Posts mit dem Label Twitter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Twitter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 15. Februar 2016

Wer interessiert sich eigentlich noch für Twitter?

 Eigentlich sollte es eine der ganz grossen Erfolgsgeschichten der digitalen Kommunikation werden, und eine Zeitlang sah es ganz so aus, als ob Twitter die hochgesteckten Erwartungen erfüllen würde. Die Zahl der Nutzer nahm rasant zu, und nach dem Börsengang stieg auch der Kurs der Aktie. Doch das war einmal; aktuell gibt es keine guten News mehr. Die Nutzerzahlen gehen zurück, und die Manager springen ab. Wer Twitter-Aktien besitzt, die beim Börsengang oder kurz danach gekauft wurden, hat schon mehr als die Hälfte der Investition verloren. Nach der anfänglichen Euphorie stellt sich die Frage, ob Twitter wirklich gebraucht wird.

Eines ist klar: Twitter ist in Nordamerika populärer als in Europa. Allerdings zeigt sich hier und dort, dass Twitter vorwiegend als Kommunikationsforum der Eliten benutzt wird: Politiker, JournalistenKünstler und andere Prominente lieben es, ihre gewichtige Meinung zum Tagesgeschehen in die Welt zu twittern, und sie haben auch Anhänger, die diese Wortmeldungen dankbar aufnehmen. Besonders im Journalismus hat sich Twitter zu einem beliebten Tool entwickelt und zwar in zweierlei Hinsicht: Erstens hilft der Kurznachrichtendienst, leere Seiten zu füllen, indem Prominenten-Tweets ausgeschlachtet und breitgeschlagen werden. Zum Zweiten lässt sich Twitter als Verstärker der journalistischen Meinung  einsetzen, indem entsprechende Tweets wie Echos an Stories gehängt werden.  Genau diese journalistische Praxis ist allerdings nicht überall beliebt und wird inzwischen von vielen Medienkonsumenten auch durchschaut.
Trotzdem hat Twitter zwei grosse Probleme: Erstens hat sich Twitter zu einem Tummelfeld für Trolle entwickelt, die aufgrund ihrer Anonymität auf Twitter oft so richtig die Sau rauslassen. Das generiert dann schon mal negative Werbung, die auf viele potentielle User abstossend wirken kann. Ausserdem interessiert sich die breite Masse der digitalen Konsumenten nicht für den Service und weiss nicht mal, wie er funktioniert (siehe untenstehendes Video). Twitter sei schlicht nicht massentauglich, schreibt die Handelszeitung:
“Die Vorzüge des Angebots, bei dem Nutzer nur Nachrichten mit einer Länge von maximal 140 Zeichen verschicken können, erschliesst sich vielen Menschen nicht. Das belegt auch eine Umfrage unter Passanten im Zürcher Kreis 5. Tatsächlich war es für den Video-Journalisten Pascal Scheiber schwierig, überhaupt jemanden zu finden, der Twitter nutzt – und dies nur passiv, um den Alltag der Stars zu verfolgen. Selbst Tweets versenden: Fehlanzeige. Die Twitter-Chefs haben das Problem erkannt. Doch Massnahmen greifen nicht oder stossen bereits bei Ankündigung auf Ablehnung. So geschehen vor wenigen Tagen, als bekannt wurde, das Management wolle die chronologische Timeline durch einen Algorithmus ersetzen.“
Twitter hat also ein Relevanzproblem, gerät gar in Gefahr, in der digitalen Versenkung zu verschwinden – der Dienst könnte zum “Bing“ der Social Media werden, schrieb Wired Magazine schon vor einem Jahr. Der Grund:
“Viele Menschen haben Twitter gern, lieben es sogar, sind davon besessen. Aber viele Menschen verstehen das überhaupt nicht, und Twitter hat nie einen guten Grund dafür kommuniziert, den Dienst auszuprobieren…“
Es sieht also nicht super aus für Twitter. Die Aktie steht aktuell bei knappen 16 US-Dollar. Im Mai 2015 waren es noch fast 51 Dollar. Das ist hart für die Investoren. Ansonsten wird der Niedergang von Twitter wohl die allermeisten von uns kalt lassen.

Sonntag, 25. Oktober 2015

Social Media: Totgesagte leben länger!

Sie haben es sicher auch schon gelesen: Mit Twitter läuft’s nicht so recht, sogar Stellen werden gestrichen. Facebook ist auch nicht mehr, was es einmal war; Jugendliche finden die Plattform nicht mehr spannend, seitdem sich auch ihre Eltern dort tummeln. Obwohl diese Trends nicht falsch sind, sieht die Social-Media-Wirklichkeit aber immer noch extrem positiv aus. Digitale Kommunikationsplattformen sind quicklebendig, und fressen jedes Jahr mehr User-Zeit.

Wir verbringen immer mehr Zeit mit Social Media.   Quelle GlobalWebIndex
Wer negative Schlagzeilen über Social Media sucht, findet diese auch: “Überalterung: Junge flüchten aus Facebook“ ist eine solche Story, die immer wieder mal in den Medien auftaucht und sicher nicht nur einen wahren Kern, sondern auch eine positive Seite hat. Denn, wie zum Beispiel  auf diepresse.com erklärt wird:
Während die Jungen aus Facebook fliehen, ist die Zahl der über 55-Jährigen in den vergangenen drei Jahren um über 80 Prozent angestiegen. Mittlerweile tummeln sich drei Mal so viele ältere Semester als Teenager im Netzwerk. In Grossbritannien ist Facebook […] bei den Jüngeren bereits komplett abgemeldet. Spätestens wenn die erste Freundschaftsanfrage der Mutter kommt, ist es für viele Teens an der Zeit, das Kapitel Facebook wieder zu schliessen…“
Auch Twitter hat nach dem Hype des Börsengangs mit negativer Berichterstattung (hier auf welt.de) zu kämpfen:
Der Kurznachrichtendienst Twitter steckt in der Krise: Das enttäuschende Wachstum an Nutzern drückt den Aktienkurs. Jetzt steuert der neue Chef Jack Dorsey gegen. […]Twitter-Mitgründer Jack Dorsey setzt nach wenigen Tagen als ständiger Konzernchef einen massiven Stellenabbau in Gang. Wegfallen sollen rund acht Prozent der Belegschaft, das wären maximal 336 Jobs…“
Doch diese negativen Schlagzeilen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Phänomen der Social Media immer noch quicklebendig ist und weiter zulegt. Das zeigen auch die neusten Zahlen von GlobalWebIndex. Die Erhebung unter 170‘000 Nutzern hat herausgefunden, dass durchschnittliche User fast ein Drittel ihrer gesamten Internetzeit auf Social Media verbringen. Das sind jeden Tag fast 1,8 Stunden. Vor allem junge Nutzer lieben ihre Netzwerke: 16- bis 24-Jährige investieren  2,7 Stunden täglich in Social Media, die 25- bis 34-Jährigen knapp 2,2 Stunden. Die Plattformen werden zu Zeitfressern (siehe Grafik); andere Online-Aktivitäten wie etwa Online Videos oder News liegen weit hinter den Social Networks zurück, was den täglichen Zeitaufwand der User betrifft.

Die enorme Popularität sozialer Networks zeigt sich auch in deren Nutzerzahlen. So gibt es rund 2,1 Milliarden aktive Social-Media-Nutzer, davon allein 1,3 Milliarden mobile Facebook Nutzer. Mehr als 70 Prozent aller Erwachsenen sollen Facebook-Nutzer sein. Ebenfalls beeindruckend: 60 Millionen neue Fotos werden jeden Tag auf Instagram geladen. Bei YouTube sind es pro Minute mehr als 300 Stunden (!) neues Videomaterial. 

Freitag, 1. Mai 2015

Protzen und Schwindeln: Facebook & Co. und das gefälschte Leben

Golfen in der Toscana, ein toller Flirt oder ein spontaner Trip - glaubt man den Beiträgen in sozialen Netzwerken, geht  jedes Wochenende die grosse Party ab. Aber ist das wirklich so? Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage von lastminute.de hat jeder dritte Deutsche schon ähnliche Geschichten über Wochenend-Erlebnisse erfunden, und bei den 18- bis 24-jährigen gibt sogar knapp die Hälfte an, sich durch erschwindelte Aktivitäten interessanter zu machen . Deutschland ist somit im Europavergleich absoluter Spitzenreiter der "Wochenend-Schwindler" vor Spanien, Italien, England und Frankreich. (Die Schweiz war in der Umfrage nicht eingeschlossen.) Der Grund für das gefälschte Leben: die Angst davor, langweilig zu wirken oder mit den Aktivitäten der Freunde nicht mithalten zu können.

Da haben wir in England ein paar Tage mit Freunden verbracht - oder etwa doch
nicht?                                                                                                            Bild PfW 
Am Wochenende mutieren Facebook, Twitter und Co. zur digitalen Scheinwelt und zum Wettbewerb der Eitelkeiten.  Einer von sechs deutschen Usern gibt nämlich zu, schon mal einen oder mehrere Beiträge auf Social-Media-Kanälen über eine grossartige Wochenend-Aktivität gefälscht zu haben, oder aber mit seinen Beiträgen und Bildern bewusst zu protzen. Und es scheint sogar zu funktionieren: Jeder zehnte User wird nämlich gemäss eigenen Angaben neidisch, wenn er die Beiträge über aufregende Aktivitäten der anderen Nutzer in sozialen Netzwerken sieht.
Wer auf den zahlreichen verfügbaren Social-Media-Kanälen die Aktivitäten von echten und Möchtegern-Prominenten verfolgt, könnte schon mal unzufrieden werden: So ein Leben in der Mietwohnung mit 40-Stundenwoche und einem beschränkten Budget ist nun mal nicht mit dem Leben der Stars in Hollywood zu vergleichen. Da kann schon das Bedürfnis aufkommen, die Freizeit mit Action und Abenteuern vollpacken zu müssen. So überrascht es nicht, dass die häufigste Wochenendlüge der Deutschen der spontane und aufregende Wochenendtrip ist, den sich immerhin fast jeder Vierte schon einmal ausgedacht hat, um Freunde und Kollegen zu beeindrucken. Sage und schreibe vier Prozent dieser Schwindler haben sich am Sonntagabend nach eigenen Angaben noch schnell einen Selbstbräuner aufgetragen, um Montagmorgen vorgeben zu können, auf Reisen gewesen zu sein.
Und was geben die Schwindler für Gründe für Ihre Lügen an?
Ein Viertel von ihnen “möchte nicht, dass jemand denkt, sie wären langweilig“. Fast ein Viertel findet dass ihre Wochenenden im Vergleich zu Freunden und Bekannten nicht gut genug seien. Jeder sechste möchte bei den tollen Wochenend-Stories ihrer Freunde mitmachen können, und zehn bis zwölf Prozent möchten sich beliebter machen oder sehnen sich ganz einfach nach einem aufregenderen Leben. Facebook und Co. üben also, wie schon in früheren Studien nachgewiesen, viel sozialen Druck aus und können durchaus auch unzufrieden machen. 
Wir sind lastminute.de dankbar für diese Umfrage – nicht weil die Marketing-Strategie Sinn macht, sondern weil die Resultate einen lange gehegten Verdacht bestätigt haben. Um den schwerreichen Bernie Ecclestone zu zitieren: “ Jeder ist so ehrlich, wie er es sich leisten kann“ – das gilt auch für Facebook, Twitter und Instagram. 

Montag, 30. März 2015

Internet-Trolle, Anonymität und Ehrlichkeit

Das Internet liebt die Anonymität. Aber Anonymität führt zu schlechtem Benehmen, Oft zu sehr, sehr schlechtem Benehmen. Das wiederum führt dazu, dass sogenannte Trolle in Kommentarspalten oder auf Twitter die Sau raus lassen und damit anständige User vertreiben. Was tun? Twitter will das Problem mit einer Filtersoftware lösen.


Bezahlen, um zu kommentieren. Eine Methode, um Trolle auszubremsen.
Trolle, also Internet-User, die sich nicht zu benehmen wissen und andere Teilnehmer im Internet unter dem Deckmantel der Anonymität beschimpfen und bedrängen, sind schon lange ein Problem. Nicht nur auf Twitter, wo vor allem prominente User oft belästigt werden, sondern auch in den Kommentarspalten zu News-Artikeln, wo die Anwürfe oft sehr persönlich werden. Um die Diskussionen im Web auf einem zivilisierten Niveau zu halten, haben verschiedene Anbieter verschiedene Massnahmen getroffen. Zahlreiche Zeitungen verlangen zum Beispiel von ihren Lesern, dass sie ihren echten Namen angeben, wenn sie kommentieren wollen (z.B. die NZZ) und moderieren die Beiträge auch noch. Das führt zu zwei Problemen: Es werden falsche Namen angegeben, und es dauert zu lange, bis die Kommentare im Web erscheinen. Die Massnahmen funktionieren also nur beschränkt.
Eine bessere Idee hatten die Betreiber des Internet Magazins Tablet: Sie verlangen Geld von jenen Lesern, die ihre Artikel kommentieren möchten. Die Kosten werden abgestuft: Einen Tag lang zu kommentieren kostet 2 Dollar, einen Monat 18 und ein Jahr 180 Dollar.
Ist das vielleicht ein Geschäftsmodell für die leidenden Internet-Medien?
Wir zweifeln daran. Immerhin ging die Anzahl der Kommentare bei Tablet Magazine stark zurück – und das Troll-Problem ist wohl gelöst.
Nun hat auch Twitter einen Lösungsansatz gegen Trolle präsentiert. Dieser basiert allerdings nicht darauf, dass Twitter-Nutzer sich zu erkennen geben müssen, sondern auf einem Software-Filter, der beleidigende und Anstössige Tweets ganz einfach entfernen soll. Zitat aus heise.de:
“Wie genau diese Filteroption funktioniert, ist noch nicht bekannt. Dass Twitter aber verstärkt gegen Beschimpfungen und Trolle vorgehen will, wurde schon vor Wochen angekündigt. Hintergrund sind in jüngster Zeit bekannt gewordene öffentliche Kampagnen gegen einzelne Nutzer oder Nutzergruppen. Beispielsweise hatte die Tochter des verstorbenen Schauspielers Robin Williams Twitter verlassen, nachdem sie dort zum Teil übel beleidigt worden war…“
Natürlich gibt es auch User, denen derartige Massnahmen nicht gefallen – und zwar nicht deshalb, weil sie selber Trolle sind. Bei der NZZ befürchtet zum Beispiel Adrienne Fichter, dass sich derartige Filter als Gefahr für Whistleblower herausstellen, die unlauteres geschäftliches Gebaren von Unternehmen vermelden…“.
Als ob das nur anonym möglich wäre.
Tatsächlich wird verbreitet für die Anonymität im Internet argumentiert  - oft nicht schlüssig und oft auch abstrus. So schreibt zum Beispiel Maik Werther im Tagesspiegel:
“Auch in der Anonymität kann Ehrlichkeit liegen, ein User bietet ein Abbild seiner selbst an. Wie realistisch das im Abgleich zur wirklichen Person ist, wird auch ein Klarname nicht ändern können. Nicknames haben eine lang anhaltende Tradition, insbesondere innerhalb der Newsgruppen- und Chatkultur. Grundsätzlich muss daher unterschieden werden zwischen Anonymität und Pseudonymität.
Ein Kommentarschreiber, der unter Pseudonym schreibt, gibt seine reale Person zwar nicht preis, ist jedoch nicht zwingend anonym. Vielmehr kreiert er in einer virtuellen Gesprächsrunde eine alternative Identität, mit der er sich sowohl als Realperson schützt als auch klar Position beziehen kann und sich gleichzeitig die Chance offenhält, sein Agieren mit kreativen Möglichkeiten zu versehen, die er im Realen nicht hat…“
Ob sich der Twitter-Filter bewährt, wird sich zeigen. Sicher ist aber, dass auch weiterhin massenweise User mit einer “alternativen Identität“ im Internet unterwegs sein werden.


Montag, 23. März 2015

Social-Media-Selfie: Facebook wächst, Twitter stagniert, Meerkat explodiert

Sie sind mit grosser Vorsicht zu geniessen, die Social-Media-Trends, die regelmäßig das Absterben des Facebook-Booms oder die kommende Twitter-Tsunami voraussagen. Abgesehen davon, dass seit den Börsengängen dieser Firmen immer auch handfeste finanzielle Interessen hinter solchen Prognosen stehen, sind es immer nur Momentaufnahmen – sozusagen Social-Media- Selfies – die mit solchen Zahlen präsentiert werden. Trotzdem sind sie momentan sehr interessant – vor allem wenn ihnen Millionen von Verlinkungen und Klicks als Basis zugrunde liegen.

Zu füh den Niedergang vorhergesagt: Facebook geht es gut!
Genau so ist das beim Bitley-Index, der zu diesem Zweck monatlich mehr als 600 Millionen  Links im Web und acht Milliarden Klicks auf diese Links auswertet. Die neusten Zahlen zum Thema Social Media, veröffentlicht im Februar dieses Jahres, betreffen das vierte Quartal des letzten Jahres und fallen einigermassen überraschend aus. Das wichtigste Ergebnis: Der vielerorts vorausgesagte Niedergang von Facebook hat sich in eine kräftige Wachstumsrate verwandelt, die vor allem durch mobile Anwender getrieben wird. Twitter hingegen, schon immer eine mobile App, scheint das Interesse der Anwender weniger zu fesseln als auch schon.
Das sind die genauen Zahlen:
Facebook konnte einen totalen Nutzungszuwachs von 8,6 Prozent verzeichnen, bei den mobilen Nutzern betrug der Zuwachs sogar 30,2 Prozent. Die Facebook-Nutzung am Desktop-PC ging um 20 Prozent zurück, am Tablet blieb sie sich gleich.
Ganz anders bei Twitter.
Da fiel die Gesamtnutzung um ganze 4,9 Prozent, mobil um 2,5 Prozent, am Desktop und am Tablet um je gute 10 Prozent.
Für Twitter ist das ein herber Rückschlag. Er kommt allerdings nicht ganz unerwartet, wenn man die Twitter-Nutzerprofile und die Entwicklung der vergangenen Monate berücksichtigt. So hat die Fotoplattform Instagram (übrigens eine Facebook-Tochter) Twitter schon im letzten Jahr überholt, was die Zahl der User betrifft.
Twitter lässt das Versenden von Nachrichten zu, die nicht länger als 140 Zeichen sind und wird vorwiegend von Menschen benutzt, die den Dienst dazu benutzen, ihre (kurz gefasste) Meinung zu allem und jedem in die Welt heraus zu twittern. Politiker, Künstler und vor allem Journalisten lieben Twitter – unter anderem deshalb, weil die Plattform es erlaubt, Meinungen im digitalen Raum zu verbreiten und mittels digitalem Echo zu verstärken – und zwar in ungemein kurzer Zeit. Bei weitem am populärsten ist Twitter in den USA, während die Nutzerzahlen in der Schweiz und in Deutschland hinterherhinken. Wer auf Twitter eine grosse Fangemeinde hat, kann diese mit dem Dienst schnell und unkompliziert erreichen – ganz ähnlich wie auf Facebook . Facebook-Einträge sind in der Regel länger und weniger vergänglich als Tweets, und es scheint, als ob Facebook-User loyaler sind, als Twitter-User.
Wie gesagt: Bei diesen Zahlen handelt es sich um Momentaufnahmen. Neue Dienste werden kommen, und die althergebrachten in den Schatten stellen – oder weiter wachsen lassen. Wie zum Beispiel die Video-App Meerkat, die es erlaubt, auf einfachste Weise Live-Videostreams zu versenden. Die Anwendung scheint einzuschlagen wie eine Bombe  – Twitter allerdings scheint sich eher davon bedroht zu fühlen und hat den Zugriff der App auf die Twitter-Plattform vorläufig eingeschränkt.

Was die Rendite von Twitter betrifft, sieht es trotz hohen Aktienpreisen eher düster aus: Einige Analysten prognostizieren, dass Twitter in diesem Jahr profitabel werden könnte – wenn man optimistische Annahmen zugrunde legt. Facebook ist da schon weiter: Die Anleger freuen sich über kräftige Gewinne, was sich auch in den Aktienpreisen niederschlägt.


Sonntag, 24. August 2014

Unsocial Media

Twitter und Facebook sind schön und gut, wenn wir damit mit Freunden und Bekannten kommunizieren können. Wenn dann auf unseren Kanälen plötzlich sogenannte “Trolle“ auftauchen, die bösartige Posts platzieren und damit das angenehme Klima vergiften, kann das Soziale plötzlich sehr unsozial werden.

Es ist kein Zufall, dass es diesen Button auf Facebook nicht gibt. Niemand wird
gerne kritisiert - schon gar nicht wenn es alle anderen sehen.
Privatpersonen, die sich nicht in der Öffentlichkeit exponieren, müssen sich glücklicherweise selten mit Bosheiten dieser Art herumschlagen. Prominente und solche, die es gerne sein möchten, können hingegen sehr schnell ins Visier digitaler Trolle geraten – nicht immer ganz unverschuldet, wie der Fall des Badener Stadtammans Geri Müller zeigt. Dieser musste in den Tagen nach der Veröffentlichung seiner exhibitionistischen Tweets viel einstecken. Die Häme der Medien, sozial und unsozial, ergoss sich über dem Politiker, den zum Beispiel Blick-Online schadenfreudig in sechs verschiedensten Artikelüberschriften nur noch “Grüsel Geri“ nannte, eine Bezeichnung die von Social-Media-Usern freudig aufgenommen, weiterverarbeitet und verbreitet wurde.
Freilich können aus Social Media auch Unsocial Media werden, wenn es überhaupt nicht angebracht ist. So wurde zum Beispiel die Tochter des kürzlich verstorbenen Robin Williams nach dessen Tod auf Twitter dermassen belästigt, dass sie bekanntgab, sich als User zu verabschieden. Twitter will versuchen, solche Vorfälle in Zukunft zu unterbinden: Zitat aus der NZZ:
“Die Betreiber des Kurznachrichtendiensts kündigten an, dass man etwas unternehmen wolle. Nun hat Twitter in seiner Support-Datenbank dargelegt, wie Angehörige gegen Belästigungen vorgehen können. Die entsprechenden Zeilen am Ende des Dokuments finden sich allerdings erst auf der englischen Page. «Um den Wünschen von Hinterbliebenen zu entsprechen, entfernt Twitter Bildmaterial von Verstorbenen unter bestimmten Umständen.» Nahe Familienmitglieder oder «andere befugte Personen» können demnach über die E-Mail-Adresse privacy@twitter.com an das Social Network gelangen und die Löschung von Bildern oder Videos verlangen.“
Ob Twitter oder Facebook – wenn es der Umgang rau wird, wird es für die meisten Menschen unangenehm. Man will geliebt werden – nicht kritisiert oder gar belästigt. Nicht umsonst gibt es auf Facebook neben dem “Gefällt-mir-Knopf“ keinen “Das-ist-ja-doof-Knopf“.

Die einzigen, die sich wirklich damit abfinden müssen, dass es auf Social Media hart zugehen kann, sind jene, die sie für PR-Zwecke benutzen – zum Beispiel Politiker. Für alle anderen User gilt es, Privates so privat wie möglich zu halten und nur mit Menschen zu teilen, die sie kennen. Damit aus Facebook nicht plötzlich Hatebook wird.


Freitag, 2. Mai 2014

Twitter: Liebling der quasselnden Klasse

Man gibt sich vielerorts überrascht darüber: Twitter, das Medium für Wort gewordene Geistesblitze, die nicht länger als 140 Zeichen sein dürfen, scheint plötzlich nicht mehr ganz so populär zu sein, wie auch schon (zum Beispiel vor dem Börsengang, im November 2013). Das Wachstum stockt, der Dienst wird von den registrierten Usern weniger benutzt, und die Aktienkurse brechen ein. Ist der Reiz des Neuen schon am Abklingen, oder ist die Twitter-Nische der quasselnden Klasse schon voll ausgeschöpft?

Noch zwitschert das Vöglein, aber Twitter schrumpft - zumindest an der Börse.
Den Begriff „quasselnde Klasse“ haben wir übrigens nicht selber erfunden, sondern nur übersetzt: Im Englischen heissen diejenigen, die ständig zu jedem Thema eine Meinung haben und diese auch unbedingt kundtun müssen,“the Chattering Classes“. Dazu gehören natürlich die allermeisten Politiker und politische Aktivisten, echte und möchtegern, aber auch so gut wie alle Journalisten. Und genau diese sind es auch, die Twitter zu einem fulminanten Start mit überteuertem Börsengang verholfen haben. Twitter wurde in den Medien so oft genannt und immer wieder als Kommunikationsmittel gelobt, dass es gar nicht anders konnte, als  abheben. Dabei haben Politiker und Aktivisten, wie auch Prominente, die gerne prominent bleiben möchten, gute Gründe auf Twitter abzufahren, sie können damit die Öffentlichkeit sozusagen kostenlos mit ihrer Meinung zu jedwedem Thema eindecken - zumindest jene Öffentlichkeit, die ihre 140-Zeichen-Ergüsse abonniert hat.
Den Rest erledigen dann die Journalisten.
Für diese hat es Twitter nämlich so einfach wie nie gemacht, ihre Thesen bestätigen zu lassen. Will heissen: Man schreibt einen Artikel, stellt eine These auf und garniert diese dann mit Tweets, die man im Internet so einfach finden kann, wie Sand am Strand. Dadurch erreicht man zwei Ziele: Erstens verstärkt man seinen eigenen Artikel in der digitalen Echokammer, und zweitens gewinnt man in gewissen Kreisen sogar noch an Glaubwürdigkeit - schliesslich belegen die publizierten Tweets, dass man nicht der einzige ist, der so denkt.
Eine weitere Entwicklung, die wahrscheinlich dem Journalismus nicht zu mehr Ansehen verhelfen wird, ist die Tatsache, dass gewisse Medien auch Tweets selber als wichtige News behandeln, solange sie von einem prominenten Twitterer abgesetzt worden sind.
Es scheint nun allerdings, dass die meisten Menschen doch nicht zur quasselnden Klasse gehören und Twitter unter anderem deshalb an seine Grenzen stösst. Zitat aus der NZZ:
“ Experten waren zuletzt durchaus davon ausgegangen, dass Twitter sich zu einer Branchengrösse wie Facebook entwickeln könnte. Das hatte den Börsenwert im Dezember bis auf 46 Mrd. $ getrieben, bei einem Umsatz von gerade einmal 665 Mio. $ im Jahr 2013. Ab Februar ging es für die Aktie steil bergab, sie hat seitdem knapp 50% ihres Wertes verloren. Alleine am Mittwoch verliert das Papier bis zu 12%. Im Mai läuft zudem bei vielen Aktionären eine Haltefrist aus. Dann könnten bis zu 489 Mio. Twitter-Aktien verkauft werden – rund 83% aller ausstehenden Papiere.“
Wir glauben nicht daran, dass Twitter sterben wird. Aber es wird an seine Grenzen stossen, genau deshalb, weil es in vielen Fällen nur als gigantische Echokammer genutzt wird. In der Zwischenzeit wird es interessant sein, die Kurse des Unternehmens an der Börse zu verfolgen.


Dienstag, 3. Dezember 2013

Das Twitter-Dilemma: Wer ist echt, wer ist gefälscht?

Twitter ist ein beliebtes und inzwischen auch eines der grössten sozialen Netzwerke der Welt - ein perfektes Tool, um das digitale Ego aufzubauen und zu streicheln. Je mehr Follower, desto besser das Selbstgefühl, desto interessanter, beliebter und bekannter der Twitter-User und die Twitter-Userin. Doch diese Gleichung stimmt immer weniger. Auf Twitter gibt’s unzählige gefälschte Accounts, die genau das tun, was auch echte Anwender machen: Sie folgen, retweeten und versenden Nachrichten.

Der Twitter-Hauptsitz in San Francisco, Kalifornien.                      Bild Twitter
Man weiss es schon seit längerem: Wer will, kann sich seine Followers auf sozialen Medien kaufen. Da Berühmtheit heutzutage eng mit Beliebtheit zusammenhängt, und die digitalen Massen sowohl im Showbusiness als auch in der Politik leicht instrumentalisiert werden können, ist es nicht schwierig, Abnehmer für gefälschte Followers zu finden.  Laut Twitter sind es “nur“ fünf Prozent der 230 Millionen Accounts, die unecht sind. Italienische Forscher haben allerdings schon vor einigen Monaten behauptet, dass es rund 20 Millionen solcher Accounts geben soll, dass also  mindestens neun Prozent aller Twitter-Accounts gefälscht seien.
Nun hat auch das Wall Street Journal das Thema aufgegriffen. Unter anderem wird ein amerikanischer Geschäftsmann porträtiert, der im Fake-Account-Geschäft tätig ist. Zitat:
“Vidmar steht für die dunkle Seite von Twitter – für Fake-Accounts und rechnerbasierte Systeme. In seinem Haus steht ein Dutzend Computer herum. Der Blick aus dem Fenster fällt auf einen Golfplatz in der Nähe des bekannten Las Vegas Strip. Bereits seit sechs Jahren ist Vidmar im Geschäft. Der Kauf von gefälschten Accounts und die Verbreitung auf Twitter – davon lebt er. Mittlerweile beaufsichtigt Vidmar etwa 10‘000 automatisierte Accounts für um die 50 Kunden. Sie bezahlen ihn, und er verschafft ihnen zumindest oberflächlich mehr Beliebtheit und Einfluss.“
Genau darum geht es, um Beliebtheit und Einfluss. Und über wen geredet und  getweetet wird, gewinnt an beidem - so glauben wenigsten die Twitter-Apostel.
Für Twitter selber könnten sich die falschen Follower allerdings zu einem echten Problem auswachsen. Dazu nochmals das Wall Street Journal:
“Auch nach dem erfolgreichen Börsengang von Twitter hängen die Fake-Accounts wie eine dunkle Wolke über dem Unternehmen. „Viele Menschen werden über Twitter mit Nachrichten versorgt", sagt Sherry Turkle, Leiterin einer MIT-Initiative. „Sollte etwas, das dort gerade bestimmendes Thema ist, vorgetäuscht sein, müssen die Menschen darüber informiert werden. Das wird und muss sonst die Glaubwürdigkeit unterwandern."
Das Wachstum der falschen Accounts hängt unter anderem damit zusammen, dass es Twitter seinen Nutzern im Gegensatz zu Facebook nicht verbietet, mehr als ein Profil pro Person anzulegen. Darüber hinaus gibt es keine Echtnamen-Pflicht…“

Donnerstag, 11. Juli 2013

Schweizer Firmen tun sich schwer mit Facebook & Co.

Schweizer Unternehmen setzen bei Social Media und mobilen Angeboten vor allem auf Präsenz. Die weitergehenden Kommunikationsmöglichkeiten beider Technologien werden nicht voll genutzt. Dies ist ein Ergebnis der Studie, die von Capgemini Consulting im Frühling 2013 durchgeführt wurde. Ein weiteres Ergebnis, das eher überraschend erscheint, ist die Tatsache, dass sich Schweizer Firmen weniger intensiv mit Social Media beschäftigen als noch vor einem Jahr.

Weshalb sich die untersuchten Unternehmen weniger intensiv mit Facebook und Co. beschäftigen, als noch im letzten Jahr, ist der Capgemini-Studie nicht zu entnehmen. Das Verhalten entspricht allerdings einem nicht mehr ganz neuen Trend, der, zumindest bei Facebook, auch auf andere Nutzer zutrifft. Vielleicht ist auch nur der Reiz des Neuen verflogen, oder der Nutzen ist für viele Unternehmen nicht klar ersichtlich.
Gemäss der Studie, sind Schweizer Firmen durchschnittlich in drei Social-Media-Kanälen präsent, allerdings mangle es an einer erkennbaren Strategie, die über klassisches Marketing hinausgeht.  Es gehe heute um mehr, als nur Reichweite zu generieren, sagt Guido Kaman von Capgemini. Nicht genutzt werde vor allem das Potential in den Bereichen, Personal, Vertrieb, Innovation und Interaktion mit Kunden.
Twitter und Facebook bleiben in der vorliegenden Studie die bei Schweizer Unternehmen populärsten Kanäle, wie im Vorjahr. Etwa Dreiviertel der untersuchten Unternehmen sind dort präsent. Knapp dahinter folgt YouTube (70 Prozent), wohingegen bei XING, dem sozialen Netzwerk für berufliche Kontakte, mit 51 Prozent nur gut die Hälfte der Unternehmen einen eigenen Auftritt hat. Eine genauere Untersuchung der Nutzungsintensität, mit Kriterien wie Qualität der Inhalte, Frequenz der Beiträge, Einbeziehung der Kunden sowie Marktpenetration, zeigt: Am intensivsten nutzen Unternehmen immer noch Facebook, gefolgt von Twitter, YouTube und XING. 
Ähnlich sieht die Situation bei mobilen Angeboten der Unternehmen aus. Durchschnittlich bieten sie Apps für zwei mobile Plattformen an. Dabei liegt iOS mit etwa 80 Prozent der Unternehmen vorne, gefolgt von Android mit 46 Prozent (obwohl es natürlich mehr Android als Apple-User gibt). Im Fokus stehen dabei Anwendungen, die den Kunden und User im Alltag nutzbringend unterstützen, hinzu kommen in einigen Branchen Apps für besseren Kundenservice und stärkere Interaktion. Es werden auch Technologien wie Augmented Reality eingesetzt, beispielsweise um Kunden zur nächsten Filiale zu leiten oder um Produkte in ihrem geplanten Einsatzgebiet einzublenden. In den Bereichen Recruiting und Open Innovation sind dagegen bisher kaum mobile Lösungen im Einsatz.

Die Studie zeigt auch, dass selbst die Unternehmen, die in ihrer Nutzung von Social Media und Mobile die höchsten Punktzahlen aufweisen, noch weit davon entfernt sind, das Potenzial von Social Media oder Mobile vollumfänglich auszunutzen. Guido Kamann: 
"Social Media und mobile Angebote sind zwei zentrale Treiber der digitalen Transformation. Hierbei geht es um den nachhaltigen Veränderungsprozess hin zu digitalen Geschäftsmodellen. In der Untersuchung wird deutlich, dass Schweizer Unternehmen bisher diese Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft haben.“ 

Montag, 5. November 2012

Wie einflussreich sind Sie?

Wer nicht vernetzt ist, ist niemand und das scheint die Karrierezukunft  im digitalen Zeitalter zu bestimmen. Gemeint sind natürlich nicht die “alten“ Netzwerke, wie Schule, Militär oder Sportverein, sondern Facebook, Twitter und Co.

Ist die Klout-Punktzahl bald wichtiger für Ihre Karriere, als Ihre Kontakte im
richtigen Leben?
Die beiden Artikel sind fast gleichzeitig erschienen, aber sie beschreiben zwei verschiedene Welten. Die Computerwoche veröffentlichte in der Karrieresektion einen Artikel über die Einstellung von IT-Fachkräften. Solche Spezialisten sind nach wie vor extrem gesucht; Firmen geben sich deshalb entsprechend Mühe, diese Mitarbeiter richtig zu behandeln – machen aber, so schreibt zumindest die Computerwoche, immer noch vieles falsch. Zitat:
“In den ersten Monaten sollten auch regelmäßige Treffen zwischen dem Neuen und seinem Vorgesetzten stattfinden, in denen sich beide darüber austauschen, welche Erfahrungen der Mitarbeiter bisher gesammelt hat und was er noch benötigt. Solche Gespräche finden in den meisten Betrieben nicht statt. Dabei wären sie für die Unternehmen fruchtbar, denn die Neuen sind noch nicht betriebsblind. Sie haben noch einen unverstellten Blick auf die Stärken und Schwächen des Unternehmens. Also können sie viele Anregungen für Verbesserungen geben. Eines sollten sich Vorgesetzte vor Augen führen: Je begehrter ein IT-Spezialist ist, desto stärker wird er seine Probezeit auch als Probezeit für das Unternehmen betrachten. Verfestigt sich in dieser Zeit bei ihm das Gefühl "Ich habe mich falsch entschieden", ist er, da er noch nicht emotional an das Unternehmen gebunden ist, schnell zu einem erneuten Arbeitgeberwechsel bereit.“
Doch IT-Spezialisten sind die Ausnahme. Die Jobsuche ist für viele Menschen schwieriger geworden – heikel sein liegt oft gar nicht mehr drin. Die Handelszeitung hat nun kürzlich einen Artikel dem “Vorsprung der Vernetzten“ gewidmet. Kurz gesagt: Wer im Web 2.0 aktiv und vernetzt ist, hat (vorerst noch in den USA) die besseren Chancen, einen guten Job zu finden. Zitat:
Die sogenannteKlout-Punktzahl zeigt an, wie gross der Einfluss einer Person in der di­gitalen Welt ist. Wie viele Freunde hat sie auf Facebook? Wie viele Menschen lesen ihre Wortmeldungen auf Twitter? Wie oft ­äussert sie sich im Netz? Was steht über einen im Online-Lexikon ­Wikipedia? All diese ­Daten werden aufgrund des weit­gehend automatischen Messungsdienstes der Unternehmung Klout aus San Francisco gezählt und darauf mithilfe einer geheimen Formel in eine Zahl destilliert.
Null Punkte kassiert der total rückständige Offliner, bis zu 100 Zähler kann ein beliebter Meinungsführer im Netz erreichen […]Was nach einer harmlosen Ego-Spielerei der Netzgemeinde klingt, entwickelt sich jenseits des Atlantiks zu einem handfesten Einstellungskriterium. Müssen sich in Zukunft auch hierzulande Jobsuchende Sorgen machen, wenn sie nicht aktiv in den sozialen Netzwerken mitmischen?“
Der Autor des Artikels kommt zum beruhigenden Schluss, dass in der Schweiz noch nicht nach Facebook-Ranglisten eingestellt wird. Der richtige Umgang mit Social Media kann aber durchaus ein Einstellungskriterium sein.  Und digitale Opinion-Leader können durchaus auch ausserhalb ihres Arbeitsplatzes von ihren Aktivitäten profitieren. Nochmals die Handelszeitung:
“Mund-zu-Mund-Propaganda heisst die Zauberwaffe im Marketing. Nur kommt sie heute aus dem Netz und nicht mehr aus dem Café um die Ecke. Wie man sie einsetzt, zeigt zum Beispiel Cathay Pacific. Die Fluggesellschaft aus Hongkong lässt seit Neuestem nicht nur Vielflieger in ihre Lounge am Flughafen in San Francisco, sondern jeden, der einen Klout-Score von über 40 nachweisen kann. Das Kalkül: Die elektronische Elite soll in ihrem Online-Freundeskreis von den Annehmlichkeiten der Warteräume schwärmen – und damit Reklame für Cathay Pacific ­machen. Solche Werbeaktionen werden immer mehr Unternehmen in Zukunft starten. Genau hier kommt wieder die Personalauswahl ins Spiel. Um das Netzwerk-Marketing von morgen zu betreiben, braucht die Wirtschaft Mitarbeitende, die wissen, wie Networking im Internet funktioniert.“

Montag, 6. August 2012

Twitter und die politische Befindlichkeit der Massen

Die Micro-Blogging-Site Twitter hat einen neuen Politbarometer vorgestellt. Zusammen mit einer Analyse-Firma und zwei Meinungsforschungsunternehmen wird per Twindex kommuniziert, was die twitternden Massen über die Amerikanischen Präsidentschaftswahlen verbreiten.

Der Politische Twitter Index will den digitalen Klatsch der Massen zur
Analyse der Wahlchancen nutzen. 
“Willkommen im Zeitalter politischer Daten“, schrieb Wired Magazin, als der neue politische Index von Twitter vorgestellt wurde. Das ist wahrscheinlich leicht übertrieben: Politische Daten gibt es schon lange; und seit der Popularisierung des Internets ist der grösste Teil davon digital.
Interessant ist das Twitter-Experiment aber allemal!
Der TwitterPolitical Index will nämlich aufgrund der täglich Analyse aller Twitter-Kommentare über Mitt Romney und Barack Obama eine Trendzahl errechnen, die etwas über die politische Befindlichkeit der Massen aussagen soll.
Die Datenmenge, die für Twindex ausgewertet werden, ist riesig: Täglich werden rund 400 Millionen Texte getweeted; 140 Millionen Anwender sind bei Twitter mehr oder weniger aktiv. Politik ist dabei ein populäres Thema. Wired Magazine erklärt, wie der Index errechnet wird:
“Topsy uses Twitter’s high-volume fire hose of data to look at every tweet in the world, and establish a neutral baseline. Separately, it looks at all the tweets about Barack Obama and Mitt Romney, runs a sentiment analysis on them, and compares this analysis to the baseline. It looks at three days’ worth of tweets each day, weighting the newer ones higher than then older ones. It then returns a numerical score for each candidate based on how tweets about the individual compare to all tweets as a whole. A completely neutral score would be 50. Anything above that is a net positive, while lower is a net negative.
So, for example, if Obama has a score of 38, that would mean that tweets about him are more positive than 38 percent of all other messages on Twitter.”
Wir sind nicht überzeugt davon, dass sich mit Twindex ein politischer Trend eruieren lässt, der Rückschlüsse auf die kommenden Wahlen zulässt. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass sich ältere und konservativere Wähler kaum im Twitter-Universum befinden. Genau diese werden aber bei den nächsten Präsidentschaftswahlen eine wichtige Rolle spielen – Stichwort Tea Party. Ausserdem hat Barack Obama schon seit Jahren den grössten Teil der Internet-Generation hinter sich versammelt – das zeigt schon die Zahl seiner Followers. Ginge es darum, hätte der Amerikanische Präsident seine zweite Amtszeit schon auf sicher. Immerhin zählt er mehr als 10 Millionen Followers – im Vergleich zu Romneys 776'000.  


Montag, 30. Juli 2012

Olympiade: Twittern bis zum Netz-Kollaps

Wer hätte das gedacht: Die Olympia-Organisatoren rufen die Zuschauer dazu auf, doch bitte nur noch “wichtige Statusmeldungen“ zu twittern. Die Twitter-Flut hat offenbar das Netz derart überlastet, dass wichtigere Daten steckengeblieben sind.

Es ist also doch wahr: Nicht alles, was da so getwittert wird, ist wichtig! 
Was für eine Überraschung! 
Aber Spott beiseite: Wer hätte denn gedacht, dass das unbegrenzte Mitteilungsbedürfnis der Twitter-Generation sogar ein auf die Londoner Olympiade zugeschnittenes Netz zum Kollabieren bringen kann. Zitat aus demSpiegel:
Twitter-Logo: Immer was Wichtiges zu sagen.
Bei der Fernsehübertragung des Straßenradrennens der Herren bei den Olympischen Spielen gab es am Samstag erhebliche Probleme. Zuschauer beklagten, dass bei der Live-Übertragung Informationen über den exakten Vorsprung einzelner Fahrer fehlten. Die kritisierte britische BBC machte den Zulieferer der Daten, die Olympic Broadcasting Services (OBC) für den Fehler verantwortlich. Die Olympia-Manager reagieren mit einer erstaunlichen Erklärung: Die Zuschauer twittern demnach zu viel.
Der Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Mark Adams, rief laut "Independent" die Zuschauer am Straßenrand auf, sich genau zu überlegen, wie oft sie ihre Mobiltelefone während der Wettbewerbe nutzen: "Wir wollen nicht, dass die Menschen aufhören, über soziale Netzwerke über die Spiele zu kommunizieren. Aber vielleicht könnten sie sich überlegen, nur wichtige Status-Updates zu senden."
 Einen kleinen Trost gibt es, für alle Twitterer, die mit ihrem “unwichtigen“ Gefunke zu den digitalen Problemen beigetragen haben: Vielleicht waren sie doch nicht schuld.  Beim Strassenrennen der Frauen einen Tag später, habe nämlich plötzlich alles wieder funktioniert, wie es soll…

Dienstag, 21. September 2010

Social Media und die Suche nach dem Kunden

Social Media sind bei vielen Anwendern äusserst beliebt, vor allem jüngere User kommunizieren per Facebook oder Twitter was das Zeug hält. Das ist natürlich auch für Unternehmen interessant, die diese Medien nutzen und die Einträge auswerten: Wenn sie es richtig machen, wird das Internet für sie zu einer Goldgrube an interessanten Informationen, die sie ganz direkt betreffen.

Der Computerhersteller Dell zeigt, wie eine grosse Firma die Herausforderung der neuen Medien meistert. Da gibt es sogar einen Manager, der direkt für Social Media zuständig ist. Sein Name ist Anish Mehta und sein offizieller Titel ’Vice President Social Media’. Metha hat dem Marketingportal acquisa ein Interview gegeben, das einige äusserst interessante Aussagen beinhaltet. Zum Beispiel:
“Wir scannen das soziale Netz automatisiert, weltweit und rund um die Uhr. Täglich sind das zwischen 12.000 und 15.000 Erwähnungen, Kommentare etc. Dann clustern wir diese Einträge, je nachdem, worum es geht: Ist es eine Beschwerde? Ein Service-Fall? Hat ein Nutzer technische Probleme? Oder sagt einfach einmal jemand, wie gerne er mit einem unserer Laptops arbeitet? Je nach Art der Konversation, wird der Kommentar intern an die zuständigen Mitarbeiter weitergeleitet, die sich dann darum kümmern. Das Wichtigste dabei ist: Wir müssen den Menschen antworten, denn das erwarten sie, und das verdienen sie auch, wenn sie sich für uns engagieren. Das ist so, wie beim Telefon auf dem Schreibtisch jedes Mitarbeiters: Wenn es läutet, müssen sie rangehen…“
Dell nutzt also das Web ganz gezielt, um firmenbezogene Informationen zu finden und zu verwerten. Der Aufwand dafür ist nicht klein: 500 Mitarbeiter sind bei Dell mit dem täglichen Durchkämmen des Webs beschäftigt. Trotzdem glaubt Metha, dass auch KMU das Internet ähnlich nutzen sollten, und er weiss auch wie:
“Natürlich ist das Thema auch etwa für kleine Unternehmen. Man braucht nur eines: Den Willen, den Menschen zuzuhören. Ein Mitarbeiter sucht jeden Morgen auf Google, vielleicht noch auf Twitter nach dem Unternehmensnamen, einem Produkt und stellt zusammen, was darüber geschrieben wird. Dann klassifiziert er das nach Inhalten – Beschwerde, Lob, Kritik an einzelnen technischen Details … Nach wenigen Wochen zeichnet sich ein Bild ab, die Firma erkennt, wie über sie gesprochen wird, worum es den Menschen geht und auch, wo gesprochen wird. Und dann kann man sich überlegen, wie man reagiert. Dafür ist eine Strategie nötig, einfach drauf lostwittern bringt nichts…“


 

Montag, 22. März 2010

Leben Zeitungsleser hinter dem Mond?

Wie die neuste TNS-Emnid-Umfrage zeigt, scheinen sich eine Mehrheit von Menschen, die Zeitungen lesen, gar nicht für die moderne digitale Wirklichkeit des Internets zu interessieren – zumindest nicht im Zusammenhang mit ihrer Zeitung. Twitter, RSS-Feeds oder Web-Viedos werden nicht nur nicht genutzt, sondern sind vielen dieser Nutzer anscheinend gänzlich unbekannt.

Zeitungsleser scheinen mit ihrer Zeitung ganz zufrieden zu sein, Internet-Hype und Social-Media hin oder her.  Dies scheint eine neue Studie des Marktforschers TNS-Emnid zu ergeben:
“40 Prozent der befragten Zeitungsleser ist Web-TV, also ein eigenes, breitbandig über das Internet übertragenes Fernsehprogramm, unbekannt. Ein Viertel der Befragten weiß nichts von der Möglichkeit, sich Videos zu den Nachrichten auf den Websites anschauen zu können. Entsprechend niedrig ist der Anteil der Nutzer: Lediglich vier Prozent haben diese Angebote auf den Websites der Tagszeitungen bereits genutzt – ähnlich gering ist der Anteil derjenigen, die sich diese Angebote dort überhaupt wünschen. Auf niedrigem Niveau liegen auch die Zahlen für RSS-Feeds, also der Möglichkeit, zeitnah über Nachrichten und Neuigkeiten auf der Website informiert zu werden. Ebenso wenig wie Multimedia-Angebote werden etwa der Microbloggingdienst Twitter mit der regionalen bzw. lokalen Tageszeitung assoziiert: Lediglich zwei Prozent der Zeitungsleser mit Online-Zugang haben diesen auf den Zeitungswebsites genutzt oder wünschen sich dort ein derartiges Angebot.“
Die Frage stellt sich, was diese Resultate denn nun genau aussagen: Sind die neuen Internetmedien für einen wichtigen Teil der Konsumenten nur Hype; Kommunikationsmittel, über die mehr geredet wird, als dass sie genutzt werden? (Oder, wie der Österreichische "Standard" titelt: "Zeitungsleser pfeifen auf Twitter und Co.") (Ja).
Wieviele intensive Internetnutzer lesen überhaupt noch eine gedruckte Zeitung? (Viel weniger)
Sind Zeitungsleser besonders qualitätsbewusst? (Wer weiss?)
Oder brauchen sie vielleicht ganz einfach etwas länger, um sich an die neuen Realitäten der digitalen Gesellschaft anzupassen...? (Wahrscheinlich)

Dienstag, 9. März 2010

Slow-Media statt Twitter?

Man kennt den Begriff vom Essen her: Das Gegenteil vom Fast-Food ist der Slow-Food. Gemeint sind Mahlzeiten, die meistens aus lokalen Produkten hergestellt und genussvoll und bewusst verzehrt werden. Nun hat das digitale Zeitalter eine Bewegung hervorgebracht, die für den Medienkonsum Ähnliches erreichen will.
Die Slow-Media-Bewegung hat genug von der oberflächlichen digitalen Newsflut, und will den Medienkosum bewusst verlangsamen – nur zum Vorteil der Konsumenten, wie die Initianten glauben. In Deutschland hat das Slow-Media-Movement sogar ein Manifest publiziert (Wo? Natürlich im Internet!).
Auch die Medien beachten die Entwicklung, und Kommunikationsspezialisten sprechen schon von einem Trend:
“Weltweit setzten derzeit Vollblut-Blogger und Internetjunkies auf digitale Enthaltsamkeit, weil die tägliche Flut an E-Mails, Twitter-Meldungen und Facebook-Nachrichten ihre Konzentrationsfähigkeit lähme und weil die ständige Erreichbarkeit durch Freunde nerve. Einige löschen gar sämtlichen Konten bei Social Networks oder überlassen das speziellen Dienstleistern wie suicidemachine.org. […]Die Internet-Asketen loben die konzentrationssteigernde Wirkung von Büchern, Hörspielen und Zeitungen und geniessen die Fähigkeit, aufmerksam eine Sache zu tun statt viele Dinge gleichzeitig.“
Man darf daran zweifeln, ob die Slow-Media-Bewegung das Verhalten der digitalen Generationen verändern kann. Sicher ist aber, dass die Initianten wertvolle Denkanstösse gewähren. Ausserdem bieten sie einen trendigen Ausweg aus der Facebook- und Twitter-Sackgasse, für all jene Anwender, die ab und zu das Gefühl haben, im digitalen Nachrichtenmehr zu ertrinken – und das sollen nicht wenige sein. Auf der anderen Seite wollen die Slow-Media-Initianten die modernen Medien nicht etwa verschmähen. Heisst es doch unter Punkt 12 ihres Manifestos:
"Slow Media bauen auf ihren technischen Errungenschaften und der Lebensweise in der Netzwerkgesellschaft auf. Gerade durch die Beschleunigung in zahlreichen Lebensbereichen werden Inseln der bewussten Langsamkeit möglich, aber auch überlebenswichtig. Slow Media sind kein Gegensatz zur Geschwindigkeit und Gleichzeitigkeit von Twitter, Blogs und Social Networks, sondern eine Haltung und Art sie zu nutzen."
Mit anderen Worten: Auch schnelle Medien können langsam genutzt werden - wie man auch einen Maserati langsam fahren kann. Oder haben wir das etwa falsch verstanden, weil wir es zu schnell gelesen haben?

Mittwoch, 27. Januar 2010

Twittern für Ihr Unternehmen?

Im digitalen Universum gibt es einen Graben, der die Masse der Anwender von jenen Usern trennt, die fast jede neue Anwendung sofort ausprobieren, sofern nur genug darüber gesprochen und geschrieben wird. Auf der anderen Seite des Grabens sind jene User, die sich nicht so leicht zum Handeln verleiten lassen. So kommt es, dass gewisse populäre Schlagwörter von vielen Usern nicht genau verstanden werden. Der Micro-Blogging-Dienst twitter gehört in diese Kategorie. Dabei ist twitter ganz einfach und kann vielleicht auch Ihrem Unternehmen nützen.

Twitter hat sich in relativ kurzer Zeit zu einem enorm beliebten Kommunikationsmedium entwickelt – was nur zeigt, dass das Kommunikationsbedürfnis vieler Anwender enorm gross ist. Diese Tatsache kann unter Umständen auch Ihrer Firma zu Gute kommen.
Im Internet gibt es verschiedene Videos, die Schritt für Schritt erklären, wie Twitter funktioniert. Die besten davon sind Englisch. Da wir aber für den deutschen Sprachraum schreiben, haben wir das Folgende ausgewählt.



Wer twittern will, braucht also Anhänger, die hier “followers“ genannt werden; Leute, die an den gesendeten Beiträgen interessiert sind. Diese sind nicht immer einfach zu finden – ausser man sei ein Superstar und verfüge schon über eine grosse Fangemeinde. Doch auch Firmen haben oft genügend zu bieten, um für Twitter interessant zu sein. Ein ausführlicher Artikel auf ecin.de geht auf diesen Aspekt des Microblogging-Dienstes ein. Der Autor, Jens Grübner, ist davon überzeugt, dass Twitter auch für Unternehmen vorteilhaft sein kann:
“Firmen wie Lufthansa, Vodafone, Volkswagen oder Daimler, aber auch politische Parteien und Wahlkampf-Kandidaten sind dabei, Twitter in ihre Marketing-Strategien einzubinden und als Kanal zu nutzen. Wenn Sie wollen, dass Twitter auch für Sie „funktioniert“, müssen Sie sich als „Ich-Sender“ allerdings engagieren. Kontinuierlich und persönlich. Sie müssen eine regelrechte Beziehung zu Ihren Followern aufbauen. Sie sollten erst zuhören und dann mitmachen. Geben Sie ihnen das authentische Gefühl, am Prozess beteiligt zu sein, sich einbringen zu können. Das dauert seine Zeit, kostet viel Mühe und manchmal auch Nerven. Wenn Sie es richtig machen, kommt früher oder später aber der ROE, der Return on Engagement!“
Der kommunikative Nachholbedarf ist allerdings gross, sogar bei IT-Unternehmen, wie ein deutscher Schnappschuss zeigt, über den die die "Welt" berichtet:
"PR-Com, eine Agentur in München, hat herausgefunden, dass nur drei von 100 großen deutschen IT-Unternehmen Corporate Blogs für ihre Unternehmenskommunikation richtig nutzen. Dazu hat die Agentur die Websites von 100 IT- und Telekommunikations-Unternehmen untersucht, die nach der Zahl der Beschäftigten zu den 150 größten dieses Sektors gehören. Das ernüchternde Ergebnis: Es wurden lediglich acht deutschsprachige Blogs identifiziert. 19 Unternehmen wiesen immerhin Blogs in englischer Sprache auf, drei Unternehmen bloggen in beiden Sprachen..."

Freitag, 22. Januar 2010

Web-Giganten und das nächste grosse Ding

Das Internet ist der grösste Markt in der Geschichte der Menschheit. Eine Business-Plattform wie diese, hat es noch nie gegeben. Profitieren können alle: die ganz Kleinen, die Mittleren und die ganz Grossen. Von den ganz Grossen gibt es nicht sehr viele, dafür verdienen sie alle sehr viel Geld. Natürlich wünschen sie sich, dass das auch so bleibt.


Google ist wichtig, das weiss man, selbst wenn man nicht über die Verflechtungen des riesigen Suchmaschinenkonzerns informiert ist. YouTube ist nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs. Google ist aber nicht nur wichtig, sondern auch mächtig, wie der gegenwärtige Zensurstreit mit der Chinesischen Regierung zeigt, und das Unternehmen ist nicht nur eine Such-, sondern auch eine Geldmaschine: Im letzten Jahr verdiente Google schon wieder 50 Prozent mehr als im Jahr 2008, nämlich coole 6,5 Milliarden Dollar. Auf diesem Geldberg will das Unternehmen aber, wie gesagt nicht ausruhen. Im Moment erwirbt Google gerade AdMob, eine Firma, die mit Handywerbung Geld verdient, für umgerechnet eine runde Milliarde Franken. Das schlägt noch keine Lücke in die Buchhaltung, wie Google mitteilt: Man verfüge über 10 Milliarden an liquiden Mitteln und 14 Milliarden, in Papieren, die schnell flüssig gemacht werden könnten.
Google gehört zu einer Gruppe von sehr wenigen, ausgewählten Unternehmen, die ihre Position im grössten Markt der Welt so konsolidieren wollen, dass sie auch in Zukunft mächtig bleiben und viel, viel Geld verdienen. Apple, Amazon, Facebook/Twitter und Co. gehören auch dazu. Der Spiegel hat sich mit dem Thema der Web-Giganten befasst und wagt folgende Prognose:
“Wenn alles läuft wie bisher, sieht das Internet, das neue mobile Netz, in wenigen Jahren so aus:
■ Apple und Amazon verkaufen die Inhalte anderer.
■ Google garniert Kostenloses mit Werbung.
■ Facebook verteilt Aufmerksamkeit gegen Bezahlung.
Weil es bekanntlich immer anders kommt, wird man in fünf Jahren ein paar Firmennamen vielleicht durch andere ersetzen müssen. Mit ziemlicher Sicherheit aber wird man nicht mal ein Dutzend Firmen an den entscheidenden Stellen zählen.“
Wir stimmen mit dieser Schlussfolgerung in einem überein: Die genannten Unternehmen haben einen enormen Vorsprung im Web. Doch das Internet ist ein unberechenbares Gebilde. Wer hat noch vor wenigen Jahren von Facebook oder Twitter gewusst? In diesem Sinne darf man sich auf das nächste grosse Web-Ding freuen, mit dem schon bald wieder Millionen, oder gar Milliarden verdient werden. Wer weiss – vielleicht sind Sie ja auch dabei?

Samstag, 14. November 2009

Sind soziale Netze schlecht für die Karriere?

Dass Facebook und Co. nicht unbedingt gut fürs Geschäft sind - vor allem dann, wenn die Mitarbeiter ihre Kontakte pflegen, statt zu arbeiten - hat man ja schon verschiedenerorts gelernt und auch die Konsequenzen gezogen. Doch jetzt kommt’s noch dicker: Wer beim Social-Networking-Hype nicht mitmacht, hat gemäss einer neuen Schweizer Studie sogar mehr Erfolg im Beruf.

Viele Arbeitnehmer scheinen es instinktiv gemerkt zu haben: Laut einer aktuellen Umfrage der Personensuchmaschine Yasni bei über 1.000 Internet-Nutzern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, verzichten rund 50 Prozent der User ganz oder teilweise auf eine Mitgliedschaft bei sozialen Netzen - aus Angst vor negativen Folgen. Nun zeigt eine Studie der Universität Zürich, dass dieses Verhalten scheinbar eine gewisse Berechtigung hat. Social Networking mache nicht glücklich, haben die Autoren herausgefunden (im Gegensatz zu einer älteren amerikanischen Studie, die das Gegenteil behauptet hat). Doch die Zürcher Untersuchung geht noch weiter, wie Maren Osterloh in der Berliner Morgenpost berichtet:
“Menschen, die Facebook meiden, besitzen mehr Lebenszufriedenheit, ergab die Studie. Sie haben auch eine bessere psychische Gesundheit und sind gewissenhafter als Facebook-Fans. Und Gewissenhaftigkeit hängt den Forschern zufolge eng mit dem Erfolg im Berufsleben zusammen. Bertolt Meyer von der Uni Zürich folgert deshalb: "Menschen, die nicht in sozialen Netzwerken sind, sind gewissenhafter und haben in der Regel mehr Berufserfolg." In diesem Punkt müsse allerdings noch weiter geforscht werden…“
Dem anzufügen wäre, dass es noch nie so leicht war, wie heute, im digitalen Zeitalter, zu kommunizieren und Kontakte zu pflegen - auch ohne Facebook. Für extrovertierte Selbstdarsteller sind soziale Netze wie Facebook oder Twitter allerdings ein sehr geeignetes Medium, um sich zu präsentieren. Deshalb sind dort wohl so viele Prominente, Möchtegern-Prominente und Politiker zu finden. Dass der Reiz der oberflächlichen Kontakte nicht unbedingt langanhaltend sein muss, merkt jetzt auch Twitter. Das Netzwerk hat bis vor kurzem enorme Wachstumsraten verzeichnet. Jetzt scheint aber bereits der Schrumpfprozess zu beginnen. Die Wachstumskurve zeigt plötzlich nach unten – und zwar im Twitter-Stammland USA, wo im Oktober immerhin 8 Prozent weniger Besucher als im September vorbeischauten.

Freitag, 21. August 2009

Ist das Medium die Nachricht?

Zu dieser Theorie des Kanadischen Kommunikationsforschers Marshall McLuhan ("The medium is the message") sind uns zwei aktuelle Meldungen aufgefallen. Die erste betrifft Twitter, jenes Internet-Phänomen, das in den letzten Jahren so stark an Popularität gewonnen hat. Twitter hat ein bestimmendes Merkmal: Die Länge der verbreiteten Nachrichten entspricht etwa jener einer SMS-Nachricht. Das heisst, dass Twitter-Texte entweder kurz und konzis oder eben kurz und nichtssagend sind. Eine Untersuchung scheint zu beweisen, dass das Zweite der Fall ist. Die Marktforscher der Texanischen Firma Peer Analytics haben den Twitter-Verkehr analysiert und herausgefunden, dass es sich bei 40 Prozent aller Tweets um "sinnloses Geplapper" ("pointless babble") handelt. 37 Prozent der Tweets gingen hin und her, wurden also immerhin als Kommunikationsform eingesetzt. Immerhin 9 Prozent aller Tweets wurden weitergeleitet (was, wie jeder Empfänger von weitergeleiteten Mails weiss, auch nicht viel über deren Qualität aussagt). Der Rest war Werbung, Spam und News. In denn USA beteiligen sich laut Nielsen Company immerhin 10 Prozent der aktiven Internet-User am Twitter-Phänomen. Wer nun automatisch annimmt, dass es sich bei den meisten dieser Anwender um junge Leute handelt, die sowieso meistens im Kurzformat kommunizieren, hat sich getäuscht. Nur ganze 16 Prozent sind unter 25 Jahre alt. Zum Vergleich: 20 Prozent der Twitterer sind über 55 Jahre alt.Das sieht bei anderen Social-Networking-Sites anders aus. Eine Umfrage in England hat ergeben, dass sich viele Jugendliche bei der Kommunikation im Net wohler fühlen, als im richtigen Leben - vor allem wenn sie über sich selbst sprechen (schreiben). Zitat aus einem Artikel des London Telegraph:
"A survey of British MySpace users aged 14 to 21 found that 36 per cent found it
easier to talk about themselves online than in the real world and thought their
online friends knew more about them than their off-line ones.In their real life
social scene, nearly three quarters (72 per cent) of youngsters said they felt
"left out" and that they did not fit into any particular social group.And more
than four fifths (82 per cent) reported moving between four or more different
groups of friends as they found it more and more difficult to be accepted."

Die Jugendlichen finden es also leichter, im digitalen Umfeld akzeptiert zu werden, als in der harschen Wirklichkeit. Deshalb sind sie Online auch gesprächiger als im richtigen Leben. Mag darin ein Rezept liegen, um mit der MySpace-Generation zu kommunizieren? Oder könnte es heissen, dass die Social-Network-Kinder im richtigen Leben immer Kommunikationsschwierigkeiten haben werden?