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Montag, 7. Dezember 2015

Ein "Amazon für Dreckwäsche"

Es gibt nicht viele Dienstleistungen, die man nicht über das Internet beziehen kann. In Deutschland ist jetzt auch noch ein landesweiter Wäscheservice dazugekommen, den drei grosse Unternehmen in Zusammenarbeit anbieten. Wäschemuffel freut’s, einige Umweltschützer weniger, weil die schmutzige Wäsche aus allen Regionen in einer einzigen zentralen Wäscherei gewaschen wird.

Statt Waschmaschine und Bügelbrett braucht's nur noch ein PC - Wäschemuffel
wird's freuen.                                                Screenshot via geschickt-gereinigt.de/
Die Dienstleistung funktioniert denkbar einfach: Nach der einmaligen Anmeldung über ein Onlineportal können Kunden ein Versandetikett anfordern, mit dem die zu reinigenden Textilien versandkostenfrei per DHL-Paket verschickt werden können. Das Paket kann entweder am Postschalter, einer Packstation, einem Paketshop  oder direkt beim Postboten abgegeben werden. Innerhalb von drei Tagen wird die professionell gereinigte und gebügelte Garderobe dann zurück an die persönliche Adresse geliefert. Bisher gebe es nur regionale Anbieter, schreibt die Welt über das neue Angebot. Diese hätten nun mit einem Mammut-Rivalen zu kämpfen, quasi einem “Amazon für Dreckwäsche“.
Es gibt allerdings Umweltschützer, die nicht glücklich über das Angebot sind - die Transportwege seien zu lang. Die Initianten verweisen allerdings darauf, dass man mit der neuen Dienstleistung äusserst nachhaltig vorgehe:
“Gereinigt werden die Textilien in einem neu errichteten Zentralbetrieb in Hannover, in dem modernste Technologien zum Einsatz kommen. Ziel ist es, bestmögliche Dienstleistungen so umweltverträglich wie möglich anzubieten. Der Energie- und Wasserverbrauch pro Kleidungsstück sei durch eine optimale Auslastung und die moderne Maschinentechnik im Zentralbetrieb geringer als bei jeder anderen Bearbeitungsart. Auch in punkto Verpackung bietet der “Persil Service online“ eine fortschrittliche Lösung: Statt der branchenüblichen Materialien wie Kunststoff und Drahtbügel werden Versandkartons aus rezyklierbaren Rohstoffen verwendet. Die Kartons sind wiederverwendbar und werden für beide Wege, also für Versand und Rückversand der Textilien, genutzt. Der neue Service erfolgt mit DHL GoGreen klimaneutral; Treibhausgasemissionen, die bei Transport und Bearbeitung der Sendungen entstehen, werden vollständig in Klimaschutzprojekten, die anerkannte Standards erfüllen, ausgeglichen…“
Henkel und Stichweh, als führende Anbieter im Bereich Textilpflege, arbeiten bereits seit Jahren erfolgreich zusammen: 2011 haben beide Unternehmen den “Persil Service“ ins Leben gerufen. Der Textilreinigungsservice für Unternehmen ermöglicht deren Mitarbeitern, ihre Garderobe an einer Service-Station im Büro abzugeben und gereinigt wieder abzuholen. Rund 11‘000 Kunden aus mehr als 170 Unternehmen in Deutschland nutzen den Service bereits – ein Erfolg, der gemäß Pressemitteilung zur Weiterentwicklung des Konzepts angeregt hat. Wie die Welt berichtet, erwarten die Initianten einen Umsatz von bis zu 30 Millionen Euro, die Gewinnschwelle soll schon im nächsten Jahr erreicht werden.

Auch in der Schweiz wird die schmutzige Wäsche von Online-Kunden gewaschen – allerdings nicht landesweit. Eines der Unternehmen, das seine Dienste regional offeriert, ist cosmobutler.com, das seine Dienste in Zürich, Zug und Bern anbietet. Der Service scheint auch hierzulande gefragt zu sein – Cosmobutler spricht von monatlichen Wachstumsraten von rund 15 Prozent. 

Montag, 6. Oktober 2014

E-Commerce-Trends: Pünktliche Lieferung statt Drohnen

Drohnen sind voll im Trend – nicht nur zum Fotografieren und Überwachen, sondern auch im E-Commerce, zur Lieferung von Waren - das könnte zumindest glauben, wer sich an den Schlagzeilen der Tagespresse orientiert. Im E-Commerce Tagesgeschäft sieht es allerdings noch nicht so aus – oder anders gesagt: Eine Drohne macht noch keinen Trend. Umfragen unter Händlern zeigen, dass es auch im digitalen Kommerz darum geht, die ganz grundsätzlichen Anforderungen der Kunden zu erfüllen.

Drohnen sind immer gut für Schlagzeilen, machen im E-Commerce aber noch lange keinen
Trend. Der DHL-Paket-Kopter, der in Norddeutschland zum Einsatz kommt.         Bild DHL
Online-Shopping ist praktisch, bietet enorme Vorteile und macht Spass. Trotzdem braucht es nicht sehr viel, aus einem Online-Fan einen vergrätzten Kunden zu machen, der seine Bedürfnisse anderswo deckt. Man denke zum Beispiel an nicht funktionierende Bezahlseiten, wo Bezahlkarten aus unerfindlichen Gründen nicht akzeptiert werden oder  an Vorfälle, die dazu führen dass Kundendaten missbraucht werden.
Aber es gibt noch viel schlichtere Gründe für unzufriedene, beziehungsweise zufriedene Kunden. Das wissen auch die E-Commerce-Experten. Eine Befragung des Verbandes der Deutschen Internetwirtschaft hat ergeben, dass präzise Lieferzeiten und zuverlässige Payment-Systeme derzeit die wichtigsten Trends im E-Commerce darstellen. 83 Prozent der befragten Experten sehen diese beiden Eigenschaften in der Trendliste ganz oben. Als weiteren wichtigen Trend hat der Report das umfassende Auswerten personenbezogener Daten des digitalen Kunden ausgemacht. Platz drei der E-Commerce Trends teilen sich die weiterhin ungebrochene Bedeutung der Physical Delivery (Haus-zu-Haus-Zustellung der Pakete) und die Erkenntnis, dass Öffentliche Verwaltung und Politik die aktuelle Entwicklung im Bereich E-Commerce nicht verschlafen dürfen. Fas alle Befragten sehen zudem für neue Versandmethoden – wie das Abliefern von Paketen per ferngelenkter Drohnen – keine oder kaum eine Relevanz in den nächsten Jahren.
Als einen weiteren wichtigen Trend hat der Report Handelskonzepte ausgemacht, die sich durch mehr Transparenz, faire Produkte und unterhaltsame Online-Einkaufserlebnisse auszeichnen. Um ein einheitlich hohes Qualitätsniveau zu erreichen, müssten allerdings Logistik-Dienstleistungen und Payment-Systeme vermehrt standardisiert werden – knapp die Hälfte der befragten Fachleute schließt sich dieser Meinung an.
Obwohl die letzten Jahre eher für die ganz grossen Händler vorteilhaft waren, glauben nur ein Fünftel der E-Commerce-Experten, dass die Marktkonzentration durch Preisvergleichsmechanismen und Preisverfall auf wenige große Anbieter weiter voranschreiten wird.