Dienstag, 9. März 2010

Slow-Media statt Twitter?

Man kennt den Begriff vom Essen her: Das Gegenteil vom Fast-Food ist der Slow-Food. Gemeint sind Mahlzeiten, die meistens aus lokalen Produkten hergestellt und genussvoll und bewusst verzehrt werden. Nun hat das digitale Zeitalter eine Bewegung hervorgebracht, die für den Medienkonsum Ähnliches erreichen will.
Die Slow-Media-Bewegung hat genug von der oberflächlichen digitalen Newsflut, und will den Medienkosum bewusst verlangsamen – nur zum Vorteil der Konsumenten, wie die Initianten glauben. In Deutschland hat das Slow-Media-Movement sogar ein Manifest publiziert (Wo? Natürlich im Internet!).
Auch die Medien beachten die Entwicklung, und Kommunikationsspezialisten sprechen schon von einem Trend:
“Weltweit setzten derzeit Vollblut-Blogger und Internetjunkies auf digitale Enthaltsamkeit, weil die tägliche Flut an E-Mails, Twitter-Meldungen und Facebook-Nachrichten ihre Konzentrationsfähigkeit lähme und weil die ständige Erreichbarkeit durch Freunde nerve. Einige löschen gar sämtlichen Konten bei Social Networks oder überlassen das speziellen Dienstleistern wie suicidemachine.org. […]Die Internet-Asketen loben die konzentrationssteigernde Wirkung von Büchern, Hörspielen und Zeitungen und geniessen die Fähigkeit, aufmerksam eine Sache zu tun statt viele Dinge gleichzeitig.“
Man darf daran zweifeln, ob die Slow-Media-Bewegung das Verhalten der digitalen Generationen verändern kann. Sicher ist aber, dass die Initianten wertvolle Denkanstösse gewähren. Ausserdem bieten sie einen trendigen Ausweg aus der Facebook- und Twitter-Sackgasse, für all jene Anwender, die ab und zu das Gefühl haben, im digitalen Nachrichtenmehr zu ertrinken – und das sollen nicht wenige sein. Auf der anderen Seite wollen die Slow-Media-Initianten die modernen Medien nicht etwa verschmähen. Heisst es doch unter Punkt 12 ihres Manifestos:
"Slow Media bauen auf ihren technischen Errungenschaften und der Lebensweise in der Netzwerkgesellschaft auf. Gerade durch die Beschleunigung in zahlreichen Lebensbereichen werden Inseln der bewussten Langsamkeit möglich, aber auch überlebenswichtig. Slow Media sind kein Gegensatz zur Geschwindigkeit und Gleichzeitigkeit von Twitter, Blogs und Social Networks, sondern eine Haltung und Art sie zu nutzen."
Mit anderen Worten: Auch schnelle Medien können langsam genutzt werden - wie man auch einen Maserati langsam fahren kann. Oder haben wir das etwa falsch verstanden, weil wir es zu schnell gelesen haben?

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