Dienstag, 22. Dezember 2015

Wir wünschen frohe Weihnachten und ein erfolgreiches neues Jahr

Wir wünschen Ihnen über die Festtage viel Spass aber auch Erholung, Ruhe und Besinnlichkeit und danken herzlich für Ihr Interesse am Digital Society Report. Wir werden uns auch im nächsten Jahr bemühen, Sie mit interessanten Schlagzeilen und spannenden Stories aus der digitalen Welt zu versorgen!  
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Freitag, 18. Dezember 2015

Ohne Smartphone sind Sie attraktiver!

Es gibt mindestens zwei gute Gründe dafür, Ihr Smartphone über die Festtage mal auszuschalten. Erstens zeigen verschiedenste Untersuchungen, dass die Beschäftigung mit dem Smartphone Ihrer Gesundheit schaden kann – psychisch und physisch. Ausserdem sind Sie für den grössten Teil Ihrer Freunde und Bekannten ein attraktiverer Mensch, wenn Sie ohne Smartphone daherkommen, wie eine gross angelegte Umfrage kürzlich ergeben hat.

Quasimodo, der Glöckner von Notre Dame in einem Gemälde
 von Antoine Wirtz: Er hatte seinen Buckel definitiv nicht
vom Smartphone.                                                        Wikimedia
Das Smartphone: Kommunikationsinstrument und Statussymbol des 21sten Jahrhunderts. Ohne das allgegenwärtige Gadget können wir nicht existieren – nie und nirgendwo. Doch das Smartphone ist nicht nur alleswissender Helfer im Alltag, es schadet auch unserer Gesundheit. Das ist keine neue Erkenntnis, sondern wurde mehrfach in verschiedensten medizinischen Studien nachgewiesen. Die New York Times weisst nun auf einen weiteren Aspekt dieser gesundheitsschädigenden Wirkung hin: Das Smartphone verursacht Haltungsschäden -  und diese wiederum, können zu psychologischen Problemen führen.
Der Neuseeländische Physiotherapeut Steve August hat einen Namen für den Körperschaden, der durch das zusammengesunkene Starren auf das Smartphone verursacht wird: Er nennt ihn den “iHunch“, also den iBuckel. Als er vor dreissig Jahren mit seiner Physiotherapie-Praxis begonnen habe, seien ihm viele Fälle von versteiften runden Rücken begegnet – meistens waren es Grossmütter und Urgrossmütter, die unter einem Buckel litten. Heute  sieht August den gleichen Schaden in unter 20jährigen Patienten. Zitat aus dem Artikel der New York Times:
“Wenn wir traurig sind, sinken wir in uns zusammen – beim Sitzen oder Stehen. Wir nehmen die selbe Haltung ein, wenn wir Angst haben oder wenn wir uns machtlos fühlen. Studien zeigen, dass Menschen mit klinischer Depression eine Körperhaltung einnehmen, die dem iBuckel auf unheimliche Weise gleicht. Eine der Untersuchungen, im Jahr 2010 im Journal der Brasilianischen Psychiatrischen Vereinigung publiziert, zeigte auf, dass depressive Patienten öfter mit einem vorwärtsgebeugten Hals, hängenden Schultern und an den Körper gezogenen Armen dastehen…“
Doch die wirklich schlechte Nachricht kommt erst: Die oben beschriebene Smartphone-Haltung kann nicht nur den iBuckel verursachen, sondern auch zu schlechter Laune und sogar einem schlechteren Gedächtnis führen. Die Times zitiert verschiedene Studien, die nachweisen, dass eine schlechte Stimmung nicht nur zu einer schlechten Haltung führt, sondern die schlechte Haltung auch zu einer schlechten Stimmung.

Wenn das nicht Grund genug ist, das Smartphone zumindest unter dem Christbaum mal wegzulegen, haben wir noch eine andere Untersuchung anzuführen. Die grosse Mehrheit der Internet-Nutzer - und auch Smartphone-Besitzer selbst - fände es durchaus angenehmer, wenn mehr Leute ihr Smartphone dann und wann einfach einmal in der Tasche liessen: “Der Alltag wäre angenehmer, würden mehr Leute ihr Smartphone ab und zu ausschalten“, denken rund drei Viertel von 20‘000 befragten Internet-Usern. Ironischerweise denken auch aktive Smartphone-Nutzer so: Unter ihnen sind es mehr als 70 Prozent, die es begrüssen würden, wenn Smartphones im Alltag weniger präsent wären. Unter Nicht-Smartphone-Besitzern beträgt dieser Anteil 82 Prozent. (Die Zahlen entstammen der aktuellen W3B-Studie der Consulting-Firma Fittkau & Maass.) Mit anderen Worten: Weitaus die  meisten Mitmenschen finden uns ohne Smartphone sympathischer – und das sollte uns eigentlich nicht überraschen!

Samstag, 12. Dezember 2015

Handy-Empfang: Je neuer, desto schlechter

Hatten Sie auch schon das Gefühl, dass sie mit ihrem alten Klapphandy den besseren Empfang hatten, als mit Ihrem neusten Smartphone? Dieser Eindruck hat Sie nicht getäuscht. Tatsächlich darf man, wie eine neue britische Studie zeigt, bezüglich Handyempfang durchaus sagen, dass die Funkleistung der neuen Geräte massiv schlechter ist, als jene unserer alten Handys.

Vielleicht haben Sie auch noch
ein Klapphandy in der Schublade...
Die Untersuchung wurde von der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom in Auftrag gegeben und mit einer Auswahl von beliebten Smartphones und Handys, die aktuell noch im Handel sind, durchgeführt. Die Resultate sind klar und einigermassen ernüchternd: Sie zeigen, dass die billigen Handys Funksignale viel besser auffangen, als neue, viel teurere Smartphones. Gemäss einem Bericht der britischen Tageszeitung The Telegraph, muss das Funksignal für ein Smartphone bis zu zehnmal so stark sein, wie für ein Billighandy, damit überhaupt telefoniert oder getextet werden kann. Im Durschnitt benötigen die getesteten Smartphones ein siebenmal stärkeres Signal als ein billiges Handy. Das wirkt sich vor allem in dünner besiedelten und ländlichen Gebieten entscheidend auf den Empfang aus.
Einige der getesteten Smartphones zeigten klare Leistungsschwankungen, je nachdem ob mit der linken oder mit der rechten Hand telefoniert wurde. Das hat mit der Platzierung der Antenne zu tun. Gesamthaft gesehen sind aber die festgestellten Leistungsunterschiede vor allem auf die verwendeten Baumaterialien zurückzuführen
“Während Funksignale durch die Plastikgehäuse älterer Modelle mühelos durchdrangen, schwächen Metall und Glas bei Smartphones den Empfang. Das ernüchternde Fazit der Forscher: Smartphones performen im Hinblick auf den Signalempfang unter den internationalen Standards für mobile Kommunikation.“ 
Leider hat Ofcom die getesten Handys und Smartphones nicht beim Namen genannt. Die Begründung: Man habe nicht eine genügend grosse Anzahl von Gerätetypen getestet… 

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Das Telefon klingelt - und niemand geht ran

Telefonieren ist aus der Mode gekommen – und zwar bestimmt nicht deshalb, weil keine Telefone zur Hand sind. Vielmehr scheint in den letzten Jahren ein gesellschaftlicher Konsens überhandgenommen zu haben, der Telefonieren als eher unangenehm einstuft. Deshalb klingelt das Telefon immer öfter in den leeren Raum oder in die Hosentasche; es geht einfach niemand ran.

Das Telefon - ein Kommunikationsinstrument, das immer weniger benutzt wird.
                                                                                                                       Bild PfW
Dass immer weniger Menschen Anrufe beantworten, deren Nummern sie auf dem Display nicht erkennen, ist nicht weiter verwunderlich. Telefonverkäufer, die uns meistens am Feierabend und oft genau zur Essenzeit belästigen, stehen ganz oben auf der Liste der unerwünschten Anrufer. Dies ist aber nur ein Grund dafür, dass immer mehr Menschen Telefonanrufe nicht mehr oder nur ungern beantworten.
Seit es in Büros und Beamtenstuben Voicemail-Boxen gibt, fühlen sich viele Angestellte nicht mehr gezwungen, Ihr Telefon zu beantworten – und das gleiche gilt auch für das private Telefon oder Handy, auch wenn der Anrufer durchaus bekannt ist.  Der Grund dafür liegt auf der Hand: Telefonische Kommunikation erfordert schnelles Reagieren und Mitdenken. Ausserdem ist die synchrone Kommunikation oft unangenehm, weil sie uns während einer anderen Tätigkeit unterbricht. Wieviel einfacher ist es  doch, eine Nachricht abzuhören, die der Anrufer hinterlassen hat, und sich dann in aller Ruhe eine Antwort darauf zurecht zu legen. Zitat aus einem Artikel auf welt.de:
“… klingelnde Telefone werden wie potenzielle Atombomben beäugt und oft ignoriert, leise gestellt, danach mit einer Mail oder WhatsApp-Nachricht beantwortet. Diese Entwicklung lässt sich auch in Zahlen belegen, 2010 war mit in Summe 295 Milliarden Minuten abgehender Telefonate das Spitzenjahr der Sprachtelefonie. Seitdem sind die Telefonate im Festnetz und Mobilfunk um insgesamt 5 Prozent gesunken. […] Wer anruft, scheint irgendetwas zu wollen, was komplizierter ist, sich nicht gut aufschreiben lässt, Absprachen bedarf. Das Klingeln des Telefons kündigt also scheinbar unheilvoll etwas an, was nun Zeit kosten könnte. Und Energie. Da fällt es leichter, den Anrufer zu ignorieren, ihn damit indirekt doch wieder auf andere Kommunikationswege zu zwingen. Auch weil da Angst vor Überforderung ist: Mit ungefilterten Emotionen, die eine unmittelbare Reaktion verlangen, möchten viele Menschen nicht konfrontiert werden - weil man über seine Antwort nicht erst nachdenken kann, bevor man dann eine wohlformulierte Textnachricht abschickt.“
Tatsächlich erfordern Telefonanrufe auch mehr Aufmerksamkeit: Oft ist es sogar notwendig, während eines Gesprächs Notizen zu machen. Wer kennt nicht jene Kommunikationspartner, die da schon überfordert sind und am Ende des Gesprächs verlangen, dass man ihnen doch schnell die besprochenen Eckdaten per E-Mail zustellt.
Wir müssen uns wohl daran gewöhnen, dass immer mehr Menschen im Kommunikationsverhalten eine “Ideologie der individuellen Freiheit“ verfolgen, wie das der französische Autor  Jacques Attali schon vor Jahren genannt hat. Er führt die wachsende Scheu vor dem Telefonieren ganz einfach darauf zurück, dass sich viele Menschen nur noch für sich selber interessieren und daher in ihrem Narzissmus nicht gestört werden möchten, weder von einem Klingelton noch von irgendwelchen dringenden Problemen ihrer Mitmenschen.



Montag, 7. Dezember 2015

Ein "Amazon für Dreckwäsche"

Es gibt nicht viele Dienstleistungen, die man nicht über das Internet beziehen kann. In Deutschland ist jetzt auch noch ein landesweiter Wäscheservice dazugekommen, den drei grosse Unternehmen in Zusammenarbeit anbieten. Wäschemuffel freut’s, einige Umweltschützer weniger, weil die schmutzige Wäsche aus allen Regionen in einer einzigen zentralen Wäscherei gewaschen wird.

Statt Waschmaschine und Bügelbrett braucht's nur noch ein PC - Wäschemuffel
wird's freuen.                                                Screenshot via geschickt-gereinigt.de/
Die Dienstleistung funktioniert denkbar einfach: Nach der einmaligen Anmeldung über ein Onlineportal können Kunden ein Versandetikett anfordern, mit dem die zu reinigenden Textilien versandkostenfrei per DHL-Paket verschickt werden können. Das Paket kann entweder am Postschalter, einer Packstation, einem Paketshop  oder direkt beim Postboten abgegeben werden. Innerhalb von drei Tagen wird die professionell gereinigte und gebügelte Garderobe dann zurück an die persönliche Adresse geliefert. Bisher gebe es nur regionale Anbieter, schreibt die Welt über das neue Angebot. Diese hätten nun mit einem Mammut-Rivalen zu kämpfen, quasi einem “Amazon für Dreckwäsche“.
Es gibt allerdings Umweltschützer, die nicht glücklich über das Angebot sind - die Transportwege seien zu lang. Die Initianten verweisen allerdings darauf, dass man mit der neuen Dienstleistung äusserst nachhaltig vorgehe:
“Gereinigt werden die Textilien in einem neu errichteten Zentralbetrieb in Hannover, in dem modernste Technologien zum Einsatz kommen. Ziel ist es, bestmögliche Dienstleistungen so umweltverträglich wie möglich anzubieten. Der Energie- und Wasserverbrauch pro Kleidungsstück sei durch eine optimale Auslastung und die moderne Maschinentechnik im Zentralbetrieb geringer als bei jeder anderen Bearbeitungsart. Auch in punkto Verpackung bietet der “Persil Service online“ eine fortschrittliche Lösung: Statt der branchenüblichen Materialien wie Kunststoff und Drahtbügel werden Versandkartons aus rezyklierbaren Rohstoffen verwendet. Die Kartons sind wiederverwendbar und werden für beide Wege, also für Versand und Rückversand der Textilien, genutzt. Der neue Service erfolgt mit DHL GoGreen klimaneutral; Treibhausgasemissionen, die bei Transport und Bearbeitung der Sendungen entstehen, werden vollständig in Klimaschutzprojekten, die anerkannte Standards erfüllen, ausgeglichen…“
Henkel und Stichweh, als führende Anbieter im Bereich Textilpflege, arbeiten bereits seit Jahren erfolgreich zusammen: 2011 haben beide Unternehmen den “Persil Service“ ins Leben gerufen. Der Textilreinigungsservice für Unternehmen ermöglicht deren Mitarbeitern, ihre Garderobe an einer Service-Station im Büro abzugeben und gereinigt wieder abzuholen. Rund 11‘000 Kunden aus mehr als 170 Unternehmen in Deutschland nutzen den Service bereits – ein Erfolg, der gemäß Pressemitteilung zur Weiterentwicklung des Konzepts angeregt hat. Wie die Welt berichtet, erwarten die Initianten einen Umsatz von bis zu 30 Millionen Euro, die Gewinnschwelle soll schon im nächsten Jahr erreicht werden.

Auch in der Schweiz wird die schmutzige Wäsche von Online-Kunden gewaschen – allerdings nicht landesweit. Eines der Unternehmen, das seine Dienste regional offeriert, ist cosmobutler.com, das seine Dienste in Zürich, Zug und Bern anbietet. Der Service scheint auch hierzulande gefragt zu sein – Cosmobutler spricht von monatlichen Wachstumsraten von rund 15 Prozent. 

Freitag, 4. Dezember 2015

Die Roboter kommen: Ist Ihr Beruf besonders gefährdet?

Die Aussichten für den Arbeitsmarkt durch die fortschreitende Computerisierung sehen nicht grossartig aus: Fast die Hälfte aller Beschäftigten muss damit rechnen, dass ihre Jobs mittelfristig durch Maschinen erledigt werden. Nach einer Analyse des Unternehmensberaters A.T. Kearney  sind in den nächsten 20 Jahren 318 und damit ein Viertel aller Jobprofile einem hohen Automatisierungsrisiko für die nächsten zwei Dekaden ausgesetzt. Der mögliche Effekt für den Arbeitsmarkt ist drastisch, weil in diesen Bereichen fast die Hälfte der Arbeitnehmer tätig ist.

Die Studie ist auf den deutschen Arbeitsmarkt ausgereichtet, aber auch für die Schweiz von Interesse. 45 Prozent aller Beschäftigten könnten gemäss der Analyse in den nächsten 20 Jahren von einer Automatisierung betroffen sein. Allerdings, so stellen die Verfasser der Studie in einer Mitteilung fest, entfällt auch ein Beruf mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit nicht unbedingt vollständig.
Die Berechnungen von A.T. Kearney orientieren sich an Forschungsergebnissen der beiden Wissenschaftler Carl Benedikt Frey und Michael Osborne von der Oxford University, die 2013 anhand der zu erwartenden technologischen Entwicklung und heutiger beruflicher Tätigkeitsprofile die Wahrscheinlichkeit der Automatisierung von über 700 Berufen bestimmt haben. Berufe mit einer Automatisierungswahrscheinlichkeit von über 70 Prozent werden als gefährdet betrachtet.
Zu den zehn Berufen, die am meisten durch Automatisierung gefährdet sind (siehe nebenstehende Tabelle), gehören Büro- und Sekretariatstätigkeiten, Berufe in Verkauf und Gastronomie oder kaufmännischer und technischer Betriebswirtschaft. Auch Köche und Bankkaufleute sind bedroht.
Die Top zehn der nicht bedrohten Berufe betreffen vor allem Branchen, in denen Empathie oder emotionale Intelligenz gefordert sind -in der Pflege, Erziehung und Sozialarbeit oder auch bei Führungsaufgaben und in Forschung und Lehre. Nicht überraschend ist, dass auch viele MINT-Berufe  (in den Fachgebieten Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaft und Technik) als Roboter-resistent gelten.

Zum Vergrössern bitte anklicken.                                        Quelle A.T. Kearney
"Es macht keinen Sinn, rasant wandelnden Jobprofilen nachzutrauern", sagt Volker Lang, verantwortlich für die Studie "Wie werden wir morgen leben?" und Partner bei A.T. Kearney. "Bei der Einführung der Eisenbahn hieß es, jetzt seien Kutscher und Droschkenfahrer bedroht. Doch tatsächlich haben technologische Innovationen und Strukturwandel bisher auch neue Jobs und Wohlstand mit sich gebracht. So wird auch die fortschreitende Automatisierung neue Optionen eröffnen, die zu neuen Tätigkeitsfeldern mit Wachstumspotential führen werden."

Sonntag, 29. November 2015

Cash, Bitgold oder Bitcoin?

Bargeld ist zwar immer noch beliebt – vor allem in der Schweiz – aber inzwischen gibt es zahlreiche andere Bezahlmethoden, die langfristig sogar an der Vorherrschaft der staatlich sanktionierten Währungen rütteln könnten. Zum Beispiel Bitcoin und Bitgold, die immer mehr Anwender finden. Der digitale technologische Fortschritt, der virtuelle Währungen erst möglich macht, eröffnet auch die theoretische Möglichkeit, Bargeld ganz abzuschaffen.

Cash, der in der Tasche klingelt, bekommt immer mehr Konkurrenz.
                                                                                                      Bild PfW
Etatisten und Bürokraten sehen diese Entwicklung wahrscheinlich nicht ungern:  Geldströme lassen sich nämlich umso besser verfolgen, je weniger Bargeld darin fliesst. Das ist wohl ein Grund dafür, dass sowohl in Italien als auch in Frankreich Barzahlungen von über 1000 Euro illegal sind. Und der Trend wird wohl weiter in die gleiche Richtung gehen, wie in einer Kolumne der Handelszeitung erklärt wird:
“Im letzten Jahr hielt der bekannte amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff am ifo Institut in München einen Vortrag, in dem er auch die Abschaffung des Bargeldes vorschlug und die Vorteile einer bargeldlosen Wirtschaft anpries. Bargeld, so Rogoff, würde die Kriminalität begünstigen. Ohne Bargeld könne man Kriminalität wesentlich besser bekämpfen. Auch Negativzinsen könnten besser durchgesetzt werden. “Papiergeld ist das entscheidende Hindernis, die Zinsen weiter zu senken“, so der bekannte Krisenökonom. Vor kurzem hat Mark Carney, Gouverneur der Bank of England, als erster Notenbankpolitiker die Abschaffung des Bargeldes gefordert.“
Doch ganz so einfach wird es für die Politik nicht sein, die Geldströme in den Griff zu bekommen – schliesslich gibt es immer noch Bitcoin, jene virtuelle Währung die seit Jahren weltweit eingesetzt wird. Bitcoin ist vielen Vertretern staatlicher Wirtschaftsordnungen ein Dorn im Auge. Gemäss aktuellen Schätzungen sind heute rund 15 Millionen Einheiten der Währung im Umlauf,  was zirka 4,5 Milliarden Euro entspricht. Zitat aus einem Artikel auf zeit.de:
“Die Justiz- und Innenminister der EU-Mitgliedsstaaten haben die Europäische Kommission aufgefordert, Vorschläge zu machen, wie sich virtuelle Währungen stärker kontrollieren lassen. Auch die Gruppe der sieben größten westlichen Wirtschaftsnationen soll sich auf ähnliche Ziele verständigt haben, meldete der Spiegel. Die Regierungen nehmen vor allem Bitcoins ins Visier – weil sie überzeugt sind, dass Terrororganisationen damit Geld bei ihren Unterstützern einsammeln und an Kämpfer weitergeben können. […]  Es liegt in der Natur der digitalen Währung, dass sich kaum nachvollziehen lässt, wer mit wem handelt. Bitcoins werden von einem Netz aus Tausenden dezentralen Computern verwaltet, den Minern. Deswegen sind alle Bitcoin-Zahlungen öffentlich: Jede Transaktion wird in einer einsehbaren Datenbank im Netz dokumentiert – wie in einem dicken Buch, das permanent um neue Seiten ergänzt wird. In diesem Buch lässt sich zwar nachlesen, welcher Adressat wie viele Bitcoins erhalten hat und wie viele er aktuell besitzt. Doch das gesamte Buch ist in einer Geheimsprache geschrieben: Wer genau sich hinter einer Adresse verbirgt, ist unklar, solange er sich nicht selbst zu erkennen gibt.“
Es ist nicht verwunderlich, dass es Landeswährungen gibt, die man nur zu gerne gegen Bitcoins eintauschen würde. Für User, die ihrem herkömmlichen Geld nicht mehr trauen, gibt es allerdings seit kurzem eine bessere Alternative: Bitgold bietet die Möglichkeit, echtes Gold zum Sparen und Bezahlen einzusetzen. Aus einem Bericht der NZZ:
“Der im Mai 2015 gestartete Dienst erlaubt es, in Gold zu sparen und damit weltweit zu bezahlen. Seither haben sich über 400 000 Nutzer angemeldet, die für 15 Mio. $ Gold gekauft haben. Damit wächst die Nutzerzahl schneller als bei Facebook oder Uber in den Anfängen. Der Nutzer kann sein Bitgold-Konto per PC oder Smartphone-App verwalten. Gold kauft er mittels Überweisung oder Kreditkarte. Es wird weltweit in mehreren Tresoren der Sicherheitsfirma Brinks gelagert – auch in Zürich. Bitgold selbst hat keinen Zugriff darauf, sondern zeichnet in einem zentralen digitalen Register auf, welches Gramm im Tresor wem gehört. Geht die Firma bankrott, gehört das Gold dem Nutzer.“

Was für eine Idee: Geld mit Gold abzusichern - aber hat es das im vordigitalen Zeitalter nicht schon einmal gegeben? 

Freitag, 27. November 2015

Verwirrung im Web: Wenn aus Werbung Information wird

Ganz so gut kennen sich die sogennannten Digital Natives also im Internet doch nicht aus. Eine neue Britische Studie zeigt nämlich, dass ganze 69 Prozent aller Jugendlichen nicht in der Lage sind, Google Werbung von echten Suchergebnissen zu unterscheiden. Dies fand die Ofcom, die britische Medienaufsichtsbehörde “Office of Communications“ kürzlich heraus. 

Quizfrage: Welches sind die Suchergebnisse, wo ist die Werbung?
                                                                                           Screenshot via google.ch
Für die Studie der Ofcom wurden 12- bis 15-Jährige Teenager befragt. Rund zwei Drittel dieser Digital Natives, die im Durchschnitt rund drei Stunden täglich im Internet verbringen, sind laut Studienergebnissen nicht in der Lage, Google Werbung, also bezahlte Suchergebnisse, von echten Suchergebnissen zu unterscheiden. Das Problem besteht, obwohl Google Werbung in der Liste der Suchergebnisse eindeutig mit “Anzeige“ gekennzeichnet wird. 
Die Werber wird es freuen.
Immerhin glauben die befragten Jugendlichen nicht alles, was ihnen Google serviert: Nur 19 Prozent von ihnen vertrauen den  Suchergebnissen.

Ziemlich erstaunlich ist allerdings, dass die jungen Google-Nutzer keine Ahnung haben, wie sich der Internetgigant Google finanziert: Nur 46 Prozent der Befragten wussten, dass der Grossteil von Googles Umsätzen aus Werbeeinnahmen stammt. Der Rest der Befragten hatte keine Ahnung, wie Google die Betriebskosten deckt. Auch bei YouTube war sich nur die Hälfte der Teenager bewusst, dass Google-Werbung als Finanzmittel dient. Dafür gaben immerhin zehn Prozent der befragten Jugendlichen an, dass sie sich auf YouTube ihre Informationen besorgen und glauben, dass diese wahr und akkurat sind…

Montag, 23. November 2015

Die Wurzel allen Übels - das Internet!

Das Internet ist jene Erfindung, die unsere Welt in den letzten 25 Jahren am stärksten verändert hat. Die Kommunikation per PC, Smartphone oder Tablet, wie sie in ihrer heutigen Form existiert, gäbe es ohne Internet nicht. Milliarden von Menschen haben dank dieser gewaltigen Infrastruktur Zugriff auf fast unendliche Informations-Ressourcen - Google weiss auf jede Frage, die gestellt wird, eine Antwort. Und trotzdem hat das Internet mit all seinen Begleiterscheinungen bei vielen Menschen einen schlechten Ruf. Inzwischen ist ein ganzes Genre von Literatur entstanden, das sich mit den negativen Auswirkungen des Internets auf unsere Kultur, unser Wissen und unser Sozialgefüge befasst. Diese Behauptungen bleiben allerdings nicht ohne Widerspruch.

Google hat auf jede Frage eine Antwort. Ob sie stimmt, müssen Sie selber
beurteilen.                                                                               Screenshot google.ch
Eigentlich ist es typisch für die Menschheit: Da steht uns seit kurzem das mächtigste und umfassendste Kommunikationsinstrument zur Verfügung, das je existiert hat, und was tun wir damit? Wir chatten, schauen Pornos und teilen Katzenvideos. Kein Wunder dass das Internet voll von Artikeln über den Verblödungsfaktor des Internets ist.
“Das Internet ist unser ständiger Begleiter – es lenkt uns so ab, dass wir das Leben nicht mehr geniessen können“, sagt zum Beispiel Anita Eggler Sie ist überzeugt davon: Das Internet schadet.
Macht Google dumm? Das fragt die TAZ und zitiert den Autoren Nicholas Carr. Der ist überzeugt davon, dass das Internet eine große Zerstreuungsmaschine ist, und dass uns die ganzen Hyperlinks eher hyperhektisch machen als ein bisschen klüger.
Manfred Spitzer, ein weiterer Autor, der immerhin auch Hirnforscher (Neuropsychiater) ist, geht noch weiter. Seine These lautet: Computer schaden der menschlichen Entwicklung. Spitzer spricht gar von "digitaler Demenz".
Das Internet macht aber nicht nur dumm, es verdirbt uns auch die Reiselust – weil es uns eine allzu perfekte Planung der Reise ermöglicht – sagt zumindest Melanie Mühl in der FAZ.
Und schliesslich schadet das Internet auch unserer Rechtschreibung und macht uns gar krank.
All diese kulturpessimistischen Artikel über das Internet stellen nur die Spitze des Eisbergs dar – und trotzdem ist das Internet jenes Medium, das unser Zeitalter definiert. Die Warnungen stossen also auf taube Ohren – das Internet ist einfach zu gut, um es aufzugeben. Deshalb möchten wir an dieser Stelle auf einen Artikel von Peter Praschl hinweisen, der kürzlich auf Welt-Online erschienen ist und sich den Kritikern angenommen hat. Die Schlussfolgerung ist einigermassen tröstlich und gibt uns einen Grund, weiterhin an das Gute im Menschen und im Internet zu glauben. Zitat:
“Das Seltsame an den Sorgen-Studien: Man merkt es der Welt nicht an, wie sehr sie aus dem Tritt geraten ist. Weder ist durch das Internet, das es nun auch schon ein paar Jahrzehnte lang gibt, massenhafter Analphabetismus ausgebrochen, noch sind die Spielplätze leer, noch haben Teenager aufgehört, sich romantisch ineinander zu verlieben.
An den Universitäten gibt es zwar viel Mittelmaß, aber auch exzellente Jungwissenschaftler, es werden immer noch tolle Romane geschrieben, Lehrer, Journalisten und Forscher machen ihren Job, und viele von ihnen machen ihn gut; und dass Sechs-, Zehn- oder Sechzehnjährige 2015 im Schnitt dümmer, gestörter oder kränker sind als vor einem Vierteljahrhundert, lässt sich zwar behaupten, aber nicht überzeugend belegen.
So läuft das allermeiste von dem, was in den Apokalypse-Texten über das Internet steht, auf eine Binse hinaus: Menschen, die 24/7 vor Facebook sitzen, ständig an ihrem Handy herumfummeln oder sich jede Nacht bei Ballerspielen verausgaben, brauchen dringend Abwechslung und vielleicht auch Hilfe. Doch dasselbe ließe sich auch über Menschen sagen, die rund um die Uhr das Internet verdammen müssen. So wie sie sich anhören, könnte man auf die Idee verfallen, ihnen fixe Ideen, missionarischen Drang und Überängstlichkeit zu attestieren. Geisteszustände also, die nicht wirklich gesund sein können.“

Freitag, 20. November 2015

Online-Bewertungen sind wichtig - das wissen auch die Fälscher

Kundenempfehlungen spielen im Online-Shopping eine wichtige Rolle; sie spiegeln Zufriedenheit und Vertrauen wider, gerade weil sie persönlich sind.  Dass solche Bewertungen ein enormes Potential haben, und sich immer mehr Online-Shopper darauf verlassen, zeigen auch aktuelle Umfragen. Allerdings stellt sich diesbezüglich für Kunden und Kundinnen immer die gleiche Frage: Welche der Empfehlungen sind denn nun echt, welche sind ganz einfach erfunden?  

Kundenbewertungen sind nützlich - aber sind sie auch glaubwürdig?
                                                                                         Screenshot via amazon.de
In einer Umfrage der Agentur ServiceRating, für die mehr als 2000 Menschen in Deutschland befragt wurden, gibt gut die Hälfte der Befragten an, in den letzten 12 Monaten selber eine Empfehlung ausgesprochen zu haben. Noch wichtiger: 38 Prozent haben aufgrund einer Empfehlung auch tatsächlich einen Einkauf getätigt. Das wundert eigentlich nicht: Direkte Empfehlungen erreichen potentielle Kunden unmittelbar in einer Bedarfssituation und sind deshalb oft kaufauslösend. Gemäss der oben zitierten Umfrage, gilt dies vor allem im Elektronikbereich. In anderen Branchen geht es eher um emotionale Aspekte: Tourismus und Versicherungen zum Beispiel, also die Wahl des nächsten Ferienortes oder der neuen Lebensversicherung, sind sehr persönliche Entscheidungen – da zählt dann vor allem das Vertrauen in die vorhandenen Empfehlungen.  Interessanterweise geben 50 Prozent der Befragten an, aufgrund einer Weiterempfehlung durch einen Bekannten, sogar einen höheren Preis in Kauf zu nehmen.
Der wichtigste Faktor, wenn es um Empfehlungen und Bewertungen geht, spielt also das Vertrauen. Gerade da hapert es oft gewaltig – und zwar aus gutem Grund. Viele Experten gehen davon aus, dass ein grosser Teil aller Bewertungen im Internet gefälscht sind.
Was tun? Weihnachten steht vor der Tür und damit die wichtigste Online-Einkauszeit. Wenn Sie sich auch bald in den virtuellen Einkaufsrummel stürzen und dabei auch die Bewerbungen anderer Shopper nicht links liegen lassen wollen, gibt es einige gute Tipps, wie gefälschte Empfehlungen zu erkennen sind. Stern-Online hat einige davon aufgelistet, hier sind vier davon:
Unbekannter Rezensent
Wer hat die Bewertung verfasst? Wer ein Pseudonym angibt, aber nur eine Bewertung abgibt, ist irgendwie verdächtig. Sie heissen dann beispielsweise "Manni2000" oder "Technik-Fan". Unter diesen Pseudonymen sind oft aber keine anderen Profile im Internet zu finden. Teilweise stammen die Bewertungen sogar auffallend oft aus dem Ausland.
Hersteller-Fan
Verfasst ein Rezensent auffallend viele Beurteilungen von Produkten ein und desselben Herstellers oder Anbieters oder in kurzer Zeit, sollte man ebenfalls stutzig werden. Insbesondere, wenn die Bewertung allzu euphorisch sind.
Nur Extrem-Bewertungen
Gibt es für ein Produkt nur extrem gute und extrem schlechte Bewertungen, haben sich hier scheinbar Anbieter und Konkurrenz eine Bewertungsschlacht erlaubt.
Werbetexte
Finden sich in den Beschreibungen Floskeln, die auch aus einem Herstellertext zu einem Produkt gehören könnten, etwa "brillantes Bild" oder "kratzerresistente Oberfläche", scheint sich ein beauftragter Rezensent besonders viel Mühe gegeben zu haben. Ein paar Rechtschreibfehler eingebaut – so wollen sie sich glaubwürdig machen. Auch werden oft zum Schein Nebensachen kritisiert, etwa dass der Versand etwas länger gedauert hat.

Dienstag, 17. November 2015

Das Schweizer Internet gehört zu den Schnellsten

Die Schweiz ist weltweit und europäisch Spitze, wenn es um den Breitbandausbau der nationalen Datenleitungen geht. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass 99 Prozent aller Schweizer Haushalte über einen Internetanschluss mit einer Bandbreite von mindestens 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) verfügen. Auch in ländlichen Gebieten beträgt dieser Wert runde 90 Prozent und ist damit fast viermal so hoch ist wie in der EU, wo die Zahl nur bei 25 Prozent liegt.

16 von 26 Schweizer Kantonen sind praktisch komplett mit Breitbandnetzen
abgedeckt. In allen verbleibenden Regionen übersteigt die Abdeckung 95 Prozent.
Die schlechteste Abdeckung besteht im Kanton Graubünden mit 95,5 Prozent.
Quelle: Studie - Broadband Coverage in Europe, IHS Technology
Diese Ergebnisse sind gemäss Telekommunikationsverband Suissedigital massgeblich auf den Breitbandausbau der Glasfaserkabelnetze zurückzuführen. Gerade in ländlichen Gebieten sei es die Glasfasertechnologie, die schnelles Internet ermögliche - meist mit Bandbreiten, die weit über 30 Megabit pro Sekunde lägen. Die bei Suissedigital zusammengeschlossenen Glasfaserkabelnetze bieten in ihren Versorgungsgebieten praktisch überall Bandbreiten mit mindestens 100 Mbit/s an. Gerade für die sogenannte Randregionen ist diese Versorgung natürlich von grosser Bedeutung und leistet einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vernetzung der Schweiz.
Hochgerechnete Statistiken prognostizieren übrigens eine durchschnittliche Verbindungsgeschwindigkeit der Festnetzanschlüsse weltweit von rund 42,5 Mbit/s für das Jahr 2018. Momentan ist die Schweiz weltweit auf dem fünften oder 7.Rang der Highspeed-Internet-Statistik zu finden – je nach Statistik.
Die in der Einleitung genannte Studie kann hier heruntergeladen werden.

Freitag, 13. November 2015

Flightradar24: Eine abgehobene Erfolgsgeschichte

Eine von zwei Schwedischen Internet-Unternehmern gestartete Website, die es jedem User möglich macht, zuhause am PC oder auf Smartphone und Tablet sozusagen die gesamte internationale Zivilluftfahrt in Echtzeit zu verfolgen, wird nicht nur immer populärer, sondern spielt auch bei der  Aufklärung des Airbus-Absturzes in Ägypten eine wichtige Rolle. Flightradar24 hat die Flugdaten während des Absturzes exakt aufgezeichnet.

Der Luftraum über Europa etwa um 21 Uhr. Jedes gelbe Symbol stellt ein
Flugzeug dar.                                                          Screenshot Flightradar24.com 
224 Menschen kamen ums Leben, als der Russische Metrojet Flug 9268 vom Steigflug ganz plötzlich in einen extremen Sinkflug überging. Diese Daten wurden von Flightradar24 aufgezeichnet und spielen eine wichtige Rolle in den Untersuchungen zum Absturz.
Für die Betreiber von Flightradar24 ist das nichts Ungewöhnliches; ausserordentliche Verhältnisse im Luftraum, wie sie zum Beispiel im Jahr 2010 durch einen Vulkanausbruch auf Island ausgelöst wurden, führen jeweils zu einer Vervielfachung der Besucherzahl auf der Website. Gemäss den Betreibern besuchen täglich rund eine Million User den Radar – wenn aber im Luftverkehr etwas passiere, seien es zehn- bis zwanzigmal mehr. Dass die Website im Zeitalter der Flugreisen so erfolgreich ist, verwundert nicht.  flightradar24.com bietet eine Echtzeit-Übersicht der meisten kommerziellen Flüge, die sich aktuell in der Luft befinden. Durch klicken auf eines dieser vielen Flugzeuge erscheint auf dem Bildschirm die dazugehörige Fluginformation: Fluglinie, Flugzeugtyp, Startflughafen, Destination etc. Wer auf seinem PC Google-Earth installiert hat, kann auch noch virtuell im Cockpit mitfliegen, und die Sicht vom Co-Pilotensessel geniessen. Das ist vor allem dann interessant, wenn man den Flug eines Freundes oder Bekannten mitverfolgen will.  Die Sicht aus dem Cockpit funktioniert vom Start bis zur Landung – sobald das Flugzeug den Boden berührt, wird die "Übertragung" abgeschlossen. Selbstverständlich funktioniert der Radar nicht nur am PC, sondern auch am Smartphone und auf dem Tablet.
Doch wie funktioniert Flightradar24? Zitat aus Wikipedia:
“Durch sogenanntes Radarspotting werden die von ADS-B-Transpondern ausgestrahlten Transponder-Daten von am Boden befindlichen ADS-B-Empfängern aufgefangen und via Internet in das Netzwerk von Flightradar24 übertragen. Die meisten modernen Verkehrsflugzeuge der zivilen Luftfahrt – teils auch der militärischen Luftfahrt[3] – sind heute mit solchen Transpondern ausgestattet. Die dabei übermittelten Positionsdaten der jeweiligen Flugzeuge werden mit weiteren Informationen zu Flugzeugtyp und Strecke korreliert und auf einer Karte abgebildet. […] Die ADS-B-Empfänger werden teils von dem Unternehmen selbst gestellt; zusätzlich übermitteln Spotter die Daten ihrer privat betriebenen ADS-B-Empfänger an den Webdienst. Gemäss Eigenangabe waren Ende 2014 über 4000 ADS-B-Empfänger in Betrieb, die ihre Daten an Flightradar24 liefern. Diese Empfänger decken nach Angaben der Betreiber rund 90 % des europäischen Luftraums und einige Bereiche in Nordamerika, Australien sowie im Nahen Osten ab.“

Wer sich näher mit dem Internet-Flugradar befassen möchte, findet hier eine ausführliche Betriebsanleitung in Deutsch. 

Dienstag, 10. November 2015

Wollen Sie wirklich, dass Ihre E-Mails gelesen werden?

Im Zeitalter von WhatsApp und Snapchat hat E-Mail einen schweren Stand – könnte man meinen. Doch E-Mail ist immer noch eine Kommunikationsform, die, vor allem im Geschäftsleben, klar bevorzugt wird. Wenn Sie also wollen, dass Ihre E-Mails gelesen werden, sollten Sie sich von den Erkenntnissen der Marketing-Profis eine Scheibe abschneiden und zumindest die Betreffzeile so formulieren, dass Ihre elektronische Post geöffnet und gelesen wird.

Je kürzer die Betreffzeile, desto eher wird Ihre E-Mail gelesen. Screengrab PfW
Sie haben es bestimmt auch schon gehört oder gelesen: Die E-Mail stirbt einen langsamen Tod, erwürgt von den neuen Kommunikations-Apps wie Snapchat und WhatsApp. Doch die Nachrichten vom Tod der digitalen Post sind nicht nur übertrieben sondern auch verfrüht. Die Zahlen sprechen nämlich eine andere Sprache. Im letzten Jahr wurden jede Stunde weltweit immerhin mehr als 122 Milliarden E-Mails verschickt. Weltweit gibt es mehr als 4 Milliarden E-Mail-Accounts, und es wird geschätzt, dass mehr als 2,5 Milliarden User  E-Mail regemlässig nutzen.
Wir wissen aber auch, aus eigener Erfahrung, dass eine grosse Zahl von E-Mails, die durchaus etwas Interessantes zu sagen hätte, nie geöffnet, geschweige denn gelesen wird. Dem kann zumindest teilweise, abgeholfen werden. Eine wichtige Rolle spielt hier die Betreffzeile. Marketing Fachleute gehen davon aus, dass ein Drittel aller E-Mail- Empfänger sich allein aufgrund dieser Überschrift entscheidet, ob sie eine Mail offnen. Die Marketing Spezialisten von HubSpot, einer digitalen Plattform für Marketing und Vertrieb, haben deshalb ein paar interessante Fakten zu diesem Thema zusammengetragen.
Sie wissen zum Beispiel, dass
- 40 Prozent aller E-Mails zuerst auf einem mobilen Gerat geöffnet werden – und da passt im Durchschnitt nur eine Betreffzeile mit vier bis sieben Wörtern auf das Display;
- E-Mails mit Betreffzeilen mit direkter Ansprache (Sie, Du) 5 Prozent weniger Chancen haben, geöffnet zu werden;
- E-Mails mit Betreffzeilen die das Wort gratis oder kostenfrei (free) enthalten, 10 Prozent mehr Chancen haben, geöffnet zu werden;
- E-Mails mit Betreffzeilen die das Wort schnell (quick) enthalten 17 Prozent weniger geöffnet werden;
- E-Mails mit Betreffzeilen die das Wort morgen enthalten, 10 Prozent mehr Chancen haben, geöffnet zu werden;
- E-Mails ohne jegliche Betreffzeile haben 8 Prozent mehr Chancen, überhaupt geöffnet zu werden;
- E-Mails mit dem Wort Newsletter in der Betreffzeile 18,7 Prozent weniger Chancen haben, geöffnet zu werden;
- E-Mails mit Betreffzeilen, die länger als 3 Wörter sind, 15 Prozent weniger geöffnet werden, als solche die nur ein Wort oder zwei Wörter lang sind.

Die Zusammenstellung aller Daten zu diesem Thema finden Sie hier - in Englisch.

Dienstag, 3. November 2015

Schmuck statt Plastik

Mastercard will eine praktische Bezahl-Idee umsetzen: Kunden sollen an der Kasse mittels einem selber ausgewählten Gegenstand bezahlen können – zum Beispiel  mit ihrem Autoschlüssel, Fingerring oder Armband. Die ersten Objekte, mit denen auf diese Art bezahlt werden kann, sollen schon im nächsten Jahr auf den Markt kommen; so will zum Beispiel GM seine Autoschlüssel mit einer Bezahlfunktion ausstatten.

Ab 2016 sollen Objekte wie ein Autoschlüssel als Mastercard-Zahlmittel ein-
gesetzt werden können.                                                                 Bild Mastercard 
Auch andere Partner haben Mastercard bereits eine Zusammenarbeit zugesichert. Modedesigner Adam Selman will Kleider und andere sogenannte Payment Wearables produzieren – also tragbare Objekte, die eine Bezahlfunktion haben. Auch Nymi, Hersteller eines smarten Armbandes, das vor allem zu identifikationszwecken verwendet werden kann, macht mit und natürlich auch der Schmuckhersteller Ringly, der, man ahnt es, einen Fingerring zum Bezahlen beisteuern will.
Mastercard nimmt mit dieser Initiative am Wettbewerb um jene Kundschaft teil, die bereit ist, neue smarte Zahlmethoden auszuprobieren. Apple Pay und Android Pay von Google sind Konkurrenten, deren Modelle auf dem Bezahlen mit dem Smartphone basieren.

Die Mastercard-Idee ist an sich gut und muss unserer Ansicht nach nicht als Ersatz, sondern eher als Ergänzung eines Smartphone-Bezahlsystems gesehen werden. Ein Objekt, das immer zur Hand ist, weil man es bei sich oder an sich trägt – wie zum Beispiel ein Fingerring oder ein Autoschlüssel – und das für das bargeld- und drahtlose Bezahlen von kleineren Beträgen eingesetzt werden kann, würde den Geldbeutel und die Plastikkarte in vielen Fällen überflüssig machen. Die Frage ist, ob sich potentielle User derartiger Bezahlobjekte auf deren Sicherheit verlassen werden. Denn wie man weiss, gibt es vor allem in Europa immer noch einen grossen Prozentsatz von Konsumenten, denen nicht nur digitale Bezahlsysteme suspekt erscheinen, sondern denen sogar die althergebrachte Kreditkarte zu unsicher ist – weshalb das Bezahlen per Cash oder Rechnung bei vielen Shoppern auch im digitalen Zeitalter immer noch die bevorzugte Zahlart ist. 

Freitag, 30. Oktober 2015

Der Digital Society Report wird Content-Partner von hwzdigital.ch

Wir freuen uns sehr, ab sofort als Content-Partner für hwzdigital.ch regelmässig Gastbeiträge zur Verfügung zu stellen. hwzdigital wird vom  Center for Digital Business der Hochschule für Wirtschaft Zürich publiziert und bearbeitet vorwiegend betriebswirtschaftliche Themenbereiche, die wir mit unseren Digital-Society-Themen ergänzen werden. Auf gute Zusammenarbeit – und viel Vergnügen beim Lesen! 

Back to the Future - in die Vergangenheit

Back to theFuture, die Film-Trilogie aus den 80er-Jahren mit Michael J. Fox und Christopher Lloyd, hat sich nicht nur zu einem Kultfilm für Science-Fiction-Enthusiasten entwickelt, sondern scheint mit zunehmendem Alter ein immer breiteres Publikum anzusprechen.  Obwohl die Filmemacher in den 80er-Jahren eine ganz andere Zukunft voraussagten, als jene, in der wir jetzt leben.

Die Zukunft, wie sie Marty McFly und Doc Brown erlebt haben, ist am 21. Oktober Vergangenheit geworden. Fliegende Autos, die mit Abfall als Treibstoff betrieben werden? Schuhe, die sich selber schnüren? Hover-Boards statt Skateboards? E zeigt sich, dass auch kreative Filmemacher die grösste Mühe haben, die Zukunft vorherzusagen. Zwar hat der zweite Film der Back-to-the-Future-Trilogie einige Entwicklungen des Jahres 2015 korrekt vorhergesagt.  Zum Beispiel den Einsatz biometrischer Sicherheitstechnologien oder von Drohnen (auch wenn diese noch nicht den Hund ausführen, wie im Film). Auch der Einsatz von Virtual-Reality-Brillen zeigt der Film. Und natürlich Fax-Geräte (!)  - die wir aber schon in den 80er-Jahren hatten und die heute in der privaten Kommunikation eher nicht mehr verwendet werden. Aber Marty McFlys Boss musste faxen – E-Mail gab es in dieser Zukunft nicht.
Die grösste Lücke in der von den Filmemachern vorhergesagten Zukunft bildet tatsächlich das dort fehlende Internet mit all seiner Folgetechnologie. Der zweite Teil der Film-Trilogie Back to the Future wurde im gleichen Jahr veröffentlicht, in dem  Tim Berners-Lee, der als Erfinder des Internets gilt, ein 20-seitiges Konzept zur Funktionsweise des Internets vorlegte. Das war 1989, das Jahr das heute als Erfindungsjahr des Internets gilt. Heute können wir uns ein Leben ohne Hover-Boards sehr wohl vorstellen, ohne Internet würde es schwierig.  
Aber auch das Internet wird von vielen Usern gerne als eine Art Zeitmaschine benutzt- genau wie der stählerne DeLorean im Film. Man sucht alte Freunde, Schulkameraden, geht virtuell zurück an Orte, die man früher einmal besucht hat, oder man sucht ganz einfach die alte Version einer Website.
Wie Peter Glaser schon vor einer Weile auf futurezone.at festhielt:
Für viele sind bereits die zahllosen alten Amateuraufnahmen aus dem Alltag vergangener Jahrzehnte, die sich auf den großen Videoportalen sammeln, filmische Zeitmaschinen. Bei Google werden seit acht Jahren historische Aufnahmen aus verschiedenen Quellen zusammengetragen und in Google Earth integriert. Dort kann man sich nun per Schieberegler in die Vergangenheit bewegen, um zu sehen, wie es früher an einem Ort ausgesehen hat – seien es schrumpfende Eisflächen in der Antarktis oder die Bauarbeiten am Olympiastadion in Peking. Bei MSN gibt es zur Schlacht um England im 2. Weltkrieg einen "Interactive Guide”, in dem man sich, ebenfalls über Schieberegler, durch diverse Zeitverläufe bewegen kann.[…] Dass der scheinbar gewaltige neue Erinnerungsraum auch ziemlich trostlos erscheinen kann, weiß jeder, der in den visuellem Straßenfluchten von Google Street View einen bestimmten Ort schon mehrmals besucht hat. Schlimmer noch als in dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier", in dem jemand in immer dem selben Tag gefangen bleibt, sieht man sich in Street View in immer dem selben Moment gefangen, in dem die Aufnahme der Umgebung gemacht wurde. Nur alle paar Monate gibt es eine Aktualisierung, tickt die Uhr eine Sekunde weiter.“

Zukunftstechnologie als Tor zur Vergangenheit? Für viele User scheint dies ein wichtiger Aspekt des digitalen Zeitalters zu sein. Kein Wunder, sieht doch die Vergangenheit oft besser aus als die Gegenwart - vor allem wenn man versucht, sie aus der Zukunft zu betrachten.

Dienstag, 27. Oktober 2015

Medienqualität: Macht die Digitalisierung dumm?

Noch nie in der Geschichte der Menschheit war der Zugriff auf Informationen so einfach wie heute. Die Digitalisierung ermöglicht den Abruf von Wissen in Sekundenschnelle, dem Umfang  sind kaum Grenzen gesetzt. Trotzdem ist der Wissensstand breiter Bevölkerungsschichten ernüchternd. Wir schwimmen in der Informationsflut und fischen am liebsten nur heraus, was uns passt. In der Schweiz zum Beispiel, nutzen junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 29 Jahren immer weniger Informationsmedien, die echte News servieren. 

Der Informationsjournalismus hat ein Nachwuchsproblem – und zwar nicht bei den Journalisten, sondern beim Zielpublikum. Zu diesem Befund kommt das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft an der Universität Zürich in seiner sechsten Ausgabe des Jahrbuchs Qualität der Medien. So nahm zwischen 2009 und 2015 der Anteil jener jungen Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 29 Jahren deutlich ab, die sich regelmässig über professionelle Informationsangebote von Presse, Radio oder Fernsehen informieren. Im Jahr 2015 geben beispielsweise bereits 56 Prozent der befragten jungen Erwachsenen an, nie eine Abonnementszeitung zu nutzen. 2009 lag der Wert noch bei 35 Prozent. Bemerkenswert ist, dass dieser Nutzungsrückgang traditioneller Informationsangebote nicht durch die Nutzung professioneller Online-Newsangebote kompensiert wird. Stattdessen informieren sich Junge zunehmend nur noch über alternative Kanäle, allen voran über Social Media, oder sie gehen als Informationsnutzer ganz verloren, weil sie primär Unterhaltungsangebote konsumieren. Wer Facebook und Twitter kennt, weiss, dass Social Media vor allem News servieren, die von minderer Qualität sind. Oft handelt es sich dabei um unterhaltende, emotionsgeladene oder ereignisgebundene, also wenig einordnende Kurzmeldungen. Die Autoren des Medien-Jahrbuchs halten fest, dass die Digitalisierung die Informationsmedien auch finanziell schwäche:
Die Qualität der Schweizer Medien variiert stark: Das neue Schlusslich bildet
Blick am Abend.                                 Quelle: fög - Jahrbuch Qualität der Medien
“Die Digitalisierung und die Globalisierung wirken sich in mehreren Facetten auf die Schweizer Medien aus und tragen zur Strukturschwäche des Informationsjournalismus bei. Die Zahlungsbereitschaft für Online-News ist weiterhin gering, die Online-Werbeeinahmen bleiben weit hinter den Erwartungen zurück und die Aversion der Nutzer gegenüber Werbung auf Onlineplattformen ist ausgeprägt. In wachsendem Ausmass entwickeln sich die Werbemärkte zudem zu einer Domäne der globalen Tech-Giganten Google und Facebook, die neuerdings auch ins publizistische Geschäft vorstossen, um den digitalen Fingerabdruck ihrer Nutzer zu vervollständigen und so für die Werbewirtschaft noch attraktiver zu werden. Folglich vergrössern sich die Finanzierungsschwierigkeiten des Informationsjournalismus weiter.“
 Die Strukturschwäche im Informationsjournalismus wirke sich messbar negativ auf die Medieninhalte aus, sagen die Forscher. Bei den meisten der untersuchten Medientitel zeige sich seit 2010 eine insgesamt sinkende Qualität. Unter dem finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcenmangel im Informationsjournalismus leide die Einordnungsleistung am stärksten. Dadurch würden die Bürgerinnen und Bürger bei der Interpretation komplexer politischer, sozialer und ökonomischer Zusammenhänge immer häufiger allein gelassen. 
Selbstverständlich gibt es zahlreiche Kritiker, die sich der Meinung der Medienforscher nicht anschliessen. Darunter sind, wen wundert’s, vor allem Journalisten. So auch der Blogger und Journalist Reda El Arbi, der den Jahrbuchautoren vorwirft, den Medienkosumenten vorzuschreiben, was sie zu konsumieren hätten.  Es sei einfach, den Leser dafür zu beschimpfen, dass er die Geschichten, die man schreibe, nicht lesen wolle:
“Die Imhof-Jünger haben sogar ein Mittel gegen diese Infamität des Lesers: Sie nennen es «Medienkompetenz» und wollen den Kids beibringen, was «guter» Journalismus ist. Kurz: Sie wollen junge Menschen bereits in den Schulen dazu prägen, gefälligst das Produkt zu kaufen, das man für sie vorgesehen hat. Das ist paternalistisch und arrogant…“
 Vielleicht ist es das tatsächlich. Die Liste der meistbesuchten Websites der Schweiz zeigt allerdings deutlich, worauf die Medienkritiker herauswollen. Dass 20 Minuten und Blick an der Spitze der Medienwebsites stehen (abgeschlagen hinter Facebook, Google und Youtube) hat wohl mehr mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner im Journalismus zu tun, als mit Arroganz und Paternalismus.

Sonntag, 25. Oktober 2015

Social Media: Totgesagte leben länger!

Sie haben es sicher auch schon gelesen: Mit Twitter läuft’s nicht so recht, sogar Stellen werden gestrichen. Facebook ist auch nicht mehr, was es einmal war; Jugendliche finden die Plattform nicht mehr spannend, seitdem sich auch ihre Eltern dort tummeln. Obwohl diese Trends nicht falsch sind, sieht die Social-Media-Wirklichkeit aber immer noch extrem positiv aus. Digitale Kommunikationsplattformen sind quicklebendig, und fressen jedes Jahr mehr User-Zeit.

Wir verbringen immer mehr Zeit mit Social Media.   Quelle GlobalWebIndex
Wer negative Schlagzeilen über Social Media sucht, findet diese auch: “Überalterung: Junge flüchten aus Facebook“ ist eine solche Story, die immer wieder mal in den Medien auftaucht und sicher nicht nur einen wahren Kern, sondern auch eine positive Seite hat. Denn, wie zum Beispiel  auf diepresse.com erklärt wird:
Während die Jungen aus Facebook fliehen, ist die Zahl der über 55-Jährigen in den vergangenen drei Jahren um über 80 Prozent angestiegen. Mittlerweile tummeln sich drei Mal so viele ältere Semester als Teenager im Netzwerk. In Grossbritannien ist Facebook […] bei den Jüngeren bereits komplett abgemeldet. Spätestens wenn die erste Freundschaftsanfrage der Mutter kommt, ist es für viele Teens an der Zeit, das Kapitel Facebook wieder zu schliessen…“
Auch Twitter hat nach dem Hype des Börsengangs mit negativer Berichterstattung (hier auf welt.de) zu kämpfen:
Der Kurznachrichtendienst Twitter steckt in der Krise: Das enttäuschende Wachstum an Nutzern drückt den Aktienkurs. Jetzt steuert der neue Chef Jack Dorsey gegen. […]Twitter-Mitgründer Jack Dorsey setzt nach wenigen Tagen als ständiger Konzernchef einen massiven Stellenabbau in Gang. Wegfallen sollen rund acht Prozent der Belegschaft, das wären maximal 336 Jobs…“
Doch diese negativen Schlagzeilen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Phänomen der Social Media immer noch quicklebendig ist und weiter zulegt. Das zeigen auch die neusten Zahlen von GlobalWebIndex. Die Erhebung unter 170‘000 Nutzern hat herausgefunden, dass durchschnittliche User fast ein Drittel ihrer gesamten Internetzeit auf Social Media verbringen. Das sind jeden Tag fast 1,8 Stunden. Vor allem junge Nutzer lieben ihre Netzwerke: 16- bis 24-Jährige investieren  2,7 Stunden täglich in Social Media, die 25- bis 34-Jährigen knapp 2,2 Stunden. Die Plattformen werden zu Zeitfressern (siehe Grafik); andere Online-Aktivitäten wie etwa Online Videos oder News liegen weit hinter den Social Networks zurück, was den täglichen Zeitaufwand der User betrifft.

Die enorme Popularität sozialer Networks zeigt sich auch in deren Nutzerzahlen. So gibt es rund 2,1 Milliarden aktive Social-Media-Nutzer, davon allein 1,3 Milliarden mobile Facebook Nutzer. Mehr als 70 Prozent aller Erwachsenen sollen Facebook-Nutzer sein. Ebenfalls beeindruckend: 60 Millionen neue Fotos werden jeden Tag auf Instagram geladen. Bei YouTube sind es pro Minute mehr als 300 Stunden (!) neues Videomaterial. 

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Helvetische Digitalisierung: Google statt Migros, Toblerone, Victorinox

Die Digitalisierung spielt in der Schweiz auch im internationalen Vergleich eine sehr bedeutende Rolle – sowohl auf privater als auch auf geschäftlicher Ebene. Zwei Beispiele dafür: Google, ein Unternehmen aus dem amerikanischen Silicon Valley, ist neu die stärkste Marke der Schweiz und lässt namhafte und bodenständig helvetische Firmen wie Migros, Toblerone oder Victorinox hinter sich - und altmodisch aussehen. Das zweite Beispiel: Fast die Hälfte aller Schweizer surft mit einem Tablet im Netz. Damit belegt das Land weltweit den Spitzenplatz.

Quelle: Media Use Index 2015, Y&R Group 2015. Anklicken zum Vergrössern.
Herkunft und Verankerung spielen zwar für die Stärke einer Marke in der Schweiz eine wichtige Rolle. Geschäftserfolg und digitale Mediendurchdringung scheinen aber heutzutage noch wichtiger zu sein. Deshalb ist Google, ein kalifornisches Unternehmen, das erst 17 Jahre alt ist, jetzt die stärkste Marke in der Schweiz und verdrängt die Spitzenreiterin 2013, die Migros, auf den zweiten Platz. An dritter Stelle folgt die Rega, welche 2013 den 4. Rang belegte.
Digitales Gewicht zählt nicht nur im Bereich der Schweizer Wirtschaft. Auch im privaten Verhalten hat sich in den letzten Jahren so einiges geändert. Smartphones und Tablets erschienen vor einigen Jahren sozusagen aus dem Nichts im digitalen Panoptikum – und dominieren seither unser Kommunikationsverhalten. Das unterstreicht aktuell eine Studie der Y&R Group Switzerland:
Die mobile Internetnutzung nimmt in der Schweiz weiter zu. 85 Prozent der Befragten nutzen ihr Smartphone oder Tablet, um mobil zu surfen. Inzwischen sind mehr als die Hälfte der Digital Natives öfter via Smartphone im Internet als per Computer. Auf hohem Niveau stabil ist die Internetnutzung per Computer, während die TV-Nutzung leicht rückläufig ist. Dies ist wahrscheinlich auf die stärkere Nutzung von Streaming und Video on Demand  zurückzuführen sein. Radio und Gratiszeitungen werden von zwei Drittel der Schweizer konsumiert, während bezahlte Tagesnews von nur 50 Prozent der Befragten gelesen werden.

Die Schweizer lassen sich natürlich nicht lumpen, wenn es um technische Neuheiten geht. 82 Prozent der Bevölkerung verfügen über ein eigenes Smartphone. Bei den Digital Natives sind es sogar 91 Prozent, während ältere User mit 70 Prozent weiter aufholen. Über alle Generationen hinweg hat der Besitz von Tablets um 11 Prozent zugenommen und liegt neu bei 50 Prozent. Kein Wunder: Mobiles Surfen liegt voll im Trend: Im Segment der 14- bis 29jährigen surfen 95 Prozent mobil. Am stärksten ist das Wachstum der mobilen Internetnutzung bei den älteren Semestern. 71 Prozent der über 55-Jährigen surfen mittlerweile mit einem mobilen Endgerät im Netz. Das entspricht einem Anstieg von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Montag, 19. Oktober 2015

Diese Werbung müssen Sie sich ansehen!

Ob die Strategie wohl aufgehen wird? Das grösste Boulevard-Blatt Deutschlands will die Leser seines Internetangebots zwingen, die mitgelieferte Werbung anzusehen. Wer einen Werbeblocker eingeschaltet hat, wird gesperrt. Damit blockiert der Axel Springer Verlag ungefähr 25 Prozent seiner digitalen Leser. Ob das eine erfolgsversprechende Strategie ist?

Die Macher von bild.de möchten ihre Leser dazu zwingen, Werbung anzusehen.
                                                                                                        Screenshot bild.de
Es ist wohl unbestritten; Am erfolgreichsten ist jene Werbung, die vom Konsumenten sozusagen nebenbei, vielleicht sogar unbewusst aufgenommen wird. TV-Unterbrecherwerbung zum Beispiel ist so ziemlich genau das Gegenteil: Immer wenn es spannend wird, werden Werbespots serviert, die gar nichts mit den Inhalten zu tun haben, die sich der Zuschauer eigentlich anschauen will. Das ist bestimmt einer der Gründe dafür, dass Fernsehen gesamthaft immer mehr Zuschauer verliert. Ähnliches gilt im Internet: Wer keine Werbung sehen will, kann einen Adblocker installieren und spart dadurch Zeit, Bandbreite und Nerven.  Diese Leser gehören definitiv nicht zum Zielpublikum der Werbebranche. Beim grossen Deutschen Axel-Springer-Verlag scheint man das allerdings nicht begriffen zu haben. Das wunderbare Geschäftsmodell der letzten 50 Jahre ist zusammengebrochen, Werbung kann digital blockiert werden und Zeitungen kann man auf dem PC lesen, ohne dass man sie kauft. Deshalb will man jetzt bei bild.de die Leser zwingen, sich die Internetwerbung anzusehen – auch wenn sie nicht daran interessiert sind. Wer also bild.de mit einem Adblocker aufruft, sieht die folgende Nachricht:
“Sie sehen diese Seite, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben. Deaktivieren Sie diesen bitte für BILD.de, um unsere Artikel wieder lesen zu können. BILD bietet Ihnen Nachrichten rund um die Uhr. Unsere 500 Reporter berichten für Sie aus aller Welt. Um das zu ermöglichen, sind wir auch auf Werbeeinnahmen angewiesen. Ihr Adblocker sperrt die Werbung auf BILD.de. Doch ohne Erlöse aus dem Verkauf von Werbeplätzen können wir die Arbeit unserer Journalisten nicht finanzieren.“
Wie golem.de berichtet, ist diese drastische Massnahme auf einen verlorenen Prozess zurückzuführen:
“ Damit zieht der Verlag eine drastische Konsequenz aus der juristischen Niederlage, die er im September 2015 vor dem Landgericht Köln gegen den Werbeblocker Adblock Plus erlitten hatte. Nach Verfahren in München und Hamburg hatten auch die Kölner Richter festgestellt, dass der Adblocker und das damit verbundene Geschäftsmodell der Kölner Eyeo GmbH legal sei. Axel Springer hält sowohl das Unterdrücken von Werbung als auch das Angebot des Whitelisting, bei dem sich große Verlage von der Werbeblockade freikaufen können, für rechtswidrig…“
Bei Bild verspricht man sich von dieser Strategie offensichtlich mehr Einnahmen. Allerdings geht der Trend im Internet genau in die gegenteilige Richtung. Auf Youtube und auch anderen Websites machen es Videowerber den Zuschauern zum Beispiel möglich, Werbespots, die sie nicht ansehen wollen, zu überspringen. Wohl weil das Berieseln uninteressierter Kunden zum Vornherein fruchtlos ist. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie lange Axel Springer die Blockade seiner bild.de-Site aufrecht erhalten kann.

Freitag, 2. Oktober 2015

Autopilot für Lastwagen: Das Ende der Elefantenrennen?

Auf einer deutschen Autobahn in der Nähe des Flughafens Stuttgart lässt Daimler Trucks heute den weltweit ersten automatisiert fahrenden Serien-Lastwagen über die Autobahn rollen. Beim Lkw handelt es sich um einen Mercedes-Benz Actros mit Highway Pilot-System. Die heutige Fahrt ist selbstverständlich nur der Anfang. Materialtransporte werden im digitalen Zeitalter immer öfter automatisch gelenkt werden und autonom fahren.

Weniger Unfälle - weil der Lkw-Fahrer die Hände nicht am Steuer hat.
                                                                                                                  Bild Daimler
Wenn Sie morgen auf der Autobahn unterwegs sind, müssen Sie sich noch nicht fragen, ob der Lastwagen vor oder hinter Ihnen automatisch gelenkt wird oder nicht – aber es wird nicht lange dauern, bis diese Frage durchaus berechtigt sein wird. Die Kombination bewährter und bestehender Assistenz- und Sicherheitssysteme und Sensoren der neuen Generation, ermöglicht dem Daimler Lastwagen mit Highway Pilot-System schon heute den gesamten Bereich vor dem Fahrzeug ständig zu beobachten und in bestimmten Situationen selbst das Steuer zu übernehmen. Sobald sich der Lkw in den fließenden Verkehr auf der rechten Fahrspur der Autobahn eingeordnet hat, heißt es “Highway Pilot On“ und das System bietet an, den Fahrbetrieb zu übernehmen. Der Fahrer kann durch Knopfdruck bestätigen. Akkurat hält der Actros die Fahrspur und den optimalen Abstand auf das Fahrzeug vor ihm. Wird der Abstand zu gering oder schert ein Fahrzeug vor ihm auf die Fahrbahn ein, bremst der Lkw ab. Nähert sich der Lastwagen einem Hindernis, zum Beispiel einer Baustelle, fordert das System den Fahrer zur Übernahme des Fahrzeugs auf. Liegt die Baustelle hinter dem Lkw, kann der Highway Pilot abermals die Führung des Fahrzeugs übernehmen. Daimler beschreibt die Funktion des autonomen Lastwagens wie folgt:
“Der Mercedes-Benz Actros ist ausgestattet mit dem 12,8 l Motor, OM 471 und allen bewährten Assistenz- und Sicherheitssystemen, wie Mercedes PowerShift 3, Predictive Powertrain Control (PPC), Active Brake Assist 3, Abstandhalte-Assistent, Aufmerksamkeits-Assistent und ein Fleetboard Fahrzeugrechner. Diese Systeme sind verknüpft mit den Sensoren des Highway Pilot – Radar und Stereokamera. Die gesamte Technik des Actros mit Highway Pilot befindet sich also im Fahrzeug, der Lkw benötigt für seine automatisierte Fahrfunktion kein Internet. Das System ist ideal für die Autobahn: Es hält den korrekten Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und bremst rechtzeitig, wenn ein anderes Fahrzeug vor ihm auf die Fahr­bahn einschert. Der Highway Pilot ersetzt den Fahrer nicht, sondern unter­stützt und entlastet ihn, indem er ihm monotone Fahrstrecken abnimmt und das nervenraubende Stop-and-go-Fahren im Stau übernimmt. Der Fahrer hat im autonomen Fahrbetrieb jederzeit die Kontrolle über den Lkw und kann in kniffligen Situationen wieder selbst die Führung des Fahrzeugs überneh­men. Die Redundanz in der Sensorik und ausfallsichere Komponenten wie Lenkung und Bremsen garantieren einen extrem hohen Sicherheits­standard. Sind die Mindestvoraussetzungen für das System aufgrund schlechten Wetters oder fehlender Fahrbahnmarkierung nicht gegeben, fordert der Highway Pilot den Fahrer durch akustische und optische Signale zur manuellen Übernahme auf. Der Fahrer hat für die Übernahme der Fahraufgabe ausreichend Zeit. Erfolgt keine Reaktion des Fahrers bringt sich der Lkw selbständig und sicher zum Stillstand.“

Etwa zwei Drittel aller Unfälle im Straßenverkehr sind Auffahrunfälle und Unfälle durch unbeabsichtigtes Abkommen von der Fahrspur. Häufig sind Müdigkeit, Ablenkung und Fahrfehler die Ursachen. Darin sei der Highway Pilot jedem Menschen überlegen, schreibt Daimler. 

Dienstag, 29. September 2015

Online-Dating ist voll im Trend – Ashley Madison hin oder her

Am Schweizer Online-Dating-Markt herrscht solide Konjunktur: Mit 37,6 Millionen Gesamtumsatz verzeichnete die Branche 2014 ein Plus von 2,5 Mio. Schweizer Franken oder 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Grossen Anteil an der positiven Entwicklung haben einzelne Marktführer wie Parship, die über intensive Marketing-Kampagnen den Werbedruck in der Branche angeheizt haben und dadurch einen deutlichen Umsatzvorsprung verzeichneten. Gesamthaft gibt es aber hunderte von Anbietern, die sich um die monatlich rund 650‘000 Schweizer reissen, die per Internet Sex, Partnerschaft oder gar Liebe suchen.

Online-Dating-Umsatz in Schweizerfranken pro Einwohner.
Die Zahlen kommen vom Portal Singelboersen-vergleich.ch, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Online-Treffpunkte in der Schweiz zu sortieren und zu testen. Im Jahr 2014 hätten die Singlebörsen-Anbieter den Schwerpunkt darauf gelegt, ihre mobilen Angebote auf verkaufspsychologischer und technischer Ebene zu optimieren. Damit sei es ihnen geglückt, das Gefälle zwischen hoher Nutzungsintensität und geringer Zahlungsmentalität zu überwinden. Denn: Obgleich die Singles der Smartphone-Generation permanent und überall flirten, liessen sich Einnahmen durch mobile User immer noch deutlich schwieriger erzielen als über PC und Notebook, teilt das Vergleichsportal mit.
Gleich zwei grosse Dating-Portale waren im Sommer 2015 einem Datendiebstahl in grossem Umfang ausgesetzt, zuerst AdultFriendFinder , dann AshleyMadison; beides Portale, bei denen es um schnelle Sexkontakte ging. Diese Datendiebstähle, die für viele User sehr peinlich waren und auch schwerwiegende Folgen hatten, scheinen sich nicht auf das Bedürfnis der digitalen Sextouristen ausgewirkt zu haben: Laut singleboersen-vergleich.ch haben die meisten User auch nach der Veröffentlichung von Millionen persönlicher Mitgliederdaten die Suche nach unverbindlichen Affären im Web unbeirrt fortgesetzt: Im August und September habe es sogar noch mehr Registrierungen als vor dem Daten-Hack gegeben. Auch die Tatsache, dass die Anbieter derartiger Portale scheinbar gerne mit gezinkten Karten spielen, wie durch die Ashley-Madison-Affäre und eine aktuelle Kontroverse um lovoo bekannt wurde, scheint sich nicht negativ auf das Geschäft auszuwirken, wie auf singelboersen-vergleich.ch nachzulesen ist:
“In der Schweiz gibt es einige Hundert Single-Portale, die meisten sind jedoch kleine Kontaktanzeigen-Seiten. Immerhin 21 Anbietern ist es inzwischen gelungen, über 100‘000 Mitglieder zu gewinnen. […] Aktuell begeben sich monatlich rund 660‘000 Schweizer online auf Partnersuche, gut 15% mehr als noch vor drei Jahren. Ein Grossteil des Zuwachses an Usern geht auf die junge Generation der Social-Dating-Services wie lovoo und Badoo zurück. Die coolen Flirt-Apps erschliessen neue Zielgruppen wie die 18+Dater oder Singles mit Migrationshintergrund und animieren darüber hinaus auch Singles ohne dezidierten Partnerwunsch, ‹einfach mal mitzumachen›.Zu den genannten Zahlen kommen monatlich 480‘000 Nutzer im Bereich «Adult-Dating» sowie rund 40‘000 Nutzer von GayDating-Services hinzu."
Die komplette Studie kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Samstag, 26. September 2015

Wann wird denn noch gearbeitet?

Es sind erstaunliche Zahlen, die da in neuen Studien gemeldet werden: Durchschnittliche Anwender verbringen täglich fünf bis sechs Stunden damit, ihre E-Mails zu erledigen, zu checken, zu lesen, zu schreiben oder weiterzuleiten. Haben wir nicht mehrfach gelesen, E-Mail liege auf dem Sterbebett?

E-Mail-Kommunikation: Zeitraubend oder rationell?                               Bild PfW
E-Mail ist quicklebendig, das zeigen Studien von Adobe und Radicati, einem Silicon-Valley-Unternehmen. Die meisten E-Mail-User glauben, dass sie in Zukunft noch mehr Zeit für die Kommunikation per E-Mail aufwenden werden. Die steigende Mobilität der User trägt zu dieser E-Mail-Popularität bei; mit dem Smartphone kann man nun auch im Zug oder gar auf der Toilette oder beim Autofahren E-Mails lesen (ganze 13 Prozent geben zu, dass sie dies tun):
Neun von zehn Befragten checken ihre privaten E-Mails von der Arbeit aus und umgekehrt. Im Durchschnitt verbringen sie mehr als sechs Stunden pro Tag damit, ihre E-Mails zu durchforsten. Kein Wunder – 46 Prozent durchforsten ihren Posteingang beim Fernsehen, 43 Prozent während des Urlaubs und 33 Prozent lesen ihre Mails am liebsten im Bett. Und auch im Badezimmer sind immer noch 19 Prozent der Nutzer in ihre E-Mails vertieft. Gefährlich: 13 Prozent lesen ihre E-Mails, während sie am Steuer sitzen.“
(Das sind die Zahlen aus Deutschland. In den USA sind es sogar 18 Prozent, die Ihre E-Mails beim Autofahren lesen und 42 Prozent, die das im Badezimmer tun.)
Die Frage ist nur: Bleibt denn auch noch Zeit zum Arbeiten? Nun ja, ein bisschen Zeit bleibt schon noch, wie die Umfrage bei deutschen Arbeitnehmern fand:
Selbst in Zeiten boomender Collaboration und umgreifender „Simplify your life“-Strategien verbringen die Deutschen nahezu 5 Stunden pro Tag damit, ihre E-Mails zu checken. Auf die Arbeitswoche gesehen sind das immerhin beachtliche 25 Stunden. Kein Wunder: Für knapp jeden fünften deutschen Büroarbeiter gilt die E-Mail auch heute noch als bevorzugter Kanal, um mit den Kollegen zu kommunizieren…“
Es ist kein Wunder, dass E-Mail so viel Zeit in Anspruch nimmt: Eine Radicati-Studie rechnet vor, dass im letzten Jahr jeder geschäftliche User durchschnittlich 121 E-Mails verschickt hat – jeden Tag.