Freitag, 1. Mai 2015

Protzen und Schwindeln: Facebook & Co. und das gefälschte Leben

Golfen in der Toscana, ein toller Flirt oder ein spontaner Trip - glaubt man den Beiträgen in sozialen Netzwerken, geht  jedes Wochenende die grosse Party ab. Aber ist das wirklich so? Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage von lastminute.de hat jeder dritte Deutsche schon ähnliche Geschichten über Wochenend-Erlebnisse erfunden, und bei den 18- bis 24-jährigen gibt sogar knapp die Hälfte an, sich durch erschwindelte Aktivitäten interessanter zu machen . Deutschland ist somit im Europavergleich absoluter Spitzenreiter der "Wochenend-Schwindler" vor Spanien, Italien, England und Frankreich. (Die Schweiz war in der Umfrage nicht eingeschlossen.) Der Grund für das gefälschte Leben: die Angst davor, langweilig zu wirken oder mit den Aktivitäten der Freunde nicht mithalten zu können.

Da haben wir in England ein paar Tage mit Freunden verbracht - oder etwa doch
nicht?                                                                                                            Bild PfW 
Am Wochenende mutieren Facebook, Twitter und Co. zur digitalen Scheinwelt und zum Wettbewerb der Eitelkeiten.  Einer von sechs deutschen Usern gibt nämlich zu, schon mal einen oder mehrere Beiträge auf Social-Media-Kanälen über eine grossartige Wochenend-Aktivität gefälscht zu haben, oder aber mit seinen Beiträgen und Bildern bewusst zu protzen. Und es scheint sogar zu funktionieren: Jeder zehnte User wird nämlich gemäss eigenen Angaben neidisch, wenn er die Beiträge über aufregende Aktivitäten der anderen Nutzer in sozialen Netzwerken sieht.
Wer auf den zahlreichen verfügbaren Social-Media-Kanälen die Aktivitäten von echten und Möchtegern-Prominenten verfolgt, könnte schon mal unzufrieden werden: So ein Leben in der Mietwohnung mit 40-Stundenwoche und einem beschränkten Budget ist nun mal nicht mit dem Leben der Stars in Hollywood zu vergleichen. Da kann schon das Bedürfnis aufkommen, die Freizeit mit Action und Abenteuern vollpacken zu müssen. So überrascht es nicht, dass die häufigste Wochenendlüge der Deutschen der spontane und aufregende Wochenendtrip ist, den sich immerhin fast jeder Vierte schon einmal ausgedacht hat, um Freunde und Kollegen zu beeindrucken. Sage und schreibe vier Prozent dieser Schwindler haben sich am Sonntagabend nach eigenen Angaben noch schnell einen Selbstbräuner aufgetragen, um Montagmorgen vorgeben zu können, auf Reisen gewesen zu sein.
Und was geben die Schwindler für Gründe für Ihre Lügen an?
Ein Viertel von ihnen “möchte nicht, dass jemand denkt, sie wären langweilig“. Fast ein Viertel findet dass ihre Wochenenden im Vergleich zu Freunden und Bekannten nicht gut genug seien. Jeder sechste möchte bei den tollen Wochenend-Stories ihrer Freunde mitmachen können, und zehn bis zwölf Prozent möchten sich beliebter machen oder sehnen sich ganz einfach nach einem aufregenderen Leben. Facebook und Co. üben also, wie schon in früheren Studien nachgewiesen, viel sozialen Druck aus und können durchaus auch unzufrieden machen. 
Wir sind lastminute.de dankbar für diese Umfrage – nicht weil die Marketing-Strategie Sinn macht, sondern weil die Resultate einen lange gehegten Verdacht bestätigt haben. Um den schwerreichen Bernie Ecclestone zu zitieren: “ Jeder ist so ehrlich, wie er es sich leisten kann“ – das gilt auch für Facebook, Twitter und Instagram. 

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