Montag, 28. September 2009

Das Ende des Kabelsalats naht

Die ersten Prototypen laufen schon seit einigen Jahren, jetzt scheint die Technologie serienfähig zu werden: Elektronische Geräte, die man ohne Kabel aufladen kann, ganz simpel, indem sie in der Nähe, also innerhalb der elektromagnetischen Reichweite des “Netzgerätes“ platziert werden. An der letzten CES im Frühling dieses Jahres wurden bereits einige solche Technologien demonstriert. Wie Forbes Magazine jetzt berichtet, wird nun einer der ganz grossen Hersteller auf den vorerst nur langsam fahrenden Zug aufspringen. Dell wolle in Kürze einen Laptop auf den Markt bringen, der ohne Kabel Elektrizität tanken soll. Das Gerät heisst Latitude Z und wird nicht billig sein, wie Forbes schreibt:
“The Latitude Z will cost a great deal more than the typical $1100 business laptop and is aimed at business executives, lawyers and the like for whom appearances count. Dell doesn't have to sell a lot of this product to succeed with it -- just as General Motors can win with an oversexed sports car if it merely draws shoppers to the showrooms.”
Mit anderen Worten: Das Gerät ist ein Prestigeprojekt und soll auch als solches vermarktet werden – etwa wie ein Porsche. Falls aber der kabellose Dell-Laptop schliesslich auf den Markt kommt und funktioniert, wird er der Technologie zum Durchbruch verhelfen – unter anderem, weil wir uns alle schon lange wünschen, den lästigen Kabelsalat loszuwerden. Andere Hersteller werden nicht abseits stehen und die Technologie wird sich schnell weiterentwickeln. In einigen Jahren wird das Aufladen per Kabel der Vergangenheit angehören. Noch besser: Persönliche Gadgets werden immer genug Saft haben, weil sie, erstens, mit viel besseren Akkus ausgerüstet sein werden (an denen in Forschungslabors weltweit gearbeitet wird), und zweitens, weil sich diese Akkus an unzähligen Orten drahtlos werden aufladen lassen, ohne dass man sie aus der Tasche nehmen muss. Bis es soweit ist, wird es noch eine Weile dauern. Dass es soweit kommen wird, dessen sind wir uns sicher!
Nachtrag: Jetzt hat Dell das kabellose Notebook offiziell vorgestellt, und auch der Spiegel berichtet darüber.

Freitag, 25. September 2009

Brauchen Sie einen Consultant? Wohl kaum!

Seit dem Untergang der Swissair haben Management-Consultants in der Schweiz etwas an Ansehen eingebüsst. Das Beratungsgeschäft ist aber immer noch enorm einträglich, obwohl es schon immer Skeptiker gab, die sich nicht von teuren Büros, gut sitzenden Anzügen und hohen Spesenrechnungen blenden liessen. Nun bekommt die Branche einen Schlag versetzt, der besonders wehtut, weil er von einem der Ihren kommt.

“The Management Myth: Why the Experts keep getting it wrong“ (Der Management Mythos: Wieso die Experten immer die gleichen Fehler machen) heisst der Titel eines Buches, das alle Vorurteile, die je gegen Management-Berater geäussert wurden, zu bestätigen scheint. Geschrieben hat es Matthew Steward, ein promovierter Philosoph, der für mehr als 10 Jahre als Management-Berater die Welt bereiste und dabei den Bossen der grössten Weltkonzerne mitteilte, was gut für sie sei. Er verdiente dabei viel Geld, entwickelte gleichzeitig einen Geschmack für handgefüttertes Japanisches Rind und super-seltene Trüffel, wusste aber eigentlich nicht, worum es ging: “Es war immer so, dass ich weniger über das Geschäft wusste, als die Leute, die ich darin zu beraten hatte“, gibt er freimütig zu. Der Nutzen für die Beratenen scheint denn auch eher beschränkt gewesen zu sein. Zitat aus dem Tagesanzeiger:

“Bis zu 100 Millionen pro Jahr haben Grosskonzerne für die Strategieberater hingeblättert. Um den wahren Nutzen seiner damaligen Dienste für die Unternehmen zu erklären, vergleicht Stewart sie mit jener von «Schamanen, die Hühner vergiften und Wahrsagern, die aus Innereien Erkenntnisse gewinnen». Diese heidnischen Zauberer zeigen, dass es nicht auf das Treffen der richtigen Entscheidung ankomme. Viel wichtiger sei, dass eine Entscheidung akzeptiert werde. Dazu brauche es eine höhere Autorität, die sie sanktioniert. Darin liege der wahre Wert der Berater. Ihnen sei bewusst gewesen, schreibt Stewart, dass es vor allem darauf ankam, das Gebaren einer heiligen Priesterkaste anzunehmen – allerdings in einer modernen Form.“

Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Consulting-Branche auf das Buch reagieren wird. Dass es sich zumindest kurzfristig rufschädigend auswirken könnte scheint klar zu sein. So geht in der Presse bereits das böse Wort vom “Management-Beratungsschwindel“ um. Ganz neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht: Der Kolumnist der Atlanta Business News zitiert den Gründer der berühmten Boston-Consulting Gruppe mit den Worten:

“Können sie sich etwas Unvorstellbareres denken, als dass Leute, die gerade frisch von der Schule kommen, den Managern der erfolgreichsten Unternehmen sagen, wie sie ihr Geschäft zu leiten haben, und dass diese Unternehmen auch noch Millionen von Dollars dafür bezahlen…?”
Die Frage war wohl eher rhetorisch gemeint.

Samstag, 19. September 2009

Auf digitaler Spurensuche

Wir alle kennen Sat-Nav, und viele Autofahrer würden ohne die digitalen Wegweiser ihren Weg gar nicht mehr finden. GPS-Systeme werden aber in unzähligen andern Anwendungen benutzt. Jetzt steht die Technologie vor einem Quantensprung: Empfänger und Sender werden immer kleiner und billiger, GPS-Tracking-Geräte immer populärer. Das Verfolgen von digitalen Fährten via GPS hat gesellschaftsveränderndes Potential: Bald gibt es kein Verstecken mehr.

Stellen Sie sich vor, sie sind geschäftlich mit dem Auto unterwegs, und ihr Vorgesetzter weiss immer genau, wo sie sich aufhalten. Auf die Minute und auf die Sekunde genau, sowohl zeitlich wie örtlich. Für viele Angestellte ist dieses Überwachungsszenario bereits Realität: Aussendienstmitarbeiter, Lastwagenchauffeure, Kuriere oder Streifenpolizisten gehören zu jenen Berufsgruppen, die schon heute vielerorts per GPS kontrolliert werden. Nun schwappt die Überwachungswelle auch in den Privatbereich über. Solange es darum geht, den Aufenthaltsort von Fido ausfindig zu machen, ist das ja nicht problematisch. Schwieriger wird es schon, wenn dem Nachwuchs eine Uhr oder sonst ein Gadget (zum Beispiel ein Handy) angehängt wird, dass die Dauerüberwachung per GPS möglich macht.
Fazit eines Testberichts einer GPS-Kinderuhr des britischen Herstellers Lok8u:

“Kurzum: Die Uhr ist wie eine elektronische Fußfessel, nur hübscher verpackt. In England ist sie ziemlich kontrovers aufgenommen worden, wie man sich denken kann."
Ganz heikel wird es dann, wenn GPS-Logging Gadgets jemandem untergejubelt werden, ohne dass diese Person davon weiss. Szenarien gibt es viele: eifersüchtige Partner, misstrauische Eltern, oder Bosse, die ihre Angestellten an der kurzen Leine halten wollen. Das rasant wachsende Angebot an günstigen GPS-Tracking und Logging-Gadgets zeigt, dass die Nachfrage durchaus vorhanden ist – Datenschutzbedenken hin oder her. GPS-Chips kosten heute nur noch einige wenige Dollar und sind so klein, dass sie sich problemlos buchstäblich überall einbauen lassen: Handys, Kameras, Laptops, Autos und sogar Kleidungsstücke mit Chips werden bereits angeboten. Das Angebot wird weiter wachsen, der Anspruch verschiedenster Organisationen, Institutionen und Mitmenschen auf die Lokalisierung anderer Menschen wird ebenfalls grösser werden. Schrumpfen wird hingegen die Privatsphäre derjenigen, deren digitale Spuren verfolgt werden.

Freitag, 18. September 2009

Preisfrage: Webkonferenzen oder Reisen?

Geschäftsreisen sind auch im digitalen Zeitalter notwendig, obwohl Videokonferenzen und andere Internet-unterstützte e-conferencing-Methoden gerade während der mageren Jahre aus Kostengründen oft eingesetzt werden. Nun gibt es einen Lichtblick für Reisende, die sich nicht mit virtuellen Meetings zufriedengeben können oder wollen: Die Krise drückt weltweit massiv auf die Hotelpreise.

Laut Hotel Price Index von hotels.com sind die Hotelpreise in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weltweit um ganze 17 Prozent gesunken. Die Krise hat dazu geführt, dass die stärksten Preiseinbrüche seit der Einführung des Hotel Price Indexes im Januar 2004 zu verzeichnen waren. In Europa, den USA sowie in Mittel- und Südamerika stürzten die Hotelpreise im Frühling/Sommer 2009 deutlich unter die Preisniveaus von 2004 ab. Damit haben die Hotelzimmerpreise den tiefsten Stand seit fünf Jahren erreicht.
Der Hotel Price Index von Hotels.com ist eine regelmäßig veröffentlichte Studie über die Entwicklung der Hotelpreise in den wichtigsten Städten weltweit. Dabei werden die weltweit von Hotels.com-Kunden tatsächlich gezahlten Preise pro Hotelzimmer und Nacht erfasst. Die Studie erfasst die Buchungsdaten von 78’000 Hotels an über 13’000 Standorten.
Wer trotzdem lieber zuhause bleiben will, hat heute zahlreiche Möglichkeiten, per PC und Internet zu konferieren. Webkonferenzen sind tatsächlich günstig und einfach zu arrangieren. Einen kleinen Haken hat die Sache mit dem Zuhausebleiben allerdings – der Duft der grossen weiten Welt wird durchs Web noch nicht übertragen.

Montag, 14. September 2009

Windows Vista: Doch nicht so schlecht? Ein Nachruf

Man weiss es, weil man es gelesen und gehört hat: Finger weg von Windows Vista - das Betriebssystem sei klobig, unstabil und generell benutzerunfreundlich. So sehr, dass MS-Konkurrent Apple in den USA sogar mit Vista-Anti-Werbung für die eigenen PC Werbung machte. Doch jetzt, wo Windows 7 vor der Tür steht, hab auch ich endlich mal Vista ausprobiert – allerdings gezwungenermassen. Das Resultat: Vista ist gar nicht (mehr) so schlecht wie sein Ruf.
Die Havarie kam völlig unerwartet. Gerade noch hatte mein siebenjähriger IBM Thinkpad R50 perfekt funktioniert, dann erschienen auf dem Bildschirm plötzlich nur noch schwarz-weisse Hieroglyphen. Das war es dann. Die Diagnose beim Spezialisten ergab, dass das Motherboard, also das Herz meines PC, den Geist aufgegeben hatte. Immerhin war die Festplatte unbeschädigt, wichtige Daten gingen nicht verloren. Der neue Laptop war schnell gefunden: Ein HP der G-60-Serie, leider nicht mit XP, sondern nur mit Windows Vista erhältlich. Da mir der Verkäufer versicherte, dass meine bisherigen Office 2003 Programme und andere Software problemlos mit Vista laufen würden (und da es sich bei diesem PC nicht um mein primäres Arbeitsinstrument handelt), habe ich zugegriffen. Installation und Konfiguration dauerten nicht lange – nun läuft die Maschine und macht sogar Spass – mit Schnelligkeit und Benutzerfreundlichkeit. Natürlich war es anfänglich lästig, dass die Benutzeroberflächen und Menus nicht den gewohnten XP-Look hatten. Relativ schnell kam aber die Erkenntnis, dass Vista nicht so schlecht ist, wie sein Ruf. Wenn jetzt Windows 7 hält, was es verspricht, kann das Arbeiten am PC ja richtig heiter werden:
“Windows 7 läuft so angenehm, wie man sich das nach dem soliden Windows XP eigentlich schon von Vista erwartet hätte. Das System macht einen schnellen Eindruck, im 7-Tage-Test gab es keinen einzigen Aussetzer. Der Desktop wirkt vor allem dank der erneuerten Taskleiste sehr viel aufgeräumter als bisher. Die mitgelieferte Software beschränkt sich auf das Wesentliche, lässt sich aber im
Internet leicht ergänzen. Wer als Windows-Anwender noch bei XP ist, geht anders als bei Vista kaum ein Risiko ein, vom Wechsel aufs neue System enttäuscht zu
werden.“
Dass Windows Vista bei den Usern nie richtig ankam, lag nicht nur am Produkt. Die meisten Anwender sind Gewohnheitstiere – Neuerungen und Änderungen am PC werden wenn immer möglich gemieden. Die Systeme sind schon so komplex genug. In einem Yahoo-Forum zum Thema Vista brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt:
“Ich finde Vista bei weitem nicht so schlecht wie es von Manchen gemacht wird. Außerdem wurde bei jedem Windows am Anfang gemotzt und gejammert. Sobald sich die Leute dran gewöhnt haben, kommt dann wieder einen neue Version und dann geht das Gejammer von vorne los…“