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Donnerstag, 18. Dezember 2014

E-Mail: So sicher wie eine Postkarte

Der Hacking-Angriff auf Sony hat die Vielschichtigkeit der Kommunikation an der Führungsspitze des Unternehmens offengelegt. Mit anderen Worten:  Die gehackten und veröffentlichten E-Mails enthielten Texte, die so nie geschrieben worden wären, wenn die Autoren damit hätten rechnen müssen, dass diese Inhalte je an die breite Öffentlichkeit gelangen. Deshalb kann es nicht schaden, dass wir uns wieder einmal an einige Verhaltensregeln erinnern, die das Risiko peinlicher und teurer Datenlecks minimieren.

Ein Hack-Angriff,der Sony dazu brachte, die Veröffentlichung eines bereits fertig-
gestellten Filmes zu stoppen. Immerhin ist der Trailer (noch) auf YouTube zu sehen.
Edward Snowden, die NSA, Wikileaks und jetzt Sony – eigentlich sollte es uns schon lange klar geworden sein, dass es kaum sichere digitale Kommunikation gibt.  Es müssen nicht mal immer Hacker sein, die Einblick in privatgeglaubte E-Mails verlangen, auch Gerichte greifen immer wieder auf die auf Unternehmensservern gespeicherten Nachrichten zu. Gegenwärtig ist Apple von einem derartigen Verfahren betroffen, wie u.a. die FAZ berichtet:
“Steve Jobs ist vor mehr als drei Jahren gestorben, aber der Mitgründer und langjährige Vorstandsvorsitzende des Elektronikkonzerns Apple ist weit davon entfernt, in Vergessenheit zu geraten. Nicht nur wird sein Nachfolger Tim Cook immer wieder an ihm gemessen und muss sich fragen lassen, ob Apple die Innovationskraft aus der Jobs-Ära bewahren kann. Jobs spielte nach seinem Tod auch in mehreren spektakulären Kartellverfahren gegen Apple eine Rolle. Wiederholt kamen dabei alte E-Mails ans Licht, die den Eindruck erweckten, dass Jobs sich kein bisschen um Regeln schert und unerlaubte Absprachen für ihn zum Alltag gehörten…“
Wer also per E-mail kommuniziert – und wer tut das nicht – tut gut daran, sich mit seinen Äusserungen an gewisse Regeln zu halten, die eigentlich alle vom gesunden Menschenverstand vorgegeben werden.
Vier solche Regeln werden in einem aktuellen Artikel der “Welt“ aufgelistet und erläutert. Eine der wichtigsten Regeln, die der Autor dabei aufführt, betrifft den digitalen Klatsch. Es empfehle sich, dabei die gleichen Massstäbe anzulegen, wie beim Klatschen in der Öffentlichkeit, da man nie wisse, wer noch mithöre.
Für Unternehmen sollten zusätzliche Sicherheitsmassnahmen ergriffen werden:
“Wer unbedingt geheimes oder potenziell geschäftsschädigendes Material per Mail verschicken will, sollte die Nachricht von Ende zu Ende verschlüsseln und die Schlüsseldatei separat vom Firmennetz aufbewahren. Alles, was unverschlüsselt auf einem Mail-Server im Firmennetz liegt, kann und wird mitgelesen: von Administratoren, Compliance-Ermittlern, Wirtschaftsprüfern, Hackern und Staatsanwälten. Definitiv sollten keine Mails mit sensiblen Inhalten unverschlüsselt verschickt werden, vor allem nicht an Adressaten außerhalb des eigenen Firmennetzwerkes, denn Mails sind wie Postkarten: Sind sie unterwegs, kann jeder draufschauen.“


Montag, 10. Juni 2013

Wir leben im Jahr 2013 - nicht 1984

George Orwell hat in seinem Roman „1984“ eine düstere Zukunft gemalt; jene des totalen Überwachungsstaates. Wir leben heute mit Sicherheit nicht in jener dystopischen Welt, die Orwell 1949 beschrieben hat. In diesem Sinne ist 1984 nicht 2013. Aber die Überwachung in der digitalen Gesellschaft hat Ausmasse angenommen, über die wahrscheinlich auch Orwell gestaunt hätte.

2013 ist nicht "1984" - eine der düstersten
literarischen Welten überhaupt. Aber die
Überwachungskapazitäten in der digitalen
Gesellschaft haben ein Ausmass angenommen,
über das wohl auch George Orwell gestaunt hätte.
Inzwischen haben Sie es auch schon mitbekommen: Dank eines „Whistleblowers“ wissen wir, dass die Amerikanische NSA (National Security Agency) in gewaltigem Umfang Daten sammelt: Es geht um Telefon- und Handygespräche, aber auch um Einträge auf Facebook, Twitter und YouTube, sowie um Internet-Kommunikationen wie E-Mails. Rund 80 Milliarden Dollar gebe die Obama-Administration jährlich aus, um diese Daten elektronisch zu sichten – alles zum Zwecke der Terrorbekämpfung. Zitat aus der NZZ:
“Die National Security Agency (NSA), die speziell zur Überwachung der elektronischen Kommunikation geschaffen wurde und heute zu einem der grössten Geheimdienste der Welt gewachsen ist, hat auch Zugang zu allen grösseren Internetdiensten und kann dort E-Mails, Nachrichten, Bilder, Kundenverhalten und Chats auswerten. Die «Washington Post» und der «Guardian» berichteten praktisch gleichzeitig und auf der Basis der gleichen Powerpoint-Präsentation über ein bisher geheimes Programm namens «Prism» (Prisma), mit dessen Hilfe die NSA direkt auf die Server von Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, Youtube, Skype, Apple und anderen zugreifen könne…“
Das war vor einigen Tagen. Heute nun hat sich die Quelle dieser Angaben zu erkennen gegeben. Es handelt sich um Edward Snowden, einen jungen Techniker, der für die NSA tätig war, und sein Wissen über diese Aktionen nicht mehr für sich behalten wollte:
«Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, die so etwas macht», sagte Snowden dem «Guardian». «Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles was ich mache und sage aufgenommen wird.» Er beschrieb eine noch grössere Dimension der Datensammlung als die von ihm enthüllten Dokumente andeuten: «Die NSA hat eine Infrastruktur aufgebaut, die ihr erlaubt, fast alles abzufangen.» Damit werde der Grossteil der menschlichen Kommunikation automatisch aufgesaugt. «Wenn ich in ihre E-Mails oder in das Telefon ihrer Frau hineinsehen wollte, müsste ich nur die abgefangenen Daten aufrufen. Ich kann ihre E-Mails, Passwörter, Gesprächsdaten, Kreditkarteninformationen bekommen...»
Das sind ja tolle Aussichten!
Die gute Nachricht in diesem Szenario ist die Tatsache, dass die grossangelegten Abhöraktionen gemäss US-Regierung bereits einen Terroranschlag in der New-Yorker-U-Bahn verhindert haben.
Die schlechte Nachricht ist die Tatsache, dass es wohl nie mehr gelingen wird, den digitalen Geist in seine Flasche zurückzuschicken – das heisst, den digitalen Überwachungsstaat zurückzubinden. Die fast totale digitale Überwachung ist technisch möglich geworden – also wird es sie auch geben. Vielleicht nicht hier und heute, aber sicher dort - und wenn nicht heute, sicher morgen. Da werden auch Proteste, Gesetze und Gerichtsurteile nichts dagegen ausrichten können.