. Obwohl diese Trends nicht falsch sind, sieht die Social-Media-Wirklichkeit aber immer noch extrem positiv aus. Digitale Kommunikationsplattformen sind quicklebendig, und fressen jedes Jahr mehr User-Zeit.

Wir verbringen immer mehr Zeit mit Social Media.   Quelle GlobalWebIndex
Wer negative Schlagzeilen über Social Media sucht, findet diese auch: “Überalterung: Junge flüchten aus Facebook“ ist eine solche Story, die immer wieder mal in den Medien auftaucht und sicher nicht nur einen wahren Kern, sondern auch eine positive Seite hat. Denn, wie zum Beispiel  auf diepresse.com erklärt wird:
Während die Jungen aus Facebook fliehen, ist die Zahl der über 55-Jährigen in den vergangenen drei Jahren um über 80 Prozent angestiegen. Mittlerweile tummeln sich drei Mal so viele ältere Semester als Teenager im Netzwerk. In Grossbritannien ist Facebook […] bei den Jüngeren bereits komplett abgemeldet. Spätestens wenn die erste Freundschaftsanfrage der Mutter kommt, ist es für viele Teens an der Zeit, das Kapitel Facebook wieder zu schliessen…“
Auch Twitter hat nach dem Hype des Börsengangs mit negativer Berichterstattung (hier auf welt.de) zu kämpfen:
Der Kurznachrichtendienst Twitter steckt in der Krise: Das enttäuschende Wachstum an Nutzern drückt den Aktienkurs. Jetzt steuert der neue Chef Jack Dorsey gegen. […]Twitter-Mitgründer Jack Dorsey setzt nach wenigen Tagen als ständiger Konzernchef einen massiven Stellenabbau in Gang. Wegfallen sollen rund acht Prozent der Belegschaft, das wären maximal 336 Jobs…“
Doch diese negativen Schlagzeilen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Phänomen der Social Media immer noch quicklebendig ist und weiter zulegt. Das zeigen auch die neusten Zahlen von GlobalWebIndex. Die Erhebung unter 170‘000 Nutzern hat herausgefunden, dass durchschnittliche User fast ein Drittel ihrer gesamten Internetzeit auf Social Media verbringen. Das sind jeden Tag fast 1,8 Stunden. Vor allem junge Nutzer lieben ihre Netzwerke: 16- bis 24-Jährige investieren  2,7 Stunden täglich in Social Media, die 25- bis 34-Jährigen knapp 2,2 Stunden. Die Plattformen werden zu Zeitfressern (siehe Grafik); andere Online-Aktivitäten wie etwa Online Videos oder News liegen weit hinter den Social Networks zurück, was den täglichen Zeitaufwand der User betrifft.

Die enorme Popularität sozialer Networks zeigt sich auch in deren Nutzerzahlen. So gibt es rund 2,1 Milliarden aktive Social-Media-Nutzer, davon allein 1,3 Milliarden mobile Facebook Nutzer. Mehr als 70 Prozent aller Erwachsenen sollen Facebook-Nutzer sein. Ebenfalls beeindruckend: 60 Millionen neue Fotos werden jeden Tag auf Instagram geladen. Bei YouTube sind es pro Minute mehr als 300 Stunden (!) neues Videomaterial. 

Freitag, 1. Mai 2015

Protzen und Schwindeln: Facebook & Co. und das gefälschte Leben

Golfen in der Toscana, ein toller Flirt oder ein spontaner Trip - glaubt man den Beiträgen in sozialen Netzwerken, geht  jedes Wochenende die grosse Party ab. Aber ist das wirklich so? Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage von lastminute.de hat jeder dritte Deutsche schon ähnliche Geschichten über Wochenend-Erlebnisse erfunden, und bei den 18- bis 24-jährigen gibt sogar knapp die Hälfte an, sich durch erschwindelte Aktivitäten interessanter zu machen . Deutschland ist somit im Europavergleich absoluter Spitzenreiter der "Wochenend-Schwindler" vor Spanien, Italien, England und Frankreich. (Die Schweiz war in der Umfrage nicht eingeschlossen.) Der Grund für das gefälschte Leben: die Angst davor, langweilig zu wirken oder mit den Aktivitäten der Freunde nicht mithalten zu können.

Da haben wir in England ein paar Tage mit Freunden verbracht - oder etwa doch
nicht?                                                                                                            Bild PfW 
Am Wochenende mutieren Facebook, Twitter und Co. zur digitalen Scheinwelt und zum Wettbewerb der Eitelkeiten.  Einer von sechs deutschen Usern gibt nämlich zu, schon mal einen oder mehrere Beiträge auf Social-Media-Kanälen über eine grossartige Wochenend-Aktivität gefälscht zu haben, oder aber mit seinen Beiträgen und Bildern bewusst zu protzen. Und es scheint sogar zu funktionieren: Jeder zehnte User wird nämlich gemäss eigenen Angaben neidisch, wenn er die Beiträge über aufregende Aktivitäten der anderen Nutzer in sozialen Netzwerken sieht.
Wer auf den zahlreichen verfügbaren Social-Media-Kanälen die Aktivitäten von echten und Möchtegern-Prominenten verfolgt, könnte schon mal unzufrieden werden: So ein Leben in der Mietwohnung mit 40-Stundenwoche und einem beschränkten Budget ist nun mal nicht mit dem Leben der Stars in Hollywood zu vergleichen. Da kann schon das Bedürfnis aufkommen, die Freizeit mit Action und Abenteuern vollpacken zu müssen. So überrascht es nicht, dass die häufigste Wochenendlüge der Deutschen der spontane und aufregende Wochenendtrip ist, den sich immerhin fast jeder Vierte schon einmal ausgedacht hat, um Freunde und Kollegen zu beeindrucken. Sage und schreibe vier Prozent dieser Schwindler haben sich am Sonntagabend nach eigenen Angaben noch schnell einen Selbstbräuner aufgetragen, um Montagmorgen vorgeben zu können, auf Reisen gewesen zu sein.
Und was geben die Schwindler für Gründe für Ihre Lügen an?
Ein Viertel von ihnen “möchte nicht, dass jemand denkt, sie wären langweilig“. Fast ein Viertel findet dass ihre Wochenenden im Vergleich zu Freunden und Bekannten nicht gut genug seien. Jeder sechste möchte bei den tollen Wochenend-Stories ihrer Freunde mitmachen können, und zehn bis zwölf Prozent möchten sich beliebter machen oder sehnen sich ganz einfach nach einem aufregenderen Leben. Facebook und Co. üben also, wie schon in früheren Studien nachgewiesen, viel sozialen Druck aus und können durchaus auch unzufrieden machen. 
Wir sind lastminute.de dankbar für diese Umfrage – nicht weil die Marketing-Strategie Sinn macht, sondern weil die Resultate einen lange gehegten Verdacht bestätigt haben. Um den schwerreichen Bernie Ecclestone zu zitieren: “ Jeder ist so ehrlich, wie er es sich leisten kann“ – das gilt auch für Facebook, Twitter und Instagram. 

Montag, 23. März 2015

Social-Media-Selfie: Facebook wächst, Twitter stagniert, Meerkat explodiert

Sie sind mit grosser Vorsicht zu geniessen, die Social-Media-Trends, die regelmäßig das Absterben des Facebook-Booms oder die kommende Twitter-Tsunami voraussagen. Abgesehen davon, dass seit den Börsengängen dieser Firmen immer auch handfeste finanzielle Interessen hinter solchen Prognosen stehen, sind es immer nur Momentaufnahmen – sozusagen Social-Media- Selfies – die mit solchen Zahlen präsentiert werden. Trotzdem sind sie momentan sehr interessant – vor allem wenn ihnen Millionen von Verlinkungen und Klicks als Basis zugrunde liegen.

Zu füh den Niedergang vorhergesagt: Facebook geht es gut!
Genau so ist das beim Bitley-Index, der zu diesem Zweck monatlich mehr als 600 Millionen  Links im Web und acht Milliarden Klicks auf diese Links auswertet. Die neusten Zahlen zum Thema Social Media, veröffentlicht im Februar dieses Jahres, betreffen das vierte Quartal des letzten Jahres und fallen einigermassen überraschend aus. Das wichtigste Ergebnis: Der vielerorts vorausgesagte Niedergang von Facebook hat sich in eine kräftige Wachstumsrate verwandelt, die vor allem durch mobile Anwender getrieben wird. Twitter hingegen, schon immer eine mobile App, scheint das Interesse der Anwender weniger zu fesseln als auch schon.
Das sind die genauen Zahlen:
Facebook konnte einen totalen Nutzungszuwachs von 8,6 Prozent verzeichnen, bei den mobilen Nutzern betrug der Zuwachs sogar 30,2 Prozent. Die Facebook-Nutzung am Desktop-PC ging um 20 Prozent zurück, am Tablet blieb sie sich gleich.
Ganz anders bei Twitter.
Da fiel die Gesamtnutzung um ganze 4,9 Prozent, mobil um 2,5 Prozent, am Desktop und am Tablet um je gute 10 Prozent.
Für Twitter ist das ein herber Rückschlag. Er kommt allerdings nicht ganz unerwartet, wenn man die Twitter-Nutzerprofile und die Entwicklung der vergangenen Monate berücksichtigt. So hat die Fotoplattform Instagram (übrigens eine Facebook-Tochter) Twitter schon im letzten Jahr überholt, was die Zahl der User betrifft.
Twitter lässt das Versenden von Nachrichten zu, die nicht länger als 140 Zeichen sind und wird vorwiegend von Menschen benutzt, die den Dienst dazu benutzen, ihre (kurz gefasste) Meinung zu allem und jedem in die Welt heraus zu twittern. Politiker, Künstler und vor allem Journalisten lieben Twitter – unter anderem deshalb, weil die Plattform es erlaubt, Meinungen im digitalen Raum zu verbreiten und mittels digitalem Echo zu verstärken – und zwar in ungemein kurzer Zeit. Bei weitem am populärsten ist Twitter in den USA, während die Nutzerzahlen in der Schweiz und in Deutschland hinterherhinken. Wer auf Twitter eine grosse Fangemeinde hat, kann diese mit dem Dienst schnell und unkompliziert erreichen – ganz ähnlich wie auf Facebook . Facebook-Einträge sind in der Regel länger und weniger vergänglich als Tweets, und es scheint, als ob Facebook-User loyaler sind, als Twitter-User.
Wie gesagt: Bei diesen Zahlen handelt es sich um Momentaufnahmen. Neue Dienste werden kommen, und die althergebrachten in den Schatten stellen – oder weiter wachsen lassen. Wie zum Beispiel die Video-App Meerkat, die es erlaubt, auf einfachste Weise Live-Videostreams zu versenden. Die Anwendung scheint einzuschlagen wie eine Bombe  – Twitter allerdings scheint sich eher davon bedroht zu fühlen und hat den Zugriff der App auf die Twitter-Plattform vorläufig eingeschränkt.

Was die Rendite von Twitter betrifft, sieht es trotz hohen Aktienpreisen eher düster aus: Einige Analysten prognostizieren, dass Twitter in diesem Jahr profitabel werden könnte – wenn man optimistische Annahmen zugrunde legt. Facebook ist da schon weiter: Die Anleger freuen sich über kräftige Gewinne, was sich auch in den Aktienpreisen niederschlägt.


Sonntag, 14. Dezember 2014

Nie mehr selber denken?

Ganz ohne eigene Gedanken und eigenes Urteilsvermögen geht es wohl noch nicht, trotz dem Angebot an digitalen Assistentinnen, das uns zum Ausklang des Jahres 2014 zur Verfügung steht. Aber wir sind sicher schon gut dem Weg dahin, wo uns eine digitale Anstandsdame davor warnen wird, keine peinlichen Bilder ins Netz zu stellen, wenn wir uns nicht blamieren wollen. Genauso, wie ein guter Butler, können digitale Assistenten natürlich nur richtig funktionieren, wenn sie uns gut kennen. Mit anderen Worten: Sie wollen möglichst viele Daten von uns haben.

Amazons digitaler Assistent ist gleichzeitig ein Lautsprecher. Momentan
ist er allerdings für die breite Masse noch nicht erhältlich, sondern nur "auf
Einladung".                                                                                 Bild Amazon
Das neuste Angebot in der Reihe der zumeist weiblich tönenden digitalen Lebensberater heisst Cortana. Sie ist im Windows Smartphone zuhause und wird oft als Siri-Abklatsch bezeichnet. Siri ist die erfahrenste der Assistentinnen und kommt mit dem iPhone von Apple. Doch bleiben wir noch einen Moment bei Cortana. Zitat aus einem Spiegel-Artikel:
“Der Assistenz-Charakter von Cortana wird dadurch unterstrichen, dass die Software beispielsweise auf anstehende Termine hinweist und dem Nutzer aktuelle Nachrichten aus dem Netz zusammensucht, die zu seinen Vorlieben passen. Dabei verlässt sie sich einerseits auf Präferenzen, die man manuell am Handy vorwählen kann. Zusätzlich soll sie in der Lage sein, aus dem Nutzungsverhalten des Anwenders zu lernen und so mit der Zeit immer genauer vorherzusehen, was ihn interessieren könnte.“
Microsoft erklärt worum es genau geht:
“Cortana ist eine dialogorientierte, verstehende persönliche Assistentin, die den Nutzer bei verschiedenen Anforderungen unterstützt. Durch ihre Lernfähigkeit kann sie Themen vorausschauend behandeln und Empfehlungen aussprechen. Damit gehen ihre Funktionen über die von bestehenden Sprachassistenten hinaus. So wird Cortana zum Beispiel, wenn der Nutzer täglich vor dem Aufbruch zur Arbeit nach Wetter- und Verkehrsbedingungen fragt, die Informationen nach einigen Wiederholungen selbständig anbieten, der Nutzer muss nicht mehr aktiv werden. Vorbedingung hierfür ist, dass Cortana die Gewohnheiten des Nutzers kennt. Je mehr sie weiß, desto hilfreicher ist sie, wenn es darum geht, mehr als nur Fragen zu beantworten. Die Entscheidung, was Cortana weiß, liegt beim Nutzer.“
Auch für Amazons neusten Assistenten, der für einmal nicht im Telefon, sondern im Lautsprecher eingebaut ist, gilt dasselbe: Je mehr Daten sie bekommt, die Assistentin, desto besser assistiert sie:
“Vor kurzem hat der Internet-Versandhändler Amazon ein zylinderförmiges Gerät namens Echo vorgestellt. Mit seinen hochempfindlichen Mikrofonen lauscht es ständig, ob irgendjemand das Codewort sagt. Um dann im Internet etwas zu suchen, Termine und Erinnerungen zu verwalten, das TV-Programm vorzulesen, die neuesten Schlagzeilen. Oder die Lieblingsmusik abzuspielen. Dass Amazon dafür ein eigenes Gerät gebaut hat, das nichts anderes tut, ist neu…“
Auch Facebook arbeitet übrigens an einem digitalen Assistenten. Dessen wichtigste Funktion soll es sein, die User vor sich selbst zu warnen, wenn sie zum Beispiel ein peinliches Bild von sich ins Netz stellen wollen, aber auch darüber zu informieren, wenn jemand anders sich im Netz unflätig über sie äussert.
Na also: Bald hilft uns die digitale Assistentin auch beim Anziehen. Wurde aber auch Zeit. Beim Autofahren sind schliesslich auch schon zahlreiche digitale Heinzelmännchen tätig. Die heissen dann Abstandsmesser, Geschwindigkeitsregler und Spurhalteassistenten.  Damit wir unser Denkorgan endlich auch im Auto nicht mehr so sehr anstrengen müssen und Zeit für Wichtigeres haben.



Sonntag, 24. August 2014

Unsocial Media

Twitter und Facebook sind schön und gut, wenn wir damit mit Freunden und Bekannten kommunizieren können. Wenn dann auf unseren Kanälen plötzlich sogenannte “Trolle“ auftauchen, die bösartige Posts platzieren und damit das angenehme Klima vergiften, kann das Soziale plötzlich sehr unsozial werden.

Es ist kein Zufall, dass es diesen Button auf Facebook nicht gibt. Niemand wird
gerne kritisiert - schon gar nicht wenn es alle anderen sehen.
Privatpersonen, die sich nicht in der Öffentlichkeit exponieren, müssen sich glücklicherweise selten mit Bosheiten dieser Art herumschlagen. Prominente und solche, die es gerne sein möchten, können hingegen sehr schnell ins Visier digitaler Trolle geraten – nicht immer ganz unverschuldet, wie der Fall des Badener Stadtammans Geri Müller zeigt. Dieser musste in den Tagen nach der Veröffentlichung seiner exhibitionistischen Tweets viel einstecken. Die Häme der Medien, sozial und unsozial, ergoss sich über dem Politiker, den zum Beispiel Blick-Online schadenfreudig in sechs verschiedensten Artikelüberschriften nur noch “Grüsel Geri“ nannte, eine Bezeichnung die von Social-Media-Usern freudig aufgenommen, weiterverarbeitet und verbreitet wurde.
Freilich können aus Social Media auch Unsocial Media werden, wenn es überhaupt nicht angebracht ist. So wurde zum Beispiel die Tochter des kürzlich verstorbenen Robin Williams nach dessen Tod auf Twitter dermassen belästigt, dass sie bekanntgab, sich als User zu verabschieden. Twitter will versuchen, solche Vorfälle in Zukunft zu unterbinden: Zitat aus der NZZ:
“Die Betreiber des Kurznachrichtendiensts kündigten an, dass man etwas unternehmen wolle. Nun hat Twitter in seiner Support-Datenbank dargelegt, wie Angehörige gegen Belästigungen vorgehen können. Die entsprechenden Zeilen am Ende des Dokuments finden sich allerdings erst auf der englischen Page. «Um den Wünschen von Hinterbliebenen zu entsprechen, entfernt Twitter Bildmaterial von Verstorbenen unter bestimmten Umständen.» Nahe Familienmitglieder oder «andere befugte Personen» können demnach über die E-Mail-Adresse privacy@twitter.com an das Social Network gelangen und die Löschung von Bildern oder Videos verlangen.“
Ob Twitter oder Facebook – wenn es der Umgang rau wird, wird es für die meisten Menschen unangenehm. Man will geliebt werden – nicht kritisiert oder gar belästigt. Nicht umsonst gibt es auf Facebook neben dem “Gefällt-mir-Knopf“ keinen “Das-ist-ja-doof-Knopf“.

Die einzigen, die sich wirklich damit abfinden müssen, dass es auf Social Media hart zugehen kann, sind jene, die sie für PR-Zwecke benutzen – zum Beispiel Politiker. Für alle anderen User gilt es, Privates so privat wie möglich zu halten und nur mit Menschen zu teilen, die sie kennen. Damit aus Facebook nicht plötzlich Hatebook wird.


Mittwoch, 5. Februar 2014

Die Hassliebe der Narzissten

Zehn Jahre gibt es Facebook schon, das perfekte Tool der Neidgesellschaft. Gemäss eigenen Zahlen zählt das soziale Netzwerk über eine Milliarde registrierte Nutzer - wenn man die gefälschten, unechten oder sonst illegitimen Konten nicht abzieht, die immerhin gegen 10 Prozent der Gesamtzahl ausmachen sollen. In der Schweiz gibt es rund 3 Millionen Nutzer. Facebook ist von einem Studenten-Tool zu einer Börsenkotierten Firma geworden, die verrückte 130 Milliarden Dollar Wert ist. Die interessanteste Frage, die sich heute stellt, ist jene nach der Zukunft. Wird Facebook die nächsten 10 Jahre als milliardenschweres Unternehmen überleben? Oder wird es überaltern, uncool werden, Nutzer verlieren und enden wie MySpace?

Es deutet vieles daraufhin, dass Facebook an seinem zehnten Geburtstag den Zenit schon überschritten hat. Vor allem junge Anwender wenden sich ab, hört man; Teenager wollen sich nicht mit Papi und Mami im gleichen digitalen Umfeld tummeln. Wer kann es ihnen verübeln. Trotzdem ist es heute äusserst schwierig, eine Prognose für die nächsten 10 Facebook-Jahre zu erstellen Twitter hin oder her.  Interessante Berichte zum Thema gibt es aber allemal. Zum Beispiel vom Spiegel-Online Amerika-Korrespondenten, der selber nicht so richtig weiss, wieso er mitmacht:
“Facebook hat mich zu einem Narzissten gemacht. Oder besser, es hat den Narzissten in mir hervorgebracht. Gleichzeitig rege ich mich natürlich über den offenen Narzissmus anderer auf. Facebook ist zu einer Doku-Soap geworden, die ich hasse, bei der ich aber mitspiele […]. "Time" hat ein Onlinewerkzeug veröffentlicht, das berechnen soll, wie viel Zeit man auf Facebook verschwendet hat. Mein Ergebnis: 169 Tage, sechs Stunden und 35 Minuten. Fast ein halbes Jahr, verschluckt im blauen Loch. Darüber denke ich jetzt mal nach und teile das dann.“
Auch bei zeit.de stellt man sich die Frage: "Wollen wir wirklich noch einmal zehn Jahre mit Facebook verbringen?“
“Heute sind wir dank Facebook mittendrin im Leben der anderen und finden es völlig normal: Wir sehen, wie Bärbel aus der achten Klasse durch Venedig läuft und dass Jörg am Wochenende wieder mit den Fußballern saufen war. Wir bekommen mit, wie so mancher Beziehungsstatus zwischen Freitag und Montag von "Single" zu "In einer Beziehung" und wieder zu "Getrennt" wechselt. Je mehr obskure Freunde und Likes man bekommt, desto satisfaktionsfähiger glaubt man zu sein. Deine Schwiegermutter ist Facebook beigetreten – jefällt ma! Lieschen Müller hat zum fünften Mal ein Foto einer veganen Currywurst gepostet – jeht ab! Oversharing heißt der Begriff für das Teilen privater Details mit einer Öffentlichkeit, und nach einer aktuellen Umfrage geht es 36 Prozent aller Nutzer auf den Keks. Davon abhalten tut es trotzdem nur die Wenigsten.“
Die NZZ fokussiert mehr auf die wirtschaftliche Seite des Geburtstagskinds:

“Mark Zuckerbergs Vermögen entspricht heute etwa dem Bruttosozialprodukt Nepals. Die neusten Geschäftszahlen stimmten die Anleger froh, Facebook wächst. Zurzeit erobert das Netzwerk gerade den Markt der Nutzer mobiler Geräte. Die seit Anfang 2012 an der Börse gehandelte Aktie wird allseits zum Kauf empfohlen. Facebook macht aus Nutzerdaten Dollars. Doch die eigentliche Währung ist die Treue seiner Nutzer. Solange diese ihre Daten zur Verfügung stellen, läuft die Maschinerie lustig weiter. Doch das Internet ist ein Haifischbecken motivierter Jungunternehmer, wie Mark Zuckerberg selbst einer ist. Und die Konkurrenz versucht mit aller Kraft, dem Giganten den Rang abzulaufen…“

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Wo der Nutzen wichtiger ist, als die Sympathie

Wenn private Nutzer auf Facebook aktiv sind, spielen persönliche Neigungen, Freundschaften und Sympathien oft die wichtigste Rolle. Wenn es aber um’s Konsumieren geht, gelten im Social Web andere Gesetze, als in klassischen Werbekanälen. Sympathien spielen hier nur eine untergeordnete Rolle. Konsumenten favorisieren Marken auf Plattformen wie Facebook in erster Linie, um sich zu informieren und wenn möglich vergünstigte Angebote zu erhalten. Mit anderen Worten: Werbung mit nützlichen Inhalten bringt Kunden; Werbegags sind weniger gefragt.

Die Studie „Markenführung 2.0 – Ein Social Media UserKompass“ zeigt, dass  fast neun von zehn Konsumenten auch dann Fan oder Follower werden, wenn sie keine Sympathien für eine Marke aufbringen. Vielmehr geht es in den allermeisten Fällen darum, Zusatzinformationen und gute Angebote zu finden. Die Sympathie für eine Marke kommt dagegen mit deutlichem Abstand an zweiter Stelle. Nur jeder dritte User gibt eine Identifikation mit der Marke als Grund für das Drücken des Like-Buttons an.
Diese pragmatische Einstellung der User szeigt sich auch in ihrer Erwartungshaltung hinsichtlich der Markenauftritte im Social Web. Drei von vier Befragten empfinden einen Markenauftritt als gut, wenn nützliche Marken- oder Produkteinformationen vermittelt werden. Ob ein Markenauftritt unterhaltsam oder witzig ist, ist nur für ein gutes Drittel der User wichtigt.
Über 70 Prozent der Befragten sind Fans oder Follower mindestens einer Marke.  Rund 28 Prozent geben an, mit mehr als zehn Marken im Social Web verbandelt zu sein. Die Untersuchung zeigt aber auch, dass diese Bande nicht sehr stark sind. Wenn Marke oder Produkt nicht mehr gefallen, die zu viel Werbung beim Verbraucher ankommt, oder sonst keine Identifikation mit der Marke mehr gegeben ist, wenden sich die User  wieder ab.

Die  Studie, die  das Institut für Marktorientierte Unternehmensführung der Fakultät für Betriebswirtschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München in Zusammenarbeit mit der Agentur webguerillas durchgeführt hat, kann hier heruntergeladen werden. 

Freitag, 8. November 2013

Jeder dritte Händler hat keinen eigenen Onlineshop

In der Schweiz wurden im letzten Jahr mehr als 10 Milliarden Franken im Online-Handel umgesetzt; 33,1 Milliarden Euro Umsatz werden dieses Jahr gemäss Prognosen im deutschen E-Commerce erwartet. Der Online-Handel boomt also, und ein grosser Teil der Verbraucher kauft inzwischen regelmässig im Internet ein. Trotzdem, so hat eine deutsche Untersuchung ergeben, hat jedes dritte Unternehmen noch keinen eigenen Onlineshop; jeder sechste Händler vertreibt sein Angebot ausschließlich offline. Immerhin: Jeder zweite ist mit einer Facebook-Seite im Netz. 30 Prozent der Unternehmen, die keinen eigenen Onlineshop betreiben, nutzen soziale Netze, wie Facebook, als Vertriebskanal.


Online Shops (wie der hier gezeigte Opacc Enterprise Shop) generieren
Milliardenumsätze.
Zwei Drittel der im Rahmen der Artegic-Studie "Online-Dialogmarketing im Retail 2016" befragten Händler, erwirtschaften mehr als 25 Prozent ihres Gesamtumsatzes im Internet. Neben dem Internet sind natürlich auch die traditionellen Vertriebswege für den Handel weiterhin fester Bestandteil im Verkauf – viele Kunden gehen immer noch gerne in den Verkaufsladen. Diese Gelegenheit wird sich auch im digitalen Zeitalter weiterhin bieten: Sechs von zehn befragten Händlern führen ein oder mehrere Ladengeschäfte. Auch der altehrwürdige Katalog spielt immer noch eine wichtige Rolle. Bei immerhin 36 Prozent der befragten Händler können Kunden im gedruckten Katalog blättern und einkaufen.
Für die Kommunikation mit potenziellen Kunden setzen allerdings fast alle befragten Händler auf das Internet. Ganz gleich, ob sie im eigenen Onlineshop, über Partnerplattformen wie Amazon und Ebay, im stationären Geschäft oder per Katalog verkaufen, mehr als 80 Prozent betreiben E-Mail-Marketing oder planen dies in Zukunft zu tun. Auch Facebook wird im Handel weiter an Bedeutung gewinnen, wenn die Händler ihre Pläne in die Tat umsetzen: In Zukunft wollen nämlich zwei Drittel der befragten Händler in diesem sozialen Netzwerk aktiv sein.
Verkannt wird derzeit noch das Bilderteilnetzwerk Pinterest. Es wächst schnell und wäre mit 864‘000 Nutzern, die Bilder und Fotos mit Freunden teilen, eigentlich ideal für Händler mit gutem Bildmaterial, die so ohne zusätzliche Werbekosten Nutzer erreichen könnten, die Anregungen suchen und weitergeben. Nur 17 Prozent der Händler bieten ihre Produktbilder zum Teilen auf Pinterest an. Jeder sechste kennt das Netzwerk noch gar nicht.
Die Studie kann kostenlos auf der artegic-Webseite heruntergeladen werden. 

Dienstag, 3. September 2013

Facebook: Das perfekte Tool für die Neidgesellschaft

Die Stories ähneln sich, und sie erscheinen durchaus nicht nur in der Sauregurkenzeit: Gemäss wissenschaftlichen Untersuchungen macht Facebook seine Nutzer unzufrieden und unglücklich. Die aktuellste einer ganzen Reihe derartiger Untersuchungen kommt aus den USA und hat junge Nutzer unter die Lupe genommen. Mal angenommen, dass Facebook wirklich unglücklich macht – wo liegt denn der Grund für diese digital verursachte Traurigkeit? 
Eine digitale Gleichung: Neid macht traurig - Facebuch macht neidisch, also
macht Facebook traurig...


Die Neidgesellschaft im westlichen Wohlstand ist längst diagnostiziert worden. Neid gilt längst nicht mehr nur als Gift, sondern auch als Antriebskraft, die einem weiterbringen kann. Das passt dann auch zum oberflächlichen Materialismus und Personenkult, der das digitale Zeitalter prägt, wie keines zuvor. Facebook ist sozusagen das perfekte Tool, um in diesem Reigen mitzutanzen und dabei auch noch gut auszusehen (die Ausnahmen bestätigen die Regel). Wir haben gelernt, uns digital so darzustellen, wie auch öffentliche Personen digital dargestellt werden: Cool, vor dem perfekten Hintergrund, in jenen Situationen, die bei den Facebook-Freunden Eindruck machen sollen.
Doch der ständige Vergleich mit unseren Mitmenschen scheint sich negativ auf das Wohlbefinden auszuwirken. Das hat auch die neuste Facebook-Studie aus Michigan gezeigt:
“Dabei wurde die Laune der Testpersonen immer schlechter, je häufiger sie das soziale Netzwerk nutzten. Woher der Zusammenhang kommt, konnten die Forscher nicht eindeutig herausfinden. Eine mögliche Erklärung der Experten: Die ständig sichtbaren Aktivitäten der Facebook-Freunde könnten zu Neid und Minderwertigkeitsgefühlen führen.“

Die Studie aus Michigan ist nicht die erste, die derartige Schlüsse zieht. Auch an Deutschen Universitäten kam man zu ähnlichen Ergebnissen: 
“Soziale Netzwerke lösen einer Studie zufolge bei einem Teil ihrer Nutzer negative Gefühle aus. Über ein Drittel der von ihnen befragten Facebook-User fühle sich während und nach der Nutzung schlecht, haben Forscher der Technischen Universität Darmstadt und der Humboldt-Universität zu Berlin herausgefunden. Sie seien einsam, müde, traurig oder frustriert. Als wesentlichen Grund sehen die Forscher den Neid auf die positiven Nachrichten der Facebook-Freunde […] Um diese negativen Gefühle zu kompensieren, komme es zu einer ausgeprägteren Selbstpräsentation auf Facebook – die wiederum Neidgefühle bei anderen hervorrufe. Die Forscher sprechen von einer ‘Neidspirale‘.“

 Eigentlich dürfte uns das nicht verwundern. Der französische Schriftsteller Charles-Louis de Montesquieu hat es schon vor 300 Jahren treffend gesagt: “Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.“

Donnerstag, 11. Juli 2013

Schweizer Firmen tun sich schwer mit Facebook & Co.

Schweizer Unternehmen setzen bei Social Media und mobilen Angeboten vor allem auf Präsenz. Die weitergehenden Kommunikationsmöglichkeiten beider Technologien werden nicht voll genutzt. Dies ist ein Ergebnis der Studie, die von Capgemini Consulting im Frühling 2013 durchgeführt wurde. Ein weiteres Ergebnis, das eher überraschend erscheint, ist die Tatsache, dass sich Schweizer Firmen weniger intensiv mit Social Media beschäftigen als noch vor einem Jahr.

Weshalb sich die untersuchten Unternehmen weniger intensiv mit Facebook und Co. beschäftigen, als noch im letzten Jahr, ist der Capgemini-Studie nicht zu entnehmen. Das Verhalten entspricht allerdings einem nicht mehr ganz neuen Trend, der, zumindest bei Facebook, auch auf andere Nutzer zutrifft. Vielleicht ist auch nur der Reiz des Neuen verflogen, oder der Nutzen ist für viele Unternehmen nicht klar ersichtlich.
Gemäss der Studie, sind Schweizer Firmen durchschnittlich in drei Social-Media-Kanälen präsent, allerdings mangle es an einer erkennbaren Strategie, die über klassisches Marketing hinausgeht.  Es gehe heute um mehr, als nur Reichweite zu generieren, sagt Guido Kaman von Capgemini. Nicht genutzt werde vor allem das Potential in den Bereichen, Personal, Vertrieb, Innovation und Interaktion mit Kunden.
Twitter und Facebook bleiben in der vorliegenden Studie die bei Schweizer Unternehmen populärsten Kanäle, wie im Vorjahr. Etwa Dreiviertel der untersuchten Unternehmen sind dort präsent. Knapp dahinter folgt YouTube (70 Prozent), wohingegen bei XING, dem sozialen Netzwerk für berufliche Kontakte, mit 51 Prozent nur gut die Hälfte der Unternehmen einen eigenen Auftritt hat. Eine genauere Untersuchung der Nutzungsintensität, mit Kriterien wie Qualität der Inhalte, Frequenz der Beiträge, Einbeziehung der Kunden sowie Marktpenetration, zeigt: Am intensivsten nutzen Unternehmen immer noch Facebook, gefolgt von Twitter, YouTube und XING. 
Ähnlich sieht die Situation bei mobilen Angeboten der Unternehmen aus. Durchschnittlich bieten sie Apps für zwei mobile Plattformen an. Dabei liegt iOS mit etwa 80 Prozent der Unternehmen vorne, gefolgt von Android mit 46 Prozent (obwohl es natürlich mehr Android als Apple-User gibt). Im Fokus stehen dabei Anwendungen, die den Kunden und User im Alltag nutzbringend unterstützen, hinzu kommen in einigen Branchen Apps für besseren Kundenservice und stärkere Interaktion. Es werden auch Technologien wie Augmented Reality eingesetzt, beispielsweise um Kunden zur nächsten Filiale zu leiten oder um Produkte in ihrem geplanten Einsatzgebiet einzublenden. In den Bereichen Recruiting und Open Innovation sind dagegen bisher kaum mobile Lösungen im Einsatz.

Die Studie zeigt auch, dass selbst die Unternehmen, die in ihrer Nutzung von Social Media und Mobile die höchsten Punktzahlen aufweisen, noch weit davon entfernt sind, das Potenzial von Social Media oder Mobile vollumfänglich auszunutzen. Guido Kamann: 
"Social Media und mobile Angebote sind zwei zentrale Treiber der digitalen Transformation. Hierbei geht es um den nachhaltigen Veränderungsprozess hin zu digitalen Geschäftsmodellen. In der Untersuchung wird deutlich, dass Schweizer Unternehmen bisher diese Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft haben.“ 

Montag, 13. Mai 2013

Ist Facebook die Wurzel allen Übels?

Man hat’s ja schon lange vermutet und auch schon gehört oder gelesen: Das Internet im Allgemeinen sowie Smartphones  und Facebook sind die Wurzel allen Übels. Sie machen uns blöd, oberflächlich und unaufmerksam. Das behauptet schon wieder ein Buch, diesmal von einer Österreichischen Autorin, die vor kurzem ihr Geld auch noch in dieser oberflächlichen Branche verdient hat. Es hat also eine Ablösung stattgefunden: Früher, als wir aufwuchsen, war noch das Fernsehen an der gesellschaftlichen  Verdummung schuld, jetzt hat Facebook den Job übernommen.

Wir können nur hoffen, dass es nicht ganz so schlimm ist.
                                                                                   Amazon.de
Mal ganz ohne Sarkasmus: Das Internet ist ein gewaltiges Instrument. Es hat kommunikative Möglichkeiten geschaffen, die noch vor kurzem absolut unmöglich, sogar unvorstellbar waren. Ähnliches gilt für Facebook. Trotzdem eröffnen die neuen Technologien auch enorme Missbrauchsmöglichkeiten. Man kann sich ausmalen, was passiert, wenn man einem Idioten den Schlüssel zu einem Ferrari überlässt. Ähnliches gilt für das Internet und Facebook – nur braucht es da keinen Schlüssel. Deshalb ist es sicher nicht schlecht, wieder mal ein paar Tipps über den Umgang mit den neuen Kommunikationsmitteln zu lesen. Erstaunlich, wie oft man sich in den kritisierten Verhaltensweisen wiedererkennt. Die österreichische Autorin Anitra Eggler hat schon zwei Bücher unter dem Übertitel “Digitaltherapie für Ihr Internet-Ich“ geschrieben. In einem Interview mit dem Tagesanzeiger hatte sie einige pointierte Antworten auf die gestellten Fragen parat. Zitate:
“Müssen Sie wirklich stets in Bereitschaftsstellung stehen? Ich glaube nicht. Wir brauchen uns nicht wie Notärzte während des Dienstes zu verhalten. Wir haben uns Dauererreichbarkeit angewöhnt. Doch wir leiden darunter, und unsere Mitmenschen auch. Wenn wir versuchen, überall gleichzeitig zu sein, sind wir nirgends mehr richtig. Das verringert die Lebensqualität, schadet der Kreativität, der Konzentrationsfähigkeit und letztlich der Produktivität. Die Freiheit, die wir durch Internet, Notebook und Smartphone gewannen, verkehrt sich ins Gegenteil: Wir lassen uns von den gierigen Kleingeräten freiwillig versklaven. Schauen Sie sich mal die Krawattenträger am Flughafen an, wie sie auf der Suche nach Strom auf dem Teppich herumkrabbeln.“ 
… “Es gibt Studien, die zeigen, dass Facebook depressiv, neidisch und einsam macht. Das leuchtet ein: Die Leute waschen ihr Leben in den Statusupdates so weiss, dass die Mehrzahl der Nutzer – jene, die mitlesen, selbst aber nichts publizieren – Komplexe kriegt. Auch das Vermischen von Privatem und Beruflichem sowie die ständige Erreichbarkeit ist problematisch. Ein solches Leben treibt die Leute in Burn-outs.“ 
… “ Schalten Sie den Computer und das Handy aus – dafür aber das Hirn ein. Das ist nicht einfach. Wenn ich erzähle, dass ich manchmal da sitze und den Blumen beim Wachsen zuschaue, denken wohl viele Zuhörer: «Die ist nicht ganz dicht.» Doch das ist mir egal. Ich ziehe bewusst ab und zu den Stecker. Meine Lebensqualität ist dann eine andere. Ich lebe den Augenblick und kann auftanken.“

Montag, 5. November 2012

Wie einflussreich sind Sie?

Wer nicht vernetzt ist, ist niemand und das scheint die Karrierezukunft  im digitalen Zeitalter zu bestimmen. Gemeint sind natürlich nicht die “alten“ Netzwerke, wie Schule, Militär oder Sportverein, sondern Facebook, Twitter und Co.

Ist die Klout-Punktzahl bald wichtiger für Ihre Karriere, als Ihre Kontakte im
richtigen Leben?
Die beiden Artikel sind fast gleichzeitig erschienen, aber sie beschreiben zwei verschiedene Welten. Die Computerwoche veröffentlichte in der Karrieresektion einen Artikel über die Einstellung von IT-Fachkräften. Solche Spezialisten sind nach wie vor extrem gesucht; Firmen geben sich deshalb entsprechend Mühe, diese Mitarbeiter richtig zu behandeln – machen aber, so schreibt zumindest die Computerwoche, immer noch vieles falsch. Zitat:
“In den ersten Monaten sollten auch regelmäßige Treffen zwischen dem Neuen und seinem Vorgesetzten stattfinden, in denen sich beide darüber austauschen, welche Erfahrungen der Mitarbeiter bisher gesammelt hat und was er noch benötigt. Solche Gespräche finden in den meisten Betrieben nicht statt. Dabei wären sie für die Unternehmen fruchtbar, denn die Neuen sind noch nicht betriebsblind. Sie haben noch einen unverstellten Blick auf die Stärken und Schwächen des Unternehmens. Also können sie viele Anregungen für Verbesserungen geben. Eines sollten sich Vorgesetzte vor Augen führen: Je begehrter ein IT-Spezialist ist, desto stärker wird er seine Probezeit auch als Probezeit für das Unternehmen betrachten. Verfestigt sich in dieser Zeit bei ihm das Gefühl "Ich habe mich falsch entschieden", ist er, da er noch nicht emotional an das Unternehmen gebunden ist, schnell zu einem erneuten Arbeitgeberwechsel bereit.“
Doch IT-Spezialisten sind die Ausnahme. Die Jobsuche ist für viele Menschen schwieriger geworden – heikel sein liegt oft gar nicht mehr drin. Die Handelszeitung hat nun kürzlich einen Artikel dem “Vorsprung der Vernetzten“ gewidmet. Kurz gesagt: Wer im Web 2.0 aktiv und vernetzt ist, hat (vorerst noch in den USA) die besseren Chancen, einen guten Job zu finden. Zitat:
Die sogenannteKlout-Punktzahl zeigt an, wie gross der Einfluss einer Person in der di­gitalen Welt ist. Wie viele Freunde hat sie auf Facebook? Wie viele Menschen lesen ihre Wortmeldungen auf Twitter? Wie oft ­äussert sie sich im Netz? Was steht über einen im Online-Lexikon ­Wikipedia? All diese ­Daten werden aufgrund des weit­gehend automatischen Messungsdienstes der Unternehmung Klout aus San Francisco gezählt und darauf mithilfe einer geheimen Formel in eine Zahl destilliert.
Null Punkte kassiert der total rückständige Offliner, bis zu 100 Zähler kann ein beliebter Meinungsführer im Netz erreichen […]Was nach einer harmlosen Ego-Spielerei der Netzgemeinde klingt, entwickelt sich jenseits des Atlantiks zu einem handfesten Einstellungskriterium. Müssen sich in Zukunft auch hierzulande Jobsuchende Sorgen machen, wenn sie nicht aktiv in den sozialen Netzwerken mitmischen?“
Der Autor des Artikels kommt zum beruhigenden Schluss, dass in der Schweiz noch nicht nach Facebook-Ranglisten eingestellt wird. Der richtige Umgang mit Social Media kann aber durchaus ein Einstellungskriterium sein.  Und digitale Opinion-Leader können durchaus auch ausserhalb ihres Arbeitsplatzes von ihren Aktivitäten profitieren. Nochmals die Handelszeitung:
“Mund-zu-Mund-Propaganda heisst die Zauberwaffe im Marketing. Nur kommt sie heute aus dem Netz und nicht mehr aus dem Café um die Ecke. Wie man sie einsetzt, zeigt zum Beispiel Cathay Pacific. Die Fluggesellschaft aus Hongkong lässt seit Neuestem nicht nur Vielflieger in ihre Lounge am Flughafen in San Francisco, sondern jeden, der einen Klout-Score von über 40 nachweisen kann. Das Kalkül: Die elektronische Elite soll in ihrem Online-Freundeskreis von den Annehmlichkeiten der Warteräume schwärmen – und damit Reklame für Cathay Pacific ­machen. Solche Werbeaktionen werden immer mehr Unternehmen in Zukunft starten. Genau hier kommt wieder die Personalauswahl ins Spiel. Um das Netzwerk-Marketing von morgen zu betreiben, braucht die Wirtschaft Mitarbeitende, die wissen, wie Networking im Internet funktioniert.“

Donnerstag, 1. November 2012

Organspenden - mit Facebook, wie den sonst?

Die Schweiz hat zuwenig Organspender, viel zu wenig. Da soll nun Facebook Abhilfe schaffen. Ab heute können Nutzer in der Schweiz auf ihrer Facebook-Timeline anzeigen, ob sie nach ihrem Tod auch noch nützlich sein wollen. In den USA und Grossbritannien wurde diese Kommunikationsfunktion im Mai eingeführt und hat bereits zu einem merklichen Anstieg an potenziellen Organspendern geführt.

Von der Swisstransplant- Facebook-Page: So wiord man zum Organspender
via Facebook. Eine Möglichkeit, auch nach dem Tod noch Gutes zu tun.
Swisstransplant begrüsst die Initiative, da hierzulande jährlich zahlreiche Menschen auf ein Spenderorgan warten. Die Schweiz gehört bei den Organspendern im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern. Jedes Jahr sterben hier etwa 100 Menschen, weil für sie kein lebensrettendes Organ zur Verfügung steht. "Rund 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung habe sich zum Thema Organspende noch nicht entschieden“ weiss Franz Immer, Direktor von Swisstransplant. Er begrüsst die Initiative von Facebook.
Ob der Eintrag zur Willensbekundung einer Organspende für alle Facebook-Freunde einsehbar ist oder nicht, hängt von den Privatsphäre-Einstellungen ab und kann frei gewählt werden. "Die Willensbekundung betrifft in erster Linie eine Spende nach dem Tod. Lebendspenden dürfen in der Schweiz von Gesetz wegen nur bei naher sozialer Bindung der Personen erfolgen", erklärt Immer. Wer die Kommunikationsfunktion zur Organspende auf Facebook nutzt, selbst jedoch noch keine Spendekarte besitzt, kann diese direkt via Facebook bei Swisstransplant bestellen. Da in der Schweiz kein Spenderegister geführt wird, empfiehlt es sich nach wie vor eine Spendekarte auszufüllen und bei sich zu tragen. Bereits seit Mai können Facebook-Nutzer in den USA und in Grossbritannien ihren Organspende-Willen vermerken. In Kalifornien, wo ein regionales Register für Organspender geführt wird, ist die Registrierungsrate durch die Möglichkeit auf Facebook seine Bereitschaft zur Organspende zu zeigen laut "Donate LifeCalifornia" um ein Vielfaches angestiegen.
Im Jahr 2011 gab es in der Schweiz gerade mal 102 Leichenspender. Etwa 50 bis 100 Spender mehr könnten das Organmangel-Problem entschärfen. Die Zahl der Todesfälle aufgrund des Organmangels könnte von aktuell gegen 100 auf unter 50 Todesfälle pro Jahr reduziert werden. Denn eine Person kann mit ihren Organen bis zu sieben Leben retten und somit auch die Wartezeit der anderen Patienten verkürzen.

Montag, 22. Oktober 2012

Google auf dem absteigenden Ast?

In der Internetwelt ist fast alles möglich – aber dass Google in ein paar Jahren in der Bedeutungslosigkeit verschwinden soll, erscheint doch eher unwahrscheinlich. Unmöglich ist es aber sicher nicht. Vielleicht erinnern sie sich noch an Yahoo oder AltaVista – es ist ja noch nicht so lange her. Aber suchen Sie noch damit?

Die Mobilität der User hilft dem Geschäft nur bedingt: mobile Werbung
bringt weniger Geld als PC-Werbung. Das gilt nicht nur für Google, sondern
auch für Facebook. (Bild Google)
Da drückt einer auf den falschen Knopf und schon rauschen die Kurse talwärts – so geschehen mit den Google-Aktien letzte Woche. Ein paar Milliarden Dollar lösen sich in Minutenschnelle in Luft auf und wecken Erinnerungen an jenen Amerikanischen Senator,der einmal gesagt hat: “Eine Milliarde hier, eine Milliarde dort – und plötzlich geht es um richtiges Geld…“. Damit beschrieb er nicht nur die Einstellung vieler Politiker zum Umgang mit Steuergeldern recht präzise, sondern könnte durchaus auch die aufgeblasenen Börsenkurse gewisser Internetfirmen angesprochen haben (Everett Dirksen verstarb allerdings schon 1969, lange bevor Google und Co. existierten).
Genau diese Börsenkurse mit ihren riesigen Einbrüchen haben nun gewisse Zweifler auf den Plan gebracht. Cadie Thompson schreibt auf CNBC, dass Google in fünf bis acht Jahren durchaus in die Bedeutungslosigkeit versinken könnte. Sie beruft sich dabei auf den Investmentspezialisten Eric Jackson, der Google mit Yahoo vergleicht. Yahoo sei mal der König der Internetsuche gewesen; heute sei die Suchmaschine quasi inexistent. Jackson sieht die potentiellen Probleme für Google darin, dass die Mobilität der User Überhand nimmt. Immer mehr Verbraucher suchen mit mobilen Geräten, die Werbung hinkt da aber weit hinterher, weil Unternehmen sich auf den kleinen Bildschirmen nicht sehr gut ins Bild setzen können. Deshalb sind mobile Inserate auch billiger als PC-Werbung.
Diese Situation biete eine grossartige Gelegenheit für ein junges Unternehmen, eine komplett neue Idee für die Internetsuche in der mobilen Welt zu verwirklichen.
Man darf gespannt sein. Immerhin ist das Potential für einen totalen Umbruch in der digitalen Gesellschaft immer gegeben – man denke an die Entwicklung der letzten 25 Jahre: PC, Internet, Handy, Smartphone, Tablet. Die nächste grosse Idee wird die digitale Gesellschaft wieder von Grund auf umkrempeln!   

Freitag, 3. August 2012

Hübsche Hunde und Spammer

Die gutaussehenden Hunde sind ja wahrscheinlich noch die harmlosesten Facebook-Nutzer – auch wenn sie strenggenommen gegen die Geschäftsbedingungen verstossen. Schlimmer sind jene Benutzer, die falsche Facebook-Konten dazu nutzen, anonyme Spams zu verbreiten oder sich unter falschem Namen in Websites einzuloggen.

Facebook hat ein Fake-Problem: Mindestens 83 Millionen
Accounts sind gefälscht oder sonst illegitim.
Facebook hat, wie die meisten anderen Internet-Sites, die von den breiten Massen genutzt werden, ein Ehrlichkeitsproblem. Fast eine Milliarde Anwender haben sich bis heute bei Facebook registriert, genau sind es 955 Millionen. Das ist eindrücklich. Ebenso wie die Tatsache, dass 543 Millionen User das grösste der sogenannten social Networks auch mobil nutzen. Das freut die Werber! Weniger schön ist, was Facebook in seinem ersten Quartalsbericht nach dem Börsengang über gefälschte, unechte oder sonst illegitime Konten bekanntgeben musste. Man schätzt, dass 83 Millionen Accounts in diese Kategorie gehören – das wären dann immerhin 8,7 Prozent.
Es ist nicht bekannt, wie es Facebook möglich ist, so genau zwischen falschen und echten Usern zu unterscheiden - ausser dass aufgrund von Samples Berechnungen angestellt wurden. Man darf davon ausgehen, dass nur gerade die ganz offensichtlichen Fälscher entlarvt werden – würde heissen, dass die wahre Zahl der Fake-Accounts noch viel höher ist.
Das Ehrlichkeitsproblem, mit dem das inzwischen börsenkotierte Unternehmen hier zu kämpfen hat, wiederspiegelt wohl teilweise die Gesellschaft im Allgemeinen und die digitale Gesellschaft im Besonderen. Ein grosser Prozentsatz der User ist nun mal nicht bereit, mit dem richtigen Namen an den unzähligen digitalen Partys teilzunehmen, zu denen neben Facebook auch Partnerschaftssites und die Diskussionsspalten öffentlicher Medien gehören. Bei den letzteren führt die Anonymität der Teilnehmer dazu, dass die dezidierten Meinungen unabhängig von der Faktenlage allzu oft in giftigem Ton,  rücksichtslos und dazu noch in lausiger Sprache vertreten werden. Nun verantworten muss man sie nicht, wenn man sie zum Beispiel als „Peter Schlaumeier“ oder "Cowboy23" deponiert. Dieses Verhalten mag zwar dem gesellschaftlichen Diskussionsklima abträglich sein, ist aber im Zeitalter der sogenannten “Political Correctness“ zumindest teilweise verständlich.
Schlimmer sind wohl jene Konto-Fälscher, die ihre Accounts dazu benutzen, um andere User zu spammen. Bei Facebook schätzt man, dass es rund 15 Millionen solcher Konten gibt.
Was passiert, wenn Facebook findet, ein Konto sei nicht legitim? Es wird ganz einfach stillgelegt – der Eigentümer oder die Eigentümerin kann es nicht mehr benutzen. Allerdings bleibt es auf den Facebook-Servern gespeichert .
Wenn eine Facebook-Page allerdings fast 5 Millionen "Likes" erhält, wie jene von Boo, dem "herzigsten Hund der Welt", sieht scheinbar auch Facebook gerne mal über die eigenen Geschäftsbedingungen hinweg.  

Freitag, 20. Juli 2012

Altmodische Feriengrüsse sind am beliebtesten

Alte Gewohnheiten sterben nur langsam: Auch im digitalen Zeitalter schicken die meisten Schweizer ihre Feriengrüsse am liebsten ganz altmodisch – nämlich per Postkarte. Auf dem zweiten Rang folgt dann das SMS. Auch bei jungen Erwachsenen ist die gute alte Postkarte immer noch populärer als Facebook und E-Mail. Das mag unter anderem damit zu tun haben, dass man eine e-Mail-Nachricht normalerweise nicht an den Kühlschrank oder and Anschlagbrett hängt. 

Internet? Die Postkarte schlägt auch im alle digitalen Zeitalter immer noch alle
 modernen Kommunikationsmittel. 
“Das Wasser ist warm, der Sand ist weiss, die Sonne scheint, das Essen ist hervorragend…“ Die Schweizer haben in den Ferien ein starkes Bedürfnis, sich den Daheimgebliebenen mitzuteilen. Fast 70 Prozent lassen ihre Familie und Bekannten wissen, wie es ihnen in den Ferien geht. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage des Internet-Vergleichsdienstes comparis.ch. In den meisten Fällen werden die Feriengrüsse mit einer Postkarte verschickt, gefolgt von der SMS.
Die beliebteste Kommunikationsform für Grüsse aus den Ferien ist die Postkarte. Von den Befragten, die Feriengrüsse versenden, geben 77 Prozent an, Postkarten zu verschicken. Auf Platz zwei folgen SMS- und MMS-Nachrichten (61 Prozent). Den dritten Platz - allerdings bereits weit zurückliegend - belegt das Telefon (39 Prozent). E-Mails nutzen 26 Prozent, Facebook 18 Prozent. Etablierte und traditionelle Kommunikationsformen haben also klar die Nase vorn.
Je nach Alter gibt es deutliche Unterschiede in der Art, wie Feriengrüsse verschickt werden. So nutzen die Befragten zwischen 15 und 29 Jahren Facebook, E-Mails und überraschenderweise auch Briefe häufiger als die restlichen Befragten. Zudem sind SMS-Nachrichten sowie das Telefon bei dieser Altersgruppe signifikant beliebter als bei den über 50-Jährigen. Hingegen verschicken die Jugendlichen und jungen Erwachsenen deutlich weniger Postkarten als die über 30-Jährigen. Die Postkarte ist aber mit 69 Prozent auch bei den unter 30-Jährigen die klare Nummer Eins für Feriengrüsse.
Jeder fünfte Schweizer surft auch in den Ferien regelmässig im Internet, jeder dritte immerhin gelegentlich.  45 Prozent nutzen das Internet beim Ausspannen nicht. Auch hier unterscheiden sich die Antworten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen von den restlichen Befragten. Die unter 30-Jährigen nutzen das Internet in ihren Ferien häufiger. Nur 27 Prozent dieser Altersgruppe geben an, während den Ferien gar nicht im Netz zu surfen.

Wer in den Ferien im Internet surft, macht dies in erster Linie mit dem Smartphone (40 Prozent). 22 Prozent gehen mit einem Laptop online und nahezu gleich viele mit einem Computer des Hotels (21 Prozent). Das überrascht nicht: Mit einem Smartphone kann man bequem unterwegs online gehen und zum Beispiel Touristeninformationen abrufen. Im Ausland ist dabei aber Vorsicht geboten: Surfen mit einem Schweizer Handy über das Mobiltelefonnetz kann sehr viel Geld kosten! 

Montag, 16. Juli 2012

Facebook - und was man so alles mag

Es geht ja so schnell: man klickt “like“, weil man sich mit einem Artikel in einer Zeitung identifiziert, oder weil einem ein Produkt gefällt, dass man gerade auf dem Internet entdeckt hat. Und: Hand auf’s Herz, manchmal klickt man auch “like“, weil man jemandem eine Freude machen oder jemanden beeindrucken will. Doch was man so alles mag, kann durchaus Konsequenzen haben!

Sie haben sicher auch schon mit “like“ eine Vorliebe für etwas ausgedrückt, das Ihnen spontan gefallen hat, dass für sie aber durchaus nicht wichtig oder prägend ist. Kein Problem: Wenn der Strom an News aus dieser Quelle plötzlich zu gross wird, kann man ja den Hahn wieder zudrehen, heisst: per “unlike“ zeigen, dass man nicht mehr Fan ist. Das kann neu auch nötig werden, weil Facebook Freunde mit Werbung für Produkte oder Dienstleistungen bedient, die man mal gemocht hat. Zitat aus einem Bericht der NZZ:
“Facebook liess dazu verlauten, die Beiträge enthielten den Kontext von Freunden, welche die jeweilige Seite gemocht haben, und berücksichtigten dabei alle gewählten Einstellungen. Man wolle so Nutzern helfen, für sie relevante Pages und Inhalte zu entdecken. Viele der rund 900 Millionen Mitglieder dürften mittlerweile wissen, dass Seiten, die sie per Gefällt-mir-Button markieren, in ihrem Profil aufgelistet werden. Allerdings dürfte manchem Mitglied nicht bewusst sein, dass es damit einen Freifahrtschein dafür verteilt, in Zukunft Beiträge in seinem Namen zu publizieren."
Auch für 20 Minuten Online ist das Vorgehen von Facebook einen Bericht wert:
""Wo ist das Problem?", mag sich manch einer fragen. Mitglieder teilen ihre Vorlieben täglich mit Freunden, wenn nicht gar der halben Welt. In diesem Fall ist aber alles etwas komplizierter: Wer beispielsweise die Webseite einer politischen Partei geliked hat, will in aller Regel, dass die Freunde dies sehen können. Was der Facebook-User vermutlich nicht will, ist, dass die Partei in seinem Namen politische Botschaften verbreitet, über die er keine Kontrolle hat. Insbesondere Seiten mit kontroversen Inhalten können problematisch werden. Der Zufall entscheidet, ob in der Zukunft heikle Aussagen unter dem eigenen Namen publiziert und im Freundeskreis zu sehen sind [...] Mühsam kann die neue Funktion auch für die Empfänger der Meldungen werden. Laut «ZDNet» gibt es keine Möglichkeit, die Fanseiten von Freunden zum Schweigen zu bringen – ausser man streicht den Kontakt aus seiner Freundesliste." 
Facebook gibt an, fast eine Milliarde Mitglieder zu haben – wieviele davon tatsächlich aktiv sind, ist wohl kaum zu ermitteln. Eines ist aber klar: Wenn das Unternehmen mit Werbung zu aufdringlich wird und es mit dem Schutz der Privatsphäre nicht mehr so genau nimmt – weil damit eben viel Geld verdient werden kann, würde das langfristig nur schaden. Es gibt je bereits Trend-Spotter, die voraussagen, dass es Facebook in einigen Jahren nicht mehr geben werde.
Wir glauben das noch nicht! Schliesslich hat das Network durchaus auch gute Seiten. Haben Sie zum Beispiel gewusst, dass Sie Facebook-Werbung, die Ihnen auf die Nerven geht, ganz einfach ausblenden können? Probieren Sie es aus – ein paar Klicks genügen. Positiv finden wir auch die Tatsache, dass sich Facebook bemüht, anonyme User zu eruieren. Anonymität in einem Social Network stellt eine klare Kontradiktion dar - Ausnahmen, zum Beispiel für Anwender, die in totalitären Staaten leben, bestätigen die Regel. Im Allgemeinen darf man wohl sagen, dass es im Internet zu viel, und nicht zu wenig Anonymität gibt. Wer sich in die Niederungen der Kommentare zu Medienartikeln begibt, weiss, wovon wir reden!

Samstag, 11. Februar 2012

Freche Teenager? Erschiessen wir doch einfach ihren Laptop!

Kindererziehung im digitalen Zeitalter ist nicht einfach – ganz sicher nicht einfacher als früher. Facebook und YouTube sind für Jugendliche nicht nur ständige Tummelplätze, zeitfressender Zeitvertreib und natürlich Kontaktplattformen. Sie werden oft auch dafür benutzt, sich über das Leben im Allgemeinen oder Erwachsene, wie Lehrer oder Eltern, zu beklagen. Immer unter der Annahme natürlich, dass man dabei unter sich bleibt. 

Im Falle eines 15jährigen Mädchens im Amerikanischen Bundesstaat North Carolina ist das ganz schön schief gegangen. Das Resultat: Millionen von Youtube-Usern, die sich daran ergötzen, wie ihr Vater, ein IT-Spezialist, den Laptop-PC des Mädchens mit mehreren Schüssen aus seiner automatischen Faustfeuerwaffe zerstört (die Zerstörungsszene beginnt nach 7 Minuten und 10 Sekunden Video) und dabei das Image des wilden Amerikaners weltweit noch ein wenig aufpoliert.
Wie ist es dazu gekommen?
  Die Schülerin hatte auf ihrer Facebook-Page eine lange Nachricht deponiert, wo sie sich über ihre Eltern beklagte (in einer Sprache, die nicht ganz ohne Fluchwörter auskam). Sie beschwerte sich darüber, dass sie zuhause mithelfen müsse, wenn sie von der Schule heimkehrt (in den USA ist die Schule schon am frühen Nachmittag aus). Und schliesslich schlug sie vor, dass ihre Eltern sie für ihre Mithilfe bezahlen – zum Beispiel wenn sie ihr eigenes Bett mache.
Das war dem Vater dann doch zu viel, und er griff zur HD-Kamera – und zur Pistole. Das Ziel: der PC der Tochter. Das resultierende Video stellte er auf YouTube, wo es in weniger als drei Tagen mehr als 12 Millionen Zuschauer anzog. (Man darf davon ausgehen, dass sich diese Zahl vervielfachen wird.)
Seine Aktion hatte Folgen. Die Polizei tauchte bei ihm zuhause auf – zog aber schnell wieder ab, nachdem sie sich mit den beteiligten Parteien unterhalten hatte. Auch das Sozialamt, Abteilung Kinderschutz, liess sich nicht viel Zeit bis zu einem Besuch und zog sich schnell wieder zurück. Selbstverständlich gab es auch Kommentare auf Facebook und YouTube, und zwar Zehntausende davon. Das Überraschende daran: Die meisten Kommentatoren, darunter viele Teenager, stellen sich auf die Seite des Vaters. Das hat sicher damit zu tun, dass die Eltern des Mädchens durchaus zivilisierte, nicht unsympathische Leute sind. Die Mutter ist Veterinärin, der Vater, wie gesagt, ein IT-Spezialist, der seine Motivation ausführlich darlegt, bevor er den PC “erschiesst“.
Uns scheint es allerdings, dass diese Art der öffentlichen Erziehung, per Facebook und YouTube, auch im digitalen Zeitalter, wenig Sinn macht – mit oder ohne Pistole. Wir gehen davon aus, dass der Vater (und wohl auch die Tochter) ihre Aktionen, die das ganze Theater ausgelöst haben, früher oder später bereuen werden. (Zum Beispiel weil sich heute Morgen bereits die ersten TV-Stationen vor dem Haus der Familie installiert haben...)