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Donnerstag, 7. April 2016

Erpresserwährung Bitcoin

Mit Bitcoin geht’s wieder bergauf; die Kurse sind seit Oktober letzten Jahres um rund 80 Prozent angestiegen. Ein Bitcoin kostet heute, am 7. April 2016, 405 Schweizer Franken. Der Wert des digitalen Geldes hat in den letzten Monaten genau wie die  Anzahl gemeldeter digitaler Erpressungsfälle ständig zugenommen. Das ist kein Zufall: Bitcoin ist perfekt dazu geeignet, durch Ransomware verursachte Geldübergaben anonym zu halten.

Mit den Bitcoinkursen geht's bergauf - und auch die Erpresser wissen das zu
schätzen.                                                                         Screenshot finanzen.net 
Ransomware, der Schrecken jedes IT-Administrators. Ein verseuchtes File wird auf einen PC hochgeladen – aus der Cloud oder per E-Mail – und schon geht gar nichts mehr. Die betroffenen Daten sind nicht mehr zugänglich, weil verschlüsselt; um sie zu entschlüsseln verlangen die Cyber-Erpresser ein Lösegeld, fast immer in Form von Bitcoin. Eines der bekanntesten Beispiele ist ein amerikanisches Spital: Das Hollywood Medical Center in Los Angeles bezahlte anfangs dieses Jahres 40 Bitcoins (zu diesem Zeitpunkt rund 17‘000 US-Dollar) um wieder Zugang zu den eigenen Daten zu bekommen.
Das elektronische Zahlungssystem mache es den Tätern leicht, bestimmte Vorgänge zu automatisieren.  Zitat aus der “Zeit“:
“Jedes Locky-Opfer muss an eine eigens eingerichtete Bitcoin-Wallet zahlen. Eine einzige Wallet, auf der immer wieder der gleiche Betrag eingeht, der irgendwann zudem sehr groß wird, könnte Ermittlern auffallen. Tausende Wallets, die jeweils nur 0,5 bis ein Bitcoin enthalten, nicht. Gleichzeitig kann die Software der Kriminellen selbsttätig prüfen, ob das Lösegeld schon in der jeweiligen Wallet eingetroffen ist, und dem Opfer dann einen Link zum Entschlüsseln seiner Daten schicken.“
Dass die Erpresser erwischt werden, passiert nur sehr selten, obwohl die angerichteten Schäden in die Milliarden gehen, wie die “Süddeutsche“ berichtet:
“5,25 MilliardenDateien soll allein die Erpresser-Software CryptoWall zwischen Mitte März und Ende August 2014 verschlüsselt haben. Knapp 1700 Opfer zahlten ein Lösegeld von insgesamt mehr als 1,1 Milliarden Dollar. Die verlangten Summen variierten zwischen 200 und 10 000 Dollar, bei den meisten verlangten die Erpresser 500 Dollar. Da das Lösegeld mittlerweile meist in der Kryptowährung Bitcoin bezahlt werden muss, lassen sich die Geldflüsse kaum nachverfolgen. Beim CoinVault-Fall, bei dem zwei junge Niederländer, zur Tatzeit 18 und 22 Jahre alt, verhaftet wurden, war es Kaspersky gelungen, die Spur der bösartigen Software zu verfolgen - auch das ist oft sehr schwierig. Die beiden hatten mindestens 1500 Windows-Computer attackiert, die meisten davon in ihrem Heimatland, in Deutschland, den USA, Frankreich und England.“
Dass es sich beim Phänomen der Bitcoin-Erpressungen um ein Problem handelt, das zahlreiche Unternehmen betrifft, zeigt eine Umfrage von Akamai bei Deutschen Unternehmen: Mehr als ein Drittel der Befragten gaben an, dass ihr Unternehmen schon einmal von einem Cyber-Angriff betroffen wurde. Als neues Phänomen kristallisierten sich dabei laut Akamai im letzten Jahr DDoS-Angriffe mit dem Ziel der Bitcoin-Erpressung heraus. So ergab die Akamai-Umfrage, dass immerhin neun Prozent der angegriffenen Unternehmen von Bitcoin-Erpressern attackiert wurden.

Sonntag, 29. November 2015

Cash, Bitgold oder Bitcoin?

Bargeld ist zwar immer noch beliebt – vor allem in der Schweiz – aber inzwischen gibt es zahlreiche andere Bezahlmethoden, die langfristig sogar an der Vorherrschaft der staatlich sanktionierten Währungen rütteln könnten. Zum Beispiel Bitcoin und Bitgold, die immer mehr Anwender finden. Der digitale technologische Fortschritt, der virtuelle Währungen erst möglich macht, eröffnet auch die theoretische Möglichkeit, Bargeld ganz abzuschaffen.

Cash, der in der Tasche klingelt, bekommt immer mehr Konkurrenz.
                                                                                                      Bild PfW
Etatisten und Bürokraten sehen diese Entwicklung wahrscheinlich nicht ungern:  Geldströme lassen sich nämlich umso besser verfolgen, je weniger Bargeld darin fliesst. Das ist wohl ein Grund dafür, dass sowohl in Italien als auch in Frankreich Barzahlungen von über 1000 Euro illegal sind. Und der Trend wird wohl weiter in die gleiche Richtung gehen, wie in einer Kolumne der Handelszeitung erklärt wird:
“Im letzten Jahr hielt der bekannte amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff am ifo Institut in München einen Vortrag, in dem er auch die Abschaffung des Bargeldes vorschlug und die Vorteile einer bargeldlosen Wirtschaft anpries. Bargeld, so Rogoff, würde die Kriminalität begünstigen. Ohne Bargeld könne man Kriminalität wesentlich besser bekämpfen. Auch Negativzinsen könnten besser durchgesetzt werden. “Papiergeld ist das entscheidende Hindernis, die Zinsen weiter zu senken“, so der bekannte Krisenökonom. Vor kurzem hat Mark Carney, Gouverneur der Bank of England, als erster Notenbankpolitiker die Abschaffung des Bargeldes gefordert.“
Doch ganz so einfach wird es für die Politik nicht sein, die Geldströme in den Griff zu bekommen – schliesslich gibt es immer noch Bitcoin, jene virtuelle Währung die seit Jahren weltweit eingesetzt wird. Bitcoin ist vielen Vertretern staatlicher Wirtschaftsordnungen ein Dorn im Auge. Gemäss aktuellen Schätzungen sind heute rund 15 Millionen Einheiten der Währung im Umlauf,  was zirka 4,5 Milliarden Euro entspricht. Zitat aus einem Artikel auf zeit.de:
“Die Justiz- und Innenminister der EU-Mitgliedsstaaten haben die Europäische Kommission aufgefordert, Vorschläge zu machen, wie sich virtuelle Währungen stärker kontrollieren lassen. Auch die Gruppe der sieben größten westlichen Wirtschaftsnationen soll sich auf ähnliche Ziele verständigt haben, meldete der Spiegel. Die Regierungen nehmen vor allem Bitcoins ins Visier – weil sie überzeugt sind, dass Terrororganisationen damit Geld bei ihren Unterstützern einsammeln und an Kämpfer weitergeben können. […]  Es liegt in der Natur der digitalen Währung, dass sich kaum nachvollziehen lässt, wer mit wem handelt. Bitcoins werden von einem Netz aus Tausenden dezentralen Computern verwaltet, den Minern. Deswegen sind alle Bitcoin-Zahlungen öffentlich: Jede Transaktion wird in einer einsehbaren Datenbank im Netz dokumentiert – wie in einem dicken Buch, das permanent um neue Seiten ergänzt wird. In diesem Buch lässt sich zwar nachlesen, welcher Adressat wie viele Bitcoins erhalten hat und wie viele er aktuell besitzt. Doch das gesamte Buch ist in einer Geheimsprache geschrieben: Wer genau sich hinter einer Adresse verbirgt, ist unklar, solange er sich nicht selbst zu erkennen gibt.“
Es ist nicht verwunderlich, dass es Landeswährungen gibt, die man nur zu gerne gegen Bitcoins eintauschen würde. Für User, die ihrem herkömmlichen Geld nicht mehr trauen, gibt es allerdings seit kurzem eine bessere Alternative: Bitgold bietet die Möglichkeit, echtes Gold zum Sparen und Bezahlen einzusetzen. Aus einem Bericht der NZZ:
“Der im Mai 2015 gestartete Dienst erlaubt es, in Gold zu sparen und damit weltweit zu bezahlen. Seither haben sich über 400 000 Nutzer angemeldet, die für 15 Mio. $ Gold gekauft haben. Damit wächst die Nutzerzahl schneller als bei Facebook oder Uber in den Anfängen. Der Nutzer kann sein Bitgold-Konto per PC oder Smartphone-App verwalten. Gold kauft er mittels Überweisung oder Kreditkarte. Es wird weltweit in mehreren Tresoren der Sicherheitsfirma Brinks gelagert – auch in Zürich. Bitgold selbst hat keinen Zugriff darauf, sondern zeichnet in einem zentralen digitalen Register auf, welches Gramm im Tresor wem gehört. Geht die Firma bankrott, gehört das Gold dem Nutzer.“

Was für eine Idee: Geld mit Gold abzusichern - aber hat es das im vordigitalen Zeitalter nicht schon einmal gegeben? 

Freitag, 13. Februar 2015

Bitcoin: Gier, Naivität und Tränen

Betrügerische Anlagesysteme nach dem Schneeball- oder Pyramidenprinzip gibt es, seit Geld die Welt regiert und das kapitalistische System es möglich macht, mit Anlagen Geld zu verdienen. So ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass auch die Kryptowährung Bitcoin für derartige Betrügereien benutzt wird. Im aktuellsten Fall entstanden dadurch grosse Verluste.

Bitcoin hat schon bessere Zeiten gesehen, wird aber immer noch hoch gehandelt: gestern
gemäss Google Finance für 207 Franken pro Bitcoin.            Screengrab via Google Finance 
Die Gründe dafür, dass Schneeball- oder Pyramidensysteme, im angelsächsischen Sprachraum  auch Ponzi-Systeme genannt, so viele bereitwillige Opfer finden, die sich freiwillig von ihrem Geld trennen, sind seit jeher genau die gleichen: Naivität und Gier. Die Betreiber solcher Betrügerischen Anlagesysteme versprechen immer aussergewöhnlich hohe Renditen – oft sind diese zu gut, um wahr zu sein. Trotzdem funktioniert das System – auch im aktuellsten Fall. Zitat aus der Welt:  
“In Hongkong haben Betrüger offenbar monatelang mit dem Stichwort "Bitcoin" Anleger gelockt, nur um mit dem investierten Kapital zu verschwinden. Die von den Tätern betriebene virtuelle Börse MyCoin wurde Anfang dieser Woche überraschend dichtgemacht. Die Nutzer können keine Überweisungen mehr tätigen und haben keinen Zugriff mehr auf ihr angelegtes Kapital. Es sei zu befürchten, dass rund drei Milliarden Hongkong-Dollar (circa 342 Millionen Euro) verloren seien, sagte der örtliche Abgeordnete Leung Yiu-chung."
Die Gewinne, die den Möchtegern-Spekulanten versprochen wurden, lagen gemäss Presseberichten bei 200 bis 300 Prozent…
Es sind also durchaus nicht nur Urner-Bergbauern und knorrige Handwerker, die reihenweise auf Anlagebetrug hereinfallen (Stichwort European Kings Club), und sich gegen verrückte Renditeversprechungen von ihrem hart verdienten Geld trennen. Auch fortschrittliche Bürger des digitalen Zeitalters, die immerhin so gut informiert sind, dass sie einigermassen über die Kryptowährung Bitcoin Bescheid wissen, sind nicht vor derartigem Ungemach gefeit. Und obwohl Bitcoins durchaus immer noch weltweit zahlreiche Anhänger haben, welche die digitale Währung auch kaufen, gibt es viele Mythen und Verschwörungstheorien. Eine davon: Das ganze Bitcoin-System sei ein Schneeballsystem. Davor warnt die Zentralbank in Estland die Verbraucher. Für Währungshüter sei die Cyberwährung ein Graus, schreibt das Handelsblatt:
“Aufseher und Banken warnen zunehmend vor Bitcoins und anderen digitalen Währungen - aus der Sorge heraus, dass damit Finanzkriminalität erleichtert wird. Die schwedische SEB, der grösste nordische Währungshändler, hat Anfragen von Kunden eine Absage erteilt, Konten zur Bitcoin-Verwaltung einzurichten. Und Nordea Bank, die grösste Bank Skandinaviens, rät ihren Kunden dazu, es sich genau zu überlegen, bevor sie Bitcoins anfassen.“

Dem Tipp zur Vorsicht können wir uns anschliessen – er gilt allerdings nicht nur für digitales Geld. Dass allerdings die Währungshüter sich jetzt gemeinsam auf Bitcoin einschiessen, verwundert eigentlich nicht – schliesslich handelt es sich dabei um genau jene Währung die sie nicht hüten oder kontrollieren können.