Donnerstag, 28. April 2016

DER DIGITAL SOCIETY REPORT HAT EINE NEUE URL

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Dienstag, 26. April 2016

Immer erreichbar: Surfen auf hoher See

Wer immer und überall erreichbar sein will und auch auf dem Luxusschiff seine Facebook-Freunde zuhause mit Postings versorgen muss, kann dies bei den meisten grossen Kreuzfahrtgesellschaften heute tun. Auch auf den sieben Weltmeeren wird das Internet für viele Gäste immer wichtiger – und die Anbieter von Kreuzfahrten  versuchen diesen Wünschen gerecht zu werden. Technisch sind die High-Speed-Verbindungen auch auf dem Ozean fast überall möglich, allerdings laufen einige Kosten an.

Auch wenn die Kreuzfahrt noch so schön ist - mit WLAN wird sie noch viel
schöner. Das Bild zeigt Kreuzfahrtschiffe in Bar Harbor, Maine.       Bild PfW
MSC Kreuzfahrten, die grösste privat geführte Kreuzfahrtgesellschaft der Welt und Marktführer in Europa und im Mittelmeer sowie in Südamerika und Südafrika, hat dieser Tage ein neues Konzept für die schnelle und unkomplizierte Online-Kommunikation auf See vorgestellt. In Zusammenarbeit mit Marlink, dem weltweit grössten Anbieter maritimer Satellitenkommunikation, wird MSC Kreuzfahrten an Bord der bestehenden Flotte sowie in neuen Schiffen dynamisches WLAN mit erweiterter Bandbreite einrichten. Damit wird es möglich, dass Passagiere über die Marlink Sealink Cloud weltweit problemlos im Internet surfen und über soziale Netzwerke kontinuierlich mit ihrem Familien- und Freundeskreis in Kontakt bleiben. Neue, benutzerfreundliche Internetpakete ermöglichen MSC-Passagieren massgeschneiderte und kosteneffiziente Lösungen zum Surfen und Chatten sowie für E-Mailversand und Bilderupload.
Der neue Service ist bereits an Bord der MSC Preziosa, die aktuell durch das westliche Mittelmeer kreuzt und der MSCDivina, die momentan von Miami aus in die Karibik aufbricht, verfügbar. Die weiteren Schiffe folgen in den nächsten sechs Wochen.
Die drei neuen Internet-Pakete sind auf unterschiedliche Surfgewohnheiten zugeschnitten. So bieten sie jedem Gast den passenden Onlinezugang, sind einfach zu buchen und können nach Wunsch erweitert werden. Das leistungsfähigste Paket kostet CHF 65 pro Woche. Es bietet Internet- und Social-Media-Zugang aber auch Audio- und Videonutzung. Die Begrenzung liegt bei 340 MB pro Tag oder 1.5 GB pro Kreuzfahrt.

Tatsächlich entspricht dieses Angebot von MSC einem klaren Bedürfnis, wie ein Umfrage des Internetportals Dreamlines im letzten Jahr ergeben hat. Demnach legen fast die Hälfte von über 3000 Befragten grossen oder sehr grossen Wert auf WLAN an Bord. Zusätzliche 25 Prozent würden es zumindest schätzen. Allerdings scheint es, als ob die Passagiere den technischen Aufwand für das Angebot unterschätzen – sie möchten das WLAN am liebsten gratis in Anspruch nehmen. Tatsächlich ist es etwas aufwendiger, ein Kreuzfahrtschiff auf dem Ozean mit Internetverbindungen zu versorgen, als ein Hotel auf dem Festland. 

Freitag, 22. April 2016

Kundendienst im Online-Shopping: "Sofort" ist schnell genug

Echtzeit-Kommunikation per WhatsApp oder Facebook-Messenger gehören privat für viele User längst zum Alltag. Das definiert in vielen Fällen auch die Erwartungen, welche diese Personengruppe an die Kundendienste von Unternehmen stellt. Auch von diesen erwartet man eine möglichst schnelle und unmittelbare  Antwort nach einer Kontaktaufnahme. Mit “schnell“ meinen viele moderne Verbraucher im digitalen Zeitalter “sofort“.

Es tönt einfach: "Kontaktieren Sie uns". Es ist allerdings nicht immer einfach,
die Erwartungen, die mit einer Kontaktaufnahme verbunden sind, zu erfüllen.
                                                                                                   Screen Shot Amazon
Gerade mal eine Stunde Zeit räumt ein Drittel der bei einer aktuellen repräsentativen Umfrage in Deutschland  befragten User dem Kundendienst ein, wenn eine Anfrage gestartet wurde. Jeder zehnte Befragte erwartet sogar eine sofortige Rückmeldung. Die Verbraucher haben also die vielen Werbeversprechen der Marketingfachleute verinnerlicht und ihre Ansprüche nach oben angepasst. Das ist eine Herausforderung für die Kundendienste, die nicht ganz leicht zu erfüllen sein wird. Immerhin nehmen auch die Verbraucher noch nicht oft mit Web-Chat, Messenger oder Social Media Kontakt auf – eine schnelle Reaktion wird auch gewünscht, wenn per E-Mail oder Kontaktformular reklamiert wird.
 Das Resultat der Umfrage sendet ein klares Signal für den Kundenservice der Zukunft. Er soll schnell und unmittelbar sein und über jene Kanäle laufen, die sich die Kunden in der digitalen Welt gewohnt sind. Viele Unternehmen versuchen, diese Ansprüche jetzt schon zu erfüllen. In einer aktuellen Befragung unter Entscheidern der digitalen Wirtschaft sehen immerhin schon 38 Prozent der Führungskräfte den Messenger in Zukunft als den wichtigsten Kanal im Kundendialog. Aber auch Web-Chat und E-Mail sowie die Kommunikation über Social-Media bleiben in Zukunft wichtig. Nach Einschätzung der Entscheider haben Telefon, Brief und Fax zukünftig kaum noch Relevanz.

Wir sind der Meinung, dass die Möglichkeit der direkten Kontaktaufnahme im Onlineshopping wichtiger ist, als der Kanal. Deshalb wird auch das Telefon diesbezüglich noch lange ein wichtiges Kommunikationsinstrument darstellen – wie wir an dieser Stelle erst kürzlich berichtet haben

Mittwoch, 20. April 2016

Facebook: Die Angst vor dem Persönlichen

In den USA, wo die Trends immer noch herkommen, hat sich Snapchat zum wichtigsten sozialen Medium für junge User emporgeschwungen. Instagram und Facebook wurden abgehängt.  Facebook hat sowieso ein Problem: Immer weniger Menschen posten persönliche Inhalte, dafür teilen sie Content, den sie irgendwo auf dem Net gefunden haben, umso lieber.

Noch zeigt der Daumen am Eingang des Hauptquartiers nach oben - aber für
Facebook zeichnen sich Probleme ab, weil viele Menschen nur noch ungern
Privates auf der Plattform publizieren.                                  Creative Commons
Es wird immer seltener, dass persönliche Originalinhalte auf Facebook gestellt werden, die Hand und Fuss haben. Dafür wird immer mehr Schrott geteilt – und dafür haben wir ja nun wirklich keine Zeit mehr. Als digitaler Schrott darf man übrigens ohne weiteres auch seriöse Artikel aus seriösen Medien bezeichnen – vor allem wenn es nur darum geht, mit derartigen Publikationen einen argumentativen Standpunkt zum x-ten Mal zu verstärken. Es sind also längst nicht nur “lustige“ Videos und anrührende motivierende Sprüche, die uns im Newsfeed auf die Nerven gehen.  Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass gerade junge Menschen sich inzwischen bei SnapChat wohler fühlen – da werden Postings sowieso nach kurzer Zeit gelöscht, und die Flüchtigkeit der digitalen Sphäre kommt voll zum Ausdruck.
Für das Unternehmen Facebook könnte sich diese Entwicklung langfristig als problematisch erweisen - genauso wie die Tatsache, dass sich die Zahl der privaten Postings auf Facebook bis Mitte 2015 um mehr als einen Fünftel verringert hat. Immerhin reist Facebook-Gründer Mark Zuckerberg um die Welt, um Facebook allumfassend zumachen; da passt es schlecht, wenn das Interesse nachlässt. Doch man scheint bei Facebook gemerkt zu haben, dass etwas nicht rund  läuft. Zitat aus fr-online:
“Zwar würden weiterhin viele Inhalte auf Facebook geteilt, doch es seien weniger Beiträge aus dem Leben der Nutzer und mehr und mehr Nachrichten und Links auf andere Websites. Für das Phänomen sollen die Facebook-Mitarbeiter sogar schon einen eigenen Begriff haben: "Context collapse" ("Kontext-Zusammenbruch"), berichtet ein Insider. Das Teilen persönlicher Inhalte habe sich in soziale Netzwerke verlagert, in denen die Nutzer ein kleineres Publikum hätten: Snapchat, Instagram und Messaging-Dienste.“
Nicht alle Beobachter finden es schlecht, dass weniger Privates gepostet wird. Meint die FAZ:
“Für Facebook bleibt am Ende die Frage: Wird es uninteressanter, wenn die Menschen weniger private Beiträge posten? Wenn es weniger Essensfotos gibt? Mancher – wie Blogger Scoble – glaubt, dadurch könnte Facebook interessanter werden. Auf jeden Fall würde der Nachrichtenstrom auf Facebook weniger Neid auslösen, denn gerade die persönlichen Nachrichten machen andere neidisch. Andererseits war Facebook immer gerade deswegen beliebt, weil sich allgemeine Nachrichten mit Nachrichten über Freunde und entfernte Bekannte vermischt haben.“
Dass immer weniger Menschen Privates ins Facebook stellen, ist an sich nicht überraschend – ist ja auch nicht immer ganz ungefährlich. Ein falsches Wort oder eine falsche Meinung, und schon besteht die Möglichkeit, dass ein Shitstorm aufzieht. Ausserdem werden immer wieder alarmierende Artikel publiziert, die davor warnen, persönliche Details auf Facebook zu publizieren – aus Sicherheitsgründen.

Wir sind allerdings nicht der Meinung, dass die schrumpfende Anzahl Privat-Postings auf Facebook eine positive Entwicklung darstellen – im Gegenteil. Die privaten News von Freunden, am liebsten aus der Nachbarschaft, sind jene Inhalte, die Facebook für uns am Leben erhalten. 

Freitag, 15. April 2016

Mit Virtual Reality auf dem Boulevard

Virtual Reality (VR) wird in der IT-Industrie zur nächsten grossen Sache, davon sind nicht nur Gamer überzeugt. Auch im Journalismus bietet die Technologie ungeahnte neue Möglichkeiten; User werden in Zukunft die Möglichkeit haben, sich am Ort des Geschehens umzuschauen, beim Event oder Interview virtuell dabei zu sein. 

Die Jaunt One VR-Kamera hat 24 Objektive.
                                                                       Bild jauntvr.com
Bild.de, das grösste Boulevard-Medium Deutschlands übernimmt beim Einsatz von VR im Journalismus eine Führungsrolle. Dieser Tage werden bei bild.de erstmals Virtual-Reality-Inhalte angeboten. So können Zuschauer fast live dabei sein, wenn der Basketball-Spieler Dirk Nowitzki durch sein Zuhause in Dallas führt und seine Ballkünste zeigt.
Julian Reichelt, Chefredaktor von Bild Digital, ist von der Zukunft der virtuellen Technologie überzeugt: 
"Genau so wird Journalismus in naher Zukunft sein: Wir nehmen den Nutzer mit an Orte, an die er sonst nicht gelangt. Er steht mit Dirk Nowitzki auf dem Basketball-Court - und schon bald wird er mit unseren Reportern an den roten Teppichen, Spielfeldrändern, Frontlinien dieser Welt stehen. Ich bin überzeugt, dass mit Virtual Reality ein neues Zeitalter beginnt."
Die Produktion des Virtual-Reality-Videos hat bild.de gemeinsam mit Jaunt VR umgesetzt, dem führenden Startup für Virtual-Reality-Produktionen aus dem Silicon Valley, an dem Axel Springer seit September 2015 beteiligt ist. Dabei wurde die innovative "stereoscopic"-Technik eingesetzt: Mit der Eigenentwicklung Jaunt ONE Kamera, die über 24 Linsen verfügt, lassen sich beeindruckende 3D-fähige Filme produzieren.
Bisher sind die Videos vor allem über die Jaunt Smartphone-App mithilfe von Cardboards empfangbar - einer Karton-Brille, mit der jedes Smartphone in eine 3D Virtual Reality-Brille umgewandelt werden kann. Jaunt Videos lassen sich zudem auf allen VR Plattformen wie iOS, Android, Gear VR, Oculus Rift, HTC Vive und LG 360 erleben.

Ein weiteres Medienunternehmen, das sich ab sofort der Produktion von VR-Inhalten widmet, ist Sky-TV in Grossbritannien. Das Unternehmen ist ebenfalls an Jaunt VR beteiligt, und hat jetzt ein eigentliches VR-Studio in Betrieb genommen, mit dem Virtual-Reality-Inhalte produziert werden sollen.

Sonntag, 10. April 2016

Frust statt Lust im Onlineshop

Online-Händler haben es nicht leicht: Wenn sie es einmal geschafft haben, potentielle Kunden in ihren virtuellen Laden zu bringen, fängt der Frust erst so richtig an. Studien zeigen nämlich, dass bis zu 98 Prozent(!) aller potentiellen Einkäuferinnen und Käufer wieder abspringen, bevor sie einen Kauf tätigen. Die Gründe dafür sind vielfältig – und meistens sind die Webshop-Betreiber nicht unschuldig am Shopping-Interruptus.

Eine Chatfunktion (wie sie hier auf der Website eines Autohändlers
angeboten wird) kann dafür sorgen, potentielle Kunden bei der Stange zu
halten und die Konvertierungsrate zu steigern.                Screengrab RallyMotors
Wir haben es alle schon erlebt: Das Produkt, das wir uns in den Warenkorb legen wollten, ist in der richtigen Farbe oder Grösse gerade nicht verfügbar, es ist nicht klar, welche Versandkosten zu Buche schlagen werden, oder der Warenkorb ist nicht auffindbar oder funktioniert nicht. Wenn dann noch ein langes Registrierformular ausgefüllt werden muss, löst sich die Kauflust oft schnell in Frust auf. Gründe, einen Online-Einkauf abzubrechen und es bei der Konkurrenz zu versuchen, gibt es also genug. Immerhin ist es gut zu wissen, dass die Branche sich des Problems durchaus bewusst ist und den Kundendienst ganz im eigenen Interesse verbessern will. Ve Interactive ist eines der Unternehmen, das eine sogenannte Conversion Rate Platform betreibt, die sich genau dieser Probleme annimmt. Die Experten des Unternehmens wissen, woran es liegt, wenn die Kunden flüchten statt kaufen:
“Denn gerade […] kurz vor dem Kaufabschluss ergeben sich häufig bei vielen potentiellen Käufern noch Hindernisse, beispielsweise durch einen zu komplizierten Kaufvorgang oder zu hohe beziehungsweise versteckte Lieferkosten. Ein nützlicher Zusatzservice, wie zum Beispiel ein Echtzeitassistent in Form einer Chatfunktion, kann an dieser Stelle Fragen direkt beantworten oder gezielt Rabatte anbieten, um User doch noch zu Käufern zu machen. Aber auch Zeitmangel ist häufig Grund für einen Abbruch. Etwa wenn der Checkout-Prozess einfach zu lang ist, beispielsweise durch die Vorab-Registrierung oder das Eingeben unzähliger Daten. Neben Vereinfachungen des Registrierungsprozesses seitens des Webshopbetreibers sollte Nutzern die Option gegeben werden, ihnen den gefüllten Warenkorb per Mail zuzusenden, um den Einkauf später – egal, auf welchem Endgerät – unkompliziert und ohne neue Eingaben abschließen zu können.“
Händler, die ihre potentiellen Kunden beim Einkauf unaufdringlich begleiten, haben also  bessere Chancen, dass ihre Kunden ihre Käufe auch wirklich tätigen. Noch besser wäre es aus Kundensicht allerdings, wenn sich der Online-Einkauf ganz intuitiv, ohne technische Schwierigkeiten und vor allem zügig abwickeln liesse – auch ohne Assistenz von Online-Chatbots. 

Donnerstag, 7. April 2016

Erpresserwährung Bitcoin

Mit Bitcoin geht’s wieder bergauf; die Kurse sind seit Oktober letzten Jahres um rund 80 Prozent angestiegen. Ein Bitcoin kostet heute, am 7. April 2016, 405 Schweizer Franken. Der Wert des digitalen Geldes hat in den letzten Monaten genau wie die  Anzahl gemeldeter digitaler Erpressungsfälle ständig zugenommen. Das ist kein Zufall: Bitcoin ist perfekt dazu geeignet, durch Ransomware verursachte Geldübergaben anonym zu halten.

Mit den Bitcoinkursen geht's bergauf - und auch die Erpresser wissen das zu
schätzen.                                                                         Screenshot finanzen.net 
Ransomware, der Schrecken jedes IT-Administrators. Ein verseuchtes File wird auf einen PC hochgeladen – aus der Cloud oder per E-Mail – und schon geht gar nichts mehr. Die betroffenen Daten sind nicht mehr zugänglich, weil verschlüsselt; um sie zu entschlüsseln verlangen die Cyber-Erpresser ein Lösegeld, fast immer in Form von Bitcoin. Eines der bekanntesten Beispiele ist ein amerikanisches Spital: Das Hollywood Medical Center in Los Angeles bezahlte anfangs dieses Jahres 40 Bitcoins (zu diesem Zeitpunkt rund 17‘000 US-Dollar) um wieder Zugang zu den eigenen Daten zu bekommen.
Das elektronische Zahlungssystem mache es den Tätern leicht, bestimmte Vorgänge zu automatisieren.  Zitat aus der “Zeit“:
“Jedes Locky-Opfer muss an eine eigens eingerichtete Bitcoin-Wallet zahlen. Eine einzige Wallet, auf der immer wieder der gleiche Betrag eingeht, der irgendwann zudem sehr groß wird, könnte Ermittlern auffallen. Tausende Wallets, die jeweils nur 0,5 bis ein Bitcoin enthalten, nicht. Gleichzeitig kann die Software der Kriminellen selbsttätig prüfen, ob das Lösegeld schon in der jeweiligen Wallet eingetroffen ist, und dem Opfer dann einen Link zum Entschlüsseln seiner Daten schicken.“
Dass die Erpresser erwischt werden, passiert nur sehr selten, obwohl die angerichteten Schäden in die Milliarden gehen, wie die “Süddeutsche“ berichtet:
“5,25 MilliardenDateien soll allein die Erpresser-Software CryptoWall zwischen Mitte März und Ende August 2014 verschlüsselt haben. Knapp 1700 Opfer zahlten ein Lösegeld von insgesamt mehr als 1,1 Milliarden Dollar. Die verlangten Summen variierten zwischen 200 und 10 000 Dollar, bei den meisten verlangten die Erpresser 500 Dollar. Da das Lösegeld mittlerweile meist in der Kryptowährung Bitcoin bezahlt werden muss, lassen sich die Geldflüsse kaum nachverfolgen. Beim CoinVault-Fall, bei dem zwei junge Niederländer, zur Tatzeit 18 und 22 Jahre alt, verhaftet wurden, war es Kaspersky gelungen, die Spur der bösartigen Software zu verfolgen - auch das ist oft sehr schwierig. Die beiden hatten mindestens 1500 Windows-Computer attackiert, die meisten davon in ihrem Heimatland, in Deutschland, den USA, Frankreich und England.“
Dass es sich beim Phänomen der Bitcoin-Erpressungen um ein Problem handelt, das zahlreiche Unternehmen betrifft, zeigt eine Umfrage von Akamai bei Deutschen Unternehmen: Mehr als ein Drittel der Befragten gaben an, dass ihr Unternehmen schon einmal von einem Cyber-Angriff betroffen wurde. Als neues Phänomen kristallisierten sich dabei laut Akamai im letzten Jahr DDoS-Angriffe mit dem Ziel der Bitcoin-Erpressung heraus. So ergab die Akamai-Umfrage, dass immerhin neun Prozent der angegriffenen Unternehmen von Bitcoin-Erpressern attackiert wurden.

Dienstag, 5. April 2016

Der Online Handel braucht das Telefon

Der persönliche Kontakt spielt beim Einkaufen eine sehr wichtige Rolle – auch im digitalen Shop. Kunden und Kundinnen schätzen es, wenn sie zumindest per Telefon Kontakt aufnehmen können, wenn beim Online-Shopping Unklarheiten entstehen. Das zeigt eine Umfrage der Deutschen Telekom bei Kunden und Unternehmensvertretern.

Das Telefon und der Bildschirm: Im Online-Shopping braucht es oft beide
Kommunikationsmittel, um erfolgreich zu sein.                                   Bild PfW
Das Ergebnis dieser Studie ist sonnenklar: E-Mail-Kanal und Chat-Bots reichen nicht, wenn Kunden den direkten Kontakt wünschen. Auch im Online-Shopping möchten viele Kunden nicht auf die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme per Telefon verzichten. Wenn das nicht möglich ist, steigt die Anzahl der abgebrochenen Online-Käufe. So geben 77 Prozent der befragten Shopper an, schon mal einen Online-Kauf abgebrochen zu haben. Das ist an sich noch nicht überraschend. Interessant ist, dass fast die Hälfte dieser Kunden , nämlich 45 Prozent, den Bestellvorgang fortgesetzt hätten, wenn der direkte Kontakt zum Unternehmen möglich gewesen wäre. Insgesamt wünschen sich 90 Prozent der Konsumenten und Konsumentinnen die Möglichkeit, Unternehmen zu kontaktieren. Erste Wahl ist hierbei das Telefon. 64 Prozent der Verbraucher sind nämlich der Meinung, dass der telefonische Service-Kanal eine freundliche, hilfsbereite Beratung besser gewährleistet als Online-Kanäle. Die meisten Kunden und Kundinnen ordnen dem telefonischen Service ausserdem mehr Kompetenz zu.
Diese Präferenz für das gute alte Telefon spiegelt sich auch in der Erfahrung der Unternehmen wider. So sehen 70 Prozent der befragten Unternehmensvertreter im Telefonservice den am meisten genutzten und beliebtesten Kontaktkanal; vor E-Mail und Chat. 80 Prozent der befragten Unternehmensvertreter sehen einen direkten Einfluss der telefonischen Beratung auf die Conversion Rate und den Umsatz.
Die Notwendigkeit zur Bereitstellung einer Servicenummer ist also offensichtlich, allerdings führen die relativ hohen Servicekosten der Telefonberatung dazu, dass diese Kontaktmöglichkeit im Online-Shopping oft nicht zur Verfügung gestellt wird. Vor allem der hohe Personaleinsatz ist es, der die Kosten hochtreibt.
Die Autoren der Studie empfehlen, persönlichen Service via Telefon speziell dort einzusetzen, wo er den  Absatz steigert und kritische Servicefälle auflösen kann. Für standardisierte Anfragen - wie zum Beispiel bei Anfragen zum Lieferstatus einer Sendung - seien hingegen automatisierte Selfservice-Lösungen geeignet.
64 Prozent der Verbraucher sind der Meinung, dass der telefonische Service-Kanal eine freundliche, hilfsbereite Beratung besser gewährleistet als Online-Kanäle. Auch in puncto Kompetenz der Beratung sehen 60 Prozent den telefonischen Service vorn.
Die Umfrageergebnisse der Studie können im Detail hier heruntergeladen werden.

Freitag, 1. April 2016

GPS macht uns zu geographischen Analphabeten

Könnten Sie noch ohne Ihr Satelliten-Navigationssystem im Auto existieren? Wann haben Sie zum letzten Mal eine Landkarte gelesen? Haben sich Ihre Geographie-Kenntnisse in den letzten Jahren verbessert oder verschlechtert? Das alles sind berechtigte Fragen, die allerdings nicht sehr wichtig sind, solange das satellitenbasierte Navigationsgerät im Auto oder im Rucksack funktioniert. Was es allerdings nicht immer tut.

Satelliten-Navigation: Ideal, um sich auch in Grossstädten, wo man sich nicht
auskennt zurechtzufinden -- solange das System richtig funktioniert.  Bild PfW 
GPS-Navigation ist wohl eine der wichtigsten Erfindungen der letzten Jahrzehnte, was die Alltagstauglichkeit und – Nützlichkeit der Geräte betrifft. Mit dem GPS-System im Auto findet man jede noch so obskure Adresse in der Grossstadt ohne einmal auf eine Karte schauen zu müssen, meistens sogar innert nützlicher Frist. Satelliten-Navigation ist eine fantastische Errungenschaft, wenn sie richtig genutzt wird und richtig funktioniert. Das ist durchaus nicht immer der Fall. Zitat aus dem Tagi:
“Auch bei einem bewährten System wie GPS gibt es Pannen, grosse Ausfälle kommen etwa dreimal im Jahr vor, begrenzte noch häufiger. Die Störungen der Satellitensignale haben zum Teil natürliche Ursachen. Sonnenstürme oder Wetterphänomene beeinflussen die Laufzeit der Signale, die für die Positionsberechnung wichtig ist. Es gibt auch technische Fehler, etwa wenn ein Satellit seine Zeitzeichen falsch ausstrahlt oder ganz ausfällt. Andere Sender können das schwache Satellitensignal zudecken. In Bodennähe kann es zu Reflexionen kommen, die aus einem Signal mehrere machen.“
Die einen machen sich Sorgen über die GPS-Ausfallsicherheit, andere über die Verkümmerung einst als Allgemeinbildung geltender Fähigkeiten – wie zum Beispiel Kartenlesen. Der britische Navigationsspezialist Roger McKinlay warnt nun in einem ausführlichen (englischen) Artikel im Journal of Nature davor, dass wir durch die ständige und unkritische Anwendung von GPS-Systemen unsere natürlichen Navigationsfähigkeiten verlieren:
“Navigation ist eine Fähigkeit, die wir nur behalten, wenn wir sie anwenden (use it or lose it). Simulatorstudien zeigen, dass Autofahrer, die GPS-Instruktionen folgen, mehr Schwierigkeiten haben, herauszufinden, wo sie sind, als jene, die Landkarten benutzen. GPS-Fahrer merken es auch nicht, wenn sie zweimal am selben Ort vorbeigeführt werden.
Bergrettungsteams haben genug davon, Leute zu suchen, deren Smartphone-Batterien leer sind, die keine Ahnung haben, wo sie sind und keine Papierkarte dabei haben“ (übersetzt durch die Redaktion).
Dieser Ansicht ist auch der deutsche Kolumnist Henryk M. Broder. Er geht sogar davon aus, dass jene, die sich vom Navigationssystem ins Blaue führen lassen, selber schuld sind und fordert: "Lernt wieder Karten lesen!
“Früher hat man eine Straßenkarte zur Hand genommen, heute verlässt man sich auf das Navi. Das führt dazu, dass Autofahrer, die, sagen wir: von Aachen nach Anklam wollen, keine Ahnung haben, durch welche Gegend sie fahren, ob es der Westerwald oder die Lüneburger Heide ist. Den Blick auf das Navi gerichtet, brettern sie dem Ziel entgegen. Ein falscher Buchstabe in der Eingabe, und sie enden in der Pampa. Zu Recht, denn Strafe muss sein. Kaum ein Mensch weiß noch, wie man Karten liest, dass oben der Norden liegt und unten der Süden. Der Unterschied zwischen einem Fahrer, der eine Karte benutzt, und einem, der sich von einem „Gremlin“ leiten lässt, ist der gleiche wie der zwischen einem Esser, der selber kocht und einem, der ein Fertiggericht in die Mikrowelle schiebt…“

Dienstag, 29. März 2016

Die IT-Industrie will "mehr als Moore"

Die IT-Industrie stösst an ihre physikalischen Grenzen: Immer mehr Experten gehen davon aus, dass die seit 50 Jahren geltende Regel von Gordon Moore, in naher Zukunft nicht mehr umgesetzt werden kann. Moore, einer der Gründer des Chipherstellers Intel, hatte 1965 vorausgesagt, dass sich die Leistungsfähigkeit von Computerchips jedes Jahr verdoppeln werde – später vergrösserte er die Zeitspanne auf zwei Jahre. Bis jetzt hat das wunderbar funktioniert, wie gerade die Smartphone-Revolution bestens beweist.

Ungefähr 1983: Die Hauptplatine  eines IBM-PCs.
                                                                                    Bild Wikimedia Commons
Ein Smartphone, wie es heute schon Kinder in der Schultasche haben, ist enorm viel stärker, als zum Beispiel die ersten PCs von IBM. Wir erinnern uns an ein Gerät, das tausende von Franken gekostet hat, mit einem Arbeitsspeicher von 256 KB, einer Festplatte von 10 MB und einem 16-Bit-Prozessor, der mit 4,77 MHz getaktet war – das ist gerade mal gute 30 Jahre her. Die Evolution der Chip-Technolgie, die in der Zwischenzeit stattgefunden hat, hat bis jetzt die IT-Industrie geprägt: Gordon Moore hat die Zukunft mit seiner Formel richtig vorhergesagt.
Nun tauchen aber immer mehr Experten auf, die glauben, dass es so nicht weitergehen kann – das Moor’sche Gesetz sei an seine physikalischen Grenzen gelangt, glauben sie. So schreibt die FAZ:
“Inzwischen lassen sich bereits über fünf Milliarden Transistoren auf einen Mikroprozessor stopfen. Entsprechend winzig sind die Halbleiterstrukturen. Strukturgrößen um die 22 Nanometer (Milliardstel Meter) sind Standard, der nächste Sprung zur 14-Nanometer-Technologie findet derzeit statt, gesprochen wird längst von 10- und gar 7-Nanometer-Strukturen. Zum Vergleich: Ein Aids-Virus ist etwa zehnmal größer.“
Die Entwicklung in der Branche geht also ständig weiter – es gibt andere Möglichkeiten, die Leistungsfähigkeit von Chip zu erhöhen. Zitat aus dem Spiegel:

Die Branche forscht unter dem Motto "More than Moore" an neuen Ideen. Die Diskussion um Moore's Law sollte berücksichtigen, dass es mehr gibt als Miniaturisierung", heißt es etwa von Chiphersteller Infineon. "Die technischen Möglichkeiten, Halbleiter kleiner, kostengünstiger und gleichzeitig funktionsfähiger zu gestalten, sind noch lange nicht ausgereizt." Viele Hersteller setzen zum Beispiel darauf, ihre Prozessoren zu spezialisieren und mehr Leistung zu erreichen, indem sie verschiedene Spezial-Chips in ein System integrieren. Sie können in ihrem Aufgabenbereich höhere Leistungen erzielen als allgemein ausgerichtete Prozessoren. Wenn es nicht mehr kleiner geht, liegt außerdem nahe, die bestehenden Flächen besser zu nutzen. Chiphersteller entwickeln deshalb mit Hochdruck neuen Aufbau- und Verbindungstechniken - zum Beispiel das vertikale Stapeln oder das horizontale Verteilen in einem gemeinsamen Gehäuse.“
Es besteht wohl kein  Zweifel, dass die Branche Möglichkeiten finden wird, bestehende physikalische Grenzen zu umgehen und damit auch in den nächsten 30 Jahren für massive Leistungssteigerungen zu sorgen, die auch jene Generationen beeindrucken werden, die nicht mehr so einfach zu beeindrucken sind, was IT betrifft.

Donnerstag, 24. März 2016

Killt das Internet den Auto-Showroom?

“Digitale Transformation bedroht klassisches Neuwagengeschäft und etablierte Vertriebsstrukturen“ titelt das Management-Beratungsunternehmen A.T, Kearney  seine neuste Pressemitteilung.  Autokauf im Internet sei keine Zukunftsmusik mehr, sondern längst Realität, heisst es da. Die Prognose der Marktforscher:  Bis 2020 wird jedes dritte Auto im Internet gekauft .

Das Internet ist der grösste Auto-Showroom, den es gibt. Immer häufiger werden
da auch Autos gekauft.                                                          Screengrab Mitsubishi
Die Prognose entstammt der aktuellen Autokäuferstudie von A.T. Kearney. Darin zeigt die Managementberatung erstmals anhand repräsentativer Daten, wie die Digitalisierung den Autokauf – von der Information über die Modellauswahl bis zum Kaufabschluss – verändert. Insgesamt sind der Untersuchung zufolge schon heute mehr als 60 Prozent der online-affinen Zielgruppen dazu bereit, ihr nächstes Auto im Internet zu kaufen. Es sei ein “massiver Umbruch in Richtung digitalem Automobilvertrieb ” im Gang, resümiert Karl Obermair, der Leiter der Studie.  Angetrieben durch den sozio-demographischen und technologischen Wandel werde sich das Informations- und Kaufverhalten in den nächsten Jahren weiter digitalisieren und so mit zunehmender Dynamik nach dem Gebrauchtwagenmarkt auch das klassische Neuwagengeschäft grundlegend verändern. 
Die Studienautoren gehen davon aus, dass sich der Wandel zum digitalen Autokauf in zwei Wellen vollzieht. In der ersten werden auch jüngere Zielgruppen ihr Auto noch klassisch beim Händler besichtigen und eine Probefahrt machen, dann aber dort kaufen, wo sie den besten Preis bekommen – und das ist sehr oft das Internet. In der zweiten Welle wird es keine Medienbrüche mehr geben, weil der komplette Kaufprozess von der Modellkonfiguration über die virtuelle Besichtigung und Probefahrt bis hin zum Abschluss durchgängig online stattfindet. Nachdem die jüngeren, digitalen Auto-Käufer-Typen bislang überwiegend Gebrauchtwagen erwerben und damit als Zielgruppe noch nicht primär im Visier der Hersteller sind, drohen diesen durch die Digitalisierung große Absatzeinbußen. In wenigen Jahren würden die jungen, digital affinen Käuferschichten in den Neuwagen-Markt vordringen. Hersteller, Importeure und Händler, die mit dieser Käufergruppe in Kontakt bleiben wollen, müssen wohl ihre Vertriebsstrukturen  anpassen – zum Beispiel mit einer smarten Multi-Channel-Strategie.

Montag, 21. März 2016

Bezahlen per Rechnung im Onlineshop: Eine Einladung zum Betrug

Im europäischen Online-Handel gibt es ein Dilemma, das viele Händler sehr viel Geld kostet: Kunden lieben es, auf Rechnung zu bestellen, unter anderem weil ihnen diese Zahlungsweise am wenigsten riskant erscheint. Verkaufen auf Rechnung ist aber ein unsicheres Geschäft; mit Verlusten durch Nichtbezahlung muss immer gerechnet werden. Trotzdem müssen Online-Shops weiterhin Rechnungen verschicken, wenn sie gegen die Konkurrenz bestehen wollen.

Wer im Laden einkauft muss bezahlen, bevor er seine Waren heim nehmen kann.
Im Internet hingegen, erwarten viele Shopper eine Rechnung.       Bild Wikipedia 
Beinahe jeder zweite Online-Shopper zahlt beim Online-Kauf am liebsten per Rechnung, wie eine neue deutsche Studie des ECC-Köln ergab. Die zwar leicht abnehmende, aber immer noch sehr hohe Beliebtheit der Rechnung beim Online-Shopping ist eine typisch mitteleuropäische Gewohnheit: In Nordamerika zum Beispiel, ist das Rechnungsstellungsverfahren nicht nur im Zusammenhang mit Online-Shopping gänzlich unbekannt. Wer sich in den USA oder Kanada mit Waren oder Dienstleistungen eindeckt – ob diese nun vom Automechaniker, dem Zahnarzt, dem Klempner oder vom Onlineshop kommen – bezahlt in den allermeisten Fällen cash, mit Check oder per Kreditkarte. Wir kennen keinen einzigen nordamerikanischen Onlineshop, der das Bezahlen per Rechnung akzeptiert. Das hat nicht nur mit Zahlungsmoral, sondern auch mit den Kosten und der Umständlichkeit dieses Bezahlverfahrens zu tun. Vor allem aber stellt der Verkauf per Rechnung für alle Anbieter ein Verlustrisiko dar, wie eine Studie des Inkasso-Anbieters EOS zeigt:
“Besonders schlecht ist die Zahlungsmoral im Südosten Europas. In Bulgarien und Rumänien etwa werden gerade einmal 70 Prozent der Rechnungen termingerecht bezahlt. Und auch in Griechenland und der Slowakei bleibt der Wert mit 71 Prozent unterdurchschnittlich. Besser sieht es dagegen in Frankreich und vor allem in Deutschland aus. Während immerhin 80 Prozent der Franzosen zuverlässig zahlen, begleichen hierzulande sogar 83 Prozent fristgerecht ihre Rechnungen.“
Im internationalen Vergleich sei der deutsche Wert zwar relativ gut. Betriebswirtschaftlich gesehen sei die Zahl trotzdem alarmierend. Schließlich bedeute sie, dass fast jeder sechste Kunde in Deutschland seine Rechnungen verspätet oder am Ende gar nicht bezahle, sagt EOS-Manager Klaus Egberding zum Thema.
Tatsächlich ist das Zahlverfahren per Rechnung auch eine Einladung zum Betrug, die oft und gerne angenommen wird. Zitat aus der “Welt“:
“Der moderne Dieb lässt sich sein Diebesgut bequem ins Haus schicken. Er zahlt einfach nicht und ist nachher nicht mehr auffindbar. Oder er behauptet, die Ware sei nicht angekommen, und verlangt sein Geld vom Onlineshop zurück. Die Hemmschwelle ist niedrig […] Prominentestes Opfer in jüngster Zeit ist der Modehändler Zalando. Spektakulärster Fall beim Berliner Handelshaus: Zwischen Juni 2014 und Juni 2015 gingen 962 Bestellungen aus dem Raum Lebach im Saarland ein und wurden auf Rechnung ausgeliefert. 627 davon wurden nie beglichen. Bei einer Rechnungssumme von insgesamt 180.000 Euro blieb Zalando auf 120.000 Euro sitzen – hochwertige Schuhe, edle Kleidung, teure Koffer – alles weg. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken beschuldigt 46 Personen, von denen 41 in der Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge wohnten. Auch sie sind zum Teil weg.“
Immerhin gibt es auch in Europa Hoffnung für jene Online-Händler, denen die Rechnung gestohlen bleiben könnte: Unter den von Online-Shoppern favorisierten Zahlungsverfahren, sei die Rechnung eher umständlich. Sie werde vor allem von sicherheitsaffinen Konsumenten, die nur selten online einkaufen, gewählt. Da Konsumenten jedoch immer häufiger online shoppen und dabei zunehmend auf Faktoren wie Schnelligkeit und Bequemlichkeit achten, werde die Rechnung in Zukunft weiter an Relevanz verlieren“, prognostiziert man bei ECC-Köln.

Samstag, 19. März 2016

Digitale Flugzeugträger, digitale Currywurst und digitaler “Horror“

Wir von Digital Society Report sind uns sehr wohl bewusst, dass die digitale Gesellschaft in kürzester Zeit sozusagen in jeden Bereich des Lebens vorgedrungen ist. Deshalb hat heute auch jede Zeitung und jede Zeitschrift – ob digital oder gedruckt – eine Rubrik, die das Thema abhandelt. Manchmal scheint es allerdings, als ob den Digitalredaktoren die Themen ausgehen.

Das Motto: "Die Zeitung macht uns keinen Kummer, morgen kommt die
nächste Nummer" gilt längst nicht mehr. Trotzdem ist die Qualität der
Nachrichten im digitalen Zeitalter nicht gestiegen.                   Bild Wikipedia
Nehmen wir zum Beispiel den “Stern“, der in seiner digitalen Ausgabe zuoberst meldet, dass Twitter auch weiterhin die Obergrenze von 140 Zeichen für Nachrichten aufrechterhält. Soweit so digital. Die nächsten zwei Themen lassen dann schon eher schwierig als Digital-Stories einordnen. Da ist mal die Story über den neusten Amerikanischen Flugzeugträger:
“Im kommenden Monat wird die USS Gerald R. Ford (CVN-78) in Dienst gestellt, die Schiffstaufe fand im November 2013 statt. Die Gerald R. Ford ist nicht nur ein neuer Flugzeugträger der USA, es ist das erste Schiff einer neuen Klasse, der Ford Klasse. Als Schiff wird die Gerald R. Ford die USS Enterprise von 1961 ersetzen, die dann außer Dienst gestellt wird. 4500 Mann bilden die Besatzung des Giganten, der sagenhafte 90‘000 Tonnen verdrängt…“.
Von der Marine geht’s, immer noch unter der Rubrik “Digital“, nahtlos zum Thema Currywurst:
“Der Thermomix gilt als König der Küchengeräte. Doch ist er in der Küche wirklich unschlagbar? Philipp Weber und Nicky Wong treten an zum ultimativen Duell Topf vs. Thermomix. Die dritte Aufgabe: Currywurst.“
Nach der Wurst kommt der Horror – aber keine Angst, das hat nichts mit der Qualität der Lebensmittel zu tun. Gleich unter dem Wurst-Test bringt der Stern eine Story mit der Hinweiszeile: “Grusel-Übertragung“:
Plötzlich ist sie weg: Im Hintergrund eines TV-Interviews spielt sich eine mysteriöse Szene ab. Am Gepäckband wartet eine Frau. Doch plötzlich ist sie weg. In sozialen Medien rätselten User darüber - und fanden schließlich die Erklärung.“
Und wie lautet diese?
Tatsächlich kann - wer genau hinschaut - die Erklärung für das mysteriöse Verschwinden der Dame entdecken. Tatsächlich ist sie in dem Moment losgegangen, als sie komplett von der anderen Frau verdeckt wurde. Bis sie aus dem Bild gerät, bleibt sie so für die Kamera unsichtbar…“
Immerhin hat diese Geschichte einen “digitalen“ Hintergrund. Sie wurde auf den sogenannten Social Media verbreitet. Das macht sie allerdings nicht interessanter. 
Der kritische Blick in die Digitalrubrik des “Stern“ zeigt zwei Tatsachen. Nämlich dass es auch eine digitale Sauregurkenzeit gibt (das erfahren wir auch beim Digital Society Report und haben deshalb viel Verständnis für die Stern-Redaktion).
Allerdings demonstriert das mühsame Aufmotzen von irrelevanten News, die oft gar keine sind, dass die Redaktionen der Digitalrubriken mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, wie alle News-Produzenten, und dass sie diese Probleme auf die gleiche Art und Weise lösen. Im digitalen Zeitalter muss der Nachrichtenfluss die Mühlen der Medienbetriebe ununterbrochen antreiben – 24 Stunden im Tag, sieben Tage die Woche. Dass die meisten User nicht bereit sind, für diese Flut von Inhalten zu bezahlen, trägt sicherlich nicht zur Qualitätsverbesserung bei. Dem Dilemma zu entkommen, scheint enorm schwierig zu sein. Es gibt nur wenige Medien, denen es bis jetzt gelungen ist. 

Montag, 14. März 2016

Den Schweizern ist die digitale Kommunikation viel Geld wert

Schweizer User, Firmen und Organisationen geben im weltweiten Vergleich pro Kopf am meisten Geld für Informationstechnologie und Telekommunikation aus. Die Ausgaben sind im letzten Jahr um zwei Prozent auf fast 3‘300 CHF (2‘992 Euro) gestiegen. Das ist deutlich mehr, als im Durchschnitt in anderen EU-Länder ausgegeben wird (1.213 Euro) und fast doppelt so viel wie in Deutschland.

IK-Pro-Kopf-Ausgaben in ausgewählten Ländern für 2015 (ohne Consumer
Electronics)                                                                               Quelle Bitkom 
Die Zahlen meldet der Digitalverband Bitkom in Deutschland; erhoben wurden sie auf Grundlage von aktuellen Berechnungen des European Information Technology Observatory (EITO). Dazu Bernhard Rohleder, Bitkom-Hauptgeschäftsführer:
“Die Pro-Kopf-Ausgaben für IT-Produkte und Telekommunikation sind ein wichtiger Indikator für die Digitalisierung einer Volkswirtschaft und für die digitale Ausstattung von Privathaushalten. Die Zahlen belegen, mit welchem Nachdruck Politik und Wirtschaft in der Schweiz die Digitalisierung vorantreiben. Uhren und Schokolade sind das Schweizer Klischee, Spitzenplätze in den internationalen Digital-Rankings sind die Realität.“
Die Schweiz ist dieses Jahr zu Gast auf der CeBIT in Hannover und findet deshalb in der Branche ein Mass an Aufmerksamkeit, das ihr sonst versagt bleibt – unter anderem deshalb, weil sie als Nicht-EU-Mitglied in den meisten europäischen Statistiken und Studien fehlt.
Im Ländervergleich steht Norwegen hinter dem Spitzenreiter Schweiz auf dem zweiten Platz (2‘474 Euro), gefolgt von den USA (2‘468 Euro). Auch in Dänemark, Schweden und Großbritannien werden pro Kopf mehr als 2‘000 Euro für ITK ausgegeben.
Am schnellsten wachsen die ITK-Ausgaben in Indien (plus 10 Prozent auf 42 Euro pro Kopf), Lettland (plus 9 Prozent auf 388 Euro), in der Türkei (plus 8 Prozent auf 256 Euro) sowie in China (plus 8 Prozent auf 237 Euro).
ITK-Ausgaben können auch als Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung dienen: In Russland gingen die Ausgaben je Einwohner im Zuge der Rezession um rund 8 Prozent auf 281 Euro zurück. Griechenland meldet einen leichten Rückgang um 2 Prozent auf 480 Euro, in Japan beträgt das Minus 1 Prozent auf 1‘429 Euro.

Freitag, 11. März 2016

Ein trojanisches Gadget in der Hosentasche

Nur keine Panik, die Daten können ja nicht zugeordnet werden... oder etwa doch? Es gibt immer mehr raffinierte Technologien, mit denen unsere Smartphones verfolgt – in Neudeutsch „getrackt“ – werden. Einige dieser Tracking-Methoden sind bekannt, andere wohl nicht. Eines ist aber sicher: Wer sich mit einem Smartphone durch die Welt bewegt, hat ein trojanisches  Gadget in der Hosentasche.

Wie es aussieht, wenn Fussgänger mittels Wifi zwei Wochen verfolgt werden, zeigt das untenstehende Video der ETH in Lausanne, wo das Tracking im Rahmen eines Forschungsprojekts durchgeführt und ausgewertet wurde. Insgesamt wurden mit 789 Wifi-Antennen zwei Millionen Aufenthaltsorte registriert. Das Ziel des Experiments: Die Bewegung von Menschen in öffentlichen Räumen zu analysieren, um verschiedenen Organisationen bessere Planungsmöglichkeiten zu geben.

Tatsächlich ist Wifi-Tracking nichts Neues: Wie wired.co.uk berichtet, gibt es bereits seit 2014 in Grossbritannien Einkaufszentren, die ihre Kunden auf diese Weise tracken um sie dann mit gezielter Werbung versorgen zu können. Wer sich also in der neuen digitalen Realität unsichtbar machen will, sollte zuallererst mal sein Smartphone ausschalten – oder ganz zuhause lassen.  


Dienstag, 8. März 2016

Das ewige Piepsen der ständigen Bevormundung

Es sieht aus, als ob sich im IT-Slang ein neues Wort eingenistet hätte: Es heisst “Nudging“ und kommt aus dem Englischen ins neudeutsche IT-Vokabular, wie alle derartigen Fachausdrücke, die etwas auf sich halten. In der Politik gibt es Nudging schon lange; mit der zunehmenden Digitalisierung fängt es an, auch in unserem täglichen Leben eine immer grössere Rolle zu spielen.

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To nudge heisst, jemanden anzustossen, ein wenig nachzuhelfen. Dem Nudging liegen zwei ganz grundsätzliche Annahmen zugrunde.
Erstens: Dass es Menschen gibt, die sehr viel schlauer sind, als der grosse Rest, und dass diese Besserwisser deshalb dazu qualifiziert sind, die Massen in jene Richtung anzustossen, die sie als vorteilhaft erachten. Stichwort: Politik und Medien. Zweitens: Ein ständig wachsendes Sicherheitsbedürfnis, das dazu führt, dass Konsumenten und Konsumentinnen erstmals nichts dagegen haben, sich an elektronisch vorgegebene Verhaltensregeln zu halten, solange sie dadurch ihr Sicherheitsgefühl steigern können. Stichwort: Elektronik.
Es gibt sogar schon ein Buch zum Thema: “Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstösst“ heisst der Titel, geschrieben wurde es von Richard Thaler und Cass Sunstein. Den beiden professoralen Autoren zu Folge, geht es beim Nudging um “liberalen Paternalismus“; US-Präsident Barack Obama soll das Konzept gerne einsetzen – wen wundert‘s. Das Handelsblatt hat allerdings schon in der Kurzrezession des Buches auf einen ganz grossen Haken des Konzepts hingewiesen:
“Der Ansatz geht davon aus, dass der Entscheidungsarchitekt keinen eigenen Nutzen aus der Sache ziehen will. So altruistisch sind aber die wenigsten Menschen. So soll es auch Kantinen geben, in denen nicht das gesündeste, sondern das teuerste Gericht ganz vorne steht. Auch jeder Kantinenbetreiber ist sich letztlich selbst der Nächste…“
Nudging im digitalen Bereich kann noch aus ganz anderen Gründen problematisch sein. Klaus Geiger und Holger Tschäpitz gehen in einem ausführlichen Artikel auf welt.de darauf ein. Sie zitieren zum Beispiel den Ökonomen und Nudging-Experten Jan Schnellenbach, der vor einer Bevormundung der Bürger warnt. Mit Nudging würden Entscheidungen moralisch bewertet, sagt er. Man signalisiere, was man für gut und richtig halte. Das sei Bevormundung. Schnellenbach ist nicht der Einzige, der das für problematisch hält. Auch andere Fachleute kritisieren den Trend zu dieser ständigen elektronischen Fürsorge, die uns davor behüten soll, eigene (schlechte) Erfahrungen zu machen:
“Die Waschmaschine ist fertig: Es piept so lange, bis die Trommeltür geöffnet ist. Die Spülmaschine ist fertig: Es piept dreimal. Ein Gegenstand liegt auf der Kochplatte: Wieder ein Warnton. Wir werden informiert, wir werden gewarnt, uns wird geholfen, uns richtig zu verhalten. Und wir werden zum Handeln gezwungen. Auch wer das Haus verlässt und ins Auto steigt, entkommt den akustischen Erziehern kaum noch. An die Anschnall-Warnung haben sich die meisten Menschen inzwischen gewöhnt. Neuerdings bleibt es nicht dabei. Das Navigationssystem meldet sich zu Wort, wenn die Geschwindigkeit zehn Kilometer pro Stunde zu hoch ist oder der Abstand zum Vordermann nicht mehr gewissen Vorgaben entspricht. Das Cockpit meldet zugleich, dass es mal wieder Zeit für eine Pause ist.
Aber wollen wir das? Mancher Nutzer mag es hilfreich finden, andere finden es nervig. Das aber ist den Herstellern egal. Denn die Designer und Ingenieure haben sich längst entschieden: für den ewigen Piepton.“
Die Digitalisierung hat elitären Besserwissern die Tools gegeben, die sie zum Nudging einsetzen können. Die Frage ist, ob die Verbraucher sich dies längerfristig gefallen lassen werden.

Donnerstag, 3. März 2016

Zu viele PC-Erpressungsopfer bezahlen Lösegeld

Wieso ist immer noch ungefähr die Hälfte  des weltweiten E-Mail-Verkehrs Spam? Wieso gibt es immer mehr Ransom-Software-Trojaner, die es darauf abgesehen haben, PC-Nutzer zu erpressen? Richtig: Weil sich in beiden Cyber-Crime-Sparten prächtig Geld verdienen lässt. Spam-Mail rentiert, weil zu viele User darauf reagieren, Erpresser-Software verbreitet sich immer schneller, weil zu viele Opfer die Erpresser bezahlen.

Die deutschsprachige Version des digitalen Erpresserbriefes, den die Locky-Opfer
zu sehen bekommen, nachdem ihre Daten verschlüsselt wurden. (Zum Vergrössern
bitte anklicken).                                                                                             Wikimedia
Der neuste Trojaner der Erpresser-Sorte, der seit Wochen Schlagzeilen macht, heisst Locky und wütet momentan vor allem in Deutschland. Dort, so meldete der Spiegel kürzlich, hat die Software an einem einzigen Tag 17‘000 Rechner lahmgelegt – weltweit sind es wohl gegen eine halbe Million Computer:
“Die Erpresser infizieren Windows-Rechner mit einem Trojaner, der wichtige Dateien zunächst verschlüsselt und dann umbenennt. Die Dokumente haben nach dem Prozess die Endung .locky, daher hat der Trojaner auch seinen Namen. Die Verschlüsselung ist kaum zu knacken, wenn die Angaben der Erpresser stimmen. Demnach werden die Dateien mit einem RSA-Kryptoschlüssel und einer AES-Verschlüsselung unbrauchbar gemacht. Sobald die Dateien verschlüsselt sind, erscheint ein Erpresserbrief mit einer Lösegeldforderung. Der Brief existiert in mehreren Sprachen und erscheint hierzulande auch in deutscher Sprache bei den betroffenen Nutzern. Darin steht, dass die Dateien nur mit einer speziellen Software namens "Locky Decryptor" gerettet werden können. Und für diese Software verlangen die Erpresser einen Betrag von 0,5 Bitcoin, was laut dem aktuellen Kurs der Kryptowährung rund 200 Euro entspricht.“
 Szenenkenner gehen davon aus, dass die Erpresser mit diesem Verfahren bereits viele 100‘000 Dollar verdient haben – was dazu führt, dass der Trick in verschiedensten Varianten immer wieder ausgeführt wird. Im Falle einer Kleinstadt in Deutschland hiess die Software nicht “Locky“, sondern „Tesla-Crypt“. Der Trojaner brachte die Stadtverwaltung dazu, mehrere hundert Euro Erpressergeld zu bezahlen. Ärger gab es dann trotzdem:
“Die Erpresser hatten die Stadtverwaltung Dettelbach zur Zahlung von 1,3 Bitcoin aufgefordert, umgerechnet rund 490 Euro. Der Polizei zufolge führte eine von der Stadtverwaltung beauftragte Fachfirma die Zahlung durch. Anschließend war es möglich, einen Teil der Daten wiederherzustellen.
Dennoch sei es anschließend zu einem "weitreichenden Ausfall des EDV-Systems mit Datenverlusten" gekommen, teilte die Stadtverwaltung an diesem Donnerstag mit.“
Die Dettelbacher sind bei weiten nicht die einzigen, die sich erpressen lassen. Eine Umfrage in Europa hat ergeben, dass mehr als ein Drittel der betroffenen User, das Lösegeld überweisen.
Was tun? Wir haben an dieser Stelle schon früher über Erpressersoftware berichtet. Wenn Sie kein Datenbackup von ihrem PC haben, wird es sehr schwierig werden, ihre verschlüsselten Dateien zurückzubekommen. Denn, was immer Sie tun, bezahlen Sie kein Geld. Erstens wird es wahrscheinlich nichts nützen, und zweitens machen Sie sich und andere User dadurch zum Ziel weiterer Attacken. Wichtig ist, dass Sie immer eine aktuelle Backup-Kopie Ihrer PC-Daten zur Hand haben. Öffnen Sie keine Anhänge von unbekannten E-Mail-Absendern. Und vermeiden Sie zwielichtige Internetseiten. Wenn Sie dann noch ein anerkanntes Sicherheitsprogramm auf Ihrem PC installiert haben, halten Sie Ihr Risiko in annehmbaren Grenzen.

Montag, 29. Februar 2016

Datenströme statt Warenströme - "140 Zeichen statt fliegende Autos"

Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit tragen internationale Datenströme mehr zum globalen Wirtschaftswachstum bei, als der klassische Warenhandel. Insgesamt erhöhen die globalen Güter-, Kapital- und Datenflüsse die weltweite Wirtschaftsleistung um zehn Prozent. Dies entsprach 2014 einem Wert von 7,8 Billionen Dollar. Davon waren allein 2,8 Billionen Dollar auf die internationalen Datenströme zurückzuführen, 2,7 Billionen Dollar auf den Warenverkehr. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer neuen Studie des McKinsey Global Institute.

Die McKinsey-Forscher sind sich ganz sicher: Die Globalisierung stagniere nicht – sie verändere sich, schreiben sie in der Mitteilung zur Studie. Tatsächlich sind die Wachstumszahlen im Digitalsektor beeindruckend: Bis zur Finanzkrise hatte der Anteil der globalen Waren-, Finanz- und Dienstleistungsströme an der Weltwirtschaftsleistung kontinuierlich zugenommen. Mit 53 Prozent Anteil an der weltweiten Bruttowirtschaftsleistung erreichte er 2007 ein Rekordhoch. Seitdem gingen die internationalen Finanzströme um gut die Hälfte zurück; Güterhandel und der internationale Dienstleistungsverkehr erholten sich nur langsam von der Krise. Die Folge: Der Anteil dieser Ströme machte 2014 nur noch 39 Prozent der Weltwirtschaftsleistung aus. Gleichzeitig vervielfachten sich die Datenströme über Ländergrenzen hinweg und waren 2014 rund 45 Mal(!) so groß wie 2005. Bei McKinsey ist man sich sicher, dass sich dieses Wachstum fortsetzen wird:
“In den nächsten fünf Jahren werden die globalen Datenströme sich noch einmal um den Faktor 9 vervielfachen. Grundlage für diese Entwicklung sind im Wesentlichen neue digitale Plattformen, die Menschen, Informationen und Märkte miteinander vernetzen. Bereits 12 Prozent des globalen Warenverkehrs sind heute beispielsweise auf internationalen E-Commerce zurückzuführen. Die internationale Vernetzung bietet gerade für kleine und mittlere Unternehmen große Chancen – sie können über das Internet relativ leicht neue Märkte und Kundengruppen erschließen.“
Gemäß der McKinsey-Studie bietet die Vernetzung nicht nur für Kunden und Unternehmer Vorteile, auch Volkswirtschaften profitieren vom internationalen Austausch. Länder, die besonders stark international vernetzt sind, weisen nämlich im Schnitt ein höheres Bruttoinlandprodukt pro Kopf auf als weniger eingebundene Staaten.
Die McKinsey –Studie kommt zu einer Zeit, in der intensiv über die Nutznießer des weltweiten wirtschaftlichen Wachstums diskutiert wird und eine vielerorts frustrierte Mittelklasse das Gefühl hat, dass ihr Leben trotz technologischer Entwicklungen nicht einfacher wird. Peter Thiel, ein Silicon-Valley-Investor, hat dieses Gefühl in ein inzwischen berühmtes Zitat gegossen: “Wir wollten fliegende Autos, stattdessen bekamen wir 140 Zeichen“.  
Thiel ist nicht der einzige, der mit der technologischen Entwicklung und der gegenwärtigen Entwicklung in unserer Gesellschaft unzufrieden ist - wachsende Datenströme hin oder her. Auch der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Robert Gordon geht davon aus, dass die technologische Zukunft nicht halten wird, was sie verspricht (siehe untenstehendes Video). Moderne Gesellschaften hätten die Vorteile der Digitalisierung bereits absorbiert, sagt er:
“In den 80 Jahren vor 1972 betrug das Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens in den USA im Schnitt 2,35 Prozent. In den 40 Jahren seither waren es nur noch 1,55 Prozent — trotz all der grossartigen Entwicklungen, die gemacht wurden. Die wirklich bedeutsamen Erfindungen fanden vorher statt: die Dampfmaschine, Elektrizität, die Kanalisation. Sie haben viel stärkeres Wachstum ausgelöst als der Computer, das Internet und Smartphones. Erfindungen, die das Leben aller Menschen vergleichbar stark verbessern, werden je länger, je seltener…“
Man weiss es:  Megaprognosen lassen sich leicht machen. Deshalb wagen wir hier auch eine Voraussage: Die Welt steht erst am Anfang des digitalen Zeitalters. Wenn die Entwicklung nicht durch Katastrophen aufgehalten wird, dürfen wir davon ausgehen, dass es auch in den nächsten Jahren entscheidende technische Sprünge geben wird, von denen heute noch niemand etwas weiss. Genauso, wie die Welt vor drei Jahrzehnten vom PC und wenig später vom Internet überrascht wurde… 

Donnerstag, 25. Februar 2016

Autofahren in der Share Economy

Die Generation Y (deren Angehörige oft auch Millennials genannt werden, weil sie im Zeitraum von 1980 bis zur Jahrtausendwende geboren wurden)  ist jene Generation, an der die Konsumgüterindustrie sich gegenwärtig einige Zähne ausbeisst. Die ältesten Mitglieder der Kategorie sind bereits gute Verdiener; doch sie machen es den Marktforschern nicht leicht. Die Verhaltensmuster der Eltern sind überholt, die digitale Share-Economy hat Einzug gehalten. Das zeigt sich unter anderem am Verhältnis der Millenials zum Auto. 

In wenigen Tagen ziehen sie wieder unzählige Besucher an, die neuen
Autos am Genfer Autosalon (im Bild zwei Nissan Konzeptfahrzeuge). Millennials
werden im Publikm wahrscheinlich untervertreten sein,                          Bild Nissan
Es scheint, als ob das autonome Auto gerade noch rechtzeitig kommen wird. Die meisten Millennials sind nämlich längst nicht mehr so stark am Auto interessiert, wie frühere Generationen. Das zeigen verschiedene Studien. Der amerikanische Finanzdienstleister Capital One hat zum Beispiel herausgefunden, dass  die  Gen-Y-Konsumenten lieber reisen, als ein teures Auto zu besitzen. Auch in der Schweiz gilt ein ähnlicher Trend, wie wir schon im letzten Jahr berichtet haben:
“Der Besitz eines eigenen Autos wird vor allem für junge Schweizer immer unwichtiger. Bereits jeder dritte Konsument legt mehr Wert auf moderne Smartphones und Computer als auf ein eigenes Auto - in der Altersgruppe der 18- bis 34Jährigen sind es sogar schon 53 Prozent. Und 41 Prozent der befragten Schweizer können sich ein Leben ganz ohne Führerschein und eigenes Auto vorstellen.“
Auch die neue GfK-Studie “GenY und Mobilität“ zeigt, dass sich diese jungen Menschen über Mobilität wenig Gedanken machen, solange sie funktioniert. Lediglich die Unzuverlässigkeit der öffentlichen Verkehrsmittel und der damit verbundene Zeitverlust werden als Stressfaktoren wahrgenommen. Beim Auto sind es vor allem die hohen Unterhaltskosten und Aspekte wie Sicherheit und Praktikabilität, die bei der jungen Generation für Bauchschmerzen sorgen. Dies zeigt auch die GfK Connected Car Studie 2015. Häufigste Kritikpunkte sind hier die hohen Kosten für Treibstoff sowie Unfallrisiko und Staugefahr. Immerhin geben dennoch mehr als ein Drittel der Autobesitzer in der Generation Y an, dass ihnen Autofahren Spass macht – das sind mehr als in der Gruppe der über 30-jährigen. Allerdings greift die junge Generation, je nach geplantem Ziel,  insbesondere in Grossstädten in erster Linie auf öffentliche Verkehrsmittel und Fahrrad zurück oder ist zu Fuss unterwegs. In Folge nehmen sowohl das Interesse am Auto als auch die emotionale Bindung ab – es entsteht eine reine Zweckbeziehung. 
Die zitierte GfK-Studie zeigt auch, dass  die Generation Y dem vernetzten Auto, das die Branche unermüdlich propagiert, kritisch gegenübersteht. Sie sieht in den aktuellen, meist aufwändigen und teuer angebotenen Konnektivitätslösungen keinen echten Mehrwert, da das eigene Smartphone diese Dienste bereits liefert. Gefragt sind also echte Innovationen, die das Auto in den digitalen Lebensstil der Generation Y integrieren, um so einen Mehrwert zu schaffen, der im Konkurrenzumfeld bestehen kann. Womit wir wieder beim autonomen Auto wären. Jeder zweite Pkw-Besitzer der Generation Y gibt als Grund für den Besitz eines Autos individuelle Mobilität und Freiheit an – nicht etwa Statusdenken oder andere emotionelle Gründe. Es wird wohl nicht lange gehen, bis  auch das selbstfahrende Auto Teil der digitalen Share-Economy wird und damit dieses  Bedürfnis nach individueller Mobilität und Freiheit erfüllen kann.

Montag, 22. Februar 2016

Bremst der Fachkräftemangel die Digitalisierung?

IT-Verantwortliche im deutschsprachigen Raum wollen dieses Jahr weniger Geld für Innovationen ausgeben. Der Rückgang überrascht angesichts der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der CIOs den Ausbau der Digitalisierung als eines ihrer wichtigsten Ziele bezeichnen. Eine der Schwierigkeiten, mit der die Firmen zu kämpfen haben, ist der Mangel an ausgebildeten Fachkräften. Die Digitalisierung für die IT-Zukunft wird dadurch gebremst.

Zum Vergrössern anklicken.                                                 Infografik Capgemini
Das ist eines der Ergebnisse der jährlichen IT-Trends-Studie von Capgemini, in deren Rahmen IT-Verantwortliche in der Schweiz, Deutschland und Österreich befragt wurden.  Dabei stellte sich heraus, dass der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern die grösste Hürde für die Digitalisierung darstellt. Fachleute fehlen insbesondere für Internet-of-Things-Technologien, Big-Data-Analytics und mobile Technologien. Immerhin hat das IT-Know-how in den Chefetagen in mehr als der Hälfte der Unternehmen zugenommen. In der Folge ist auch die geschäftliche Relevanz der IT weiter gestiegen. Gleichzeitig haben sich in 64 Prozent der Unternehmen die geschäftlichen Anforderungen an die IT erhöht, während die technologischen Anforderungen nur bei rund einem Viertel gestiegen sind.
Dass auch die Schweiz unter einem IT-Fachkräftemangel leidet, ist eigentlich erstaunlich; gemäss einer globalen Studie verdienen IT-Spezialisten in der Schweiz die höchsten Löhne weltweit. Ausserdem geben immer wieder die Arbeitslosenzahlen in der Branche zu reden. Die NZZ suchte kürzlich eineErklärung für die Widersprüche:

“Bei den Informatikern liegt die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit etwa bei sechs Monaten, und jeder fünfte arbeitslose Informatiker ist über ein Jahr auf Stellensuche. Die Arbeitslosenquote der Informatiker lag laut Bundesstatistikern von 2010 bis 2012 im Mittel bei 2,7% und dürfte heute noch leicht darüber liegen. Diese Werte bewegen sich etwas unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt, sind aber dennoch erklärungsbedürftig. Es gebe ein Auseinanderklaffen der angebotenen und der nachgefragten Qualifikationen, sagt Andreas Kaelin, Geschäftsführer des Branchenverbands ICT Switzerland. Ähnlich äussern sich spezialisierte Personalvermittler. Es gebe nicht das einheitliche Berufsbild des Informatikers, betont Edi Brandenberger, Geschäftsführer des Personalvermittlers p3b AG mit Büros in Zürich und Bern. «Ein wichtiger Faktor ist die Kurzlebigkeit der Technologien. So gibt es zum Beispiel einen Überhang bei Spezialisten für alte Programmiersprachen und Betriebssysteme.» Zudem habe es früher viele Quereinsteiger ohne Informatik-Grundausbildung gegeben. «Heute verlangen viele Firmen einen Fachhochschulabschluss oder eine höhere Fachprüfung…“

Donnerstag, 18. Februar 2016

Wenn “Microsoft“ anruft: Auflegen oder lügen!

Die Abzockmethode wird schon seit Jahren angewandt, und immer noch gibt es Menschen, die sich von den Lügnern am anderen Ende der Leitung um den Finger wickeln lassen und ihnen wichtige Daten oder gar den Zugang zum PC überlassen. Dabei ist es so einfach, die Möchtegern-Microsoft-Mitarbeiter loszuwerden.

Achtung: Die Anrufer von Microsoft gehören zu jenen digitalen Wegelagerer,
die versuchen, mit social Engineering ans Ziel zu kommen.                Bild PfW
Bei der inzwischen als Microsoft-Support-Betrugsmasche bekannten Betrugsmethode, gehen die meistens Englisch sprechenden Täter, die in der Regel einen starken südostasiatischen Akzent aufweisen,  im grossen Ganzen immer nach dem gleichen Muster vor:  Angerufene potentielle Opfer, die sich mit ihnen auf ein Gespräch einlassen, werden eindringlich davor gewarnt, ihren PC weiter zu verwenden – dieser sei nämlich mit Schadsoftware verseucht und werde ohne entsprechende Gegenmassnahmen demnächst seinen Dienst aufgeben. Die Betrüger bieten natürlich ihre Hilfe an – gegen ein bescheidenes Honorar  von oft mehreren 100 Euros. Dafür offerieren sie eine Fernreparatur, sowie eine Garantie. Die dazu benötigte Software muss das ausgesuchte Opfer vom Net herunterladen und am PC installieren – was dann zur zweiten Stufe der Abzocke führt: Die Täter verfügen nun über einen Trojaner im PC des Opfers, mit dem sie den Computer des Opfers auch in Zukunft ausspähen und manipulieren können. Wohin das führen kann, zeigt ein aktueller Fall, den die Faz ausführlich dokumentiert hat, der aber recht glimpflich ausgeht:
“Martin Schmitt hat dennoch Glück. Nachdem er nach dem verhängnisvollen Telefonat unverzüglich bei seiner Bank anruft, kann diese die Überweisung gerade noch zurücknehmen. Danach meldet er den Vorfall der Polizei, um Strafanzeige gegen unbekannt zu stellen. […] Ganz so glimpflich kam Schmitt nun doch nicht davon. Als er seinen Computer wieder anschaltete, verlangt dieser noch vor Windows-Start ein Passwort, das natürlich nicht er, sondern nur die Kriminellen kennen und wofür sie vermutlich noch einmal Geld haben wollen. Anlass genug für Schmitt, seinen Rechner „neu aufzusetzen“, also die Festplatte neu zu formatieren und Windows 10 noch einmal zu installieren. Ist das ausreichend? Wir haben auch hier mit den Fachleuten vom Cispa, dem BSI und zudem mit einem Virenanalysten von Kaspersky gesprochen. Zwei Szenarien sind theoretisch vorstellbar: Erstens könnte sich ein Trojaner „unterhalb“ des Betriebssystems einnisten wie etwa auf der physischen Festplatte, dem Mainboard, der Firmware des CD-Laufwerks oder im Bios. Solch eine Schadsoftware ist eher selten, würde allerdings eine Neuinstallation des Betriebssystems überleben. Zweitens könnte sich ein Virus auf der Datenfestplatte einnisten und Programme infizieren, die dort etwa in einem Download-Ordner liegen und bei abermaligem Start nach der Bereinigung wieder aktiv werden könnten. Das ist wahrscheinlicher, kann aber einfach überprüft werden, indem man die Datenfestplatte mit mindestens einem Anti-Viren-Programm untersucht. Zudem kann man eine abermalige Infizierung verhindern, indem man keine Dateien aus diesen Ordnern abermals ausführt.“

Vorbeugen ist bekanntlich besser als heilen; das gilt auch in diesem Fall. Und obwohl wir das ja nur ungern tun, gibt es eigentlich nur ein richtiges Vorgehen,  gegen die betrügerischen Anrufer: Entweder sofort auflegen – oder ganz freundlich lügen. Wenn Sie nämlichen dem “Microsoft“-Mitarbeiter mitteilen, dass sie gar keinen PC besitzen – höchstens einen iPad – werden Sie die Erfahrung machen, dass der Anruf in der Regel blitzschnell und ohne weitere Höflichkeiten abgebrochen wird.

Montag, 15. Februar 2016

Wer interessiert sich eigentlich noch für Twitter?

 Eigentlich sollte es eine der ganz grossen Erfolgsgeschichten der digitalen Kommunikation werden, und eine Zeitlang sah es ganz so aus, als ob Twitter die hochgesteckten Erwartungen erfüllen würde. Die Zahl der Nutzer nahm rasant zu, und nach dem Börsengang stieg auch der Kurs der Aktie. Doch das war einmal; aktuell gibt es keine guten News mehr. Die Nutzerzahlen gehen zurück, und die Manager springen ab. Wer Twitter-Aktien besitzt, die beim Börsengang oder kurz danach gekauft wurden, hat schon mehr als die Hälfte der Investition verloren. Nach der anfänglichen Euphorie stellt sich die Frage, ob Twitter wirklich gebraucht wird.

Eines ist klar: Twitter ist in Nordamerika populärer als in Europa. Allerdings zeigt sich hier und dort, dass Twitter vorwiegend als Kommunikationsforum der Eliten benutzt wird: Politiker, JournalistenKünstler und andere Prominente lieben es, ihre gewichtige Meinung zum Tagesgeschehen in die Welt zu twittern, und sie haben auch Anhänger, die diese Wortmeldungen dankbar aufnehmen. Besonders im Journalismus hat sich Twitter zu einem beliebten Tool entwickelt und zwar in zweierlei Hinsicht: Erstens hilft der Kurznachrichtendienst, leere Seiten zu füllen, indem Prominenten-Tweets ausgeschlachtet und breitgeschlagen werden. Zum Zweiten lässt sich Twitter als Verstärker der journalistischen Meinung  einsetzen, indem entsprechende Tweets wie Echos an Stories gehängt werden.  Genau diese journalistische Praxis ist allerdings nicht überall beliebt und wird inzwischen von vielen Medienkonsumenten auch durchschaut.
Trotzdem hat Twitter zwei grosse Probleme: Erstens hat sich Twitter zu einem Tummelfeld für Trolle entwickelt, die aufgrund ihrer Anonymität auf Twitter oft so richtig die Sau rauslassen. Das generiert dann schon mal negative Werbung, die auf viele potentielle User abstossend wirken kann. Ausserdem interessiert sich die breite Masse der digitalen Konsumenten nicht für den Service und weiss nicht mal, wie er funktioniert (siehe untenstehendes Video). Twitter sei schlicht nicht massentauglich, schreibt die Handelszeitung:
“Die Vorzüge des Angebots, bei dem Nutzer nur Nachrichten mit einer Länge von maximal 140 Zeichen verschicken können, erschliesst sich vielen Menschen nicht. Das belegt auch eine Umfrage unter Passanten im Zürcher Kreis 5. Tatsächlich war es für den Video-Journalisten Pascal Scheiber schwierig, überhaupt jemanden zu finden, der Twitter nutzt – und dies nur passiv, um den Alltag der Stars zu verfolgen. Selbst Tweets versenden: Fehlanzeige. Die Twitter-Chefs haben das Problem erkannt. Doch Massnahmen greifen nicht oder stossen bereits bei Ankündigung auf Ablehnung. So geschehen vor wenigen Tagen, als bekannt wurde, das Management wolle die chronologische Timeline durch einen Algorithmus ersetzen.“
Twitter hat also ein Relevanzproblem, gerät gar in Gefahr, in der digitalen Versenkung zu verschwinden – der Dienst könnte zum “Bing“ der Social Media werden, schrieb Wired Magazine schon vor einem Jahr. Der Grund:
“Viele Menschen haben Twitter gern, lieben es sogar, sind davon besessen. Aber viele Menschen verstehen das überhaupt nicht, und Twitter hat nie einen guten Grund dafür kommuniziert, den Dienst auszuprobieren…“
Es sieht also nicht super aus für Twitter. Die Aktie steht aktuell bei knappen 16 US-Dollar. Im Mai 2015 waren es noch fast 51 Dollar. Das ist hart für die Investoren. Ansonsten wird der Niedergang von Twitter wohl die allermeisten von uns kalt lassen.

Donnerstag, 11. Februar 2016

Verkehrte Welt? Vom Online-Shop in den Laden

Der Internet-Gigant Amazon hat kürzlich mit der Ankündigung für Schlagzeilen gesorgt, weltweit mehrere hundert Ladengeschäfte eröffnen zu wollen. Dass Internet-Shops ihre Waren mehr und mehr in echten Läden verkaufen, liegt voll im Trend und wird sich positiv auf all jene Innenstädte und Shopping-Zentren auswirken, die sich seit dem Aufkommen des digitalen Shoppings zu entleeren begonnen haben.  Für die stationären Händler wird dadurch das Leben allerdings nicht einfacher werden: Die Neuankömmlinge werden auch stationär äusserst effizient verkaufen – und alle digitalen Tricks benutzen, die sie kennen.

Macy's Department Store in New York:Ein Laden mit viel Tradition, der mit
einer Omni-Channel-Strategie noch ein paar Jahrzehnte weiter existieren will.
                                                                      Bild Mike Strand, Creative Commons
Bequemlichkeit und Einfachheit  seien es, die von der Schweizer Kundschaft beim Online-Shopping am meisten geschätzt würden, hat eine aktuelle Studie von HWZ und  Schweizerischer Post ergeben. Genau dieser Einkaufskomfort wird durch die Omni-Channel-Strategien der Händler noch gesteigert: Onlineshops, die auch über stationäre Läden verfügen, können dorthin liefern, im Geschäft Abholdienste anbieten oder Retouren entgegennehmen. Wie eine Untersuchung des EHI Handelsforschungsinstitutes kürzlich gezeigt hat, leuchtet das vielen Händlern ein:
“Der Kunde will beides: online und stationär. Deshalb betreibt schon heute jeder zweite der 1000 größten Onlineshops auch stationäre Geschäfte. Mit weiteren Neueröffnungen von Online-Händlern ist aus Sicht von 86 Prozent der befragten Händler zu rechnen. Um Kunden eine positive Einkaufserfahrung mit fließenden Übergängen zwischen den einzelnen Kanälen bieten zu können, ist deren gekonnte Vernetzung nötig. Von den Omnichannel-Services sind vor allem Instore-Order und -Return und Click & Collect bei über 40 Prozent der Händler implementiert und bei rund einem weiteren Drittel in Planung. Click & Collect führt bei vielen Unternehmen zu teils deutlichen Umsatzzuwächsen…“
Nach Einschätzung von Fachleuten erhöhe ein lokales Geschäft die Glaub- und Vertrauenswürdigkeit, schreibt die Computerwoche, zitiert aber einen Experten der glaubt, dass die Omni-Channel-Shops die etablierten Händler  in Zukunft noch stärker konkurrenzieren werden:
“Bedeutet die wachsende Omni-Channel-Lust der Online-Händler also Entwarnung für die klassischen Händler? Im Gegenteil - meint der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Der Druck auf die etablierten Händler könne dadurch sogar noch größer werden. "Ich glaube, die Online-Anbieter werden den stationären Handel neu erfinden. Sehr viel effizienter, verknüpft mit digitaler Technik", meint er und sagt voraus: "Der etablierte Handel wird hier noch einige Überraschungen erleben."