Montag, 1. Juni 2015

Verstopft Netflix schon bald die Datenautobahn?

Die Erfolgsstory des Videostreaming-Dienstes Netflix ist beeindruckend: In den USA ist das Unternehmen schon fast in jedem zweiten Haushalt, und weltweit beziehen zwischen 60 und 70 Millionen Abonnenten ihre Videos von Netflix. Das seien gerade mal ein Prozent aller Smartphone-User, vermerkt Reed Hasting, Gründer und Miteigentümer des Unternehmens. Das Netflix-Potential ist also absolut enorm – nur schade, dass der Erfolg jetzt schon zu Staus im Internet führt.

Mit Netflix schwappt eine Welle amerikanischer "TV-Kultur" auf Europa und die
Schweiz über. Das Angebot braucht viel Platz im Internet.                            Netflix
Auch im Internet gibt es Stosszeiten. Diese entsprechen ziemlich genau jenen Abendstunden, während denen sich die Familie im vordigitalen Zeitalter vor den Fernseher gesetzt hat, um sich anzuschauen, was von den TV-Sendern gerade serviert wurde. Heute sind diese Abendstunden dem Video-Streaming gewidmet – meistens durch Netflix. Eine neue Untersuchung des Networkspezialisten Sandvine zeigt, dass Netflix während dieser Spitzenzeiten in den USA rund 37 Prozent aller Bandbreiten auffrisst. Dazu kommen weitere Streaming-Anbieter, wie zum Beispiel HBO, die zusätzliche vier Prozent der Bandbreite für sich beanspruchen wenn’s brummt – zum Beispiel beim Start der neuen Game-of-Thrones-Saison.   
Was bedeutet dieser enorme Datenverkehr für die Zukunft des Internets?
Wissenschaftler sagen voraus, dass die Daten in etwa fünf Jahren im Stau des Internets stecken bleiben werden – falls die Entwicklung wie bis anhin weitergeht und keine technischen Verbesserungen getroffen werden. Momentan haben die Hauptstränge des weltweiten Internets, auch “Backbone“ genannt, eine Kapazität von rund 100 Terabits pro Sekunde (ein Terabit entspricht 1‘000 Gigabits). Da scheint die Streaming-Kultur jetzt schon manchmal an ihre Grenzen zu stossen.
Bei Netflix nimmt ein einstündiger Film in niedriger Auflösung etwa 1 Gigabyte in Anspruch. Wer sich das Video in HD anschaut verbraucht schon 3 Gygabyte, Ultra-HD braucht 7 Gigabyte. Kein Wunder wenn sich bei diesen Datenbezügen von Millionen von Usern mal was staut. Verschiedene Leser hätten sich nach der Einführung von Netflix über langsamere Verbindungen beklagt, berichtet beispielsweise eine grosse Österreichische Zeitung:
“Ob an den subjektiven Einschätzungen etwas dran ist, konnte nicht festgestellt werden. UPC [ein Provider] wollte auf Anfrage keine Informationen über diese Daten herausgeben. Was man jedoch im Hinterkopf haben sollte: bei Kabelanbietern werden Bandbreiten geteilt. Wenn in einer Gegend also beispielsweise viele UPC-Nutzer in den Abendstunden Netflix nutzen, sinkt die Bandbreite für die einzelnen Kunden. Ihre Internetverbindung wird langsamer.“
Auch Gamer sind von dieser Entwicklung mitbetroffen – und tragen selber dazu bei. Wie nämlich die neue Sandvine-Studie gemessen hat, kann die Neuausgabe eines Computerspiels zu gewaltigen Datenströmen führen. Beim Kriegsspiel “Call of Duty: Advanced Warfare“ nahmen die Gamer am Tag der Veröffentlichung der neusten Folge ganze 12 Prozent der Internet-Kapazitäten in Anspruch.



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