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Dienstag, 8. September 2015

Wearables, nein danke - Datenschutz ist (noch) wichtiger

Ob Smartwatches, Aktivitätstracker oder Datenbrillen, Wearables liegen im Trend. Es werden unzählige Geräte zur Verfolgung der eigenen Aktivitäten angeboten. Die eigentliche Nutzung ist mit nur drei Prozent allerdings noch sehr bescheiden. Einer der wichtigen Gründe für die Skepsis: Potentielle Nutzer haben Angst um ihre Daten.

Die Swisscom ist nur eine von zahlreichen Firmen, die in der Schweiz
eine ganze Reihe von Wearables anbietet.      Screenshot swisscom.ch
Immerhin jeder siebte Smartphone-User  kann sich vorstellen, in den kommenden zwölf Monaten Wearables zu nutzen. 38 Prozent der Befragten zeigen allerdings gar kein Interesse an derartigen Produkten. Die Gründe der Ablehner sind vielfältig, aber das Thema Datenschutz spielt eine wichtige Rolle; mehr als ein Viertel der Befragten wollen nicht, dass ihre Daten überwacht werden. Dies ist das Ergebnis einer Studie des internationalen Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov.
Die Verfasser der Studie glauben, dass bezüglich Wearables bei Smartphone-Nutzern immer noch zahlreiche Barrieren überwunden werden müssten. Es müsse deutlich werden, was der Nutzen des jeweiligen Geräts sei, um die ablehnenden Verbraucher zum Gebrauch zu bewegen.
Anwender, die sich bereits haben überzeugen lassen, sehen vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Wearables: An vorderster Stelle stehen die Optimierung der sportlichen Leistung und das Aktivitätstracking. Aber auch Navigation sowie medizinische Überwachung  sind mit Wearables vorstellbar. Neben der reinen Überwachungsfunktion könnten Wearables für einige User noch weit mehr Funktionen erfüllen: Jeder Dritte möchte damit Termine organisieren und jeder Vierte damit telefonieren können.

Geht es darum, welche Unternehmen im Geschäft mit Wearables als potentielle Hersteller gesehen werden, hat Apple mit 45 Prozent die Nase vorn. 36 Prozent sehen bei Konkurrent Samsung die Expertise, gefolgt von Googl , Microsoft und Sony. Aber auch Sportartikelanbieter, wie Addidas Nike oder Puma werden als Hersteller in Betracht gezogen.
Das Potential für Wearables besteht also durchaus. Wir gehen allerdings davon aus, dass sich diese Kategorie digitaler Geräte massiv weiterentwickeln wird - so dass die Elektronik dann tatsächlich getragen wird - zum Beispiel im Schuh oder im T-Shirt. Die Fitness-Uhr am Handgelenk wird sich damit erübrigen - es sei denn, sie werde als Mode-Accessoire getragen. 

Dienstag, 25. August 2015

Seitensprung-Portal Ashley Madison: Sind Sie auch auf der Liste?

Anwender, die beim Seitensprung-Portal Ashley Madison registriert waren, können jetzt prüfen, ob ihre Daten auch im Internet kursieren. IT-Spezialisten am Deutschen Hasso-Plattner-Instituts (HPI)haben 36,4 Millionen gestohlener Identitätsdaten von  Ashley Madison zugänglich gemacht. Darunter befinden sich nach Angaben des Instituts rund 300‘000 E-Mail-Adressen mit der Endung .de. Wieviele Schweizer Adressen und Namen veröffentlicht wurden, ist nicht bekannt. Die Potsdamer Wissenschaftler integrierten den gesamten Fund in ihren HPI Identity Leak Checker. Dort kann jeder Internetnutzer durch Eingabe seiner E-Mail-Adresse prüfen lassen, ob seine Daten im Internet kursieren.

Das HPI bietet mit dem Identity Leak Checker einen wertvollen Service, den
jetzt auch verratene Ashley Madison User in Anspruch nehmen können.        pd
Per Datenabgleich mit neuerdings fast 216 Millionen solcher unterschiedlichen Identitätsinformationen kontrolliert der Identity Leak Checker, ob die eingegebene E-Mail-Adresse in Verbindung mit anderen persönlichen Daten – zum Beispiel Kreditkarten- oder Kontonummern oder  Passwörtern im Internet offengelegt wurde. Über das Ergebnis wird der Anfragende mit einer E-Mail unterrichtet, aus der er entnehmen kann, ob Daten von ihm gefunden wurden oder nicht. Details zu den betroffenen Daten und den Namen der Quelle gibt das Hasso-Plattner-Institut jedoch nicht preis. Deshalb müssen die von dem Ashley Madison-Leak betroffenen Personen auch nicht befürchten, dass sie vor Anderen bloßgestellt werden. Denn das Ergebnis wird nur an die betroffene E-Mail-Adresse gesendet - ohne Angabe der Quellen. Niemand sonst komme an die Informationen, betonte HPI-Direktor. Christoph Meinel.
"Wenn Ihre Daten bereits in einem Leak auftauchen, ist es möglich, dass ein Angreifer auch schon Zugriff auf Ihren E-Mail-Account hat und die Antwort-E-Mail mitlesen kann", begründet Christoph Meinel die Vorgehensweise, die schon seit dem Start des HPI Identity Leak Checkers gepflegt wird. Um zu verhindern, dass ein Angreifer weiterführende Informationen zu zusätzlichen Accounts mit der gleichen E-Mail-Adresse erhalte, gebe das HPI weder die genaue Quelle noch die konkreten Daten preis. "Generell könnte jedes Indiz auf die Quelle oder den Inhalt der Daten die Schlussfolgerung auf die konkreten Daten erleichtern. Dies vermeiden wir in jedem Fall", betonte Meinel.
Wenn bei geraubten Identitätsdaten auch Passwörter im Klartext offenliegen, können die HPI-Sicherheitsforscher Rückschlüsse auf die Beliebtheit bestimmter Versionen ziehen. Leider zeigt sich, dass simple Zahlenfolgen wie 123456 oder der Begriff 'password' immer noch auf den Plätzen 1 bis 4 der Liste der am häufigsten verwendeten Passwörter stehen - solche, die von automatisch arbeitenden Passwort-Crackern als erste durchprobiert werden und somit praktisch so gut wie keinen Schutz bieten.
Passwörter seien in den meisten Systemen die erste Verteidigungslinie gegen unbefugten Zugriff. Sie schützten aber nur gut, wenn sie stark seien. Doch diese Erkenntnis habe sich selbst nach 50 Jahren Entwicklung auf dem Gebiet der Computer immer noch nicht weit genug verbreitet.
Das HPI hat in einer ausgezeichneten Infografik die wichtigsten Grundregeln für starke und sichere Passwörter zusammengefasst.

Montag, 20. April 2015

Weshalb Marketingprofis ihre Daten lieber nicht aus der Hand geben…

Alle reden vom Internet der Dinge – aber wer will es denn wirklich? Eine aktuelle Umfrage unter Internet-Marketingspezialisten zeigt, dass gerade Profis dem allumfassenden Internet gegenüber sehr skeptisch eingestellt sind. Der Grund: die vielen persönlichen Daten, die in der Cloud gelagert werden müssen, damit die Sache dann auch funktioniert. Zwei Drittel der befragten Marketing-Spezialisten wollen Ihre Daten dafür nicht aus der Hand geben – obwohl sie glauben, dass das Internet der Dinge durchaus zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen könnte.

Marketing-Spezialisten wissen, was Werber mit persönlichen Daten anfangen können.
Das mag ein Grund dafür sein, dass sie damit nicht besonders freigibig sind, wie diese
Grafik zeigt.
Kühlschränke, die fehlende Lebensmittel selbst nachbestellen; Armbanduhren, die vor bedenklichen Pulswerten warnen; Autoversicherungen, die vorsichtige Fahrer mit günstigen Tarifen belohnen – all das ist keine Science-Fiction mehr, sondern Realität. Allen diesen Diensten ist gemein, dass dabei ganz persönliche Daten übers Internet zur Verfügung gestellt werden müssen.
Genau da liegt der Hase im Pfeffer.
Marketing-Experten sind jene Spezialisten, die sehr genau wissen, was mit persönlichen Daten angestellt werden kann, die von Internet-Usern freigegeben werden – schliesslich leben sie zu einem guten Teil vom Auswerten solcher Daten. Dem ganz gewöhnlichen User sollte dies zu denken geben und ihn dazu veranlassen, genau zu überdenken, wie freigiebig er mit seinen Daten umgehen will.
Dass mehr als die Hälfte der befragten Marketingspezialisten glauben, dass das Internet der Dinge die Lebensqualität verbessert, zwei Drittel davon aber trotzdem skeptisch sind, was den eigenen Bedarf betrifft oder die Nutzung rundweg ablehnen, ergab eine  Umfrage der eprofessional unter Online-Marketing-Experten.
Marketing Agentur
Bei den meisten Angeboten sagen rund zwei Drittel der befragten Werbeprofis, dass sie selbst solche Dienste nicht nutzen werden oder noch keine Entscheidung getroffen haben. Auf Platz 1 der Informationen, die sie gern für sich behalten möchten, liegt das Fahrverhalten: 79 Prozent möchten diese Daten nicht auf fremden Servern wissen. Die Zurückhaltung ist hier sogar noch größer als bei den eigenen Gesundheitsdaten wie Pulsmessung, Schlafphasen oder Blutzuckerspiegel, wo 63 Prozent  Bedenken haben. Einer von fünf Online-Marketing-Experten hat allerdings bereits ein entsprechendes Endgerät im Einsatz.Trotz aller Skepsis glaubt mehr als die Hälfte der Online-Werber, dass das Internet der Dinge die Lebensqualität verbessern wird. 57 Prozent würden beispielsweise gern Smart-Home-Geräte nutzen, mit denen sie in ihrer Wohnung Beleuchtung, Heizung, Rollläden und Elektrogeräte über Apps fernsteuern können. Und wenn sich Energiekosten sparen lassen, ist die Mehrheit auch bereit, persönliche Daten an Haushaltsgeräte zu übermitteln. Auch Standortinformationen zur Navigation oder um Informationen über die Umgebung zu erhalten, geben die meisten Befragten bedenkenlos aus der Hand.
Die Studie kann hier heruntergeladen werden.


Dienstag, 7. April 2015

Abhören: am liebsten Politiker und Terroristen

Es gibt genügend Studien die zeigen, dass viele Bürger über den Erhalt ihrer Privatsphäre besorgt sind.  Das war schon so, bevor Edward Snowden sich dazu entschied, riesige Mengen von Überwachungsdaten zu veröffentlichen. Snowdens Aktion führte allerdings dazu, dass es plötzlich allgemein bekannt wurde, dass die Geheimdienste der Grossmächte so viele Daten wie möglich aus dem Internet absaugen. Das Erstaunliche ist aber, dass es massenweise Anwender gibt, die sich durch die scheinbar allgegenwärtige digitale Überwachungsgesellschaft nicht im Geringsten stören lassen und ausserdem der Meinung sind, dass der Zweck die Mittel heiligt.

Wenn die eigenen Bürger abgehört werden, sind viele Amerikaner
kritisch. Grosszügiger sind sie, wenn es um Politiker oder
Terroristen geht.                                                    Grafik Pew Research
Als das Amerikanische Pew Research Center kürzlich eine Studie zum Thema Überwachung und Privatsphäre veröffentlichte, lauteten die Schlagzeilen im deutschen Sprachraum alle ähnlich: “ “Snowden-Effekt: US-Bürger achten stärker auf Privatsphäre“, schrieb zum Beispiel ZDNet.de und hielt fest:
“Viele US-Bürger achten heute stärker auf ihre Privatsphäre als noch vor den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden über die Abhörprogramme des US-Auslandsgeheimdiensts National Security Agency (NSA).[…] Demnach haben 34 Prozent der Amerikaner, die von der staatlichen Überwachung in ihrem Land erfahren haben, mindestens eine Maßnahme ergriffen, um ihre Informationen vor den Blicken der Regierung zu schützen…“
Das stimmt zwar alles; die gleiche Pew-Studie zeigte allerdings noch etwas Wichtigeres, nämlich dass eine klare Mehrheit der Befragten angibt, dass man diesbezüglich nicht sehr besorgt sei. Das Argument ist ein Bekanntes: Man tue nichts Unrechtes und habe deshalb nichts zu verbergen. Datenschützer seien sehr besorgt über diese Einstellung, berichtet die US-News-Website McClatchy DC. Deren Aufgabe sei nicht leicht:
“Amerikanische Anwender haben, mehr als User in anderen Ländern, akzeptiert, dass ihr digitales Leben halb öffentlich ist. Private Unternehmen verdienen Milliarden durch das Sammeln von Informationskrümmeln, die durch digitale Anwender im Netz zurückgelassen werden. Dafür ermöglichen diese privaten Unternehmen eine relativ nahtlose und billige Webnutzung – wie sich das die meisten Konsumenten  wünschen.“
Die Pew-Studie zeigt aber nicht nur, dass man sich als User leicht an Überwachung gewöhnen kann – vor allem wenn es dafür eine Gegenleistung gibt. Sie zeigt auch, dass für viele User auch bei der digitalen Überwachung gilt, was in der Politik längst gang und gäbe ist, nämlich dass der Zweck die Mittel heiligt:
“40 Prozent halten die staatliche Überwachung von Amerikanern im Kampf gegen den Terrorismus für akzeptabel – 57 Prozent lehnen dies jedoch grundsätzlich ab. Richtet sich die Überwachung gegen Bürger anderer Staaten, sind aber 57 Prozent mit den Maßnahmen der NSA einverstanden.Interessant ist, dass US-Bürger bei eigenen und ausländischen Politikern keinen Unterschied machen – jeweils 60 Prozent halten das Abhören dieser Personengruppen für zulässig. Einigkeit besteht auch bezüglich Aktionen, die sich konkret gegen Terrorverdächtige richten. Hier sind 82 Prozent der Befragten für eine Überwachung und lediglich 15 Prozent dagegen.“

Donnerstag, 5. März 2015

Wenn Kunden lügen, um ihre Daten zu schützen

Datenschutzverletzungen rund um Verlust, Diebstahl oder Überwachung bestimmen weiterhin die Schlagzeilen, und die Sicherheit ihrer Daten stellt für Endverbraucher inzwischen ein wichtiges Kriterium bei Kaufentscheidungen dar. Es darf angenommen werden, dass sich hier in Zukunft der Spreu vom Weizen trennen wird: Online-Händler, die das volle Vertrauen ihrer Kunden geniessen, werden prosperieren, die anderen werden Mühe haben. Eine neue Symantec-Studie zeigt nämlich, dass 57 Prozent der Europäer besorgt darüber sind, dass ihre Daten nicht sicher sind und 59 Prozent gaben an, dass sie in der Vergangenheit bereits mit entsprechenden Problemen konfrontiert wurden .

Sie Symantec-Studie zeigt: User habe Angst um ihre Daten; sie
beginnen ihr Verhalten entsprechend zu ändern..
Erste Anzeichen dafür, dass wir uns im Verhalten der Kunden an einem Wendepunkt befinden, gibt es bereits: Die Symantec-Studie hat aufgedeckt, dass 44 Prozent der Befragten es vermeiden, persönliche Daten online zu stellen, um ihre Privatsphäre zu schützen. Einer von drei Befragten lügt sogar und macht bewusst falsche persönliche Angaben, damit die echten Informationen privat bleiben. Angesichts dieser Zahlen erstaunt allerdings das immer noch weitgehend sorglose Verhalten einer Mehrheit der Konsumenten: Obwohl nur 24 Prozent glauben, dass ihre Daten bei Onlinehändlern sicher sind, verhalten sie sich nicht entsprechend. Online-Shopping nimmt weiter zu, und nur einer von vier Käufern nimmt sich die Zeit, Geschäftsbedingungen vollständig durchzulesen, ehe die persönlichen Daten geteilt werden. Drei von zehn Online-Nutzern geben sogar ihre E-Mail-Adresse heraus, wenn sie finanziell davon profitieren. 
Händler können das Bedürfnis nach Datenschutz zu ihrem Vorteil nutzen, indem sie sicherstellen, dass ihre Abläufe absolut sicher sind und die Kunden das auch wissen. 86 Prozent der Online-Einkäufer geben nämlich an, dass Datensicherheit ein wichtiger Aspekt bei ihrer Wahl eines Onlineshops ist – noch vor der Qualität der Produkte und dem Kundendienst. Unternehmen sollten für Kunden transparenter machen, wie sie für Datensicherheit sorgen; Sicherheit müsse ein Teil der Wertschöpfungskette eines Unternehmens sein und intern als notwendige Kundengewinnungsmassnahme und nicht als Kostenverursacher verstanden werden, teilt Symantec mit. Die Studie zeigt übrigens, dass Konsumenten beginnen, den Wert ihrer Daten einzuschätzen: 23 Prozent schätzen den Wert ihrer Informationen gar auf 1‘000 Euro und mehr.



Montag, 22. September 2014

Me-Commerce: When Big Brother beim Shoppen hilft

Dass für das Zustandekommen persönlicher Produktempfehlungen in Webshops personenspezifische Daten herangezogen werden, ist mittlerweile den meisten Internet-Usern bewusst. So wundert es kaum, dass gut die Hälfte der Online-Kunden den Besuch personalisierter Webshops als eher unangenehm wahrnimmt – man hat das Gefühl, bei der Nutzung beobachtet zu werden. Viele Nutzer befürchten auch, dass dabei dabei Datenschutzbedingungen umgangen werden.

Empfehlungen vom Online-Shop: Nicht alle Kunden schätzen sie.      Screen Grab PfW
In Zeiten wachsenden Preiskampfs und sinkender Kundenloyalität setzen viele Händler im E-Commerce große Hoffnungen in die nächste Generation der Webshop-Personalisierung: Me-Commerce soll dabei helfen, neben übermächtigen Konkurrenten zu bestehen. Die individuelle und persönliche Ansprache von Webshop-Besuchern gilt dabei als wichtiges Instrument, um Kundenbindung und Umsätze zu steigern. Es geht darum, den Webshop-Besuchern ein ganz persönliches Besuchserlebnis zu bieten, das sie auf möglichst direktem Weg zu den Produkten und Angeboten führt, nach denen sie suchen.
Doch wissen die Online-Shopper die Personalisierungsbemühungen der Webshop-Betreiber zu schätzen? Wo liegen die Chancen – und wann sind Schmerzgrenzen überschritten?
Fittkau& Maaß Consulting hat das Thema Me-Commerce in einem neuen Report aus der Sicht von Online-Shoppern unter die Lupe genommen. Die Befragungsergebnisse von mehr als 4‘300 (deutschen) Usern weisen sowohl auf Potentiale als auch auf Spannungsfelder hin.
Betreffend personalisierten Webshops teilen sich die Internet-User heute in zwei exakt gleich große Lager von je 41 % der Befragten: Während den einen solche Shops im grossen Ganzen gefallen, zeigen die anderen eine eher ablehnende Haltung. Knapp jeder Fünfte hat zum Thema Me-Commerce keine klare Meinung. Der Grat zwischen wahrgenommenem Nutzen und Bedenken in Sachen ist also offensichtlich schmal. Zielführend ist es in jedem Fall, die Herkunft der verwendeten Nutzerdaten gegenüber den Webshop-Besuchern offen zu kommunizieren: Immerhin 37 Prozent der von W3B befragten Online-Käufer akzeptieren die personalisierte Ansprache und Webshop-Gestaltung, wenn der Webshop darlegt, woher die Daten dafür stammen.

Zusätzliche Daten zum Thema finden sich hier, der neue W3B Report von Fittkau & Maaß in seiner Gesamtheit zum Thema Me-Commerce erscheint Anfang Oktober 2014.


Montag, 8. September 2014

Smartphones: Die Datenfalle hat zugeschnappt - und wir sitzen drin

Ob Sie es wollen oder nicht, ob Sie es wissen oder nicht: Mit der Nutzung Ihres persönlichen Smartphones nehmen Sie an der neuen digitalen Ökonomie teil – Sie bezahlen mit Ihren persönlichen Daten für Dienste, die Sie in Anspruch nehmen. Eine wissenschaftliche Studie hat diesbezüglich die vier meistgenutzten mobilen Betriebssysteme  unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Betreffend Datenverwertung bleibt die Selbstbestimmung auf der Strecke – die Datenfalle hat längst zugeschnappt.

Ob Android, iOS, BlackBerry oder Windows Phone: Noch bevor Sie mit Ihrem neuen Smartphone überhaupt das erste Telefonat führen oder eine SMS versenden, wird es schon aktiv. Sofort nach der Inbetriebnahme des Geräts wird eine erstaunliche Anzahl von Netzwerkverbindungen mit verschiedenen Servern im Internet hergestellt. Die Nutzer können sich dagegen nicht wehren und merken von diesen Vorgängen meistens gar nichts. Das ist eines der Resultate der technischen Untersuchung, realisiert vom Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC), die unter anderem untersucht hat, auf welche Daten überhaupt zugegriffen wird, und wie es um die Transparenz der Nutzer und deren Möglichkeit selbst zu bestimmen steht.
Die Studie zeigt, dass gerade die praktisch unbegrenzten Einsatzmöglichkeiten der Smartphones dazu geeignet sind, Vorlieben und Gewohnheiten ihrer Nutzer zu erkennen, unbemerkt weiter zu melden und so ein genaues Profil zu erstellen. Dies wird umso einfacher, da die Geräte praktisch permanent online sind. Je stärker der Nutzungsumfang zunimmt, umso mehr Daten können erhoben, gespeichert und damit genutzt werden. Insbesondere Ortungsdienste und Sprachsteuerung dienen den Herstellern als Datenquellen. Nutzungs- und Diagnosedaten stellen eine weitere wertvolle Datenquelle für die Hersteller dar.
Welche Daten von den Betriebssystemen erhoben werden und welche Rechte der Nutzer dem Hersteller in Bezug auf diese Daten einräumt, wird eigentlich durch Datenschutzbestimmungen geregelt. Diese Bestimmungen sind jedoch gemäß Fachleuten durchaus in einem weiten Rahmen interpretierbar. Für die Nutzer sind die Regeln in der Praxis häufig nicht nachvollziehbar. Dazu kommt, dass sich die Anwender nicht wirklich dafür interessieren: Wann haben Sie zum letzten Mal das Kleingedruckte genau gelesen?
Aber auch wenn Sie das getan hätten, wüssten Sie immer noch nicht, wo Ihre Daten gespeichert werden – unabhängig vom Betriebssystem. Die Bestimmungen weisen nämlich darauf hin, dass die Speicherung und Verarbeitung personenbezogener Daten mehr oder weniger überall  auf der Welt erfolgen kann.
Die AISEC-Studie weist auf weitere Tatsachen hin, die es mobilen Usern schwer machen, Ihre Daten zu schützen.  Zum Beispiel werden die Nutzer praktisch gezwungen, ein Kundenkonto anzulegen. Bei BlackBerry lässt sich sonst das Gerät gar nicht erst einrichten. Die anderen untersuchten Betriebssysteme lassen ein Einrichten ohne Kundenkonto zwar grundsätzlich zu. Allerdings müssen die Nutzer dann mit erheblichen funktionellen Einschränkungen leben.
Dann sind da noch die Apps. Entwickler sind häufig eher kleinere Unternehmen. Sie bieten ihre Produkte in den App-Läden der Hersteller zum Download an, oft kostenlos. Wer solche Apps auf sein Gerät laden will, muss in der Regel ein Kundenkonto eingerichtet haben. Mit Installation und Nutzung solcher Apps verlässt der Nutzer allerdings den - relativ sicheren - Raum der Datenschutzbestimmungen des Herstellers. Es gelten dann die rechtlichen Bedingungen des Drittanbieters. Dadurch setzen sich die Nutzer einem weiteren Risiko aus. Es gibt erhebliche Unterschiede bei den Betriebssystemen, inwieweit ein Nutzer Datenzugriffe durch Dritt-Apps erkennen, verstehen und kontrollieren kann. Unter iOS ist dieser Zugang am restriktivsten gestaltet. Bei einem unmodifizierten Android können die Apps dagegen prinzipiell auf die meisten privaten Daten zugreifen. Ob und wann solche Zugriffe erfolgen, ist für Nutzer dabei kaum nachvollziehbar.
Die komplette Studie kann ab Oktober beim  Auftraggeber der Studie, dem Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) abgerufen werden
.

Montag, 3. Februar 2014

Vorteil schlägt Datenschutz

Offenbar sind immer mehr Konsumenten bereit, dem Einzelhandel ganz persönliche Informationen zur Verfügung zu stellen, insbesondere dann, wenn dies mit erkennbaren Vorteilen verbunden ist. Ganz nach dem Motto: Ich geb dir meine Daten, wenn du mir einen guten Deal versprichst. Mehr als 30 Prozent der  modernen Verbraucher sind bereit, über GPS ihren momentanen Standort mitzuteilen, ihre Handynummer preiszugeben, um Textbotschaften zu erhalten oder ihre  sozialen Gepflogenheiten im Netz zu offenbaren. Dies ist ein Ergebnis der aktuellen IBM-Einzelhandelsstudie, für die weltweit rund 30‘000 Menschen befragt wurden.

Sonderangebote direkt und persönlich übermittelt, werden von zahlreichen
Konsumenten geschätzt, auch wenn sie dazu persönliche Daten preisgeben
müssen.                                                                                     Screenshot Google
Die Studie zeigt auch, dass es für Verbraucher wichtig ist, diejenigen Technologien, die ihnen heute zur Verfügung stehen, auch für ihre Einkäufe nutzen können. Dabei wünschen sie sich:
·         Preiskonsistenz über alle Einkaufskanäle hinweg;
·         die Möglichkeit, sich Waren, die nicht mehr Vorort im Laden verfügbar sind, direkt nach Hause schicken zu lassen;
·         den Status einer Bestellung abfragen zu können;
·         ein einheitliches Warenangebot über alle Kanäle hinweg sowie
·         die Option, online gekaufte Ware auch im Laden wieder zurückgeben zu können.

Die IBM Studie identifizierte vier verschiedene Verbrauchergruppen, die sich durch unterschiedlich ausgeprägtes Interesse an sozialen, mobilen und lokal vorhandenen Technologien beim Einkaufen unterscheiden:
"Dabei haben neunzehn Prozent offensichtlich überhaupt kein Interesse an der Nutzung neuer Technologien für das Shoppen. Weitere 40 Prozent nutzen diese Technologien nur zur Informationsbeschaffung, aber kaum, um tatsächlich einzukaufen. 29 Prozent arbeiten damit relativ intensiv, sie informieren sich und kaufen auch digital. Die restlichen zwölf Prozent können als echte Vorreiter klassifiziert werden. Sie wollen neue Technologien über alle Kanäle hinweg nutzen und machen davon auch die Wahl ihrer bevorzugten Händler abhängig. Das Verhalten und die Erwartungen dieser Vorreiter machen heute schon deutlich, wie sich die Mehrzahl der Verbraucher morgen verhalten wird. Die Vorreiter sind gleichzeitig ein sehr attraktive Zielgruppe. Denn sie verfügen über ein höheres Einkommen, schauen optimistischer in die Zukunft, werden in diesem Jahr mehr Geld ausgeben und engagieren sich sozial."
Der Handel über mehrere Kanäle  ist aber nicht nur eine Herausforderung für den Umgang mit großen Datenmengen – Big Data – sondern auch eine Frage der Datenqualität. Das größte Problem liegt dabei weniger in der Sammlung, Konsolidierung und Auswertung von Kundendaten, sondern vielmehr in der schnellen Reaktion auf ein bestimmtes Kundenverhalten. Denn Empfehlungen und personalisierte Angebote sind umso erfolgreicher, je punktgenauer und schneller sie den Adressaten erreichen. Cloud Computing Omnichannel-Strategien sehr gut unterstützen.

Insgesamt kaufen immer mehr Verbraucher in virtuellen Shops ein. In der IBM Retail-Studie, von 2013 wurden noch 84 Prozent aller Einkäufe (ausser Lebensmittel) im Geschäft vor Ort abgewickelt. Heute, ein Jahr später, ist diese Zahl auf 72 Prozent gesunken.


Samstag, 3. März 2012

Google und der Datenschutz

Die Wellen haben in den letzten Wochen recht hoch geschlagen: Als Google seine neuen Datenschutzrichtlinien ankündigte, gab es viele Proteste. Für die meisten Anwender blieben aber Fragen offen. Was kann man als einzelner User schon gegen die Sammelwut des Internetriesen ausrichten? 

Jetzt mal ehrlich: Nachdem die Medien jetzt wochenlang über die neuen Google-Datenschutzrichtlinienberichtet und Datenschutzspezialisten weltweit ihre Stirn in Sorgenfalten gelegt haben, wissen Sie, um was es eigentlich geht? Haben Sie etwa sogar die umfangreiche neue Datenschutzerklärung von Google durchgelesen?
Wohl kaum. Eine nicht repräsentative Umfrage unter unseren Bekannten hat ergeben, dass sich quasi niemand näher mit dem Thema befasst hat – nicht etwa, weil Datenschutz und Privatsphäre nicht interessieren, sondern eher, weil das Thema zu kompliziert ist. Kein Wunder: die neuen Bestimmungen von Google, bei denen es grundsätzlich darum geht, Userdaten von verschiedensten Diensten zusammenzuführen und auszuwerten, sind nicht immer sehr erhellend. Eines kommt aber immerhin heraus: Google sammelt Infos an allen digitalen Ecken und Enden. Zitat aus der GoogleDatenschutzerklärung:

“Wir erheben Informationen auf zwei Arten:
• Daten, die Sie uns mitteilen: Zur Nutzung vieler Google-Dienste müssen Sie beispielsweise zunächst ein Google-Konto erstellen. Hierfür werden wir Sie nach personenbezogenen Daten wie Ihrem Namen, Ihrer E-Mail-Adresse, Ihrer Telefon- oder Kreditkartennummer fragen. [...]
• Informationen, die wir aufgrund Ihrer Nutzung unserer Dienste erhalten: Wir erfassen möglicherweise Informationen über die von Ihnen genutzten Dienste und die Art und Weise, wie Sie diese nutzen, beispielsweise wenn Sie eine Website besuchen, auf der unsere Werbedienste verwendet werden oder wenn Sie unsere Werbung und unsere Inhalte ansehen und damit interagieren. Derartige Informationen beinhalten:
Gerätebezogene Informationen
Wir erfassen möglicherweise gerätespezifische Informationen (beispielsweise das von Ihnen verwendete Hardware-Modell, die Version des Betriebssystems, eindeutige Gerätekennungen und Informationen über mobile Netzwerke, einschließlich Ihrer Telefonnummer). Google verknüpft Ihre Gerätekennungen oder Telefonnummer gegebenenfalls mit Ihrem Google-Konto.
Protokolldaten
Wenn Sie unsere Dienste nutzen oder von Google bereitgestellte Inhalte aufrufen, erfassen und speichern wir bestimmte Daten gegebenenfalls in Serverprotokollen. Diese Protokolle können Folgendes enthalten:
Einzelheiten zu der Art und Weise, wie Sie unsere Dienste genutzt haben, beispielsweise Ihre Suchanfragen.
Telefonieprotokollinformationen wie Ihre Telefonnummer, Anrufernummer, Weiterleitungsnummern, Datum und Uhrzeit von Anrufen, Dauer von Anrufen, SMS-Routing-Informationen und Art der Anrufe.
IP-Adresse.
Daten zu Geräteereignissen wie Abstürze, Systemaktivität, Hardware-Einstellungen, Browser-Typ, Browser-Sprache, Datum und Uhrzeit Ihrer Anfrage und Referral-URL.
Cookies, über die Ihr Browser oder Ihr Google-Konto eindeutig identifiziert werden können. […]“

Trotzdem muss man sich als User nicht völlig machtlos vorkommen, wenn einem diese Sammelwut stört. Es gibt verschiedene Methoden, sich dagegen zu wehren. Die Brachialmethode besteht darin, keine Google Dienste mehr zu nutzen – adieu Gmail, Blogger, Chrome, Youtube und natürlich Google-Suchdienst. Ein nicht minder brachialer Ausweg bestünde darin, nur noch “privat“ zu surfen; d.h. die anonymisierenden Funktionen im Browser zu benutzen, wenn immer ein Google-Dienst benutzt wird.
Doch es gibt auch noch weniger extreme Mittel, die Privatsphäre zu schützen. DieSüddeutsche Zeitung erklärt das Vorgehen:

- Webprotokoll deaktivieren: Über die Nutzung seiner Suchmaschine führt Google ein sogenanntes Webprotokoll, um Suchergebnisse und Werbeanzeigen zu personalisieren. Diese sogenannte History sollten Nutzer unter http://google.com/history löschen und deaktivieren [...]
- Dashboard kontrollieren und nutzen: Google bietet unter http://google.com/dashboard eine Steuerzentrale für das Konto. In dem sogenannten Dashboard sieht man für jeden Dienst aufgelistet, welche Informationen wie persönliche Daten, Kontakte, Konversationen oder Protokolle Google gespeichert hat und kann diese auch löschen oder ändern. Über das Dashboard lassen sich auch das Google-Konto mit allen Diensten oder einzelne Dienste löschen.
-  YouTube-Verlauf löschen: Google speichert auch, welche Videos die Nutzer bei der Unternehmenstochter YouTube suchen oder anschauen. Die EFF rät, auch das zu unterbinden. Dazu muss man sich auf der YouTube-Seite einloggen oder über das Dashboard dorthin gehen und auf "Video-Manager" klicken. Danach gilt es, unter Verlauf auf "Gesamten Verlauf löschen" und "Pause viewing history" zu klicken. Danach muss man unter Suchverlauf auf "Gesamten Suchverlauf löschen" und "Suchverlauf aussetzen" klicken.
- Vor dem Surfen abmelden: Wer die Google-Suchmaschine nutzt, sollte nach Möglichkeit nicht gleichzeitig bei seinem Google-Konto angemeldet sein. Auch um YouTube nutzen zu können, muss man nicht eingeloggt sein.

Im Übrigen gilt: Lassen Sie sich nicht Bockshorn jagen. Am Ende sind Sie es, die bestimmen, welche Informationen Sie dem Internet überlassen!

Montag, 2. August 2010

Datenschutz ist billig

Eines der ganz grossen Themen des digitalen Zeitalters ist der Datenschutz. Die digitale Kopierfähigkeit und die schnelle Übermittlung von Daten haben weltweit neue Gesetze und Regeln ausgelöst; viele Anwender sorgen sich tagtäglich um ihre persönlichen Daten. Oder etwa doch nicht?

Das Thema Datenschutz ist omnipräsent. 

Man müsste eigentlich meine, dass die Privatsphäre und der Datenschutz bei den allermeisten Anwendern zuoberst auf der Prioritätenliste stehen. Google zum Beispiel, wirft bei der Suche nach dem Begriff Datenschutz fast 75 Millionen Resultate aus. Das englischsprachige Äquivalent „Privacy“ bringt gar 1, 3 Milliarden Ergebnisse. Wie ist es da zu erklären, dass Internet-Shopper schon für einen Euro freiwillig private Daten preisgeben?

So geschehen im Lauf einer Studie, die am Wissenschaftszentrum Berlin durchgeführt wurde:
Das Forschertrio lud 225 Berliner Studenten in ein Experimentallabor. Die Teilnehmer hatten Möglichkeit, bei einem von zwei realen Internet-Versandhäusern eine DVD zu bestellen. Die Versuchsleitung subventionierte den Einkauf mit sieben Euro. Das Warenangebot beider Anbieter war identisch, auch ihre Webseiten sahen ähnlich aus. Nur mit Blick auf die Preise und die Privatsphäre der Kunden gab es einen Unterschied. Eines der beiden Versandhäuser fragte bei einer Bestellung mehr persönliche Daten ab. Nur, wer sein genaues Geburtsdatum und sein jährliches Einkommen angab, konnte dort bestellen. Im Gegenzug waren alle DVDs einen Euro günstiger. Die überwältigende Mehrheit der Versuchspersonen (92 Prozent) kaufte beim günstigeren Anbieter ein und offenbarte diesem ohne Zögern ihre persönlichen Daten.“
Dorothea Kübler, eine an der Studie beteiligte Professorin, hat eine Erklärung für dieses Verhalten, wie sie in einem Interview mit aquisa.de erklärt:
“Ich denke, dass viele Konsumenten kaum noch darauf achten, wann sie wo welche Daten preisgeben. Das kann viele Gründe haben, die genauer untersucht werden müssen. Zum Beispiel ist es möglich, dass Leute denken, sie hätten ohnehin schon alle Daten irgendwo zur Verfügung gestellt, und deswegen käme es nicht mehr darauf an, ob sie es nochmal tun oder nicht...“

Dienstag, 17. November 2009

Wie sicher ist Ihr BlackBerry?

Jedes fünfte verkaufte Smartphone war weltweit im letzten Quartal ein BlackBerry, auch das iPhone mag da nicht mehr mithalten. 8,5 Millionen BlackBerrys verkaufte RIM von Juli bis September (iPhones gingen 7,4 Millionen über den Ladentisch). Da der BlackBerry immer noch vorwiegend ein Business-Tool ist, sind die Sicherheitsanforderungen höher, als bei anderen Geräten. Und genau diesbezüglich sind in den letzten Wochen Zweifel aufgetaucht.

Alain Afflelou ist in Frankreich sehr bekannt: Brillengeschäfte im ganzen Land tragen seinen Namen, und auch in der Westschweiz betreibt Afflelou mehr als 10 Filialen. Für Aufregung sorgte der Geschäftsmann aber kürzlich nicht mit Brillen, sondern mit einem BlackBerry-Verbot, das er für das ganze Unternehmen erlassen hat. Afflelou, der die BlackBerrys in seinem Unternehmen erst vor einem Jahr eingeführt hat, glaubt nicht mehr an deren Sicherheit. Verunsichert haben ihn Nachrichtenmeldungen über Programme, die aus den Smartphones ferngesteuerte Abhörgeräte machen, aber auch die Tatsache, dass der BlackBerry für den amerikanischen Präsidenten nicht sicher genug war und Obama deshalb mit einer speziell abgeänderten Version kommuniziert. Tatsächlich sind in den letzten Wochen mehrmals Sicherheitsbedenken laut geworden. So warnte zum Beispiel das amerikanische CERT genau vor jener Gefahr, die auch Alain Afflelou beunruhigt. Aus einem Bericht von heise.de:
“BlackBerry-Anwender sollten vorerst ihr Gerät nicht mehr freiwillig aus der Hand geben. Das US-CERT warnt offiziell vor einer kürzlich erschienenen, frei verfügbaren Spyware, mit der sich BlackBerrys von Dritten in eine Wanze verwandeln lassen. So genügt nach der Installation des PhoneSnoop genannten Programms ein Anruf von einer vorher definierten Nummer (Trigger Number), um das Lauthören ohne Wissen des Besitzers zu aktivieren und beispielsweise das im Raum Gesagte mitzuhören.“
Doch die Suppe wird wohl nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wird. Der Londoner Telegraph zitiert John Kindervag, einen Sicherheitsexperten von Forrester, der die BlackBerrys der kanadischen Firma RIM immer noch zu den sichersten Smartphones zählt. So sicher seien die Geräte, dass sogar Kriminelle immer öfter davon Gebrauch machten und damit die Polizei frustrierten. Der Experte weist ausserdem darauf hin, dass die BlackBerrys das verschlüsselte Versenden und Speichern von Nachrichten unterstützen – Verschlüsselung sei “der Schlüssel zur Datensicherheit“. Schliesslich, meint Kindervag, stelle das interne Telefonsystem in einem Unternehmen das grössere Sicherheitsrisiko dar, als der Einsatz von BlackBerry-Smartphones.

Samstag, 19. September 2009

Auf digitaler Spurensuche

Wir alle kennen Sat-Nav, und viele Autofahrer würden ohne die digitalen Wegweiser ihren Weg gar nicht mehr finden. GPS-Systeme werden aber in unzähligen andern Anwendungen benutzt. Jetzt steht die Technologie vor einem Quantensprung: Empfänger und Sender werden immer kleiner und billiger, GPS-Tracking-Geräte immer populärer. Das Verfolgen von digitalen Fährten via GPS hat gesellschaftsveränderndes Potential: Bald gibt es kein Verstecken mehr.

Stellen Sie sich vor, sie sind geschäftlich mit dem Auto unterwegs, und ihr Vorgesetzter weiss immer genau, wo sie sich aufhalten. Auf die Minute und auf die Sekunde genau, sowohl zeitlich wie örtlich. Für viele Angestellte ist dieses Überwachungsszenario bereits Realität: Aussendienstmitarbeiter, Lastwagenchauffeure, Kuriere oder Streifenpolizisten gehören zu jenen Berufsgruppen, die schon heute vielerorts per GPS kontrolliert werden. Nun schwappt die Überwachungswelle auch in den Privatbereich über. Solange es darum geht, den Aufenthaltsort von Fido ausfindig zu machen, ist das ja nicht problematisch. Schwieriger wird es schon, wenn dem Nachwuchs eine Uhr oder sonst ein Gadget (zum Beispiel ein Handy) angehängt wird, dass die Dauerüberwachung per GPS möglich macht.
Fazit eines Testberichts einer GPS-Kinderuhr des britischen Herstellers Lok8u:

“Kurzum: Die Uhr ist wie eine elektronische Fußfessel, nur hübscher verpackt. In England ist sie ziemlich kontrovers aufgenommen worden, wie man sich denken kann."
Ganz heikel wird es dann, wenn GPS-Logging Gadgets jemandem untergejubelt werden, ohne dass diese Person davon weiss. Szenarien gibt es viele: eifersüchtige Partner, misstrauische Eltern, oder Bosse, die ihre Angestellten an der kurzen Leine halten wollen. Das rasant wachsende Angebot an günstigen GPS-Tracking und Logging-Gadgets zeigt, dass die Nachfrage durchaus vorhanden ist – Datenschutzbedenken hin oder her. GPS-Chips kosten heute nur noch einige wenige Dollar und sind so klein, dass sie sich problemlos buchstäblich überall einbauen lassen: Handys, Kameras, Laptops, Autos und sogar Kleidungsstücke mit Chips werden bereits angeboten. Das Angebot wird weiter wachsen, der Anspruch verschiedenster Organisationen, Institutionen und Mitmenschen auf die Lokalisierung anderer Menschen wird ebenfalls grösser werden. Schrumpfen wird hingegen die Privatsphäre derjenigen, deren digitale Spuren verfolgt werden.