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Sonntag, 10. August 2014

Elefanten im Internet-Laden

Amazon, der grösste Internethändler der Welt, liegt gegenwärtig im Clinch mit verschiedenen grossen Verlagen. Es geht um die Preise von E-Büchern, die Amazon billiger verkaufen möchte. Dabei nutzt der Konzern seine Grösse als Händler für eine starke Verhandlungsposition. Auch andere Grosskonzerne werfen ihr Elefantengewicht in die Waagschale, wenn es darum geht, Anteile in den digitalen Märkten zu gewinnen. Der amerikanische Detailhandelskoloss Walmart zum Beispiel, hat ein Mittel entdeckt, mit dem Kunden einfach zu gewinnen sind: den bedingungslosen kostenfreien Versand von Waren.

Amazon will, dass E-Bücher künftig billiger verkauft werden.
Viele Autoren und Verlage sehen in dieser Forderung eine
Bedrohung der "Buchkultur"
Experten gehen davon aus, dass dies im Internethandel zum Standard werden könnte. Denn, abgesehen von der enormen Grösse des Walmart-Konzerns, weiss man, dass der kostenfreie Versand, wie er seit kurzem von Walmart in Kanada angeboten wird, einer der wichtigen Entscheidungsfaktoren der Online-Kundschaft darstellt.  Craig Patterson, ein Detailhandelsanalyst, sieht die anderen Onlinehändler unter Entscheidungszwang: “Wenn ein Unternehmen wie Walmart den bedingungslosen kostenfreien Versand einführt, werden andere Detailhändler versuchen, mitzuhalten – zum Beispiel durch dich Schaffung von Mehrwert oder besseren Service für Ihre Kunden.“ Während Walmart die Versandkosten absorbieren könne, sei es für kleinere Händler eine Herausforderung, das Gleiche anzubieten, ohne ihre Preise zu erhöhen, sagte er gegenüber der Zeitung National Post.
Mit anderen Worten: Der Druck auf die kleinen Händler wird sich weiter erhöhen. Walmarts Begründung für das grosszügige Angebot:
“It’s not about an e-commerce channel, or about a store channel anymore. It’s really about the customer in the middle. If they want to buy online, if they want to buy on the phone, if they want to buy in store, we want to make sure we’re servicing them. (Es geht nicht mehr um den Channel; ob E-Commerce- oder Ladengeschäft. Ob unsere Kunden Online oder am Telephon oder im Laden einkaufen wollen, wir wollen einfach sicherstellen, dass wir sie bedienen)“.
Walmart ist nicht der einzige Internetgigant, der im digitalen Konkurrenzkampf hemmungslos seine Grösse in die Waagschale wirft. Auch Amazon, der grösste Onlinehändler der Welt (mit einem Umsatz von rund 75 Milliarden US-Dollar im letzten Jahr) wird gegenwärtig dafür kritisiert, dass er sich im Buchhandel benehme wie der Elefant im Porzellanladen:
“Mehr als 900 Schriftsteller, darunter berühmte Autoren wie Stephen King oder John Grisham, haben das Vorgehen des Onlinehändlers Amazon im Streit um E-Book-Preise scharf verurteilt. […] Sie kritisierten, dass Amazon in der Auseinandersetzung mit dem Verlag Hachette etwa die Auslieferung gedruckter Bücher verlangsamt sowie keine Vorbestellungen angenommen habe. Der Internethändler will niedrigere Preise für digitale Bücher durchsetzen. […]Amazon konterte den Vorstoss der Schriftsteller mit einem eigenen offenen Brief. Darin heisst es unter anderem, Literatur müsse günstiger werden, da sie mit vielen anderen Medien im Wettbewerb stehe. «Bücher konkurrieren mit mobilen Spielen, Fernsehen, Filmen, Facebook, Blogs, kostenlosen Nachrichten-Websites und mehr.» Das Unternehmen verwies auch erneut auf frühere Berechnungen, wonach mit niedrigeren E-Book-Preisen wie 9.99 Dollar viel mehr Bücher verkauft würden als etwa bei 14.99 Dollar, sodass Schriftsteller und Verlage am Ende sogar mehr verdienen würden…“

Es wird wohl nicht das letzte Mal sein, dass einer der ganz grossen Onlinehändler seine Marktmacht durchzusetzen versucht und dabei die Verbraucher auf seiner Seite wähnt; tiefe Preise werden ja tatsächlich allseits geschätzt. Das Internet verändert den Detailhandel grundlegend. Im Buchhandel hat es allerdings schon vor vielen Jahrzehnten massive Umwälzungen gegeben, wie die Einführung von Taschenbüchern vor dem zweiten Weltkrieg. Die Konsumenten liebten diese neuen, billigen Bücher, viele Autoren hassten sie - auch solche, die anderweitig eine enorme Weitsicht aufwiesen, wie zum Beispiel George Orwell...   


Montag, 18. Oktober 2010

Bücher ohne Papier

Wie lange wird es noch Bücher geben? Bücher, in Papier gebunden, gedruckt mit Druckerschwärze, zum Umblättern, nicht zum Anklicken? Nicht mehr lange, sagt einer, der etwas davon verstehen müsste.

Er sagt, dass das gedruckte Buch schon jetzt am Aussterben sei. Nicholas Negroponte, Professor am Massachusetts Institute of Technology und Promoter der Initiative “One Laptop per Child”, gibt dem gewöhnlichen Papierbuch in einem Interview mit CNN noch etwa fünf Jahre. Die Zukunft liege beim digitalen Buch, meint er, unter anderem, weil sich so viel mehr Wissen für viel weniger Geld verbreiten lasse.
Negroponte hat ein Interesse daran, Wissen zu verbreiten. Er hat schon vor fünf Jahren am Weltwirtschaftsforum in Davos das 100-Dollar-Laptop-Project vorgestellt, wo es darum geht, Kindern auf der ganzen Welt den Besitz eines Laptops zu ermöglichen. Negroponte glaubt fest an die Effizienz digitaler Bücher. Wenn man 100 Bücher auf einem Laptop speichern könne und 100 Laptops in ein afrikanisches Dorfs schicke, ergebe das 10'000 Bücher, die plötzlich in diesem Dorf vorhanden seien. Mit papierenen Büchern wäre dies nicht zu machen, sagt er.
Negropontes 100-Dollar-Laptop kostet immer noch 199 Dollar. Wer mithelfen will, einen PC für ein Kind in der Dritten Welt zu finanzieren, kann das hier tun
Negroponte mag gute Gründe haben, das e-Buch dem Papierbuch vorzuziehen, und er hat sicher auch recht, wenn er den langsamen Abgang des Buches vorhersagt. Das Schlüsselwort heisst hier aber langsam - wir beim Opacc-Blog sind davon überzeugt, dass es noch jahrzehntelang einen Markt für konvenionelle Bücher geben wird. 

Montag, 19. Oktober 2009

Pixel statt Bäume

Die ersten elektronischen Lesegeräte gab es schon in den 90er-Jahren. Sie waren klobig, schlecht lesbar und natürlich nicht Netzwerk-fähig. Doch die Technologie ist enorm vorangekommen, und e-Books drängen auf den Massenmarkt. Mit Pixeln statt Bäumen lässt sich hervorragend eine Bibliothek für das digitale Zeitalter aufbauen.

Digitale Lesegeräte nahmen dieses Jahr an der Frankfurter Buchmesse einen prominenten Platz in ein, und das wird wohl auch so bleiben. Bereits gibt es Marktforscher, die voraussagen, dass schon in wenigen Jahren mehr digitale als gedruckte Bücher gekauft werden. Gründe für diesen Optimismus gibt es genug. Zum Beispiel: Vor allem junge Konsumenten haben sich überraschend schnell daran gewöhnt, digitale Inhalte zu kaufen, die nicht an eine physikalische Präsenz gebunden sind. Musik und Filme werden auf den PC geladen und von dort auf den iPod transferiert, ohne dass je eine CD oder eine DVD die Hand wechselt. Wieso soll das in Zukunft nicht auch für einen grossen Teil der Bücher, Zeitschriften und Zeitungen so sein? Moderne Lesegeräte wie der Kindle von Amazon oder das Lesegerät Txtr der gleichnamigen Berliner Firma, sind in der Lage, per Mobilfunknetz (UMTS) fast jederzeit und überall Lesestoff aufs Gerät zu laden. Dieses Geschäft wollen sich auch die europäischen Verlage nicht entgehen lassen:
“Anlässlich der Buchmesse starten auch die zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehörenden Häuser Droemer/Knaur, Fischer, Kiepenheuer & Witsch und Rowohlt mit rund 800 Titeln; bis zum Jahresende sollen 1500 Titel lieferbar sein. Die Preise der E-Books orientieren sich am Ladenpreis der günstigsten regulären Druckausgabe. Die E-Books werden in Deutschland meist im gängigen Epub-Format angeboten, einem neuen Publizierungs-Standard für elektronische Bücher, der die Textgröße automatisch an jeden beliebigen Bildschirm anpasst. Die Bücher sind außerdem mit einem Kopierschutz versehen. Kunden können die gekauften Titel auf ihrem Reader sowie auf fünf weiteren Lesegeräten nutzen, für die sie sich vorab registrieren…“
Selbstverständlich stossen die digitalen Lesegeräte bei weitem nicht überall auf Sympathie und werden von Fans des bedruckten Papiers teilweise vehement schlecht gemacht. Ein Beispiel dafür liefert User ’Freiburg’ der sich im Forum zu einem Bild-Artikel zum Thema äussert:
“Niemals wird sich solch ein technischer Schwachsinn in Deutschland durchsetzen, Bücher sind nur Bücher wenn man daran riechen kann und die Seiten blättern kann! E-Books ist der größte Schrott aller Zeiten…“
Tatsächlich hält sich die Zahl der e-Buch-Verkäufe sogar in den USA noch in Grenzen. Marktforscher prognostizieren, dass schon in drei Jahren 18 Millionen e-Reader verkauft werden. Auch Google will hier nicht abseits stehen und hat angekündigt, bei Google digitalisierte Bücher, die sogenannten Google-Editions, online anzubieten.
E-Bücher sind übrigens auch gut für die Umwelt, wie der Kolumnist Martin Eisenlauer weiss:
“In den USA wurden 2008 über 125 Millionen Bäume abgeholzt um Krimis, Sachbücher und Liebesromane zu Papier zu bringen. Pro Buch fallen dabei neben einer Menge toter Bäumen, verschmutztem Wasser und stinkender Chemikalien durchschnittlich 7,5 Kilogramm CO2 an…“